Tag des offenen Denkmals 2013, erster Teil: Château du Blanc-Buisson

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Hier heißt der Tag des offenen Denkmals „Journée de patrimoine“. Eigentlich „Journées“, Mehrzahl, denn der Samstag gehört dazu. Dieses Jahr unternahm ich am Sonntag etwas mit Alain und einer Freundin von ihm, Jeannine, aus einem Nachbardorf. Ich hätte mich wahrscheinlich auch meinen neuen Nachbarn anschließen können. Ich musste mich jedenfalls irgendwem anschließen, denn ich habe immer noch kein Auto und habs auch irgendwie aufgegeben. Ich habe jetzt ein Fahrrad. Das Tagesprogramm, das wir zu dritt absolvierten, hätte ich aber mit dem Fahrrad nicht absolvieren können, zumindest nicht in der kurzen Zeit.

Erstmal fuhren wir nach Saint-Pierre-du-Mesnil zur Burg Blanc-Buisson.

Alain und Jeannine habe ich gefragt ob ich Fotos von ihnen hochladen darf, ja ich darf. Da ich mich hier in Fotografenpose warf, machten die beiden sich bereit und Jeannine hastete zum Mäuerchen. Eigenes Foto, Lizenz: CC by-SA Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported

Alain und Jeannine habe ich gefragt ob ich Fotos von ihnen hochladen darf, ja ich darf. Da ich mich hier in Fotografenpose warf, machten die beiden sich bereit und Jeannine hastete zum Mäuerchen. Eigenes Foto, Lizenz: CC by-SA Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported

Alain und Jeannine, die sich brav in Positur gesetzt hat, und irgendwelche Leute vor dem Château du Blanc-Buisson. Eigenes Foto, Lizenz: CC by-SA/ Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported

Die Burg Blanc-Buisson wurde um 1290 in der Regierungszeit von Philipp dem Schönen erbaut. Die Burg ist ein seltenes Zeugnis der zugleich zivilen wie auch militärischen Architektur des Spätmittelalters im Pays d’Ouche. Über die Burg lässt sich außerdem sagen, dass sie anno 1355 angegriffen und dabei fast zerstört wurde. Ab 1470 war aber wieder Leben in der Bude. In den folgenden sieben Jahrhunderten wechselte das Gebäude dreimal die Besitzer, wurde aber nur einmal verkauft und ansonsten durch Hochzeit weitergegeben. Die Burg wurde nur wenig umgebaut.

Wehrmauer und ein dicker Burggraben. Eigenes Foto, Lizenz: CC by-SA/ Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported

Erbaut wurde die Burg für die Familie Collinet-Lecomte, die mit der Burg oder dem befestigten Haus, auch ihre Bauern schützen wollten. Das Hauptgebäude wurde aus Sandstein erbaut. Es ist L-förmig. Daran befindet sich ein quadratischer Donjon, ein Wohnturm. Quadratische Wohntürme sind für die Normandie typisch. Auf dem Donjon gibt es fünf Scharwachttürme und er ist schwer zugänglich, es führt nur eine enge Treppe hinauf. An den Seiten des Aufgangs sind Schießscharten sowie auch Löcher eingebaut, durch die man heißes Pech oder Fett auf etwaige Feinde schütten kann.

Links ist der Donjon, ich nenne das hier die „Drittseite“ der Burg, die mir insgesamt so vorkam, wie Plumpudding Castle aus Robbi, Tobbi und das Fliewatüüt, nämlich dreieckig, auch wenn der Eindruck natürlich falsch war. Eigenes Foto, Lizenz: CC by-SA/ Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported

Wie bei allen Burgen und Schlössern, so glauben die Anwohner auch diesmal, dass es einen Geheimgang aus der Burg heraus gibt. Ein Geheimgang, der irgendwo auf einem Feld endet. Das Gebäude ist von einer Burgmauer umgeben, die ebenfalls mit Schießscharten gespickt ist. An drei Seiten stehen kleine Verteidigungstürme auf der Mauer. Dreieckig, sag ich doch. Der Burggraben ist aber fünfeckig angelegt und kann nur über eine Zugbrücke betreten werden.

Hat etwas Verwunschenes mit den Rosenranken an der Mauer, finde ich. Eigenes Foto, Lizenz: CC by-SA/ Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported

Seit etwa zwanzig Jahren gehört die Burg der Familie La Fresnaye, die das Gebäude so gut wie möglich restauriert hat. Der junge Mann an der Bratspießdrehmaschine im folgenden Video ist der Sohn der Besitzerin.

Um zwei Mark fuffzig nebenbei zu verdienen, finden auf dem Gelände viele Veranstaltungen statt, Ausstellungen, Konzerte, mittelalterliche Spektakel.

Der Innenhof von Blanc-Buisson. Besonders schick finde ich den malerisch herumstehenden Hexenbesen. Eigenes Foto, Lizenz: CC by-SA/ Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported

1949 wurde die Burg in das Zusatzverzeichnis der französischen Monuments historiques (historische Denkmale) eingetragen und ist somit denkmalgeschützt. Ein bisschen umgebaut wurde die Burg im Laufe der Jahrhunderte schon, zuletzt im 18. Jahrhundert.

Zweitseite. Das da links sieht verdächtig nach einem Außenklo aus. Eigenes Foto, Lizenz: CC by-SA/ Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported

Der Schriftsteller Jean de la Varende schrieb über die Burg in seinen Romanen und nannte sie dort „La forêt claire“ (der helle Wald).

Der Park vom Donjon aus gesehen. Eigenes Foto, Lizenz: CC by-SA/ Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported

Der Park vom Donjon aus gesehen. Ein paar Bäume hat es schon. Eigenes Foto, Lizenz: CC by-SA/ Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported

Wir hingen besonders lange in der Küche herum, da Alain den dortigen Bratspießdrehautomaten restauriert hatte und daher mit den Besitzern bekannt ist. Außerdem schwatzten wir mit der dortigen Wächterin, wie ich eine unterbezahlte, dickliche Frau über 40.

In der Küche, eigenes Foto, Lizenz: CC by-SA/ Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported

In der Küche, eigenes Foto, Lizenz: CC by-SA/ Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported

Besonders schön fand ich ein hölzernes Relief im Donjon, das sehr nach 16. Jahrhundert aussieht.

Frau, Mann, Tod, alles was man so braucht. Eigenes Foto, Lizenz: CC by-SA/ Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported

Danach fuhren wir weiter nach Chamblac und da schreibe ich dann morgen drüber.

Weiterführende Informationen

Zweiter Eintrag in der Base Mérimée (französisch)

Franck Beaumont, Philippe Seydoux: Gentilhommières des pays de l’Eure. Editions de la Morande, Paris 1999, ISBN 2-902091-31-2 (formal falsche ISBN), S. 310–312 (französisch).

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7 thoughts on “Tag des offenen Denkmals 2013, erster Teil: Château du Blanc-Buisson

  1. What a fabulous place to visit.

  2. Imagine you could spend Howl-o-ween in such a castle, that would be great!!! Do you know when they will have the next medieval festival?

    • No idea, I guess next will be son et lumière with some kind of historic theatre and lightshow in May 2014. They announce “JUIN 2014 – DÎNER SPECTACLE SOUS CHAPITEAU”. There won’t be anything in winter. Winter in Normandy is just not very nice.

  3. Ein interessanter Bericht und eine sehr schöne Burg.
    Viele Grüße
    Traudi

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