William Aetheling und die Titanic des 12. Jahrhunderts

William Aetheling (* vor 1103, † 1120) war der einzige legitime Sohn von Henry I. von England (* um 1068, † 1135). Henry I. hatte sehr viele illegitime Söhne, aber die hatten keinen Anrecht auf den Thron. Der Beiname Aetheling kommt vom altenglischen “æþeling” was soviel bedeutet wie “kleiner Edler”, es war im angelsächsischen England der Titel für den legitimen Thronfolger.

England und Frankreich zur Zeit Henry I. von England, Karte 11 des The Public Schools Historical Atlas von Charles Colbeck. Longmans, Green; New York; London; Bombay. 1905. public domain/gemeinfrei

England und Frankreich zur Zeit Henry I. von England, Karte 11 des "The Public Schools Historical Atlas" von Charles Colbeck. Longmans, Green; New York; London; Bombay. 1905. public domain/gemeinfrei

Leben

Henry I. bemühte sich nach Kräften den Thronanspruch seines Sohnes für England und die Normandie zu festigen. William wurde 1113 im zarten Alter von 10 Jahren mit Isabelle von Anjou († 1154) verlobt.

Henry I. versammelte normannische Edle im Jahre 1115 und forderte von ihnen, dass sie William den Lehnseid leisteten. Damit verletzte Henry I. die Rechte von William Clito (* 1102, † 1128), seinem Neffen. 1116 veranstaltete William eine ähnliche Versammlung in England. Adelige und “grosse Herren” leisteten William den Lehnseid.

william aetheling und seine family, british library

William Aetheling (links) und seine Familie, Illustration aus dem 13. Jahrhundert, aud der British Library, public domain/gemeinfrei

Im Mai 1119 setzte William von England in die Normandie über. Im Juni fand die Heirat mit Isabelle von Anjou in Lisieux statt.

Im August befand sich Louis VI. von Frankreich in Les Andelys, einem Ort in Eure. Er führte Krieg gegen die Normandie, William Clito an seiner Seite. Er wusste nicht, dass das Heer von Henry I. und William Aetheling schon ganz nah war. In der Nähe von Andelys gab es ein Feld namens Brémule, dort trafen sich die Heere. Der überraschte Louis VI. verlor die Schlacht, er floh. Henry I. schickte ihm grosszügig sein Pferd zurück und William Aetheling schickte William Clito dessen Pferd und ein paar Geschenke.

Danach erkannte Louis VI. den Anspruch William Aethelings auf das Herzogtum Normandie an.

Schlacht von Brémule, anonymus, aus den Grandes Chroniques de France, 14. Jahrhundert, der mit den blauen Klamotten soll Louis sein, public domain/gemeinfrei

Schlacht von Brémule, anonymus, aus den Grandes Chroniques de France, 14. Jahrhundert, public domain/gemeinfrei

die blanche-nef

Am 25. November 1120 brachen die Schiffe Henry I. von Barfleur aus zurück nach England auf. Henrys Schiff fuhr als erstes, die meisten Barone befanden sich jedoch auf dem Schiff von William Aetheling, der Blanche -Nef (weisses Schiff). Fast 300 Personen befanden sich auf ihr. Man hatte reichlich getrunken und die betrunkene Meute verlangte das Schiff des Königs einzuholen. Stattdessen fuhren sie auf einen Fels, der Fels riss ein Leck in das Schiff. Das Schiff ging so schnell unter, dass nur zwei Männer sich retten konnten indem sie sich an die Rahe klammerten. Ein Schlachter namens Bérold und ein junger Adeliger namens Goisfred, Sohn von Gislebert de L’Aigle. Die Nacht war eisig kalt. Goisfred musste wegen der Kälte nach ein paar Stunden aufgeben und versank in den eisigen Fluten. Am Morgen wurde Bérold von drei Fischern gerettet. An Land erzählte er die Geschichte einem Geistlichen. Er lebte noch 20 Jahre lang bei guter Gesundheit weiter.

Untergang der Blanche-Nef, anonymus, aus Cotton Claudius dii  f45v, 12. Jahrhundert, public domain/gemeinfrei

Untergang der Blanche-Nef, anonymus, aus Cotton Claudius dii f45v,British Library, 12. Jahrhundert, public domain/gemeinfrei

die Folgen

Henry I. hatte nun keinen legitimen Nachkommen mehr, einer seiner illegitimen Söhne und eine illegitime Tochter waren ebenfalls ertrunken. Er heiratete noch einmal schaffte es aber nicht mehr einen Thronfolger zu zeugen.

Henry I. verlangte deshalb von den Adeligen Englands, dass sie seiner Tochter Empress Maud (Matilda) die Treue schwören sollten. Sie wurde auch “Empress” genannt, weil sie die Ehefrau von Kaiser Heinrich V. war. Sie war nicht wirklich Kaiserin. Sie regierte zwar kurz über England wurde aber nicht gekrönt. Stephan von Blois machte ihr den Thron streitig und ein Erbfolgekrieg begann der England von 1135 bis 1154 ins Chaos stürzte.

Williams Frau Isabelle war auf einem anderen Schiff gefahren, ging als “Mathilde” in die Abtei Fontevrault und wurde dort 1150 Äbtissin.

Quellen

æþeling im englischen Wiktionary

Histoire de Normandie von Ordericus Vitalis, Band 4, erschienen bei J.-L.-J. Brière in Paris 1825-1827 Seiten:298+311+353-356 aus dem Lateinischen ins Französische übersetzt von Louis-François Du Bois (1773-1855) auf Gallica

King Stephen von Donald Matthew, erschienen bei der Continuum International Publishing Group 2002, Seite 51, ISBN=9781852852726 in Google Books (englisch)

Creative Commons LicenseDer Artikel William Aetheling und die Titanic des 12. Jahrhunderts ist in der Public Domain.

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