Was ist Weihnachten?

Nachdem ich nun weiss wer der heilige Nikolaus war und wieso der Weihnachtsmann zwar nicht von Coca Cola, aber immerhin von Amerikanern erfunden wurde, muss ich nur noch herausfinden was Weihnachten ist.

Ursprung

An Weihnachten soll der Geburtstag von Jesus Christus gefeiert werden. Es ist ein christliches Fest. Der Geburtstag von Jesus ist aber unbekannt. Alte Aufzeichnungen variieren stark vom 20. Mai bis 6. Januar (“Fest der Erscheinung des Herrn”).

Krippe in der Missionskirche in Eslöv (Schweden), von David Castor, public domain

Krippe in der Missionskirche in Eslöv (Schweden), von David Castor, public domain

Der 25.Dezember als Tag an dem heute Weihnachten gefeiert wird, wurde von römischen Kopisten Furius Dionysius Filocalus im Jahr 354 festgelegt. Dieser Tag war lange Zeit der Feiertag der römischen Kaiser gewesen.
Der Termin liegt nahe an der Wintersonnenwende, was die Geburt von Jesus Christus mit der Rückkehr des Lichts nach den dunklen Wintermonaten verbindet. Zudem wurde der antike römische Feiertag des Sonnengottes Sol damit abgelöst.

Die christliche Kirche feierte die Geburt Jesu nicht immer zu Weihnachten. Im Verlauf der Kirchengeschichte gab es verschiedene Doktrinen zum Datum von Jesu Geburt, eine davon hielt an der Geburt Jesu im März fest. Nämlich am 14. Nisan nach dem jüdischen Kalender, dem Geburtstag von Isaak (biblische Erzvater und zweiter Sohn von Abraham).

Bei den Germanen gehörte der 25. Dezember zu den “12 heiligen Nächten der Sonnenwende”. Von dort stammt angeblich auch der deutsche Namen “Weihnachten”, abgeleitet von “ze wihen nahten”.
Der früheste Beleg für den Ausdruck “Weihnacht” stammt allerdings von 1170: „diu gnâde diu anegengete sih an dirre naht: von diu heizet si diu wîhe naht.“ („Die Gnade (Gottes) kam zu uns in dieser Nacht: deshalb heißt diese nunmehr Weihnacht.“)
Es gibt aber auch andere teilweise recht wilde Theorien, die oben genannte klingt noch am plausibelsten.

Das englische “Christmas” erinnert eher an “Christmette”, die Mitternachts-Eucharistiefeier zu Weihnachten.
Das skandinavische Wort “Jul” für Weihnachten, stammt ebenfalls von den Feiern der Germanen zu Mittwinter (altnordisch “jól”).
Das französische Wort “Noël” stammt vom altfranzösischen “nael” was irgendwie from lateinischen “natalis” abstammt, das wiederum Geburt bedeutet. Allerdings heisst “Geburt” auf französisch heutzutage “naissance”. Ich glaub den braven französischen Ethymologen da einfach mal.

die Weisen beten Jesus an, von H.Hofmann, public Domain

die Weisen beten Jesus an, von H.Hofmann, public Domain

Soll das heissen, dass Weihnachten heidnischen Ursprungs ist?

Jein. In manchen Kulturen gab es schon Feste um den 25. Dezember herum, bevor dort das christliche Weihnachtsfest gefeiert wurde.
Der Kult um den Sonnengott Sol ist schon in das Fest eingeflossen, der ganze Lichterkult, der zu Weihnachten betrieben wird weist darauf hin, ausserdem war der Termin Sols Wiedererscheinungstag, allerdings wurde Sol erwachsen “geboren”.

Ähnliche heidnische Feste wären die Wiedererweckung des Frühlingsgottes gewesen, Baldr bei den Germanen und Tammuz bei den Sumerern z.B., jene waren jedoch immer erwachsene Götter und keine Kinder. Parallelen zu deren Festen erklären allerdings warum Jesu Geburt für eine Weile im März gefeiert worden war.

Das ganze Christentum beruht immerhin auf dem Judentum, doch doch das tut es und das Judentum wiederum hat seine Wurzeln in Stammesglauben in der Region des alten Königreiches Israel. El-Shaddai war eigentlich nur einer der zahlreichen El die damals in der Gegend verehrt wurden.

Public Domain

antikes biblisches Israel, von: AnonMoos, Lizenz: Public Domain

Mit anderen Worten: natürlich hat alles heidnischen Ursprung, weil alles menschlich ist und die Menschen früher nun einmal Heiden waren. Das Prinzip Götter zu verehren, ob einen oder mehrere wurde halt nicht von den Christen erfunden. Es war nicht so als ob die Weltbevölkerung bei der Gründung der christlichen Kirche komplett ausgetauscht worden wäre. Aber davon abgesehen ist Weihnachten schon ein ziemlich christliches Fest.

Christi Geburt in der Bibel

Zeit meine Bibel hervorzukramen, die exotischerweise in England (1950) gedruckt wurde.

Bei Matthäus (1.18-2.13.) überlegt sich Joseph sich vom Acker zu machen, denn Sex vor der Ehe ist nicht erlaubt aber Maria ist schwanger ohne sein Zutun. Da erscheint ihm ein Engel und erklärt ihm, Maria sei schwanger vom heiligen Geist (klar, schlaue Ausrede), er solle den kleinen “Immanuel” nennen, “Gott mit uns”. Stattdessen nennt er ihn Jesus.

Als Jesus geboren war kamen die Weisen aus dem Morgenland (Zahl wird nicht genannt) zu König Herodes und wollen den “König der Juden” sehen, sie hätten seinen Stern gesehen und wollten ihn anbeten. Das verschreckte Herodes dann doch etwas. Die Weisen aber latschten weiter ihrem Stern hinterher und kamen zu Maria und Joseph, fielen vor Jesus auf die Knie, verteilten Weihrauch und Myrrhe und GOLD.

Dann gingen sie wieder heim.

Und Gott sagte Joseph im Traum er solle sich lieber aus dem Staube machen (mit Frau und Kind), was jener dann auch tat, denn Herodes war nicht amüsiert und sann auf gemeinen Kindsmord.

Das Matthäusevangelium habe ich jetzt zwar gewählt, weil es als erstes im Neuen Testament steht aber zufällig ist es eventuell besonders alt, wie alt, darum streiten sich die Geister es entstand auf jeden Fall zwischen 60 und 100 nach Christus und richtet sich an Juden oder jüdische Christen.

Was wird also gefeiert?

Christi Geburt.

gemeinfrei

Christkind in: Stadt Gottes, Illustrierte Zeitschrift für das katholische Volk, Sammelband 1893, S. 101, Lizenz:gemeinfrei

das Christkind

Bei den heutigen Katholiken werden die Geschenke häufig vom Christkind gebracht, das im Prinzip Jesus ist, allerdings kein Säugling und Flügel und blonde Locken hat.

Wer kam auf die Idee Jesus könnte am Tag seiner Geburt schon mit Flügeln versehen herumfliegen und Geschenke verteilen?

Daran ist Martin Luther Schuld. Im Mittelalter wurden die Kinder am Nikolaustag (6. Dezember) oder am Tag der unschuldigen Kinder (28. Dezember) beschenkt; die Bescherung am Heiligabend bzw. am ersten Weihnachtsfeiertag, wie sie heute üblich ist, gab es damals noch nicht. Luther lehnte die katholischen Heiligen ab. Deshalb ersetzte er im 16. Jahrhundert Sankt Nikolaus durch den „Heiligen Christ“ und verlegte die Beschenkung auf den 25. Dezember.

Ich stelle mir das seltsam vor erst ein normaler Mönch zu sein und plötzlich gehorchen einem alle und ändern sogar die Termine von Feiertagen für einen.

Bei den Katholiken war bis 1900 das Schenken weiterhin am Nikolaustag üblich. Erst danach setzte sich das „evangelische“ Christkind zusammen mit Adventskranz und Weihnachtsbaum durch.

deutsche Weihnachtsbräuche

Wort mit 3 ts?

Um mal bescheiden zu bleiben… Atsventskrants. -gacker-
Jaja.😦

Der Name “Advent” stammt vom lateinischen “adventus”, “Ankunft” oder “advenit”, “er kommt”.
Advent bedeutete im Altertum das gleiche wie das griechische “Epiphaneia”, Ankunft eines hohen Amtstr¨agers, König oder Gott im Tempel.
Die Christen übernahmen das Wort und bezeichneten damit die Fastenzeit vor der Ankunft Jesu, die zuerst genau 40 Tage betrug.
Im 6. Jahrhundert legte Papst Gregor der Große fest, dass es nur 4 Adventssonntage gibt, und nicht bis zu 6.
Die 4 Wochen deuten symbolisch auf 4000 Jahre, die die Menschheit nach kirchlicher Rechnung auf die Ankunft des Erlösers warten musste.

CC by SA

Adventskranz, von Micha L. Rieser, Lizenz: CC by SA

Der Adventskranz war angeblich ein evangelischer Brauch, der inzwischen von Katholiken sowie in den Ostkirchen übernommen wurde, er dient zum Abzählen der Sonntage, symbolisiert zugleich aber die Zunahme des Lichts durch Jesu Ankunft. Eingeführt wurde er eventuell im 18. Jahrhundert, da streiten sich mal wieder die Geister.

christliche Weihnachtsfarben

Die christlichen Weihnachtssymbolfarben sind Grün und Rot (und nicht rot und weiss).
Grün symbolisiert die Hoffnung auf Lebenserhalt im dunklen Winter. Die Sitte immergrüne Gewächse ins Haus zu holen, um damit der eigenen Gesundheit zu helfen gab es schon im Altertum. Bereits die Römer bekränzten zum Jahreswechsel ihre Häuser mit Lorbeerzweigen. Einen Baum zur Wintersonnenwende zu schmücken, ehrte auch im Mithras-Kult den Sonnengott.

Rot erinnert an das Blut Christi. (Kommentar der Autorin: Sie trinken es Sonntags und zu Weihnachten hängen sie es an den Baum.)

CC by SA

dänischer Weihnachtsbaum, von Malene Thyssen, Lizenz:CC by SA

ein Baum erobert die Welt

Die ersten Weihnachtsbäume in Deutschland sind ab dem 16. Jahrhundert belegt, daran hängte man Papierfiguren, Äpfel, Oblaten, dünne Flitterplättchen und Zuckerzeug. 1611 schmückte Herzogin Dorothea Sibylle von Schlesien den ersten Weihnachtsbaum mit Kerzen.

Nüsse, Äpfel und sogar Kartoffeln wurden in buntes Papier gewickelt oder bemalt und stellten so Paradiesäpfel dar. Das ist einer der Gründe warum manche Forscher behaupten der Weihnachtsbaum gehe auf mittelalterliche Paradiesspiele der Kirche zurück. Paradiesspiele waren mittelalterliche geistliche Schauspiele, die am 24. Dezember in den Kirchen aufgeführt wurden und die Vertreibung von Adam und Eva aus dem Paradies darstellten. Der Baum der Erkenntnis der Paradiesspiele wurde zum Weihnachtsbaum.

Baum der Erkenntnis, von Lucas Cranach d. Ä. (1472-1553), Public Domain

Baum der Erkenntnis, von Lucas Cranach d. Ä. (1472-1553), Public Domain

Die ersten mundgeblasenen Christbaumkugeln kamen erst 1830 auf den Markt, vorerst nur für die gehobene Gesellschaft. Überhaupt konnte sich nicht jeder einen Weihnachtsbaum leisten.

Die Kirche schritt gegen das Plündern des Waldes zur Weihnachtszeit ein und verurteilte den Weihnachtsbaum als “heidnisch”, hauptsächlich allerdings um zu verhindern dass kircheneigene Wälder geplündert wurden.
In evangelischen Kreisen wurde der Weihnachtsbaum dennoch zum Weihnachtssymbol. Man unterschied sich dadurch von der katholischen Krippen-Aufstellern. Dann trat der Christbaum seinen Siegeszug an.

Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts ist der Weihnachtsbaum auch in den katholischen Regionen Deutschlands und Österreich bezeugt, ausserdem in weiten Teilen Europas und Amerika. Seitdem verbreitete er sich in die ganze Welt.

Weihnachtsessen

Hauptgericht

Sehr beliebt sind Gänse- oder Entenbraten, traditionell mit Rotkohl und Klössen.
Ich hab das für die Amis auch schon mal gemacht (gefüllte Ente, selbstgemachter Rotkohl aber Kartoffeln, wenn ich mich recht entsinne). Klösse selbst machen finde ich schwierig.

Gürgi, Public Domain

Dresdner Christstollen, Foto: Gürgi, Public Domain

Gebäck

Auf Marzipanstollen aus dem Lidl fährt Chefin voll ab. Sie hat immer so viel gekauft, dass Markus auch noch einen essen musste.

Stollen sind Gebäcke aus schwerem Hefeteig. Sie enthalten mindestens 3 kg Butter oder Margarine sowie 6 kg Trockenfrüchte – ausschließlich Rosinen, Sultaninen oder Korinthen – sowie Zitronat und Orangeat, bezogen auf 10 kg Mehl.

sagt Wikipedia über Christstollen.

Stollen werden seit dem 14. Jahrhundert urkundlich erwähnt, damals waren es jedoch magere Fastengebäcke. Der Stollen unterstand dem kirchlichen Dogma, welches u.a. verbot, Butter und Milch zum Backen zu verwenden. Das Gebäck bestand lediglich aus Mehl, Hefe und Wasser und dementsprechend war auch der Geschmack.

Papst Innozenz VIII. erlaubte den Gebrauch von Butter, Milch, Rosinen, Mandeln und Früchte für Stollen bei Zahlung einer Buße.
Damit hatten die Christen mehr Glück mit dem Stollen als die Juden mit ihren Matzen oder vielleicht auch nur weniger Durchhaltevermögen oder sagen wir: die alte katholische Sitte, dass jeder Sünden begehen kann, so lange er nur entsprechend dafür an die Kirche zahlt, kam dem Stollen zugute.

Ausserdem werden Plätzchen gebacken, die seit dem 19. Jahrhundert, seit der Einführung von Zucker aus Zuckerrüben auch für einfache Haushalte erschwinglich sind.

Lebküchner, Handschrift Stadtbibliothek Nürnberg Amb. 279.2°, Folio 11 verso (Landauer I), Lizenz Public Domain

Lebküchner, Handschrift Stadtbibliothek Nürnberg Amb. 279.2°, Folio 11 verso (Landauer I), Lizenz Public Domain

Ein weiteres traditionelles Weihnachtsgebäck ist der Lebkuchen, der mit Honig gesüsst und mit Zimt, Nelken, Anis, Kardamom, Koriander, Ingwer, Muskat gewürzt wird. Es ist kein Hefegebäck, sondern verwendet Hirschhornsalz und/oder Pottasche als Backtriebmittel.
Wie der Stollen war auch der Lebkuchen ein Bestandteil der Fastenküche.

Ich finde nicht, dass man behaupten kann irgendein ägyptischer oder chinesischer Kuchen sei der Vorläufer des Lebkuchens, nur weil Honig als Süssungsmittel verwendet wurde.
Allerdings muss man bedenken, dass jene exotischen Gewürze im Mittelalter in Deutschland abartig teuer waren wie Weihnachtsbaum und Christstollen auch waren Lebkuchen eher ein Vergnügen der reichen Leute.

Zimt war z.B., seit es von Vasco da Gama im 16. Jahrhundert nach Europa gebracht worden war, bis zum 18. Jahrhundert eines der
besonders teuren Gewürze.

alle Christen feiern Weihnachten?

Unser englischer Handwerker ist Zeuge Jehovas… Die Zeugen Jehovas betrachten sich schon als Christen, sie feiern jedoch nicht Weihnachten, weil es nicht in der Bibel steht, dass man das tun soll. Da steht auch nichts von Geburtstagsfeiern drin. Deshalb ist es unhöflich Zeugen Jehovas Weihnachtskarten zu schicken.

Unser Handwerker fährt mit seiner Familie normalerweise zu Weihnachten in Urlaub, was immerhin auch eine Art zu feiern ist. Und da das Fest auch so häufig “Fest der Liebe” genannt wird, eine bessere Art Weihnachten zu feiern als das “Fest des Konsums” meiner Meinung nach wenigstens.

One thought on “Was ist Weihnachten?

  1. Reblogged this on Familienbande und kommentierte:
    Add your thoughts here… (optional)

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s