Normannische Legenden: Die Artuskluft im Wald von Mortain

Im Wald von Mortain, einer Gemeinde in der Basse-Normandie, gibt es einen tiefen Riss, ein klaffendes Loch, dessen Tiefe unbekannt ist: das ist die Artuskluft. Es fließt dort ein Bach und es gibt dort einen Wasserfall. Wenn man den Berg hochklettert findet man oberhalb der Schlucht eine Höhle, die durch ein Loch in der Decke von Sonnenstrahlen durchflutet wird. Sie wird Chambre de la Reine genannt, Zimmer der Königin. Auf der anderen Seite der Schlucht, eng und rissig, ist das Chambre du Roi, das Zimmer des Königs. Man sagt, dass Artus hier einige Zeit verbracht habe.

großer Wasserfall von Mortain, Foto von Crochet.david, Lizenz: CC by SA

großer Wasserfall von Mortain, Foto von Crochet.david, Lizenz: CC by SA

Artus kam von einem erfolgreichen Feldzug gegen fiese sächsische Piraten zurück, und musste feststellen, dass seine Frau verschwunden war. Er ging zu einem Eremiten und fragte ihn nach seiner Frau. Jener eröffnete ihm, dass Merlin, der Sohn des Teufels, seine Frau in die Normandie entführt habe.

Artus freute sich, dass seine Frau noch lebte, er übergab seine Staatsgeschäfte in die Hände der Tafelrunde und machte sich ganz alleine auf den Weg in die Normandie, wo freundliche Feen ihn an den Rand des Waldes von Mortain brachten. Artus ließ sich weder vom tiefen Schatten der Bäume stören, noch von Banditen, noch von wilden Tieren, und marschierte in den Wald.

Ein böser Geist trat ihm in den Weg, der Wächter seiner Frau, den Merlin gerufen hatte. Der Geist erlaubte Artus seine Frau jeden Tag eine Stunde lang bei Sonnenuntergang zu besuchen. Aber er drohte Artus zu töten, wenn jener versuchen sollte länger bei seiner Frau zu verweilen.

Die Freude war groß als Artus seine Frau wiedersah. So sahen sie sich ein paar Tage lang nur eine Stunde lang am Abend. Eines Tages ging Artus mittags den Berg hinunter, überquerte den Bach und traf auf seine Frau, die zwischen den Blumen am Ufer eingeschlafen war. Sie wachte auf und befürchtete sogleich, dass der Geist sie bestrafen würde. Es geschah aber nichts, also blieben sie zusammen. Wenige Tage später ging gerade die Sonne auf als Artus aus der Höhle ging. Plötzlich hörten sie ein furchtbares Geräusch aus der Richtung des Waldes. Das Geräusch kam näher. Es war ein tosender Wasserfall. Der Wasserfall schob Bäume und Felsen vor sich her und stürzte sich direkt auf Artus, der gerade im Tal angekommen war. Artus wurde in die Tiefe gerissen und ertrank.

kleiner Wasserfall von mortain, Foto von boblenormand, Lizenz: CC by SA

kleiner Wasserfall von Mortain, Foto von boblenormand, Lizenz: CC by SA

Als die Königin das Ende ihres geliebten Mannes mitansehen musste wurde sie verrückt. Sie schrie: “Du rufst mich? Artus nimm mich in die Arme, hier bin ich.” und sprang in die Tiefe. Sie fiel in die wirbelnden Fluten und ertrank ebenfalls. Die beiden Liebenden waren für immer vereint.

Der Geist erschien auf einem Stein und gebot dem Wasserfall weiterzufließen, um die Menschen an den Tod von Artus und seiner Frau zu erinnern, dann verschwand der Geist für immer.

Die Teufelsbrücke auf dem Gipfel des kleinen Wasserfalls, Foto von boblenormand, Lizenz: CC by SA

Die Teufelsbrücke auf dem Gipfel des kleinen Wasserfalls, Foto von boblenormand, Lizenz: CC by SA


Quelle:
Les Légendes Normandes, von Louis Bascan, eine Zusammenstellung von normannischen Legenden aus alten Quellen, ein Reprint von 1929 erschienen bei “les Editions du Bastion”, 1999, ISBN=2745500503, Seite 29-32, (französisch)

Webseite von Mortain:
www.ville-mortain.fr

One thought on “Normannische Legenden: Die Artuskluft im Wald von Mortain

  1. wunderbar, vielen Dank für diese tollen Bilder. Ich spüre förmlich wie mich das Wasser ruft. Gruss

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