normannische Legenden: die fantastische Brücke

Vor vielen Jahrhunderten hieß Pont-de-l’Arche, eine Stadt in der Nähe von Les Andelys in Eure, Hasdams. Noch heute heisst ein Teil von Pont-de-l’Arche “Les Damps”.

Hasdams war in der ganzen Normandie für seine Brücke über die Seine bekannt. Als die Brücke errichtet wurde brachte sie ihren Architekten zur Verzweiflung. Es war kein Problem gewesen 21 Brückenbögen zu errichten. Beim 22. Bogen aber war alles wie verhext. Der Mörtel verwandelte sich in Sand, die dicksten Steinblöcke wurden vom Fluss einfach davongeschwemmt.

Der Architekt setzte sich auf den Boden und sagte voller Verbitterung: „Ich kann nichts mehr tun, soll der Teufel doch die Brücke fertigstellen wenn er kann.“ Da hörte er eine Stimme sagen: „Der Teufel kann alles was er will.“ Der bestürzte Architekt blickte sich um, er sah niemanden als seinen Hund. Sein Hund war ein großer schwarzer Windhund, der ihn jetzt mit roten Augen ansah. Der Architekt hatte noch nie solche Augen gesehen, er dachte er hätte Halluzinationen, er zog die Schultern hoch und ließ den Kopf hängen. Da hörte er die Stimme wieder: „Ich wiederhole: der Teufel kann alles was er will.“ Diesmal war es klar, sein Hund hatte gesprochen, das Maul stand noch offen. Der Architekt wollte antworten, aber vor Angst war sein Mund ganz trocken und er brachte keinen Ton heraus.

Blick auf Pont-de-lArche vom Fluss aus, von Dickpenn, public domain

Blick auf Pont-de-l'Arche vom Fluss aus, von Dickpenn, public domain

„Hab keine Angst“, sagte sein Hund in sarkastischem Ton: „ich bin gekommen, um dir zu helfen.“
-„Dann stimmt es was die Leute sagen?“
-„Was sagen sie denn?“
-„Sie sagen du seist der Teufel.“
-„Das stimmt, ich konnte mich nicht mehr verstellen. Eines Tages wollten die Lehrlinge mich ins Wasser werfen, ich packte den Frechsten von ihnen am Hals und warf ihn in die Seine, wo er ertrank. Seitdem habe ich einen schlechten Ruf, aber man lässt mich in Ruhe. Das ist ja nun sowieso egal. Lass uns keine Zeit verlieren, willst du, dass ich dein Werk vollende?“
-„Das wünsche ich von ganzem Herzen, aber das ist unmöglich.“
-„Unmöglich? Nichts ist für mich unmöglich, wenn ich es will wird der 22. Brückenbogen morgen früh das andere Ufer berühren.“
-„Oh, da wäre ich dir sehr dankbar.“
-„Von Dankbarkeit hab ich aber nicht viel, ich hätte lieber etwas Praktischeres dafür.“
-„Was denn?“
-„Nicht viel.“
-„Ja was denn nun?“
-„Die Seele der ersten Kreatur die morgen früh die Brücke überquert.“
-„Mehr nicht?“
-„Das ist alles.“
-„Ich würd ja gern mit dir handeln aber wer garantiert mir…“
-„Ach, du meinst ich schaff das nicht? Ich werd dir Dinge zeigen, die du noch nie gesehen hast, klettere auf meinen Rücken und halt dich an meinem Halsband fest. Mach die Augen zu und öffne sie erst wenn ich es dir sage.“

ein Mönch an der Fassade der Kirche von Pont-de-lArche, von Sperreau, public domain

ein Mönch an der Fassade der Kirche von Pont-de-l'Arche, von Sperreau, public domain

Der Architekt tat wie sein Hund ihm befohlen hatte, im nächsten Augenblick waren die beiden an einem einsamen, verlassenen Ort. Felsen lagen herum als sei es der Friedhof von Riesen. Ein paar mickrige Pflanzen sprossen hier und dort. Der Hund bellte und anstelle der Felsen erschien ein wunderbarer Palast mit Säulen aus Onyx und Bodenplatten aus rosa Marmor. Der Architekt drehte sich zum Hund um, um ihm zu gratulieren. Statt des Hundes stand dort jedoch ein gutaussehender Edelmann der rote Velourkleidung und viel Schmuck trug. „Zweifelst du immer noch an meiner Macht?“, fragte der Edelmann.
-„Entschuldigung.“, murmelte der Architekt.
-„Dann sind wir uns also einig? Geh heim und schlaf bis morgen, in der Zeit baue ich dir deine Brücke und bekomme dafür die Seele der ersten Kreatur die die Brücke überquert.“
-„Einverstanden.“, sagte der Architekt.

Als der Architekt aufwachte war er in seiner Hütte, die er in der Nähe der Brücke gebaut hatte, um darin während der Bauarbeiten zu wohnen. Er rieb sich die Augen und sah seinen Hund, der ihn zu beobachten schien. Der Anblick riss ihn aus der Benommenheit. Er stand auf, zog sich an und lief hinaus.

Oh Wunder! Der 22. Bogen ging über den Fluss. Der Architekt war stolz auf sein Werk. Alle lobten ihn, die Arbeiter, sein Auftraggeber und die Einwohner. Da fiel dem Architekten ein, was der Teufel verlangt hatte. Er bat darum, dass einen Tag gewartet würde, bis die Brücke geöffnet würde und begab sich in seine Hütte. Er grübelte die ganze Nacht lang. Er hatte Angst um die Leute und um sich selbst.

Am Morgen brachte er seinem Auftraggeber einen Esel, um die Sicherheit der Brücke zu testen. Er piekte den Esel mit einer Nadel in den Po und der rannte über die Brücke. Der Teufel wartete in Gestalt des schwarzen Windhundes am 22. Bogen und war sauer, als er den Esel erblickte. Das war die erste Kreatur. Erniedrigt durch seine Niederlage schwor er nie wieder Verträge mit normannischen Architekten abzuschließen.

Quelle:
Les Légendes Normandes, von Louis Bascan, eine Zusammenstellung von normannischen Legenden aus alten Quellen, ein Reprint von 1929 erschienen bei “les Editions du Bastion”, 1999, ISBN=2745500503, Seite 135-139, französisch

Webseite von Pont-de-l’Arche:
http://www.pontdelarche.fr/ (französisch)

Eine Webseite über Pont-de-l’Arche und seine Geschichte:
Welcome to Pont-de-l’Arche (englisch

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