Château de Beaumesnil endgültig

Gestern habe ich dann endlich einen Artikel über Schloss Beaumesnil in Wikipedia de veröffentlicht, und verwurste ihn jetzt auch hier. Ich verwende die Version vom 30. September 2009 um 20:26 Uhr, denn da hatte noch niemand anders dran herumgewerkelt. Ich sags vorab, lizenzieren muss ich das Ding unter GNU-Lizenz für freie Dokumentation, die ich persönlich total doof finde.

Das Château de Beaumesnil wurde in Beaumesnil von 1631 bis 1640 im Barockstil Louis XIII. erbaut. Es ist als “Monument historique” (historisches Denkmal) klassifiziert. Zu dem Schloss gehört ein 50 Hektar großer Park mit einer Gartenanlage à la française (im französischen Stil). In dem möblierten Schloss befindet sich ein Buchbindereimuseum.

Eingang zum Schloss Beaumesnil, Foto von PHILDIC, Lizenz:public domain/gemeinfrei

Eingang zum Schloss Beaumesnil, Foto von PHILDIC, Lizenz:public domain/gemeinfrei

Geschichte

Die Erbauer

Jacques le Conte, marquis de Nonant und baron de Beaumesnil, ließ das Schloss für seine Frau Marie Dauvet Desmaret auf dem Platz einer mittelalterlichen Burg (Motte) erbauen. Die mittelalterliche Burg war etwa um 1250 erbaut worden. Teile des mit Buchsbaum bedeckten Donjons existieren immer noch. Marie Dauvet Desmaret war die Enkelin von Nicolas Brûlart de Sillery (1544-1624), der Kanzler von Frankreich gewesen war. Sie setzte nach dem Tod ihres Mannes die Bauarbeiten fort.

die mit Buchsbaum bewachsene Motte, Foto von PHILDIC, Lizenz: public domain/gemeinfrei

die mit Buchsbaum bewachsene Motte, Foto von PHILDIC, Lizenz: public domain/gemeinfrei

Am Bau wirkten 1631 Martin und Toussaint Laflèche mit, zwei Maurermeister aus Feucherolles (im Département Yvelines) die nach Zeichnungen des Marquis de Nonant arbeiteten. Ebenfalls 1631 verrichtete der Zimmerer Jean Loiseau sämtliche Zimmerarbeiten am Mauerwerk und erstellte die Fußböden. Der Maurermeister Jean Gaillard aus Rouen ließ im selben Jahr die Fassade auf der Hofseite errichten und leitete die Maurerarbeiten zu jener Zeit. Er ließ Baptiste Bastard und Jean Beauroulles, Maurermeister aus Saint-Pierre-de-Cernières, die Maurerarbeiten an der Terrassenseite verrichten.

1633 traf sich Jean Gaillard mit dem Marquis de Nonant um die Größe der Steine im ersten Stock zu besprechen. 1638 wird ein Dachdecker namens Gervais Lemarinier erwähnt. Jacques-François Leclerc Skulpteur und Brunnenbauer (Fontainier) hatte im Juni 1639 die Arbeiten an den Skulpturen noch nicht beendet.

Halbmondgarten, dahinter Garten der vier Jahreszeiten, Foto von PHILDIC, Lizenz: public domain/gemeinfrei

Halbmondgarten, dahinter Garten der vier Jahreszeiten, Foto von PHILDIC, Lizenz: public domain/gemeinfrei

Der einzige Sohn Jacques Le Conte de Nonants starb 1654 im Alter von 20 Jahren. Seine Schwester Catherine erbte daraufhin Beaumesnil. Sie heiratete sechs Jahre später Hérard Bouton, Comte de Chamilly und Gouverneur von Dijon (†1672).

Spätere Besitzer

Pferdestall und Kutschenschuppen wurden 1706 erbaut.

Garten der vier Jahreszeiten und ganz im Hintergrund eine Stallung, eigenes Foto, Lizenz: public domain/gemeinfrei

Garten der vier Jahreszeiten und ganz im Hintergrund eine Stallung, eigenes Foto, Lizenz: public domain/gemeinfrei

Durch Heirat gelangte das Schloss in den Besitz der Familie Martel de Graville. Von 1735 bis 1757 ließ die Marquise Martel de Graville die Fenster vergrößern, eine Lindenallee pflanzen und den Park umgestalten. Es existiert ein Plan des Parks von 1760.

Blick vom Schloss auf den Park, Foto von PHILDIC, Lizenz:public domain/gemeinfrei

Blick vom Schloss auf den Park, Foto von PHILDIC, Lizenz:public domain/gemeinfrei

Ebenfalls durch Heirat fiel das Lehen an die Familie de Béthune. Armand-Joseph de Béthune (1738-1800), pair von Frankreich und duc von Béthune-Charost, machte Beaumesnil zu seinem bevorzugten Wohnsitz. Sein Sohn wurde am 27. April 1794 im Zuge der Französischen Revolution guillotiniert und hinterließ keine Erben. Am 29. Dezember 1793 wurde das Archiv des Schlosses verbrannt, und im Juni und Juli 1794 wurden die Möbel des Schlosses versteigert. Ich sag das hier nochmal im Klartext für jene die die Französische Revolution so toll finden: während sein Vater Bürgermeister in Paris war, wurde das Schloss von den Revolutionsbrigaden konfisziert, der Sohn wurde ins Gefängnis gesteckt, weil er ein Schloss besaß und weil man sich seine Güter aneignen wollte. Sämtliche Urkunden im Schlossarchiv wurden in Säcke gepackt und verbrannt. Es wurden Bäume im Park gefällt und alles bewegliche Gut aus dem Schloss geräumt und verkauft oder daheim gehortet. Und der 32 jährige Mann wurde geköpft. In der französischen Wikipedia haben sie extra eine Kategorie: “Personne exécutée par décapitation” (Person die durch Köpfung exekutiert wurde) weil es sich bei denen wirklich lohnt dafür eine Kategorie aufzumachen.

Nach Béthune-Charosts Tod fiel Beaumesnil 1802 durch die Heirat der Witwe Maximilienne-Augustine de Bethune mit Eugène de Montmorency-Laval († 1851) an die Familie Montmorency-Laval. Eugène de Montmorency-Laval erhielt nach dem Tod seines älteren Bruders Mathieu de Montmorency-Laval den Herzogstitel. Er war sehr katholisch und ließ 1819 die Pfarrkirche Saint-Nicolas am Eingangstor zum Schlossgrundstück errichten.

Das Innere der Kirche in Beaumesnil, Stich von Edouard-Auguste Villain (1829 - 1876), public domain/gemeinfrei

Das Innere der Kirche in Beaumesnil, Stich von Edouard-Auguste Villain (1829 - 1876), public domain/gemeinfrei

Ab 1830 wurden landschaftsgärtnerische Anlagen hinzugefügt, die teilweise durch die Restaurationsarbeiten in den Jahren nach 1950 entfernt wurden.

1833 heiratete Eugène de Montmorency-Laval in zweiter Ehe die Tochter des Schriftstellers Joseph Marie de Maistre (1753-1821) und vererbte das Schloss an seinen Schwager Rodolphe de Maistre (1789–1866).

Die neugotische Begräbniskapelle trägt die Jahreszahl 1835. Sie wurde von dem schweizer Architekten Joseph-Antoine Froelicher entworfen. Die Pavillons wurden im 19. Jahrhundert vergrößert.

Dmitri Pawlowitsch Romanow (* 18. September 1891 bis † 5. März 1941), Großherzog von Russland, besaß das Schloss ab 1937, verkaufte es jedoch schon 1939 an Jean Furstenberg, der das Schloss neu möblierte und restaurieren ließ.

Jean Furstenberg (1890-1982) (eigentlich „Hans Fürstenberg“) war ein deutscher Bankier. Er hatte eine bedeutende Buchsammlung, deutsche Originalausgaben, Holzschnitte, französische Bücher des 18. Jahrhunderts und schöne Einbände. 1936 floh er mitsamt seinen 16000 Büchern nach Paris. Furstenberg nahm Verbindung zur Bibliothèque nationale de France (französische Nationalbibliothek, kurz BN) auf und schenkte der Bibliothek 700 Erstausgaben deutscher Bücher. Als die deutsche Armee auf Paris zu marschierte, verlagerte die BN einige wertvolle Manuskripte in das Schloss Beaumesnil. Die Archives de France verlagerten die Archive von Rouen in das Schloss. Kurz vor der Ankunft der Deutschen wurden einige der Manuskripte und Bücher noch per Zug nach Südfrankreich geschickt. Als Beaumesnil besetzt wurde, wurde ein Teil der Archive zerstört und ein Teil wurde nach Paris geschafft. Furstenbergs Bücher wurden vom Einsatzstab Reichsleiter Rosenberg beschlagnahmt und zur Zentralbibliothek der Hohen Schule der NSDAP in Berlin gebracht.

Bibliothek, Foto von PHILDIC, Lizenz: public domain/gemeinfrei

Bibliothek, Foto von PHILDIC, Lizenz: public domain/gemeinfrei

Heutige Nutzung

Heute befindet sich das Schloss im Besitz der als gemeinnützig anerkannten Stiftung Fondation Furstenberg-Beaumesnil, die sich seit Jean Fürstenbergs Tod um die Erhaltung des Schlosses bemüht und Schlossbesuche möglich macht. Besichtigungen sind von Ostern bis September möglich.

Anlage

Das heutige Schloss Beaumesnil ist einzigartig in Frankreich, vergleichbar nur mit der Fontaine Médicis und dem Hôtel de Sully in Paris.

Das eigentliche Schloss besteht aus einem Hauptgebäude, das von zwei kleineren Pavillons flankiert wird. Froelicher veränderte die Pavillons im 19. Jahrhundert, so dass sie mehr dem Klassizismus entsprachen. Ihr heutiges Aussehen verdanken sie Henri Jacquelin, einem normanischen Architekten, der in Évreux geboren wurde und auch die Burg Hattonchâtel restaurierte. Er ließ die Pavillons um 1921 erneut mit Skulpturen versehen. Das Hauptgebäude besitzt 4 Etagen, Keller, 2 Wohnetagen und Dachgeschoss. Es ist nicht genau nach den Himmelsrichtungen ausgerichtet, die Vorderfront liegt etwa nach Westen.

Rückseite des Schlosses, eigenes Foto, Lizenz:public domain/gemeinfrei

Rückseite des Schlosses, eigenes Foto, Lizenz:public domain/gemeinfrei

Die Fenster sind mit Säulen und Pilastern umgeben. Über den Fenstern befinden sich Dreiecksgiebel, die mit Kugeln, Vasen, Cherubim, heraldischen und militärischen Attributen und Masken der Commedia dell’arte geschmückt sind. Auch der Dachgiebel und die großen Schornsteine sind derartig verziert. Bei den Änderungen, die 1735 bis 1757 an den Fenstern des Erdgeschosses vorgenommen wurden, wurden deren Verzierungen entfernt und dafür Eisengitter angebracht. Über dem Eingang wurden im 19. Jahrhundert die Wappen der Familien Montmorency-Laval und Béthune-Charost modelliert. Das Wappen des Erbauers findet sich am Dachgiebel der Ostfassade.

Wappen über der Eingangstür, Foto von PHILDIC, Lizenz: public domain/gemeinfrei

Wappen über der Eingangstür, Foto von PHILDIC, Lizenz: public domain/gemeinfrei

Der Treppenaufgang im Inneren des Schlosses ist nach oben hin verjüngt und vermittelt deshalb den Eindruck großer Höhe. Der Salon besitzt verzierte eichene Wandverkleidungen, die Gonzague de Maistre (1873-1936) nach dem Vorbild von Wandverkleidungen im Schloss Versailles gestalten ließ. Heute befinden sich im Esszimmer, der Bibliothek und einigen anderen Räume, antike Möbel und die Sammlungen des Bucheinbandmuseums.

im großen Salon, Foto von PHILDIC, Lizenz: public domain/gemeinfrei

im großen Salon, Foto von PHILDIC, Lizenz: public domain/gemeinfrei

Von den Gärten, die gleichzeitig mit dem Schloss eingerichtet wurden, existieren nur noch die Statuen. Einige der Statuen haben allerdings durch Restaurationsarbeiten ihren ursprünglichen Ausdruck verloren. Die ursprünglichen Gärten waren von Jean-Baptiste de la Quintinie (1624–1688) gestaltet worden, der auch den Potager du Roi, den Gemüsegarten des Königs, in Versailles entworfen hat. Die ursprünglichen barocken Gartenanlagen enthielten einen Gemüsegarten links, Lustgärten und Obstbäume rechts vom Schloss (vom Eingang aus gesehen). Es gab außerdem ein Labyrinth. Ein Kanal an der rechten Seite, der aus dem 18. Jahrhundert stammt, versorgte Gärten und Graben mit Wasser. Im 19. Jahrhundert waren die Gärten in einen Park verwandelt worden. Der heutige „Garten der vier Jahreszeiten“ zwischen dem Wassergraben und dem Ehrenhof wurde im 19. Jahrhundert als „Garten der Madame“ angelegt, allerdings gab es darin zu jener Zeit Bäume. 1927 wurden die Bäume gefällt, Rasen gepflanzt und ein Brunnen angelegt.

Das Schloss ist umgeben von einem großen Wassergraben, der an der Vorderseite des Schlosses über eine Brücke mit dem Ehrenhof verbunden ist. Die ursprüngliche Terrasse war nur 23 m breit und 4,5 m lang gewesen, wurde im 18. Jahrhundert aber vergrößert. Am Ehrenhof befinden sich heute Gartenanlagen im französischen Stil.

Die Reste der Motte wurden als Eishaus genutzt. Im 19. Jahrhundert wurde ein begehbarer Weg auf der mit Buchsbaum bewachsenen Motte angelegt.

Denkmalschutz

Am 8. Mai 1926 wurde das Schloss in das Zusatzverzeichnis der Monuments historiques eingetragen. Später klassifizierte Teile des Schlosses wurden aus dem Zusatzverzeichnis ausgetragen. Klassifizierte Teile sind: Fassaden, Dächer, der große Treppenaufgang im Inneren des Schlosses, der Ehrenhof, der Wassergraben, das Ensemble von Park und Terrasse sowie die Motte. Die Klassifizierung fand am 20. Dezember 1966 statt. Der Park an sich, der Vorhof, der Obstgarten, der eingezäunte Garten mit seinen Anlagen, Gittern und Toren, Fassaden und Dächer der Pavillons und der Bediensteteneingang wurden am 5. Februar 1997 in das Zusatzverzeichnis der Monuments historiques eingetragen.

Literatur

Bertrand Jestaz: Le Château de Beaumesnil. In: Congrès archéologique de France. 138, Société Française d’Archéologie, 1984, S. 191-217. (französisch)

Jean Furstenberg: Architecture et chronique du Château de Beaumesnil. Picard, 1970. (französisch)

Auguste Bouillet: Le Chateau de Beaumesnil (Eure): histoire et description. H. Delesques, Caen 1890. (französisch)

Henri Quevilly: Histoire de Beaumesnil. Nachdruck der Originalausgabe von 1873 Auflage. Res Universis, Paris 1989, ISBN 9782877601863. (französisch)

Quellen

Domaine de Beaumesnil (également sur commune de Gouttières) à Beaumesnil (französisch)

Franck Beaumont, Philippe Seydoux: Gentilhommières des pays de l’Eure. Editions de la Morande, Paris 1999, ISBN 978-2902091317, S. 308-310. (französisch)

Château, château fort à Beaumesnil (französisch)

Auguste Le Prévost, Léopold Delisle, Louis Paulin Passy, Société d’agriculture des belles-lettres, sciences et arts de L’Eure, Évreux: Mémoires et notes de M. Auguste Le Prevost pour servir à l’histoire du département de l’Eure. Hérissey, 1862, S. 198-200 (in Google Books). (französisch)

Eglise Paroissiale Saint Nicolas, Saint Eugène à Beaumesnil (französisch)

Sem C. Sutter: Jüdischer Buchbesitz als Raubgut: zweites Hannoversches Symposium. In: Regine Dehnel (Hrsg.): Zeitschrift für Bibliothekswesen und Bibliographie. Nr. 88, Vittorio Klostermann, 2006, ISBN 9783465034483, S. 126-129 (in Google Books). (englisch)

Beaumesnil auf quid.fr (französisch)

Weblinks

offizielle Webseite (französisch/englisch)

Commons: Schloss Beaumesnil – Sammlung von Bildern

Schloss Beaumesnil als 3D-Modell im 3D Warehouse von Google SketchUp

und meine älteren Artikel über das Schloss:
Schloss Beaumesnil die Zweite

Beaumesnil, das normannische Versailles

2 thoughts on “Château de Beaumesnil endgültig

  1. “The celebrities at the French Castle” Hattonchâtel Château

    This past week, Danish TV2 filmed “The celebrities at the Castle 2010” at Hattonchâtel Château in France. There were five Danish celebrities whom stayed at this magnificent castle in the north of France: handball coach Anja Andersen, Actor Kim Bodnia, TV presenter Cristiane Schaumburg-Müller, music producer Remee from Hollywood and TV presenter Hans Pilgaard.

    A romantic Castle stay
    Hattonchâtel Château is a spectacular castle for wedding celebrations, romantic weekends, and a once-in-a-lifetime holiday location. Go to the website Ritz Resorts and you will see the place you have been dreaming of your entire life – a place where dreams come true.

    Okay, ich genehmige diesen Werbelink mal. Der Linktext ist in deutsch und vielleicht interessiert das ja irgendwen Reiches (es geht um Heirat in Franzland aufm Schloss). Da steht auch was über Jagd in Frankreich und so weiter, das ist ja vielleicht auch für irgendwen interessant. Hat aber genau nix mit Château Beaumesnil zu tun.

  2. […] schloss beaumesnil von stanzebla Wie immer gingen wir mit dem Besucher (Florian) zum Schloss Beaumesnil. Dieses Jahr wird die Orangerie restauriert. Dieses Mal hab ich endlich begriffen wo die […]

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