Das Irrlicht

Onibi (japanisches Irrlicht) aus dem Wakan Sansai Zue (einer japanischen Enzyklopädie aus dem 18ten Jahrhundert), von Terajima Ryōan, Public Domain

Onibi (japanisches Irrlicht) aus dem Wakan Sansai Zue (einer japanischen Enzyklopädie aus dem 18ten Jahrhundert), von Terajima Ryōan, Public Domain

Das Irrlicht
Steinplatte X, Episode 1

Blami Schaf erwachte vom Geräusch der Schafklappe. Daffne, ihr Schaf, war unruhig und stupste sie nun an. “Hmmmm? Was willst du denn?”, murmelte Blami. Es war stockdunkel. Blami stand auf. Sie sah gerade noch wie eine Lichtkugel aus dem Haus ihres Nachbarn Da’garr hinausflog. “Was war das denn?”, fragte sie sich selbst und zog sich in Windeseile an.
In Dag’s Haus war niemand mehr. Eine Gardine bewegte sich im Luftzug der durch die offene Tür zum Garten hereinkam. “Verdammt!”, dachte Blami und schickte Daffne zu den andern Schafen nach Krog, in der Annahme sie sei dort sicherer. Dann ging Blami in die Richtung in der sie das mysteriöse Licht hatte verschwinden sehen.
Nach wenigen Metern stolperte sie über Dag der im Gras lag und sie nun herunterzog. “Sch, musst du denn so einen Krach machen?”, flüsterte er. Blami wollte gerade zurückmeckern da sah sie das Licht. Für ein Irrlicht war es viel zu klein. Es war eine goldene Kugel die hübsch und harmlos aussah. “Es hat meine Katze gefressen.”, flüsterte Dag. “Gefressen ist nicht der richtige Ausdruck. Es flog zu meiner Katze, die streckte die Tatze aus um damit zu spielen und dann war sie nicht mehr da. Kein Kampf, kein Blut oder Fellrest, nichts.” Blami schluckte. Die Kugel senkte sich langsam auf eine Krog Ratte, die das leuchtende Ding wie hypnotisiert anstarrte. Als die Kugel die Ratte berührte war plötzlich keine Ratte mehr da, es machte nicht mal ein Geräusch. Blami’s Nackenhaare richteten sich auf und sie sprang auf, zog an Dag’s Arm und sagte: “Weg hier, komm weg hier, schnell”.
Sie rannten nach Krog, vorbei an den verdutzten Wächtern, den Tieren, in das Haus des Chefs wo sie nach einem kurzen Gerangel mit seinen Bodyguards im Schlafzimmer des Chefs standen. Sie erklärten was sie gesehen hatten, natürlich glaubte der Chef ihnen nicht. Er schrie sie an und warf mit dem Kerzenleuchter, fragte ob sie suizidal wären: “Dies ist eine schöne Nacht für jemand anderen zu sterben.” Ob sie ein Pilzgericht zu sich genommen hätten, oder bestimmte Blumen gegessen, vielleicht sei ja Blami’s Naturell durchgekommen. “Neineinein”, verteidigte Blami sie, “du weisst doch Dag tut sowas nicht.” In dem Moment schrie einer der Wächter am Tor auf und blies in das Kriegshorn “Alarmstufe 2 und noch 1”.

Schamane, von William Henry Jackson (November 1895) aus Harpers Weekly, Public Domain

Schamane, von William Henry Jackson (November 1895) aus Harper's Weekly, Public Domain


Alle rannten raus und der Chef brüllte Anweisungen, liess die “nutzlosen Spione von Lotor” holen und den Schamanen Rune Bratfisch. Letzterer eilte schon auf den Marktplatz mit wehendem Fellmantel.
Da schwebte die Lichtkugel. “Geh nicht näher!” “Ruhe!”, brüllte der Schamane, “die Kugel spricht.” Es wurde still, und es stimmte, die Kugel sprach mit der hysterisch sich überschlagenden Stimme des Wächters: “Wasislos? Wasispassiert? Wosindmeinebeine?”
Der Schamane streckte die Hand in einer beruhigenden geste aus. “Karl,”, das war der Vorname des Wächters, der nun in der Kugel war, “bleib ganz ruhig. Eine komische leuchtende Kugel hat dich verschluckt.” “Waaaaaas?”, schrie der Wächter, “du willst mich wohl verarschen.” damit machte die Kugel einen Satz auf die Hand des Schamanen zu und berührte sie. Blami bildete sich ein eine Art leises “plopp” zu hören als die Luft in die Lücke floss die einst vom Körper des Schamanen besetzt gewesen war.
Betretenes Schweigen breitete sich aus, immerhin war der Schamane der klügste Mann des Dorfes gewesen. Es sah gar nicht gut aus für Krog.
“Rune”, sagte Blami zaghaft, “du bist doch ein Schamane, betrachte das am besten als neue Erfahrung.” Dann duckte sie sich. Die Kugel räsperte sich und lachte dann. Sie sagte es sei wirklich interessant. Blami fragte sie ob die anderen da auch drin seien und ob sie wieder rauskommen könnten. “Eins nach dem anderen.”, sagte der Schamane. “Ich glaube es ist am besten ihr ruft Karl’s Familie her damit sie sich von ihm verabschieden kann.” Nun ist der Beruf des Wächters zwar gefährlich aber normalerweise wird ja jeder gleich wiedergeboren, dank der Gnade unseres Herrn Veldan. Diesmal war wohl nichts mit Wiedergeburt. Karl’s Familie wurde nach vorne geschoben. Man konnte sehen, dass Karl sich sehr beherrschen musste um niemanden zu umarmen. Es flossen jede Menge Tränen und alle waren ganz betreten. Schliesslich sprach der Schamane wieder und verprach zu versuchen die blöde Kugel, die “gewiss aus den Geheimlabors dieses blöden Arschloches Lotor” käme (hier wurden Lotor’s Ritter und Zauberer knallrot), zu zerstören. Das Schlimmste was passieren könne sei ja das nichts passiert.
Mit diesen Worten flog die Lichtkugel aus der Stadt hinaus.
Sogenbi, der Feuergeist eines ölstehlenden Mönches (japanische Mythologie). Eine obake karuta (Monsterkartenspiel) Karte, frühes 19. Jahrhundert, Public Domain

Sogenbi, der Feuergeist eines ölstehlenden Mönches (japanische Mythologie). Eine obake karuta (Monsterkartenspiel) Karte, frühes 19. Jahrhundert, Public Domain


Etwa einen Monat später erschienen Karl und Rune auf dem Wiedergeburtsportal. Ganz Krog veranstaltete ein grosses Saufgelage (Dag trank Milch, aber viel Milch) in dessen verlauf Rune uns erzählen musste wie er die Kugel gekillt hatte. Er war noch etwas blass, aber sehr stolz es geschafft zu haben.
“Zuerst gingen wir in die Hölle, wir tauchten in Lava, integrierten ein paar Dämonen, aber davon abgesehen, dass uns warm wurde, passierte nicht viel. Wir tauchten ins Meer. Auch das brachte nicht, davon abgesehen dass wir interessante Fische sehen und integrieren konnten. Karl hat sie gegessen.” An dieser Stelle musste Karl berichten wie die Fische geschmeckt hatten und wie gross sie gewesen waren. Dann ging es weiter “Wir dachten darüber nach Lotor zu integrieren, die Dämonen fanden diese Idee sehr anziehend. Aber ich verwarf diesen Plan und wir gingen statt dessen nach Whisperdale. Wie der Zufall es wollte war dort gerade ein elfischer Barde zu Gast. Unbemerkt schwebten wir auf den Chef von Whisperdale zu als die Kugel in den Bereich des Gesangs und Harfengezupfes kam. Plötzlich bekam die Wand der Kugel Risse und das Licht änderte seine Farbe. Es donnerte, ein Blitz krachte mitten durch die Kugel unser Inneres wurde nach Aussen gekehrt, was nicht sehr angenehm war. Ja und dann waren wir hier.”
“Barden”, murmelte der Chef, “erinner mich daran dass wir sie gleich am Stadttor aufknüpfen falls mal einer hierherkommt.”

Diese kleine Geschichte hab ich für das Forum von Ashen Empires geschrieben, ein amerikanisches mmorpg, das ich eine Weile gespielt habe. Die Geschichte spielt in der Spielwelt von Ashen Empires. Die Ortsbezeichnungen und der Name des Königs sind wahrscheinlich copyright Iron Will Games LLC. Und die offizielle Homepage des Spieles ist www.ashenempires.com.

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