Tag des offenen Denkmals 2013, zweiter Teil: Chamblac und Giverville

English version: here.

In Chamblac war das Schloss von Jean de la Varende leider zu. Aber dafür war die Kirche offen. Ein Mitglied des Gemeinderates führte uns herum und ließ uns nicht nur in den Glockenturm steigen, ich durfte sogar die Glocken läuten. In Chamblac haben sie nämlich kein elektrisches Geläut. Man oder Frau muss sich in die Seile hängen und ziehen, was das Zeug hält.

Alain und Jeannine marschieren in die Kirche Notre-Dame von Chamblac. Eigenes Foto, Lizenz: CC by-SA Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported

Da hängen die Seile. Eigenes Foto, Lizenz: CC by Creative Commons Attribution Unported

Wildes Bimmeln, Foto von Alain Cardinal

Wildes Bimmeln, Foto von Alain Cardinal

Und ziehen! Foto von Alain Cardinal.

Und ziehen! Foto von Alain Cardinal.

Die Kirche Notre-Dame (‚Unserer Lieben Frau‘) wurde im 16. Jahrhundert erbaut. Und die Gemeinde tut einiges, um die Kirche zu restaurieren und zu erhalten. In der Kirche gibt es kuriose Verzierungen an den Dachbalken. Mit meiner Kamera kann ich das leider nicht so gut fotografieren. Vielleicht kauf ich ja eines Tages eine Bessere. Bis dahin müsst ihr halt mit diesen Fotos auskommen.

Deckengesicht, 16. Jahrhundert. Eigenes Foto, Lizenz: gemeinfrei

Deckengesicht, 16. Jahrhundert. Eigenes Foto, Lizenz: gemeinfrei

In der Kirche gibt es Heiligenstatuen aus dem 14. bis 16. Jahrhundert. Von denen hab ich keine Fotos, es ist ein Jammer. Außerdem gab es einige Prozessionsfahnen der Confrérie de charité (‚Laienbruderschaft der Barmherzigkeit‘).

Prozessionsfahnen aus dem 19. Jahrhundert. Eigenes Foto, Lizenz: CC by-SA Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported

Dann kletterten wir in den Glockenturm. Er ist frisch restauriert aber trotzdem kann einem darin schwindelig werden. Zur Glocke geht es über eine Leiter. So hoch wollte ich aber nicht.

Da oben hängt die Glocke. Eigenes Foto, Lizenz: CC by-SA Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported

Danach fuhren wir weiter nach Giverville. Da war ich natürlich schon oft, aber noch nie in der Kirche. Ich zitier mich mal selbst: Die Pfarrkirche Notre-Dame stammt aus dem 16. Jahrhundert. Die Fassade besteht aus Hornstein und hellen Steinen, die im Schachbrettmuster angeordnet sind. Der Chor stammt aus dem 17. Jahrhundert. Einige der Fenster aus dem 16. Jahrhundert sind erhalten geblieben. Auf dem Friedhof an der Kirche stehen riesige alte Eiben. Das Taufbecken der Kirche stammt aus dem 13. Jahrhundert, es wurde 1912 als Monument historique (‚historisches Denkmal‘) klassifiziert. Das Altarretabel des nördlichen Seitenaltars stammt aus dem 17. Jahrhundert. Das Retabel ist im Stil des Bildhauers Michel Lourdel (1577-1676) gehalten. Es zeigt einen unterbrochenen Dreiecksgiebel der ein Heiligstes Herz Jesu umrahmt, das über einer Schale mit Früchten schwebt. Das Retabel wurde 1907 als Monument historique eingestuft. Fünf Verglasungen wurden 1922 von der damaligen Comtesse de Giverville gespendet. Sie wurden von Jean-Baptiste Devisme aus Rouen gefertigt. Der Portalvorbau der Kirche wurde 1817 angebaut.

Die Kirche Notre-Dame von Giverville. Eigenes Foto, Lizenz: CC by-SA Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported

Der Triumphbalken, 17. Jahrhundert. Eigenes Foto, Lizenz: CC by-SA Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported

Ein „Chercheur“ vom CNRS (Forscher heißen hier chercheur, ‚Sucher‘, was ich irgendwie übertrieben finde) hielt uns einen Vortrag.

Das Foto hängt schief. Eigenes Foto, Lizenz: CC by-SA Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported

Das Foto hängt schief. Eigenes Foto, Lizenz: CC by-SA Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported

Das Foto hängt schon wieder schief und ist britzelig. Eigenes Foto, Lizenz: CC by-SA Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported

Das Foto hängt schon wieder schief und ist britzelig. Eigenes Foto, Lizenz: CC by-SA Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported

Draußen an der Kirche fand ich ein interessantes Grab. François Guilbert, geboren 1757, war 1791 Vikar von Bazoques. Das war während der Französischen Revolution (1789-1799). Als er zum Staatspfarrer von Fontaine-la-Louvet gewählt wurde, weigerte er sich und floh 1792 nach England. Nach der Revolution kam er zurück und wurde Pfarrer von Giverville, wo er 1819 verstarb.

Grab eines rebellischen Pastors. Eigenes Foto, Lizenz: CC by-SA Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported

Sehr schick fand ich die zahlreichen Sachen der Confrérie de charité, die übrigens in Giverville heute noch aktiv ist. Die Bruderschaften waren früher hauptsächlich für Beerdigungen zuständig. Der oder die Tote wurde an den Armen aus dem eigenen Haus bis zur Kirche geschleift und dort in einen Sarg gelegt. Der Sarg wurde mit einem bestickten Bahrtuch geschmückt. Dann wurde der Sarg aus der „Paradiespforte“ hinausgetragen, der Südtür der Kirche, die die Seele, mit Hilfe der heiligen Eibe direkt in das Paradies befördern sollte. Ob das so geklappt hat, würden wir nur in einer spiritistischen Sitzung erfahren können. Nein, das meine ich nicht ernst, das mit der spiritistischen Sitzung, den Rest schon.

Diese Tür führt ins Paradies. Das Schloss sieht auch so aus, als sei es vor der Sintflut angefertigt worden. Eigenes Foto, Lizenz: CC by-SA Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported

Bahrtuch, im Hintergrund andere Kleidungsstücke und Handglocken, sowie ein herzzerreißendes Bild. Eigenes Foto, Lizenz: CC by-SA Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported

Anziehsachen der Charitons. Eigenes Foto, Lizenz: CC by-SA Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported

Aber besonders klasse fand ich das Gemälde aus dem 19. Jahrhundert. Im Laufe ihrer Geschichte lagen die Confréries de charité oftmals im Clinch mit der Kirche. Sie nahmen sich manchmal einiges heraus und taten so, als seien sie die Wichtigsten auf den Beerdigungen. Sie trieben mehr Pomp als der Pfarrer. Daher bekamen sie auch gelegentlich einen Rüffel. Ich schreib mal wieder von mir selbst ab: m Zuge des Konkordats von 1801 wurden die Confréries de charité wieder erlaubt. 1805 veröffentlichte Jean-Baptiste Boulier, der Bischof von Évreux, das Regelwerk der Confréries de charité. Sie unterstanden der lokalen Gendarmerie Nationale und dem Klerus. 1842 erließ der Bischof Nicolas-Théodore Olivier neue Regeln. Er verbot die Anbetung von Kreuzen außerhalb der Kirche und die freie Wahl des Schutzheiligen. Einige Bruderschaften lösten sich daraufhin auf. Diese Situation drückt sich auch auf dem Gemälde aus. Die Charitons sehen nicht sehr glücklich aus.

Unglückliche Charitons und ein pompöser Bischof. Das Gemälde wurde 1865 der Bruderschaft geschenkt. Eigenes Foto, Lizenz: CC by-SA Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported

Weiterführende Links

Découvrir la commune de Chamblac (französisch)

Statuen in der Kirche von Chamblac (französisch)

Palissy-Eintrag für Giverville (französisch)

Was der Gemeindeverband über Giverville zu sagen hat (französisch)

One thought on “Tag des offenen Denkmals 2013, zweiter Teil: Chamblac und Giverville

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s