Charles de Melun, Intrigen und Verrat unter Louis XI.

Diesen Artikel hab ich am 13. Mai 2009 in der deutschen Wikipedia veröffentlicht und klau ihn nun von mir selbst.

Charles de Melun, genannt Charles I. († am 22. August 1468 in Le Petit-Andely, heute Les Andelys) war Seigneur von Normanville und Lumigny, Baron des Landes, Berater und Kammerherr des Königs von Frankreich.

Familie

Die Familie Melun ist eine sehr alte französische Adelsfamilie. Der erste durch Urkunden aus dem Jahr 991 bezeugte Melun war Vicomte Salon de Melun.

Charles de Melun war der erstgeborene Sohn von Philippe de Melun († 1471) und Jeanne de Nantouillet. Er hatte einen Bruder, Louis de Melun, der Bischof von Meaux war und zwei Halbbrüder, Jean de Melun, Seigneur von Lezay und Antoine de Melun, Seigneur von la Motte-Saint-Florentin.

Er war zweimal verheiratet. Seine erste Frau war Anne-Philippe de la Rochefoucauld († um 1465). Er heiratete sie am 21. Januar 1453. Seine zweite Frau Philippe de Montmorency († 20. 11. 1516) heiratete er am 23. März 1465.

Charles de Melun hatte einen Sohn (Louis) und vier Töchter (Arethuse, Prégente, Ambroise, Marie und Louise) aus erster Ehe.

Wappen von Charles de Melun, selbst mit Inkscape gemalt, Public Domain

Wappen von Charles de Melun, selbst mit Inkscape gemalt, Public Domain

Aufstieg

Antoine de Chabannes (1408-1488) war Meluns Vorgesetzter gewesen. Er fiel 1463 in Ungnade bei Louis XI., weil er an der Aufdeckung der Praguerie beteiligt gewesen war. Die Praguerie war ein Komplott von Louis XI. gegen Regierungsbeamte seines Vaters gewesen. Chabanne wurde angeklagt und Melun wurde schon während des Prozesses zum Kurator über Chabannes Güter gemacht. Louis XI. verstand es gut seine Untergebenen und auch seine Feinde gegeneinander auszuspielen. Schon während des Prozesses deutete er gegenüber Melun an, dass die im Falle einer Verurteilung konfiszierten Güter an Melun gehen würden. Chabannes wurde verurteilt und die meisten seiner Ländereien wurden an Melun vergeben.

Außerdem wurde Melun 1463 Gouverneur von Paris und der Île-de-France und 1465 Grand maître de France. Ihm unterstand die Bastille. Er hatte eine Zeitlang den Befehl über die ganze französische Armee, jedoch nicht den Titel Connétable von Frankreich.

Charles de Melun und Jean de La Balue (1421-1491) kannten sich seit 1462. Sie waren bis kurz nach der Schlacht bei Montlhéry am 16. Juli 1465 gute Freunde. Melun gab in den Unterlagen seines Prozesses an, dass Balue und er in die gleiche junge Frau verliebt waren, weshalb ihre Freundschaft in Hass überging. Balue war zwar Kardinal aber er war bekannt für seine Ausschweifungen. Außerdem beneidete er Militärpersonen. Er nahm gern den Appell bei den Gendarmen von Paris ab.

Melun fiel durch ein Komplott von Jean de La Balue und Antoine de Chabannes, der 1465 durch den Vertrag von Conflans rehabilitiert worden war, bei König Louis XI. in Ungnade. Balue beschuldigte ihn der Konspiration mit den „Feinden des Staates“.

Louis de XI., rechts sein Bruder Charles und Antoine de Chabannes mit dem Stab des Grand maître, von Jean Fouquet, Public Domain

Louis XI., rechts sein Bruder Charles und Antoine de Chabannes mit dem Stab des Grand maître, von Jean Fouquet, Public Domain

Prozess

Als Richter fungierte Tristan l’Hermite, der Profoss des Königs. Melun wurde angeklagt die Schlacht bei Montlhéry sabotiert zu haben indem er Marschall Rouault nicht befahl mit 200 Lanzierern in den Rücken des feindlichen Heers zu fallen. Er habe das Stadttor der Bastille an der Rue Saint-Antoine aufgelassen, während Paris von der Ligue du Bien public belagert worden war. So dass die Bürger und der Bischof von Paris ungehindert mit den Mitgliedern der Ligue verhandeln konnten. Er habe außerdem zu viel Handel mit der Ligue getrieben. Die Ligue du Bien public war eine Gruppe von Baronen, die gegen die Politik von Louis XI. revoltierten, der die Macht der Feudalherren zugunsten der Königtums zurückdrängen wollte.

Melun gab unter der Folter zu die Mitglieder der ”Ligue” zweimal gesehen zu haben, Franz II. ein Pferd gegeben und Karl dem Kühnen ein Maultier. 36 Sester Wein habe er zwischen Franz II., Karl dem Kühnen und Jean II. de Bourbon aufgeteilt, die Marschall Rouault überbracht habe. Nach dem ersten Besuch bei der Ligue habe Louis XI. sein Missfallen über den Besuch geäußert und Melun sei nur noch einmal dorthin gegangen um eine Antwort zu überbringen.

Er verneinte Briefe an Charles de Valois, den Bruder des Königs, geschrieben zu haben. Verhandlungen mit Valois habe er im Auftrag des Königs unternommen.
Louis XI. behauptete Melun nie mit solchen Verhandlungen beauftragt zu haben.

Melun gab zu 500 Livres (Geld) von Karl IV. für seine Unterstützung in einem Prozess erhalten zu haben. Karl der IV. war in Ungnade gefallen weil er bei der Schlacht bei Monthléry geflohen war.

Daraufhin schickte L’Hermite einen Priester zu Melun, der ihm die Beichte abnahm. Melun wurde in Château-Gaillard in der Nähe von Petit Andely einsperren. Melun wurde am Dienstag dem 22. August 1468 zwischen 8 und 9 Uhr morgens in Petit-Andely geköpft und die meisten seiner Besitztümer konfisziert.

Château-Gaillard, von Wikimedia Commons user:Tango7174, Lizenz Gnu freie Dokumentation

Château-Gaillard, von Wikimedia Commons user:Tango7174, Lizenz Gnu freie Dokumentation

Nach seinem Tod

Zwei der konfiszierten Lehen Meluns wurden Antoine de Chabannes gegeben, der sein altes Ansehen und seine Titel wiederbekam und nach Melun Grand maître de France wurde. Nach Chabannes Tod rehabilitierte Karl VIII. Melun und seine Erben bekamen die beiden Lehen zurück, die an Chabannes gegangen waren. Meluns Sohn Louis, der Louis XI. zum Paten gehabt hatte, wurde Baron des Landes.

1472 heiratete Meluns zweite Frau Philippe den Baron Guillaume Gouffier († 1495) von Maulévrier. Es war zu der damaligen Zeit in Frankreich durchaus üblich, dass Frauen mehrfach heirateten.

Jean de la Balue fiel später selbst in Ungnade, wurde eingesperrt, jedoch nicht hingerichtet.

Quellen:
Franck Beaumont, Philippe Seydoux: Gentilhommières des pays de l’Eure erschienen bei Editions de la Morande in Paris 1999, Seiten 24f, ISBN:978-2902091317 (französisch)

Nicolas Viton de Saint-Allais: Nobiliaire universel de France, ou Recueil général des généalogies historiques des maisons nobles de ce royaume. Band 1, erschienen bei Bachelin-Deflorenne in Paris 1872-1878, Seiten 263+268f (französisch)

Etienne Pattou famille de Melun Seiten 13f, 2004, pdf (französisch)

Simon Hirsch Cuttler: The Law of Treason and Treason Trials in Later Medieval France, erschienen bei Cambridge University Press in Cambridge, 2003, Seiten=36,128,137-139, ISBN:9780521526432 (englisch)

Johann Samuel Ersch: Allgemeine Encyclopädie der Wissenschaften und Künste in alphabetischer Folge von genannten Schrifts bearbeitet und herausgegeben von J. S. Ersch und J. G. Gruber, erschienen bei J. f. Gleditsch 1842, Seiten 19f

Henri Forgeot: Jean Balue, cardinal d’Angers, 1421 ?-1491, erschienen bei E. Bouillon in Paris 1895, Seiten 46f (französisch)

Jean-Charles-Léonard Simonde Sismondi:Histoire des Français, erschienen bei Dumont 1837, Seite 5 (französisch)

Philippe de Commynes, Nicolas Lenglet Dufresnoy, Denis Godefroy: Memoires de Messire Philippe de Comines, seigneur d’Argenton, où l’on trouve l’histoire des rois de France Louis XI. & Charles VIII, erschienen bei Chez Rollin, fils 1747, Seiten=14-17 (französisch)

Peter Rolfe Monks, Bibliothèque royale Albert Ier, Keith Val Sinclair, Bibliothèque royale de Belgique: The Brussels Horloge de Sapience: iconography and text of Brussels, Bibliothèque royale, MS. IV 111, erschienen bei BRILL 1990, Seite 11, ISBN:9789004090880

Der Artikel ist mit der GNU Lizenz für freie Dokumentation lizenziert.

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s