das Dorf Saint-Victor-d’Épine

Saint-Victor-d’Épine hatte 2006 320 Einwohner. Es liegt nördlich von Notre-Dame-d’Épine in Eure in der Haute-Normandie. Im Ortskern stehen nur wenige Häuser, die sind allerdings ziemlich hübsch. Am südlichen Ortseingang befindet sich “maison de la charité” (Wohlfahrtshaus). Ich habe bis heute keine Ahnung wie genau diese Häuser verwendet werden. Meist sind sie nur “chambre de la charité” (Wohlfahrtszimmer) und befinden sich in oder an Kirchen. Also dachte ich dort werden Almosen gesammelt und ausgeteilt. Es gibt auch einen Verein der sich “maison de la charité chrétienne” nennt, Verein christlicher Nächstenliebe. Das Wohlfahrtshaus in Saint-Victor-d’Épine wurde 1875 erbaut und diente auch als Sitz der “Confrérie de charité” (Brüderschaft der Wohltätigkeit), eine Wohlfahrtsorganisation der Pfarrgemeinden in der Normandie.

Schild am maison de la charité, eigenes Foto, Lizenz: public domain/gemeinfrei

Schild am maison de la charité, eigenes Foto, Lizenz: public domain/gemeinfrei

Die Kirche Saint-Victor wurde im 16. Jahrhundert erbaut und gegen Ende des 19. Jahrhunderts umgebaut. Hinter der Kirche stehen (wie bei den meisten Kirchen in dieser Gegend) zwei riesige Eiben, von denen eine 1000 Jahre alt sein soll. Die Eibenbilder die ich gemacht hab habe ich in die Tonne gekloppt, weil ich dachte sie seien nicht gut genug, hinterher auf der Seite des Tourismusbüros stellte ich fest, dass die offiziellen Fotos auch nicht besser sind. Vielleicht gibts ja ein nächstes Mal.

die Kirche Saint-Victor, eigenes Foto (auf commons), Lizenz:public domain/gemeinfrei

die Kirche Saint-Victor, eigenes Foto (auf commons), Lizenz:public domain/gemeinfrei

Vor der Kirche stehen ein Friedhofskreuz und ein Monument aux morts (Kriegerdenkmal). Vor dem Kriegerdenkmal stehen Täfelchen für die Gefallenen. Der Friedhof befindet sich bei diesen normannischen Dorfkirchen um die Kirche herum. Familien scheinen immer in dem gleichen Grab begraben zu werden, was eklig sein könnte, dafür platzsparend. Das Grab wird meist von einem großen sarkophagähnlichen Steinkonstrukt gekrönt, auf oder vor dessen Platte Täfelchen stehen, die die Angehörigen dem Verstorbenen gekauft haben. Manchmal sind auf den Tafeln Fotos angebracht.

hier sieht man auch ein Stück vom Friedhof, eigenes Foto, Lizenz:public domain/gemeinfrei

hier sieht man auch ein Stück vom Friedhof, eigenes Foto, Lizenz:public domain/gemeinfrei

Kriegerdenkmal, eigenes Foto, Lizenz:public domain/gemeinfrei

Kriegerdenkmal, eigenes Foto, Lizenz:public domain/gemeinfrei

Neben der Kirche steht das alte “chambre de la charité”.

chambre de la charité, eigenes Foto, lizenz:public domain/gemeinfrei

chambre de la charité, eigenes Foto, lizenz:public domain/gemeinfrei

An der Straße durchs Dorf steht als nächstes ein Fachwerkhaus mit einem alten Schild dran, das die Entfernungen nach Boisney, Berthouville und Saint-Georges-du-Vièvre angibt. Es steht schräg gegenüber von der Mairie (Bürgermeisterei), die verhältnismäßig groß ist.

Fachwerkhaus, eigenes Foto (auf commons), Lizenz: public domain/gemeinfrei

Fachwerkhaus, eigenes Foto (auf commons), Lizenz: public domain/gemeinfrei

Mairie, eigenes Foto (auf commons), Lizenz: public domain/gemeinfrei

Mairie, eigenes Foto (auf commons), Lizenz: public domain/gemeinfrei

Wenn ich jetzt noch weiter gefahren wären, wäre ich zum Château Mont-Criquet gekommen. Ich wusste da aber noch nicht, dass es da auch irgendwo ein Schloss gibt und bin heimgefahren. Tja, es ist ja nicht weit, da muss ich wohl nochmal hin. Das Schloss befindet sich allerdings in Privatbesitz, ich weiss also nicht, wie nah ich drankommen kann.

Inzwischen habe ich ein bisschen über die Gemeinde recherchiert. Gegen Ende des Jahres 846 oder 847 war Bayeux in der Hand der Bretonen unter Nominoë († 851), dem ersten König der Bretagne. Die Gegend um Bayeux wurde häufig von Normannen heimgesucht. Ein Mann namens Hervé aus Saint-Victor-d’Épine beschloss aufgrund von Visionen, und nachdem er sich mit Frechulf, dem Bischof von Lisieux, beraten hatte, die Leichen der Heiligen Regnobert de Bayeux (7. Jahrhundert) und Zénon (einem Diakon aus Bayeux), zu sich nach Hause zu bringen. Zwei Priester halfen ihm dabei. Sie schlichen sich in die Stadt, in die Kirche Saint-Exupère und stahlen die Reliquien. Über Norolles zogen sie dann mit viel Gesang und Prozessionen zurück nach Saint-Victor-d’Épine, wo die Leichen der beiden Heiligen eine Weile auf dem Altar ausgestellt waren, bis Hervé ihnen eine eigene Kirche in “Suiacum Villa” erbaute. Wo dieses Suicam Villa lag ist unbekannt. Die neue Kirche wurde von drei Bischöfen geweiht, darunter auch der Bischof von Bayeux, der den Raub nicht übel zu nehmen schien.

mehr Info:
Commune de SAINT-VICTOR-D’EPINE (französisch)

Saint-Victor-d’Épine auf de.wikipedia.org, selbst verfasst

One thought on “das Dorf Saint-Victor-d’Épine

  1. […] Clos Saint-François („Les Jardins du Clos Saint-François“ ist eine Gartenanlage bei Saint-Victor-d’Épine, die 1985 um ein normannisches Bauernhaus aus dem 17. Jahrhundert herum eingerichtet wurde. Es […]

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