Der Ort Beaumesnil

Ich “klau” dann mal meinen eigenen Gemeindeartikel zu Beaumesnil in Eure.

Beaumesnil ist eine französische Gemeinde im Département Eure in der Region Haute-Normandie. Sie ist Teil des Gemeindeverbands ”Communauté de communes du canton de Beaumesnil”. Die Einwohner nennen sich Beaumesnilois(es). Die niedrigste Einwohnerzahl hatte Beaumesnil 1793 (357), die höchste Einwohnerzahl 1946 (628). 2006 hatte es 527 Einwohner.

Geografie

Beaumesnil liegt 11,7 Kilometer südöstlich von Bernay an der Route départementale (Departementsstraße) D140. Die Weiler Pierre-Ronde und Saint Lambert gehören zu Beaumesnil. Saint Lambert wurde zwischen 1795 und 1800 eingemeindet, Saint Lambert 1854.

In Beaumesnil gab es 1995 und 1999 Probleme durch Marnières (mittelalterliche Mergelgruben).

Die Kirche Saint-Nicolas,  Foto von Wikimedia Commons Benutzer Codepem, Lizenz: Creative Commons Attribution ShareAlike 3.0/CC by SA

Die Kirche Saint-Nicolas, Foto von Wikimedia Commons Benutzer Codepem, Lizenz: Creative Commons Attribution ShareAlike 3.0/CC by SA

Geschichte

Beaumesnil wird als “Bello Mesnillo” in einer Urkunde von 1195 erwähnt. “Bello” ist vom lateinischen bellus, “schön”, abgeleitet und “Mesnil” ist vom spätlateinischen Wort “mansionile”, kleines “mansio” (Haus), abgeleitet. Es heißt also „schönes Häuschen“.

1179 brachte Jeanne de Meulan das Lehen Beaumesnil mit in die Ehe mit Robert II. Baron d’Harcourt (1124–1212) ein. Es blieb in diesem Familienzweig bis Robert VI. d’Harcourt 1415 in der Schlacht von Azincourt getötet wurde. Danach fiel Beaumesnil an Roberts Cousin Guillaume de Tournebu.
Schon 1418 ließ Heinrich V. von England „Herrenhaus, Schloss, Motte, Taubenhaus und Hof“ beschlagnahmen und schenkte es Robert Willoughby, dem 6. Baron Willoughby de Eresby. 1435 verloren die Engländer das Anwesen, erhielten es zurück und verloren es 1441 erneut. Pierre de Brézé hatte es zurückerobert. Die Engländer holten sich den Besitz ein weiteres Mal zurück und behielten ihn bis 1470.
Jean II. de Lorraine erwarb das Anwesen im Jahr seines Todes. Es blieb im Besitz seiner Familie bis 1602. Jacques le Conte, Seigneur de Nonant (Nonant-le-Pin), erwarb es. Sein Enkel, Jacques Le Conte, Marquis de Nonant und Baron de Beaumesnil, begleitete 1625 Henrietta Maria von Frankreich nach England, wo sie Karl I. von England heiratete. Danach ließ er das heutige Schloss Beaumesnil erbauen.
1660 heiratete Catherine Le Conte de Nonant Hérard Bouton, II. Comte de Chamilli. Da ihr einziger Sohn 1722 starb, brachte eine ihrer Töchter Beaumesnil durch Heirat in den Besitz der Familie Martel de Cleres. Ebenfalls durch Heirat fiel das Lehen an die Familie “de Béthune”. Armand-Joseph de Béthune (1738-1800), Pair von Frankreich und Duc von Béthune-Charost, machte Beaumesnil zu seinem bevorzugten Wohnsitz. Da sein Sohn 1794 guillotiniert worden war und keine Erben hinterließ, fiel Beaumesnil durch die Heirat der Witwe Maximilienne de Béthune an die Familie Montmorency-Laval. Der Duc de Montmorency-Laval ließ 1819 die Kirche Saint-Nicolas neu errichten.

1793 wurde Beaumesnil als Beaumesnil im Zuge der Französischen Revolution offiziell als „Gemeinde“ bezeichnet und erhielt 1801 als Beaumesnil kommunale Selbstverwaltung.

Mairie/Rathaus, Foto von Wikimedia Commons Benutzer Codepem, Lizenz: Creative Commons Attribution ShareAlike 3.0/CC by SA

Mairie/Rathaus, Foto von Wikimedia Commons Benutzer Codepem, Lizenz: Creative Commons Attribution ShareAlike 3.0/CC by SA

Hans Fürstenberg (1890-1982) war ein deutscher Bankier. Er besaß eine bedeutende Buchsammlung, deutsche Originalausgaben, Holzschnitte, französische Bücher des 18. Jahrhunderts und schöne Einbände. 1936 wurde er gewarnt, dass die Geheime Staatspolizei ihn verhaften wolle und floh mitsamt seinen 16000 Büchern nach Paris. 1939 kaufte er Schloss Beaumesnil. Fürstenberg nahm Verbindung zu Julien Cain (1887-1974) auf, dem damaligen Direktor der Bibliothèque nationale de France (französische Nationalbibliothek, kurz BN) und schenkte der Bibliothek 700 Erstausgaben deutscher Bücher. Als die deutsche Armee auf Paris zu marschierte, verlagerte die BN einige wertvolle Manuskripte nach Beaumesnil. Die Archives de France verlagerten die Archive von Rouen nach Beaumesnil. Einige der Manuskripte der BN und der Bücher Fürstenbergs wurden noch per Zug nach Südfrankreich geschickt. Als die Deutschen Beaumesnil besetzten, wurde ein Teil der Archive zerstört und ein Teil wurde nach Paris geschafft. Fürstenbergs Bücher wurden vom Einsatzstab Reichsleiter Rosenberg beschlagnahmt und zur Zentralbibliothek der Hohen Schule der NSDAP in Berlin gebracht.

Kriegerdenkmal in Beaumesnil, Foto von Wikim. Commons Benutzer: Codepem, Lizenz: Creative Commons Attribution ShareAlike 3.0/CC by SA

Kriegerdenkmal in Beaumesnil, Foto von Wikim. Commons Benutzer: Codepem, Lizenz: Creative Commons Attribution ShareAlike 3.0/CC by SA

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Das Schloss Beaumesnil wurde von 1633 bis 1640 im Barockstil Louis XIII. erbaut und kann besichtigt werden. Es enthält ein Buchbindereimuseum mit Exemplaren der Buchbindekunst ab dem 16. Jahrhundert. Der Park des Schlosses wurde von Jean-Baptiste de la Quintinie (1624–1688) im 17. Jahrhundert gestaltet.

Die Kirche Saint-Cyr steht im Weiler Pierre-Ronde. Sie wurde auf einer Kirche aus dem 12. Jahrhundert erbaut, von der jedoch nur noch ein Teil einer Mauer des heutigen Kirchenschiffs erhalten ist und vielleicht das Portal. Die heutige Kirche stammt aus dem 15. Jahrhundert. Der Portalvorbau, die Fenster und das Friedhofskreuz stammen aus dem 16. Jahrhundert. Der Altaraufsatz wurde im 17. Jahrhundert gestaltet. Der Chor wurde 1746 erneuert. Die Kirche gehört seit 1932 zu den Site Inscrit (eine offizielle Einrichtung des Denkmalschutzes für “natürliche” Anlagen in Frankreich).

Die Kirche Saint-Nicolas wurde 1819 als Ersatz für die alte zerstörte Pfarrkirche Saint-Nicolas-Saint-Eugène erbaut. Sie ist Nikolaus von Myra geweiht. Seit ihrem Bau wurde die Kirche kaum verändert. Sie enthält Altaraufsätze aus dem 17. Jahrhundert. Die Kirche steht rechts vom Portal des Schlosses. In ihre Fassade sind die Buchstaben D.O.M. eingearbeitet, was lateinisch ist und “Deo Optimo Maximo” („dem gnädigsten und erhabensten Gott“) bedeutet.

Es gibt mehrere Fachwerkhäuser in Beaumesnil, die im 17. Jahrhundert erbaut sind.

Das Kriegerdenkmal in Beaumesnil wurde in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts von dem Skulpteur Eugène Benet aus Rouen geschaffen.

Fachwerkhaus in Beaumesnil, Foto v. Wikim. Commons Nutzer Codepem, Lizenz: Creative Commons Attribution ShareAlike 3.0/CC by SA

Fachwerkhaus in Beaumesnil, Foto v. Wikim. Commons Nutzer Codepem, Lizenz: Creative Commons Attribution ShareAlike 3.0/CC by SA

Wirtschaft

Es gibt eine Straußenfarm namens “Eur’Autruches” in Beaumesnil, die besichtigt werden kann. Wichtige Erwerbszweige des Ortes sind die Zucht von Geflügel und Hausrindern.

Persönlichkeiten

Charles de Maistre (1832-1897) war Schlossherr von Beaumesnil und ist vor allem bekannt für sein Engagement im sozialen Bereich, sein Sohn Joseph de Maistre ( 1861-1931), gründete den Verein “Le repos” (die Erholung), der seit 1997 “Association RP de Maistre” genannt wird. Dem Verein gehört das “Institut Médico-Educatif” in Beaumesnil, eine Schule für Menschen mit Behinderungen im Alter von 6-20 Jahren.

Links und Quellen:

Beaumesnil auf Wikimedia Commons (französisch)
Beaumesnil auf der Seite der Prefecture von Eure(französisch)
Beaumesnil auf annuaire-mairie.fr(französisch)
Beaumesnil, Risques: Mouvement de terrain(französisch)
Toponymie générale de la France Band 1 von Ernest Nègre, erschienen bei Librairie Droz 1990, Seite:1419, ISBN=9782600028844
Gentilhommières des pays de l’Eure von Franck Beaumont und Philippe Seydoux erschienen bei Editions de la Morande in Paris 1999, Seite:308-310, ISBN=978-2902091317 (französisch)
Mémoires et notes de M. Auguste Le Prevost pour servir à l’histoire du département de l’Eure von Auguste Le Prévost, Léopold Delisle und Louis Paulin Passy von der Société d’agriculture des belles-lettres, sciences et arts de L’Eure, Évreux erschienen bei Hérissey 1862, Seiten:198-200 (französisch)
Jüdischer Buchbesitz als Raubgut: zweites Hannoversches Symposium Herausgegeben von Regine Dehnel, Artikel von Sem C. Sutter Band 88 der Zeitschrift für Bibliothekswesen und Bibliographie erschienen bei Vittorio Klostermann 2006, Seiten:126-129, ISBN=9783465034483 (englisch)
Eglise Paroissiale Saint-Cye, Sainte-Julitte à Beaumesnil (französisch)
Manoir à Beaumesnil(französisch)
Eur’Autruches (französisch)
Beaumesnil auf quid.fr (französisch)
Association RP de Maistre (französisch)
http://cassini.ehess.fr/cassini/fr/html/fiche.php?select_resultat=3217 Beaumesnil auf cassini.ehess.fr (französisch)

Der Text dieses Artikels steht unter der total bescheuerten GNU-Lizenz für freie Dokumentation Die Teile, die ich verwendet habe sind alle von mir geschrieben worden. Jetziger Artikel in Wikipedia. Und seine Versionsgeschichte. Und halt ich. Womöglich zwingen die mich sonst mich selbst zu verklagen oder so…

One thought on “Der Ort Beaumesnil

  1. […] Franc-Tireurs von Bernay positionierten sich im Wald von Beaumesnil, da sie annahmen, daß die Preußen aus dem Süden kommen würden. Ab dem 6. Dezember 1870 […]

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