Zeichen gegen den bösen Blick, mittelalterliche Kirchengraffiti

In vielen Kirchen in Eure findet man Zeichen gegen den bösen Blick, Namen, Kreuze und andere Figuren, die in den Sandstein geritzt sind. In Zukunft werde ich solche Zeichen verstärkt fotografieren und hier sammeln.

Boisney

Die romanische Kirche Saint-Aubin stammt aus dem 12. Jahrhundert. Sie ist dem Heiligen Aubin von Angers (468/469-550) geweiht und seit 1862 als Monument historique (MH) klassifiziert. Sie wurde im 19. Jahrhundert restauriert. In der Kirche befinden sich zwei gleichfalls als MH klassifizierte Grabplatten aus dem 15. Jahrhundert. Die Grabplatte von Robert de Flocques, der Vogt von Évreux war und 1441 Évreux von den Engländern unter Heinrich VI. befreite. Er starb 1461. Und die Grabplatte von Jeanne de Tilly, der Tochter von Jeanne de Thibouville und Witwe von Jean de Ferrières. Sie starb 1495. Beide Grabplatten stammen aus der Abtei von Bec. Vor der Kirche stehen zwei riesige uralte Eiben. Und an der Kirche fand ich merkwürdige Einritzungen die denen in Saint-Georges-du-Vièvre (wo das Foto nichts geworden war) ähnelten.

Zeichen an Saint-Aubin in Boisney, eigenes Foto, Lizenz: public domain/gemeinfrei

Zeichen an Saint-Aubin in Boisney, eigenes Foto, Lizenz: public domain/gemeinfrei

Notre-Dame-d’Épine

Die Kirche Notre Dame stammt aus dem 16. Jahrhundert. Im Inneren befindet sich ein in die Mauer eingelassenes Taufbecken aus dem 17. Jahrhundert. Im Altaraufsatz steht ein Gemälde von 1667, das von Guy Hubert (genannt Timothée) gemalt wurde. Es heißt “L’Assomption” (Mariä Himmelfahrt). Auf dem Hauptaltar steht eine hölzernen Skulpturengruppe aus dem 17. Jahrhundert. Hauptaltar und Gemälde sind als Monument historique klassifiziert. Die Kirche besitzt außerdem eine Litre funéraire (Trauerband) mit zwei Wappen der Le Sens de Morsan aus dem 18. Jahrhundert an der westlichen Außenmauer. Nach dem Tod eines Adeligen der mit dem Ort zu tun hatte, zum Beispiel dem Seigneur des Ortes, wurde in oder an der Kirche sein Wappen angebracht.
Außerdem ist die Kirche voll mit eingeritzten Zeichen, vor allem mit Kreuzen. Vielleicht stammen die vielen kreuze auch von Pilgern? Aber warum sollten sie nach Notre-Dame-d’Épine pilgern? Außer natürlich es ist was, dass der Heilige Regnobert, Bischof von Bayeux, und der Heilige Zénon, Diakon von Bayeux, in Notre-Dame-d’Épine geruht haben, nachdem Hervé sie geklaut und nach Saint-Victor-d’Épine gebracht hat.

Kreuze, keine Ahnung wie SO ein erhöhtes kreuz heisst denn es steht nur auf einem Halbrund, eigenes Foto, Lizenz: public domain/gemeinfrei

Kreuze, keine Ahnung wie SO ein erhöhtes kreuz heisst denn es steht nur auf einem Halbrund, eigenes Foto, Lizenz: public domain/gemeinfrei

das sieht schon eher nach Zeichen gegen den bösen Blick aus, eigenes Foto, Lizenz: public domain/gemeinfrei

das sieht schon eher nach Zeichen gegen den bösen Blick aus, eigenes Foto, Lizenz: public domain/gemeinfrei

viele Kreuze, eigenes Foto, Lizenz: public domain/gemeinfrei

viele Kreuze, eigenes Foto, Lizenz: public domain/gemeinfrei

ganz exotisch, eigenes Foto, Lizenz: public domain/gemeinfrei

ganz exotisch, eigenes Foto, Lizenz: public domain/gemeinfrei

noch mehr Kreuze, eigenes Foto, Lizenz: public domain/gemeinfrei

noch mehr Kreuze, eigenes Foto, Lizenz: public domain/gemeinfrei

L’Épine

L’Épine ist eine Gemeinde im Département Marne, in der Region Champagne-Ardenne im Nordosten Frankreichs. In L’Épine gibt es eine Basilika Notre-Dame und wegen einem falsch einsortierten Foto auf Wikimedia Commones hab ich neulich gesehen, dass die Basilika ganz ähnliche Einritzungen aufweist, normale Kreuze und anstatt der erhöhten Kreuze auf Halbkreisen eine Art von Patriarchenkreuz.

ein paar runde Sachen gibts auch, Foto von Wikimedia User:Vassil, Lizenz: public domain

ein paar runde Sachen gibts auch, Foto von Wikimedia User:Vassil, Lizenz: public domain

Morsan

Chevalier Philémon Le Sens, baron de Morsan, gehörte zum Hofstaat von König Heinrich IV. (1553-1610) und war Gouverneur von Bernay. Er ließ ein Jagdschloss in Morsan bauen. Zur Zeit von Abdon-Thomas-François Le Sens (1724-1800) wurde das Jagdschloss vom Architekten Ange-Jacques Gabriel (1698–1782) neu gestaltet. 1793 wurde das Schloss im Zuge der Französischen Revolution geplündert.

Joseph-Philemon wohnte in Morsan im teilweise restaurierten Schloss von 1845 an. 1871, während des Deutsch-Französischen Krieges, wurde es von der preußischen Armee erneut geplündert. Florian-Gaston war der letzte Marquis de Morsan, er verstarb 1929. Seitdem befindet sich das Schloss im Privatbesitz und hat mehrfach den Besitzer gewechselt. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Schloss von deutschen Truppen als Kommandantur benutzt.

Die Stallungen des Schlosses wurden zwischen 1650 und 1750 erbaut. Es ist möglich, dass der südwestlichste Stall früher als Kapelle gedient hat. Im 20. Jahrhundert war er das Haus des Gärtners und dient nun als Schafstall.

Für die These, dass der Stall einmal als Kapelle gedient hat sprechen ein paar der Symbole, die in den Sandstein eingeritzt sind. Andere Einritzungen stammen aus späterer Zeit.

das sieht doch verdächtig aus, eigenes Foto, Lizenz: public domain/gemeinfrei

das sieht doch verdächtig aus, eigenes Foto, Lizenz: public domain/gemeinfrei

1749? Eigenes Foto, Lizenz: public domain/gemeinfrei

1749? Eigenes Foto, Lizenz: public domain/gemeinfrei

Apfelkreuze, eigenes Foto, Lizenz: public domain/gemeinfrei

Apfelkreuze, eigenes Foto, Lizenz: public domain/gemeinfrei

Templerkarte, stellt einen Fluss und einen Pferdekopf dar, eigenes Foto, Lizenz: public domain/gemeinfrei

Templerkarte, stellt einen Fluss und einen Pferdekopf dar (danke Tony Martin), eigenes Foto, Lizenz: public domain/gemeinfrei

Rosetten, böser Blick? Eigenes Foto, Lizenz: public domain/ gemeinfrei

Rosetten, böser Blick? Eigenes Foto, Lizenz: public domain/ gemeinfrei

Leider sind die neueren Einritzungen nicht so nett. Es findet sich eine Inschrift mit: Hure + Pierre 1936, das kann aber auch ganz harmlos sein denn Huré ist ein beliebter Nachname im Ort. Vielleicht ist es ja ein , und kein +. An der selben Seite befindet sich etwas weiter unten ein Hakenkreuz.

Die Kirche de la sainte Trinité (heilige Dreifaltigkeit) stammt aus dem 13. Jahrhundert, aus jener Zeit ist nur das Kirchenschiff erhalten geblieben. Im 17. Jahrhundert wurden größere Fenster eingesetzt. Der Chor stammt aus dem Ende des 17. Jahrhunderts.

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Dieses Zeichen gab es zweimal an der Kirche, eigenes Foto, Lizenz: public domain/gemeinfrei

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Kreuze und Rosetten, eigenes Foto, Lizenz: public domain/gemeinfrei

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irgendwas wirds wohl darstellen, eigenes Foto, Lizenz: public domain/gemeinfrei

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1600 soundsoviel, eigenes Foto, Lizenz: public domain/gemeinfrei

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1724 über dem Nebeneingang, eigenes Foto, Lizenz: public domain/gemeinfrei

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Jahreszahlen und Rosetten laut Tony Martin verweisen die Rosetten auf Rosslyn Chapel, eigenes Foto, Lizenz:public domain/gemeinfrei

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Dieses erhöhte Kreuz wurde freundlicherweise mit Absicht bei Renovierungsarbeiten ausgespart. Eigenes Foto, Lizenz: public domain/gemeinfrei

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Apfelkreuze, eigenes Foto, Lizenz:public domain/gemeinfrei

Neuville-sur-Authou

Neuville-sur-Authou ist eine kleine Gemeinde, die etwas nordöstlich von Notre-Dame-d’Épine liegt. Die Kirche Notre-Dame wurde im 12. Jahrhundert erbaut, es sind aber nur wenige Architektonische Elemente aus jener Zeit erhalten.

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Einritzung an Notre-Dame in Neuville-sur-Authou, eigenes Foto, Lizenz: public domain/gemeinfrei

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Ein Kreuz, das auf einem Kasten steht, eigenes Foto, Lizenz: public domain/gemeinfrei

Links neben dem Eingangsportal befinden sich noch ein paar eingeritzte Namen, “Jean …”.

Ich habe den Text zwar etwas verändert lizenziere ihn trotzdem vorsichtshalber unter Gnu-Lizenz für freie Dokumentation, weil ich selbst Teile des Textes (wie gesagt leicht verändert) in Wikipedia veröffentlicht hatte und ich nicht verklagt werden möchte. Ich trau diesen Gnu-Typen alles zu.

Und deshalb hier die Artikel, die ich verwurstete:
Boisney

Notre-Dame-d’Épine

Morsan

Weiterführende Informationen

Norfolk Medieval Graffiti Survey, ähnlich, nur oft hübschere Graffitis in Norfolk (englisch)

3 thoughts on “Zeichen gegen den bösen Blick, mittelalterliche Kirchengraffiti

  1. […] der Kirche von Boissy-Lamberville gibt es – wie bei vielen Kirchen der Umgegend – Pilgerzeichen, religiöse Graffitis vor allem aus dem 18. Jahrhundert. Kreuze, […]

  2. […] es gab natürlich die üblichen Pilger-Graffitis. Sollen wohl Kirchen sein, eigenes Foto, gemeinfrei/ public domain Die ganze Kirche war voll mit […]

  3. […] die Fassade der Kirche wurden in Mittelalter und Ancien régime viele Graffitis von Pilgern eingeritzt. Die Kreuze haben eine Art von geriffeltem Sockel, den ich noch nicht gesehen habe. […]

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