normannische Legenden: die Glocken von Corneville

Es gibt eine Operette namens “Les Cloches de Corneville”. Sie wurde vom Komponisten Robert Planquette (1848-1903) geschrieben und am 19. April 1877 uraufgeführt.Vorlage war ein Libretto von Louis-François Nicolaïe genannt Clairville (1811-1879) und Charles Gabet (1793-1860). Die Operette spielt in der Normandie im 17. Jahrhundert. Die Vorlage zu dem Libretto wiederum war eine Legende. Corneville-sur-Risle ist eine kleine Stadt, die südöstlich von Pont-Audemer an der Risle liegt. Bis 1801 hieß die Gemeinde nur “Corneville”. 2006 hatte sie 1 174 Einwohner.

Notenblatt der Operette, public domain/gemeinfrei wegen Alters, Quelle: http://desons.blogspot.com/

Notenblatt der Operette, public domain/gemeinfrei wegen Alters, Quelle: desons.blogspot.com/

Während des Hundertjährigen Kriegs (1337-1453) eroberten die Engländer die Abtei von Corneville. Sie plünderten die Abtei, schleppten alles was sie finden konnten hinaus und packten es auf zwanzig Karren. Ein Karren aber blieb leer. „Was sollen wir da drauf packen?“ fragten sich die Plünderer. Einer schlug vor ein riesiges Fass Wein aus dem Keller auf den Karren zu laden. Man hätte dann etwas zu trinken bis Rouen. Die Idee wurde bejubelt, aber das Fass war viel zu groß und sie schafften nicht es aus dem Keller zu holen. Da schrie ein anderer: „Lasst uns die größte der Glocken mitnehmen als Zeichen unseres Sieges!“ 12 Engländer stiegen auf den Glockenturm suchten die größte Glocke aus und schafften sie mit viel Schmerzen, schwitzend und schnaufend wie die Ochsen, auf den leeren Karren. Sie kamen aber nicht weit, nach wenigen Mettern brach die Achse. Da sah einer der Diebe ein Boot auf der Risle und zeigte es seinen Kumpanen. Also nahmen sie die Glocke und trugen sie auf das Boot. Das Gewicht der großen Menge an Metall brachte das Boot zum Kentern. Die Glocke wollte nicht englisch werden. Als die Plünderer versuchten ihre Beute aus der Risle zu fischen kam ein Trupp Soldaten des französischen Königs vorbei, stürzte sich auf die Engländer und zerstreute sie.

Seit dieser Zeit stimmt die große Glocke in der Risle mit ein wenn das Carillon (Glockenorchester) der Abtei spielt, als würde sie ihre Freude darüber, französisch geblieben zu sein, bekunden.

Hotel in Corneville-sur-Risle, eigenes Foto, public domain/gemeinfrei

Hotel in Corneville-sur-Risle, eigenes Foto, public domain/gemeinfrei

Ein Carillon ist ein Glockenorchester, so eins, wie der Typ in “Bienvenue chez les ch’ti” spielt. Die Glocken sind chromatisch oder diatonisch gestimmt und werden mittels einer Klaviatur über Seilzüge von einem Spieler gespielt.

Der letzte Seigneur von Corneville, der Marquis de la Rochethulon et Grente, ließ jene Operette komponieren und erwarb ein neues Carillon, das heute im Hotel “les Cloches de Corneville” aufbewahrt wird.

Kirche Notre-Dame in Corneville, eigenes Foto (auf commons), Lizenz:public domain/gemeinfrei

Kirche Notre-Dame in Corneville (12. Jahrhundert), eigenes Foto (auf commons), Lizenz:public domain/gemeinfrei

Eingang der Kirche, eigenes Foto (auf commons), Lizenz:public domain/gemeinfrei

Eingang der Kirche, eigenes Foto (auf commons), Lizenz:public domain/gemeinfrei

Weblinks:
Les carillons à clavier u.a. ein Bild des Carillons von Corneville
3 alte Postkarten von Corneville (oben auf Pfeil nach > klicken für die nächsten)
noch mehr alte Postkarten im Archiv des Départements Eure

Quelle:
Les Légendes Normandes, von Louis Bascan, eine Zusammenstellung von normannischen Legenden aus alten Quellen, ein Reprint von 1929 erschienen bei “les Editions du Bastion”, 1999, ISBN=2745500503, Seite 182f, französisch

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