Ursprünge der Walpurgisnacht

Die Walpurgisnacht ist ein traditionelles europäisches Fest und wird am am 30. April gefeiert. Als “Tanz in den Mai” am Vorabend des Maifeiertags wird es heute immer noch zelebriert, als Gelegenheit zu Tanz und Geselligkeit.

Freudenfeuer in der Nacht zum ersten Mai auf Calton Hill 2008, von Roger Griffith, Public Domain

Freudenfeuer in der Nacht zum ersten Mai auf Calton Hill 2008, von Roger Griffith, Public Domain

Beltane

Viele vorchristliche Religionen feierten zu dieser Zeit die wiederkehrenden Naturkräfte und begrüssten die warme Jahreszeit. Bei den Kelten hiess das Fest Beltane oder Beltaine und wurde in der ersten Vollmondnacht zwischen der Tagundnachtgleiche des Frühjahrs und der Sommersonnenwende (Anfang Mai) gefeiert. Auch die Vorstellung, dass in der Walpurgisnacht die Hexen mit dem Teufel tanzen und sich mit ihm paaren, geht wohl auf die alten Feierlichkeiten zurück.

Beltane war ein fröhliches Fest. Freudenfeuer wurden entzündet und das Vieh zur Reinigung zwischen zwei Feuern hindurchgetrieben. Häuser und Ställe wurden mit frischen Grün geschmückt.

Johannes Praetorius: Blockes-Berges Verrichtung, Leipzig 1668, Lizenz:Public Domain

Johannes Praetorius: Blockes-Berges Verrichtung, Leipzig 1668, Lizenz:Public Domain

Der Blocksberg

Im Harz, wo ich aufgewachsen bin, sagt man die Hexen träfen sich in der Walpurgisnacht auf dem Blocksberg (im Harz ist damit der Brocken gemeint). Eine Schrift über St. Andreasberg von 1863 erklärt dies damit, dass die Sachsen vor Karl dem Grossen in die Berge flohen und damit, dass der Brocken Wodan geweiht war. In einem altsächsischen Gedicht wird sowohl Karl der Grosse, als auch das Opfern von Gefangenen auf einem dem Wodan geweihten “heiligen Harzberge” beschrieben: “Hilli kroti Woudana! ilp osk un osken Pana Uuittekin ok kelta of ten aiskena Carlevi, ten Slaktenera! ick kif ti in our un tou scapa und tat rofe. ik slakte ti all fanka up tinen iliken Artesberka.”
Etwa: “Heiliger grosser Wodan! hilf uns und unserm Feldherrn Wittekind auch den Hauptleuten gegen den hässlichen Karl den Schlächter. Ich gebe dir einen Auerochsen, zwei Schafe und die Beute. Ich schlachte dir alle Gefangenen auf deinem heiligen Harzberge.”

In anderen Regionen wurden andere Berge als “Blocksberg” angesehen.

Ancient Romuva, by the Prussian historian Christophorus Hartknoch (1644-1687), 1684, Public Domain

Altes Romowe, von Christophorus Hartknoch (1644-1687), 1684, Public Domain

Maibaum

Die Germanen hatten heilige Haine, worin einzelne Bäume den Göttern geweiht waren. Die Mistel war eine heilige Pflanze, mit ihr wurden Heiligtümer geschmückt. In Jütland zum Beispiel war ein Hain des Thors, mit einem dem Gott geweihten Baum der bis 1441 stand. Auch die Balten hatten solche Bräuche, in Romowe in Littauen gab es eine geweihte Eiche aus deren Ästen Schnüre gemacht wurden, die man sich als Ketten umhängte, was gegen Krankheiten helfen sollte. Dieser Baum war den Göttern Perkunos, Pikollos und Potrimpos geweiht.
Auch die Kelten hatten heilige Bäume, in die manchmal ein Altar geschnitzt war. Diese Sitte hat sich bis zum heutigen Tage in der Normandie gehalten, wo vor vielen Kirchen eine riesige Eibe steht, in die auch manchmal Altäre geschnitzt sind wie in Saint Pierre des Ifs. In der Pilgerstätte Saint Benoist des Ombres ist es Brauch einen geweihten Eibenzweig mitzunehmen, der Vieh und Haus gegen den bösen Blick schützen sollte.

Die Heilige Walburga um um 1535/40, vom Meister von Messkirch, Public Domain

Die Heilige Walburga um um 1535/40, vom Meister von Messkirch, Public Domain

Walburga

Der Name der Walpurgisnacht soll ja von der Heiligen Walburga abgeleitet sein. Walburga war Äbtissin in Heidenheim in Franken. Sie wurde um 710 in England geboren und starb am 25. Februar 779 (oder 790) in Heidenheim in Mittelfranken in Bayern. Ihre Gebeine liegen in Eichstätt, man weiss ja, dass die Katholiken Knochen anbeten.😉

Walburga werden zahlreiche Wunder zugesprochen. Ihre Grabplatte sondert Tropfen ab, die “Walpurgisöl” heissen und als heilkräftig gelten. Das Walpurgisöl wird an die Gläubigen verkauft. Klingt irgendwie nach Scharlatanerie aber was solls. “Walpurgiskraut” ist ein anderer Name für Johanniskraut. Im katholischen Volksglauben soll es gegen Verhexung der Milch schützen und für reichen Rahm sorgen. Auf Brot verfüttert, steigert es angeblich die Fruchtbarkeit der Rinder. Es wirkt allerdings wirklich gegen Depressionen (bei Menschen).

Walburgas Gedenktag ist ihr Todestag, der 25. Februar, das Gedenken der Heiligsprechung wird jeweils am letzten Sonntag im April als “Maifest” gefeiert. Das Maifest fällt nicht immer auf den 30. April, trotzdem wurde die Walpurgisnacht nach ihr benannt. Es gibt also keinen direkten Zusammenhang der die Benennung der Walpurgisnacht erklärt. Da Walburgis sehr verehrt wurde hat man evtl. einfach ein heidnisches Fest nach ihr beannt, das hat den Vorteil, dass man es auch als Christ weiterfeiern darf.😉

“Walburga” ist ein germanischer Name, “wal” bedeutet “Gemetzel, Walstatt, die Gefallenen” und kommt ansonsten noch in den beliebten Walküren vor, die den Ausgang einer Schlacht entschieden. “Burg” heisst “Burg, Stadt”, zusammen ergibt das etwas wie “Schlachtenburg oder Totenburg” und soll wohl heissen, dass sie Schutz bietet. Walburga und die Walküren haben eigentlich nichts miteinander zu tun. Die Walküren (Totenwählerinnen) ritten in der Schlacht als Gehilfinnen Odins den Kämpfenden voran, sie führten ausgewählte Gefallene nach Walhalla, den Hallen der Gefallenen. Odin gehörte nämlich eine Hälfte der Toten, die andere Hälfte gehörte Freyja. (Jaja, so war das…)

In “der Böse Blick und Verwandtes” kann man lesen, dass man im Vogtland, einer Region zwischen Sachsen, Thüringen, Bayern und dem Egerland in Tschechien, in der Walpurgisnacht Rasenstücke vor die Schwelle legte, weil das vor den Hexen schützen würde. Grüner Rasen auf dem Grabe bringt den Toten Ruhe… u.s.w. das läge daran, dass die Hexen die Grashalme zählen würden. Man kann sich schon vorstellen, dass die Hexen irgendwie “deformierte” Walküren darstellen sollen. Aber vielleicht auch nicht, und leider können wir die ganzen verstorbenen Heiden aus vorchristlicher Zeit nicht mehr fragen.🙂 Es gab auf jeden Fall zahlreiche Bräuche um Vieh und Haus vor Hexen zu schützen.

Quellen:
Walpurgisnacht – Hintergründe und Ursprung

Der Kurort St. Andreasberg, 1863, Seite 62

Ausgewählte historische Schriften von Heinrich Zschokke, 1830, Seite 94f

Handwörterbuch der Mythologie der deutschen, verwandten, benachbarten und nordischen Völker von Christian August Vulpius, 1826, Seite 163-166

SAINT BENOIST DES OMBRES

SAINT PIERRE DES IFS

Walburga (Walpurgis)

Johanniskraut (Hypericum perforatum)

Der böse Blick und Verwandtes von Siegfried Seligmann, Seiten 64, 78, 91, 113, 218, 238

Creative Commons License
This work is in the Public Domain.

One thought on “Ursprünge der Walpurgisnacht

  1. Bei uns in Braunlage ist auch wieder richtig was los. In der Nacht zum 1. Mai fliegen wieder die Hexen durch die Luft. Ein Video seht Ihr hier: http://www.harzidyll.de/veranstaltungen-harz-braunlage.html

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