Conches-en-Ouche, malerisch und voll mit Autos

Conche-en-Ouche ist eine Gemeinde in Eure (Haute-Normandie). Es liegt südlich von Le Neubourg und westlich von Evreux. Das Kaff hatte 2006 4.982 Einwohner.

Wenn man von Le Neubourg aus nach Conches (selbst auf den Strassenschildern fehlt das “en-Ouche”) fährt, fährt man durch plattes Land, durch die Campagne de Neubourg.

Das Kaff selbst besteht hauptsächlich aus einer Einkaufsstrasse, die sehr eng ist, weil voll mit geparkten Autos. Die bunten Schilder der Geschäfte versauen dann dem fotografierwütigen Touristen (mir) das Fotografieren der Fachwerkhäuser. Die überall geparkten Autos sind auf jedem anderen Bild, sei es an der Abtei, der Kirche, der Mairie, dem Donjon, der Stadtmauer.
Diese Gemeinde scheint mehr Autos als Einwohner zu haben und sie alle befinden sich im Zentrum von Conches.
Immerhin scheinen die Conchoises Humor zu haben.

Lesebrühe in Conches, eigenes Foto, Public Domain

Lesebrühe in Conches, eigenes Foto, Public Domain

Vorführung von SM-Broten in Conches, eigenes Foto, Public Domain

Vorführung von SM-Broten in Conches, eigenes Foto, Public Domain

Zuerst besichtigten wir den Donjon. Neben dem Donjon ist ein Geschäft für Rasenmäher (-autos) und deren Reparatur. Als wir ankamen testete jemand gerade ein solches Gerät.

Praktischerweise befindet sich am Donjon eine Tafel mit einigen Angaben zu seiner Geschichte. Er wurde 1035 von Roger I. de Tosny erbaut, 1364 von den Engländern besetzt, 1441 wieder von den Engländern besetzt und 1591 in den Hugenottenkriegen zerstört.

Donjon in Conches, eigenes Bild, Lizenz: CC by

Donjon in Conches, eigenes Bild, Lizenz: CC by

Donjon mit Makke, eigenes Foto, volles copyright

Donjon mit Markus, eigenes Foto, volles Copyright

Der Donjon selbst ist baufällig, man darf ihn nicht betreten, da hat wohl das Geld gefehlt. Es gibt einen Fussweg um die Ruine herum. Hier erwartete uns eine Überraschung. Direkt hinter dem Donjon ist eine tiefe Schlucht, nichts für Leute mit Höhenangst, beim Blick hinunter kann einem schwindelig werden. Leider konnte ich das mit meiner kleinen Kamera nicht vernünftig fotografieren.

Man kann auf der Rückseite des Donjon Teile der alten Stadtmauer sehen, einen zugeschütteten Brunnen, und kommt dann zur Mairie.

Blick auf den Donjon von der Mairie aus, mit Markus, eigenes Foto

Blick auf den Donjon von der Mairie aus, mit Markus, eigenes Foto, volles Copyright

zugeschütteter Brunnen an der alten Stadtmauer von Conches, eigenes Bild, Public Domain

zugeschütteter Brunnen an der alten Stadtmauer von Conches, eigenes Bild, Public Domain

Gleich hinter der Mairie liegt die Kirche Sainte-Foy (Heilige Fides) und an der Mairie befindet sich ausser vielen Parkplätzen noch eine Wildschweinstatue, die leider unbeschriftet ist und deshalb total unklar, von wann sie ist und warum. Conches heisst nicht Wildschwein, Wildschwein heisst Cochon sauvage.
Conques war übrigens der alte Name des heutigen Conches. In dem Link zur heiligen Fides wird also über Conches geredet.

Wildschweinstatue an der Mairie in Conches, eigenes Foto, Lizenz: CC by

Wildschweinstatue an der Mairie in Conches, eigenes Foto, Lizenz: CC by

Die heutige Kirche Sainte-Foy wurde im 16. Jahrhundert im gotischen Stil erbaut. Glücklicherweise befindet sich in der Kirche eine Tafel, die ein paar Aussagen zu ihrer Geschichte macht. Die allererste Kirche im Ort wurde im 11. Jahrhundert von Roger I. auf den Fundamenten einer älteren Kapelle erbaut. Roger I. stiftete auch die Reliquien der Heiligen Fides. Jene Kirche wurde jedoch im 15. jahrhundert zerstört.

Kirche Sainte-Foy, eigenes Foto, Lizenz: CC by

Kirche Sainte-Foy, eigenes Foto, Lizenz: CC by

Dach von Sainte-Foy, eigenes Foto, Lizenz: CC by

Dach von Sainte-Foy, eigenes Foto, Lizenz: CC by

Wasserspeier auf Sainte-Foy, eigenes Foto, Lizenz: CC by

Wasserspeier auf Sainte-Foy, eigenes Foto, Lizenz: CC by

Wasserspeier auf Sainte-Foy, eigenes Foto, Lizenz: CC by

Wasserspeier auf Sainte-Foy, eigenes Foto, Lizenz: CC by

Wasserspeier auf Sainte-Foy, eigenes Foto, Lizenz: CC by

Wasserspeier auf Sainte-Foy, eigenes Foto, Lizenz: CC by

In der Kirche befindet sich der Grabstein des Philosophen Guillaume de Conches, der aber sehr verwittert ist, irgendjemand scheint vesucht zu haben die Konturen des Gesichtes nachzuziehen, was nicht gerade dazu beiträgt den Stein “besser” zu machen. ich hatte zwar ein Foto gemacht, man konnte darauf aber nichts erkennen.

Das Innere der Kirche ist trotzdem sehr beeindruckend, es finden sich zahlreiche Statuen, wunderschöne Holzarbeiten (u.a. eine Kanzel aus dem 19. Jahrhundert) und umwerfende Fenster aus dem 16. Jahrhundert mit sehr detailreichen Darstellungen.

Kanzel von Sainte-Foy, eigenes Bild, Lizenz: CC by

Kanzel von Sainte-Foy, eigenes Bild, Lizenz: CC by

mit Schnitzereien verzierter Holzpfosten in Sainte-Foy, eigenes Foto, Lizenz: CC by

mit Schnitzereien verzierter Holzpfosten in Sainte-Foy, eigenes Foto, Lizenz: CC by

Taufbecken in Sainte-Foy, eigenes Foto, Lizenz: CC by

Taufbecken in Sainte-Foy, eigenes Foto, Lizenz: CC by

Relief aus dem 15. Jahrhundert in Sainte-Foy, eigenes Foto, Lizenz: CC by

Relief aus dem 15. Jahrhundert in Sainte-Foy, eigenes Foto, Lizenz: CC by

Statue von Saint Pierre (Apostel Petrus) in Sainte-Foy, eigenes Foto, Lizenz: CC by

Statue von Saint Pierre (Apostel Petrus) in Sainte-Foy, eigenes Foto, Lizenz: CC by

Total abartig finde ich, dass die Kirche 1976 beklaut wurde. Es wurden zwei Kunstwerke aus dem 15. jahrhundert gestohlen, eine Skulptur der Trinité (Dreieinigkeit) und ein Triptychon. Reproduktionen der Kunstwerke sind in der Kirche ausgestellt und es wird darum gebeten, zu melden falls jemand die Kunstwerke irgendwo in der Welt wiedererkennt.

Reproduktion des gestohlenen Triptychons, eigenes Foto, Public Domain

Reproduktion des gestohlenen Triptychons, eigenes Foto, Public Domain

Reproduktion der gestohlenen Skulptur La Trinité, eigenes Foto, Lizenz: Public Domain

Reproduktion der gestohlenen Skulptur La Trinité, eigenes Foto, Lizenz: Public Domain

Nachdem wir die Kirche besichtigt hatten latschten wir zum Krankenhaus, das früher einmal eine Benediktinerabtei war, die im 11. Jahrhundert erbaut worden war. Wie gehabt, war dort alles voller Autos. Draussen war vom 11. Jahrhundert nur noch wenig zu sehen, ein paar Bögen mit steinernen Fratzen dran. Es gibt dort wohl Führungen im Inneren, in den Kellern soll noch mehr erhalten sein.

Krankenhaus von Conches, wenn nicht an der einen Seite Abbaye dranstünde würd mans kaum glauben, eigenes Foto, Lizenz: CC by

Krankenhaus von Conches, wenn nicht an der einen Seite Abbaye dranstünde würd mans kaum glauben, eigenes Foto, Lizenz: CC by

Abtei in Conches, da sieht man noch ein paar Reste, eigenes Foto, Lizenz: CC by

Abtei in Conches, da sieht man noch ein paar Reste, eigenes Foto, Lizenz: CC by

steinerne Fratze unter einem Bogen an der Abtei, eigenes Foto, Lizenz: CC by

steinerne Fratze unter einem Bogen an der Abtei, eigenes Foto, Lizenz: CC by

Auf dem Weg zurück zum Auto fanden wir noch ein weiteres Stück der alten Stadtmauer, auf der anderen Seite von Conches, die ebenfalls an einem tiefen Tal liegt, wenn auch nicht so tief, wie an der Seite des Donjon.
Schliesslich assen wir noch ein Schnittchen (typisch deutsch) in einem sehr seltsamen Park ohne Wege, in dem vor einer Statue von Maurice Quentin de La Tour Schnittlauch wächst.

was vom Foto der Stadtmauer blieb, nachdem ich die Autos abgeschnitten hatte, eigenes Foto, Public Domain

was vom Foto der Stadtmauer blieb, nachdem ich die Autos abgeschnitten hatte, eigenes Foto, Public Domain

Maurice Quentin de La Tour im akkuraten Schnittlauchpark, eigenes Foto, Lizenz: CC by

Maurice Quentin de La Tour im akkuraten Schnittlauchpark, eigenes Foto, Lizenz: CC by

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Der Text Conches-en-Ouche, malerisch und voll mit Autos, ausser die enthaltenen Links, steht unter einer Creative Commons Namensnennung 3.0 Deutschland Lizenz.
Beruht auf einem Inhalt unter stanzebla.wordpress.com.
Die Lizenzen für die jeweiligen Fotos stehen am Foto.

3 thoughts on “Conches-en-Ouche, malerisch und voll mit Autos

  1. Ich find den Bericht super, denn das ist genau das richtige, dass ich mich über die Stadt mal informieren kann… Ich mache gerade einen Austausch. Conches ist die Partnerstadt von meiner Heimat. Danke!:)

  2. Dann wünsch ich viel Spaß.🙂

  3. […] gewählt. Am 23. Februar wurde das Büro der Post wieder geöffnet. Reisende nach Paris mussten bis Conches-en-Ouche mit der Kutsche fahren. Am 6. März verließen die letzten Deutschen Bernay. Die Stadt atmete auf. […]

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