normannische Legenden: Die Burgherrin von Molay

Im Hunderjährigen Krieg (1337 -1453) kämpften Engländer gegen Franzosen und Franzosen gegen ihre Landsleute. Jeanne Bacon war in erster Ehe verheiratet mit Guillaume Bertrand, der 1352 in der Schlacht von Mauron fiel.

Nach der Schlacht von Mauron rückte der Lehnsherr von Balleroy mit seinen Mannen auf die Burg von Molay vor. Ein Bote kam zu Jeanne Bacon, der Burgherrin von Molay, durch. Er berichtete ihr vom Tod ihres Mannes und vom Anrücken des feindlichen Balleroy.

Jeanne Bacon befahl ihren Leuten sich zu bewaffnen und sie zog selbst ihre Rüstung an, sie wollte sich nicht kampflos ergeben. Der Tag verging und vom Feind war nichts zu sehen, denn der Wald von Plège lag zwischen Balleroy und Molay und der Herr von Balleroy versteckte sich darin. Jeanne befürchtete Balleroy könnte in der Nacht angreifen, und ließ große Feuer auf den Türmen des Burgwalls anzünden, so dass die Burg von einem flammenden Ring umgeben war. Es erschien immer noch kein Feind.

Molay, Littry und Balleroy auf einer Karte von César François Cassini de Thury (1714-1784), Lizenz:public domain

Molay, Littry und Balleroy auf einer Karte von César François Cassini de Thury (1714-1784), Lizenz:public domain

Jeanne schickte Späher aus, die ihr bestätigten, dass sich Balleroy im Wald verbarg. Sie erkannte, dass die Gefahr bestand, dass ihre Leute ermüdeten und ihr Feind nur auf diesen Moment wartete. Eine lange Belagerung würde sie nicht überstehen. Jeanne betete zu Gott, und bat um die Gnade ihre Feinde sehen zu dürfen. Der Himmel verdunkelte sich, die Luft trübte sich und der ganze Wald von Plège erhob sich und verpflanzte sich auf die andere Seite der Burg. Die Soldaten von Balleroy verloren ihre Deckung und marschierten nach einem Moment der Verwirrung auf die Burg von Molay zu.

Die Schlacht dauerte den ganzen Tag, Balleroy überwand mit seinen Leuten die Burgmauer aber Jeanne erschlug mit ihrer Axt seinen Bannerträger. Das gab ihren Leuten neue Kraft und sie trieben die Angreifer zurück. Balleroy selbst wurde verwundet, fiel in einen Wassergraben und ertrank. Sein Tod entmutigte seine Männer, die ihre Waffen fallen ließen und flohen. Es war ein furchtbares Blutbad, das Blut floss von den Mauern, im Hof, in den Burggraben und bis in den Bach von Molay.

Von diesem Tag erzählte man sich in der Gegend noch lange, vom Mut von Jeanne Bacon, vom Tod des Herrn von Balleroy und vom Wald, der seinen Platz änderte.

Le Molay wurde 1968 von Littry eingemeindet und heißt heute Le Molay-Littry. Jeanne Bacon heiratete in zweiter Ehe Jean Ier de Luxembourg-Ligny (1300-1364). Von der Burg von Molay sind heute nur noch Ruinen erhalten.

Illustration aus der französischen Version des Roman dAlexandre (geschrieben von Alexandre de Bernay im 12. Jahrhundert), Illustration von 1338-44, public domain

Illustration aus der französischen Version des Roman d'Alexandre (geschrieben von Alexandre de Bernay im 12. Jahrhundert), Illustration von 1338-44, public domain

Bild 37 aus einer illustrierten Bibel aus dem 14. Jahrhundert, Quelle:http://gallica.bnf.fr/, Lizenz: public domain

Bild 37 aus einer illustrierten Bibel aus dem 14. Jahrhundert, die Ritter tragen typische Kettenhemden, Quelle:http://gallica.bnf.fr/, Lizenz: public domain

Webseite von Le Molay-Littry und der intercom Balleroy-Molay-Littry:
http://www.ville-molay-littry.fr/
http://www.ibml.fr/

Quelle:
Les Légendes Normandes, von Louis Bascan, eine Zusammenstellung von normannischen Legenden aus alten Quellen, ein Reprint von 1929 erschienen bei “les Editions du Bastion”, 1999, ISBN=2745500503, Seite 140-145, französisch

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s