Ostern verspätet

Schon am Karfreitag habe ich bemerkt, dass die Stimmung im Wikipedia IRC auf Sturm stand. Daraus geschlossen, dass das generell auf Leute zutrifft, die über Ostern, zwecks Mangel an Familie und so, im Internet herumhängen “müssen” und deshalb beschlossen über Ostern lieber nicht ins Netz zu gehen.

Was ist Ostern?

Ostern ist ein christliches Fest, bei dem die Auferstehung Jesu gefeiert wird. Karfreitag stirbt Jesus am Kreuz und drei Tage später steht er wieder auf.

Auferstehung Christi von Meister von Meßkirch um 1535/40, Lizenz:Public Domain

Auferstehung Christi von Meister von Meßkirch um 1535/40, Lizenz:Public Domain

Ursprung

Schon in vorchristlicher Zeit wurde am Frühlingsäquinoktium, der Tagundnachtgleiche, der Tag an dem die Sonne durch den Frühlingspunkt läuft und den Himmelsäquator von Süden nach Norden überschreitet, gefeiert. Dies passiert zwischen dem 19. und dem 21. März. Danach ist die Nordhalbkugel der Erde der Sonne zugewandt.

Der angelsächsischen Mönch und Kirchenhistoriker Beda (672/673– 26. Mai 735), erklärte das Wort “Easter” (Ostern) mit einer früheren germanischen Göttin namens “Eostra”, der der Monat “ôstarmânôt” gewidmet sei (De temporum ratione). Wenn zu Ehren dieser Göttin die Tagundnachtgleiche gefeiert worden wäre, hätte das allerdings der März sein müssen. Die Bezeichnung ôstarmânôt für den April wurde von Karl dem Grossen (* 2. April 747 oder 748, † 28. Januar 814) in dem vom ihm beherrschten Reich nach 781 eingeführt, weil “Ostern meist im April ist”.

Einhard schrieb 830 in der “Vita Karoli Magni” des Codex Vindobonensis 795, Kap. 29, dass Karl der Grosse sehr an seiner Muttersprache interessiert war, also am westgermanischen Idiom der Franken. Nach Einhard übersetzte Karl die lateinischen Bezeichnungen der Windrichtungen und die Monatsnamen selbst ins Fränkische, z. B. nannte er den Januar Wintermonat (Wintarmanoth), den Mai Weidemonat (Wunnimanoth), den Dezember Heiligmonat (Heilagmanoth). Die Monate wurden nach Ereignissen im Jahr, nach Tätigkeiten und Wetter bezeichnet.

Mit der Christianisierung wurde seit dem 6. Jahrhundert der von Julius Cäsar (* 13. Juli 100 v. Chr. in Rom, † 15. März 44 v. Chr. in Rom) eingeführte julianische Kalender benutzt. Die Sachsen wurden von Karl dem Grossen jedoch erst um 800 besiegt und christianisiert.

Eingedeutscht von Jacob Grimm wurde der Name der Göttin zu “Ostara”. Da Beda die einzige Quelle für die Existenz jener Göttin ist, nimmt man heute an, dass es sie niemals gab und dass das Wort “Ostern” von “Osten” (althochdeutsch “ostan”) stammt, wo bekanntlich die Sonne aufgeht.
Im anglophonen Bereich heisst Ostern “Easter” und da ost “east” heisst, ist auch hier der gleiche Zusammenhang gegeben. Das ist kein besonderes Wunder und beweist gar nichts, denn immerhin stammt das Englische zu grossen Teilen vom Altsächsischen ab (von damals noch, als die Angeln und Sachsen , germanische Stämme, auf die Insel gingen und die Kelten ärgerten).

Paganisten verweisen hier manchmal darauf, dass es Ortsbezeichnungen mit der Präfix “east” in England gäbe. Dann müsste es ja auch eine Göttin Südara, Westara und Nordara gegeben haben, stattdessen gab es in der Völuspá (Kapitel 11) 4 Zwerge namens Norðri, Suðri, Austri und Vestri, die den Himmel in der jeweils angegebenen Richtung stützen und die Windrichtungen symbolisieren. Also keine Göttin, sondern ein Zwerg, vielleicht ja ein weiblicher Zwerg, aber das hören Zwerge ja angeblich nicht gern (kleiner Witz).

The goddess is a dwarf, romantic depiction from the 19th century, licence: Public Domain

Die Göttin ist ein Zwerg, romantische Darstellung aus dem 19. Jahrhundert. Lizenz: Public Domain

Das orthodoxe Osterfest und das Osterfest in allen nicht anglophonen oder deutschsprachigen Ländern, wird Pascha genannt (oder hat eine Bezeichnung die von Pascha abgeleitet ist). Pascha heisst aber nicht “Osten” sondern ist die lateinisierte Form von “Pessach” was erstens “vorüberschreiten” heisst und zweitens das jüdische Fest des Auszugs aus Ägypten ist. Pessach dauert eine Woche und wird 2009 vom 9.–16. April gefeiert.
Nach dem Neuen Testament wurde Christus in der Pessachwoche gekreuzigt, was das Zusammenfallen der Feste erklärt. Angeblich sind Elemente des Pessachfestes in christlichen Osterriten und in der Liturgie der Osternachtsfeier enthalten (z.B. Osterkerzen und Osterlämmer), die in einigen christlichen Kirchen gefeiert wird.

Osterkerzen aus Holland 2008, von WaxArtStudio, Lizenz: Public Domain

Osterkerzen aus Holland 2008, von WaxArtStudio, Lizenz: Public Domain

Obwohl da auch Germanen wohnten heisst Ostern in Dänemark und Norwegen “Påske” und in Schweden “Påsk”, was offensichtlich von Pessach/Pascha kommt und nicht von Osten.

heidnische Relikte?

Osterfeuer in Gröben Brandenburg, Foto von Lienhard Schulz, Lizenz:CC by SA

Osterfeuer in Gröben Brandenburg, Foto von Lienhard Schulz, Lizenz:CC by SA


In Deutschland erinnern einige Osterbräuche noch an heidnische Sonnwendfeste. Dazu gehört das Osterfeuer, das in vielen Regionen Deutschlands traditionell am Ostersamstag entzündet wird, und das Osterrad, das vor allem in Norddeutschland, im Harz und im österreichischen Alpengebiet brennend von den Bergen herunterrollt und somit die Sonnenscheibe symbolisiert. Für die lippische Stadt Lügde im Weserbergland ist die Tradition des Osterrades, seit 784 n. Chr. belegt.

rollendes Osterrad in Lüdge, Foto von Nifoto, Lizenz: Public Domain

rollendes Osterrad in Lüdge, Foto von Nifoto, Lizenz: Public Domain

Pysanky sind ukrainische Ostereier, die es schon vor der ukrainischen Christianisierung in 988 gab. Ihre traditionellen Verzierungen wurden nach der Christianisierung teilweise geändert, teilweise anders interpretiert. In vorchristlicher Zeit galt das Pysanka als magisches Mittel um böse Geister zu verscheuchen, eine gute Ernte zu bewirken und Glück zu bringen.
Die beliebtesten Ornamente auf Pysanky sind geometrische Formen, Dreiecke, die die Elemente repräsentierten (und nun die Dreieinigkeit), Diamanten, als Symbole von Wissen und Spiralen, die das Mysterium von Leben und Tod repräsentieren, sowie die Unsterblichkeit.
Punkte symbolisierten Sterne und Kuckuckseier, die wiederum für den Frühling standen.

Pysanka Museum in Kolomiya, Ukraine. Foto von L Petrusha, Lizenz: CC by SA

Pysanka Museum in Kolomiya, Ukraine. Foto von L Petrusha, Lizenz: CC by SA

Im 12. Jahrhundert wurden Eier in der Ostermesse von Priestern gesegnet (“benedictio ovorum”). Sie sollten an die Auferstehung Christi erinnern. 1553 wird von roten Eiern bei der österlichen Speisenweihe berichtet.
Eier waren als “flüssiges Fleisch” in der Fastenzeit verboten und wurden gekocht um sie haltbar zu machen, deshalb gab es nach der Fastenzeit viele gekochte Eier.

An einer Stelle der Bibel, dem Psalm 104,18 der Einheitsübersetzung, wird in älteren Übersetzungen von “Hasen” geredet, weil das hebräische “šafan” (Klippschliefer) mit “lepusculus” (Häschen) übersetzt worden war, weil es keine Klippschliefer nördlich des Mittelmeeres gab.
Diese Stelle wurde als Symbol für den schwachen Menschen (Hase) interpretiert, der seine Zuflucht im Felsen (Christus) sucht. Diese Auslegung begründete die Hasensymbolik in der christlichen Ikonographie. Ist mir aber trotzdem schleierhaft wieso daraus der Osterhase geworden sein soll.

Eventuell ist mal wieder Luther am Osterhasen Schuld, bzw. am Zusammenhang der Eier mit Hasen. Das protestantische städtische Bürgertum entwickelte ab etwa 1700 den Brauch des Ostereiersuchens. Das könnte daran liegen, dass die Katholiken in der Fastenzeit keine Eier assen, es also einen “Eierüberhang” gab, der von den Evangelen gegessen werden konnte, die ihren Kindern nicht sagen wollten, dass es einen katholischen Brauch des Fastens gab. Deshalb hätten sie zur Erklärung dieses Phänomens den Osterhasen erfunden. Das klingt zwar möglich aber auch sehr kompliziert und setzt voraus, dass katholische Kinder nicht mit evangelischen Kindern reden, was eher unwahrscheinlich ist. Eltern ist andererseits zuzutrauen, dass sie sich komische Ausreden ausdenken damit die Kinder still sind.

Da eines der Attributstiere von Aphrodite der Hase ist, wird auch angenommen, dass er aus der griechischen Antike übernommen wurde, dazu muss man sagen, dass Aphrodite ursprünglich als Fruchtbarkeitsgöttin verehrt wurde, jedoch später als Göttin der Liebe, der Schönheit und der sinnlichen Begierde. Der Hase allerdings ist ein Symbol für körperliche Liebe. Vergleichbar mit der modernen Bedeutung des Kaninchens. Deshalb hinkt auch dieser Erklärungsansatz etwas.

Der Osterhase bleibt weiter mysteriös. Hätte es ein Osterklippschliefer sein sollen? Sollen wir an Ostern rammeln wie die Kaninchen? Da ist in der Tat genauso plausibel (vielleicht sogar plausibler), dass wir unseren Kindern verschweigen warum sie so viele Eier essen sollen.

Hase nach der Eiablage, Foto von Gerbil, Lizenz:Gnu freie Dokumentation

Hase nach der Eiablage, Foto von Gerbil, Lizenz:Gnu freie Dokumentation

Quellen:
Osterräder in Lügde

Wikipedia zu Pessach

Wikipedia über Ostara

Monat im kirchlichen Festjahr

Beda in der englischen Wikipedia

Alte Datums- und Zeitangaben / Monatsnamen

Monatsnamen, Seite 2 des pdf

Völuspa

Die hohen Berge gehören dem Steinböck, dem Klippdachs bieten die Felsen Zuflucht.

Ova Paschalia-über den Sinn österlicher Eier

traditional pysanky

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