normannische Legenden: das Fräulein von Fontenailles

Wenn man von Arromanches-les-Bains an der Steilküste entlang nach Longues-sur-Mer geht, kann man im Meer einen hohen Fels sehen, der den Wellen, Winden und Unwettern zu trotzen scheint. Das ist das “Fräulein von Fontenailles” (la Demoiselle de Fontenailles).

Dieser Fels war noch nicht immer an jener Stelle, die Fischer erzählen sich eine Legende über seine Entstehung. Vor vielen Jahrhunderten gebar eine junge Flüchlingsfrau eine Tochter. Ein abscheulicher Zwerg kletterte aus einer Höhle in der Nähe und behauptete, die Frau störe ihn und müsse verschwinden. Alles Weinen half nichts, der Peiniger blieb unversöhnlich. Deshalb fertigte die Frau ein Körbchen aus Blumen, legte ihr Kind hinein, umarmte es noch einmal und überantwortete es den Fluten.

Das Kleine wäre bestimmt ertrunken wenn nicht gerade die gute Fee Melusine vorbeigekommen wäre, die das Kind aufnahm und wie eine eigene Tochter in ihrem Palast grosszog.

Das Fräulien von Fontenailles, von Georges Lefèvre, public domain

Das Fräulien von Fontenailles, von Georges Lefèvre, public domain

Sylvania, der junge Schützling, wurde 18 Jahre alt und war wunderschön. Sie hatte nie mit jemandem anders als Melusine geredet, als sie eines Tages auf der blumenbewachsenen Heide an den oberen Bereichen der Steilküste einem jungen Mann begegnete. Sie redeten miteinander, sahen sich wieder, sahen sich mehrfach wieder und verliebten sich schliesslich ineinander. Arthur , so hiess der junge Mann, erzählte Sylvania von seinem traurigen Schicksal. Seine Eltern waren gestorben und er kam zu seinem Onkel, der ihn hungern liess, ihn den ganzen Tag arbeiten liess und ihm auch sonst das Leben sauer machte. Deshalb hatte er eines Tages beschlossen wegzulaufen. Auf seinem Weg habe ihm mehrfach eine nette Frau geholfen. Das war natürlich Melusine gewesen.

Sylvania erzählte Melusine von ihrer Liebe, die Fee gab Sylvania einen Zauerstab, wenn sie damit dreimal gegen etwas klopft, konnte sie sich etwas wünschen.

Beruhigt gesellte sich Sylvania zu Arthur und sie lebten glücklich in der Natur an der Küste.

die Steilküste bei Arromanches, von Vincent, public domain/gemeinfrei

die Steilküste bei Arromanches, von Vincent, public domain/gemeinfrei

Aber ein Dämon konnte das Glück nicht ertragen, er entführte Arthur und machte Arthurs Herz kalt gegenüber Sylvania. Melusine konnte es nicht verhindern, dass Arthur schliesslich zu einer Schäferin aus der Umgegend zog. Sylvania weinte und suchte ihren Geliebten überall.

Eines Tages sass Sylvania traurig am Strand als sie nahe des Ufers ein Boot sah, in dem Arthur und seine Schäferin sassen. Sylvania sah rot vor Wut, sie schnappte sich ihren Zauberstab, klopfte dreimal auf das Wasser und schrie: “mögen sie alle beide ertrinken und ein Fels soll hier entstehen als Mahnmal für zukünftige Generationen, dass man ein junges Mädchen nicht betrügen darf.”

Im gleichen Moment begann das Meer zu wüten und verschluckte Arthur und seine Schäferin und ein Fels stieg auf, der das “Fräulein von Fontenailles” genannt wurde.

Demoiselle de Fontenailles nach einer alten Postkarte, neben dem Fels stehen Leute herum, public domain/gemeinfrei weil Urheberrecht verjährt ist

Demoiselle de Fontenailles nach einer alten Postkarte, neben dem Fels stehen Leute herum, public domain/gemeinfrei weil Urheberrecht verjährt ist

Sylvania wurde nie wieder gesehen. Die Schäfer der Gegend erzählen, dass sie von Melusine in einem feurigen Wagen in den Himmel gebracht wurde.

Ein Unwetter liess den Fels 1902 im Meer versinken. Fontenailles war früher eine Gemeinde mit 177 Einwohnern anno 1856. Es wurde 1861 von Longues-sur-Mer eingemeindet.

Quelle:
Les Légendes Normandes, von Louis Bascan, eine Zusammenstellung von normannischen Legenden aus alten Quellen, ein Reprint von 1929 erschienen bei “les Editions du Bastion”, 1999, ISBN=2745500503, Seite 18-23, (französisch)

mehr Info über den Fels:
Longues-sur-Mer (Calvados) une des demoiselles de Fontenailles (französisch)

mehr Info über Longues-sur-Mer:
Longues-sur-Mer auf quid.fr

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