Tristan, Deutsch Kurzhaar

Nachdem Beau gestorben war verlangten die Chefes, dass wir einen neuen Wachhund für das Grundstück besorgen. Sie rieten uns zum Tierheim in Appeville-Annebault zu gehen. Das Tierheim ist das deprimierendste Tierheim, dass ich je gesehen habe. Ich hatte die Auflage bekommen keinen deutschen Schäferhund zu holen, da die böse seien (na denn). Im Tierheim waren etwa 100 Hunde und alle schienen zu bellen. Es war halbvoll mit deutschen Schäferhunden, und halbvoll mit kleinen Kläffern. Der einzige Hund, der mir grössenmässig zusagte war Tristan, der jedoch ein Deutsch Kurzhaar Jagdhund (eigentlich Vorstehhund) war. Ein Jagdhund und Schafe?

Ich hab ihn trotzdem genommen, er guckte so traurig drein. Er hatte anderthalb Jahre in dem Tierheim verbracht. Seine Papiere waren im Tierheim ausgestellt worden und da hatte man das Alter optimistisch geschätzt. Man wusste angeblich genau gar nichts über den Hund. So kam Tristan im November 2004 zu uns.

Tristan auf seinem geliebten Sofa in 2006, Foto von makkE

Tristan auf seinem geliebten Sofa 2006, Foto von makkE

Tristan war der fast perfekte Hund. Er ignorierte die Schafe total, bis auf einmal, als er ein halbtotes Lamm, dass eventuell von einem Raubvogel attackiert worden war, gebissen hat. Das Lamm ist danach auf meinen Schoss gestorben, ich hab es noch verbunden, aber es war eh schon geschwächt vom blutend in der Nacht oder am frühen Morgen auf der Weide herumliegen, und hat es nicht geschafft.
Danach bekam Tristan eine Weile Weideverbot, aber es hat sich nichts ähnliches ereignet.

Er war halt doch ein Jagdhund und konnte wenn er wollte sehr schnell rennen. Normalerweise lag er aber lieber auf dem Sofa, vor allem bei schlechtem Wetter, aber wenn ein Kaninchen in Sicht war wurde er sehr schnell. Er hat lange dünne scharfe Zähne, mit denen er seine Opfer in nullkommanichts zerreissen konnte. Er hat mir einmal beim Spielen ein tiefes Loch in den Daumen gestanzt, aber nur aus Versehen. Das mit dem Vorstehen hat er jedoch eher selten gemacht, ein gut ausgebildeter Vorstehhund war er auf jeden Fall nicht.

Hubu und Tristan auf einem Spaziergang durch die Felder 2006, hier sieht man auch die Zähne.

Hubu (ein Besucher aus Polen) und Tristan auf einem Spaziergang durch die Felder 2006, hier sieht man auch die Zähne.

Zwei oder drei Monate nachdem er bei uns war bemerkte ich zum erstenmal, dass Tristan epileptische Anfälle bekam. Ich fuhr sofort zum Tierarzt und der fand schliesslich heraus, dass Tristans Kopf voller Bleikugeln war, weil jemand ihm vor Jahren in den Kopf geschossen hatte. Die Kugeln waren im Bindegewebe eingekapselt, es war unmöglich sie jetzt noch zu entfernen, das hätte man gleich machen müssen. Es war vielleicht ein Jagdunfall gewesen.
Diese Kugeln wanderten unter seiner Haut herum, waren zum Teil auch nahe an den Augen und verursachten Tristan Probleme. Sie juckten manchmal, manchmal taten sie sogar weh. Aber hauptsächlich juckten sie und der ansonsten ruhige Hund, der nichts gegen das Jucken tun konnte bekam davon Anfälle. Wir setzten ihn auf Mysolane, ein Muskelrelaxanz, und die Anfälle wurden weniger, und kürzer. Ganz konnte es die Anfälle jedoch nicht unterbinden.

Tristan posiert auf dem Hundebett, eigenes Foto, Lizenz: CC by

Tristan posiert auf dem Hundebett 2007, Foto von makkE

Tristan hat sehr gern gespielt, allerdings steckten die Spielzeuge oft auf seinen spitzen Zähnen fest, und ich musste ihn befreien. Er hat ausserdem sehr gern geschmust. Eine zeitlang hatten wir ein Hundekörbchen, dass etwas zu klein für ihn war, er hat es geliebt und sich immer vor den Fernseher in das Körbchen gelegt. Wie nannten das “seine Eierschale”, das war aber bevor das Sofa ihm gehörte.

Natürlich war er kein guter Wachhund. Ich habe Tristan in all den Jahren nur einmal bellen gehört und das war eher ein Jaulen, als er nach einem Anfall blind herumlief und in den Teich gefallen war. Er war faul, lieb und bellte nicht. Aber es war mir lieber, dass er lieb war, vor allem wegen der Schafe. Echte Wachhunde und Schafe geht eh nicht zusammen.
Chefin war halbwegs zufrieden mit ihm, denn er war dunkel und sie meint, dass dunkle Hunde furchteinflössend sind.

Tristan in 2008, eigenes Foto, Lizenz: CC by

Tristan in 2008, eigenes Foto, Lizenz: CC by

Als Miniputz ihre Kleinen bekam, fassten die Kätzchen eine besondere Zuneigung zu Tristan und schliefen bevorzugt auf oder neben ihm.

Doris neben Tristan auf dem Sofa, eigenes Foto, Lizenz:CC by

Doris neben Tristan auf dem Sofa, eigenes Foto, Lizenz:CC by

die kätzische Jugend erobert Hund und Sofa, eigenes Foto, Lizenz: CC by

die kätzische Jugend erobert Hund und Sofa, eigenes Foto, Lizenz: CC by

In 2008 wurden die Anfälle schlimmer, das Medikament half überhaupt nicht mehr. Ich hab kaum noch geschlafen, weil ich die ganze Zeit Angst hatte er würde wieder einen Anfall bekommen. Er krabbelte immer in mein Bett vor einem Anfall, manchmal konnte ich den Anfall wegstreicheln, aber eben nur manchmal. Seine Anfälle dauerten nun auch nicht nur einen Tag oder gar nur eine Stunde lang, sondern drei Tage am Stück, wobei er schon mal 20 mal pro Nacht gekrampft hat. Er hat gewimmert bei den Anfällen, versucht wegzulaufen. Hatte Schmerzen im Kopf und deshalb seinen Kopf gegen Wände gepresst.

Am Abend des 24. August 2008 hatte er wieder einen Anfall (und dann die ganze Nacht lang), Blut kam aus seiner Nase. Und ich beschloss, das sei nun nicht mehr tragbar. Am 25. August ging ich mit ihm zum Tierarzt und habe ihn einschläfern lassen, obwohl die Tierärztin nicht wollte (nach dem Motto “der sieht doch noch gut aus”). Wir haben sehr geheult, ihn dann im Park begraben und einen kleinen Steinhügel auf dem Grab errichtet.

Tristan und Bach teilen sich das Sofa, 2008, eigenes Foto, Lizenz: CC by

Tristan und Bach teilen sich das Sofa, 2008, eigenes Foto, Lizenz: CC by

Tristan 2008, eigenes Foto, Lizenz:CC by

Tristan 2008, eigenes Foto, Lizenz:CC by

Doris auf Tristan, eigenes Foto, Lizenz: CC by

Doris auf Tristan, eigenes Foto, Lizenz: CC by

Rudi schnüffelt an stoischem Tristan und Bach hat mal wieder sein Klappohr, 2008, eigenes Foto, Lizenz:CC by

Rudi schnüffelt an stoischem Tristan und Bach hat mal wieder sein Klappohr, 2008, eigenes Foto, Lizenz:CC by

Tristansuchbild, er vor dem hohlen Baum, eigenes Foto, Lizenz: CC by

Tristansuchbild, er vor dem hohlen Baum, eigenes Foto, Lizenz: CC by

Tristansuchbild, er läuft hinter den Bäumen auf der sonnigen Wiese, auf der Wiese wurde er auch begraben, eigenes Foto, Lizenz: CC by

Tristansuchbild, er läuft hinter den Bäumen auf der sonnigen Wiese, auf der Wiese wurde er auch begraben, eigenes Foto, Lizenz: CC by

5 thoughts on “Tristan, Deutsch Kurzhaar

  1. “Echte Wachhunde und Schafe geht eh nicht zusammen”

    Doch, schon, dafür sind HSH da: http://126241.homepagemodules.de/t293f3-Maremmani-und-Schafe.html

    Grüße nach Frankreich

  2. Nee, dafür sind Schäferhunde da. 🙂

  3. Danke für die schöne Zeit, die sie dem armen Kerl gegeben haben… Madonna

  4. Die Bleikugeln und die dadurch ausgelösten Anfälle werden wohl auch der Grund sein, weshalb der arme Kerl im Tierheim landete…

    • Unbekannt ob es ein Jagdunfall war oder ob er erst weglief oder ausgesetzt wurde und dann jemand auf ihn schoss.

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