Litre funéraire (Trauerband)

Ich habe den schon existierenden Wikipediaartikel am 13. Oktober schwer überarbeitet. Hier das Ergebnis:

Eine litre funéraire (Trauerband, von lat. litura funeris, etwa „bei Begräbnis korrigierte Stelle“, auch litre seigneuriale) ist ein gemaltes schwarzes Band, auf dem Wappen oder anderen Zeichnungen zum Gedenken an hochgestellte verstorbene Personen gezeichnet wurden. Man findet sie in Kirchen oder Begräbniskapellen des Mittelalters und Ancien Régimes in Frankreich.

Gestaltung

Die litre funéraire ist in der Regel ein waagerechtes, auf den Putz der Wände und Pfeiler gemaltes schwarzes Band, gut einen halben Meter breit und in zweieinhalb bis vier Metern Höhe über dem Fußboden. Sie reichte meist um die Oberflächen aller inneren Bauteile oder um die Außenmauern herum. Im Falle des Todes einer Persönlichkeit, die das Kirchenpatronatsrecht hatte, wurde zu deren Gedenken auf das schwarze Band ihre Insignien, Rangkrone und Familienwappen gemalt.

Litre in der Kirche von Rioux (Charente-Maritime), Foto von Cobber17, Lizenz: Creative Commons Attribution 3.0/CC by

Litre in der Kirche von Rioux (Charente-Maritime), Foto von Cobber17, Lizenz: Creative Commons Attribution 3.0/CC by

Geschichte

In der Merowingerzeit (5.-8. Jahrhundert) wurde das Fränkische Reich christianisiert. Adlige Franken errichteten auf ihren Ländereien Gotteshäuser, um dort mit ihrer Familie und ihrem Gefolge zu beten. Sie waren die Besitzer der Kirchen oder Kapellen und dieser Besitz war vererbbar. Die Besitzer konnten die Kirchen verkaufen oder verschenken. Das nannte man Dominium laicus (etwa „weltliches Herrschaftsvermögen“).

Der Kirchenreformer Gregor VII. (1020-1085) leitete den Investiturstreit (1076-1122) ein, einen politischen Konflikt zwischen geistlicher und weltlicher Macht um die Amtseinsetzung von Geistlichen. Durch das Wormser Konkordat (1122), aber mehr noch durch das Vierte Laterankonzil (1215) wurde ein neues Kirchenpatronatsrecht in Frankreich etabliert, das das alte Dominium laicus ersetzte. Laien durften eine Kirche nicht mehr besitzen, sie konnten Schirmherr einer Kirche werden. Als Schirmherr besaßen sie zum Beispiel das Recht einen neuen Pfarrer vorzuschlagen (jus praesentendi) wenn die Stelle vakant war. Zu ihren Rechten gehörte das Gedenkbild auf der litre funéraire.

Erste litres funéraires wurden schon gegen Ende des 11. Jahrhundert gezeichnet, besonders während des Ersten Kreuzzugs (1096-1099). Damals waren sie meist auf den Außenmauern des Gotteshauses und hatten noch keinen permanenten Charakter. Die Wappen der Verstorbenen wurden anlässlich des Seelenamts (Obituaire), das ein Jahr nach ihrem Begräbnis zelebriert wurde, schwarz übermalt.

Gegen Ende des 14. Jahrhunderts waren die Schirmherrschaften über die Kirchen erblich geworden, die litres funéraires befanden sich meist im Inneren der Kirche und die Wappenzeichnungen wurden nicht mehr gelöscht. Personen, die eine unbedeutende Kirche oder Kapelle gestiftet hatten, die zu einer größeren Pfarrei gehörte, bekamen dadurch auch das Recht auf die litre funéraire in der Hauptkirche der Pfarrei. Zu Beginn des 17. Jahrhunderts musste dieses Recht neu geregelt werden. 1615 wurde deshalb ein Gesetzesentwurf geschrieben, der es bis ins Detail regelte. Das Gesetz wurde begeistert angenommen und die Zahl der Wappenzeichnungen ging deutlich zurück. Das Ansehen der litre funérale war jedoch schon durch Missbrauch gesunken. In manchen Kirchen hatte der Schirmherr das Band sogar auf Kreuzen anbringen lassen.

Am 13. April 1791 beschloss die Nationalversammlung die komplette Entfernung der litres funéraires durch die Schirmherren an und in öffentlichen Kirchen und Kapellen. Der Beschluss traf auf keinen großen Widerstand, weil zu jener Zeit der Brauch kaum noch ausgeübt wurde. Litres funéraires die nicht aufgrund des Beschlusses übermalt wurden, verschwanden später durch Renovierungsarbeiten oder durch Verwitterung. Heute sind nur noch wenige von ihnen erhalten.

Total verblasste Litre an der Kirche Notre-Dame in Notre-Dame-d'Épine (Eure, Haute-Normandie), die Litre war mit ortsüblichem gelben Lehm überschmiert worden, der an den Ecken der Kirche jedoch abgefallen ist, diese Behandlung hat der Litre jedoch nicht gut getan, eigenes Foto: Lizenz: Creative Commons attribution, CC by

Total verblasste Litre an der Kirche Notre-Dame in Notre-Dame-d'Épine (Eure, Haute-Normandie), die Litre war mit ortsüblichem gelben Lehm überschmiert worden, der an den Ecken der Kirche jedoch abgefallen ist, diese Behandlung hat der Litre jedoch nicht gut getan, eigenes Foto: Lizenz: Creative Commons attribution, CC by

litrebeschm

Eine mit Lehm überschmierte Litre an der Kirche von Morsan, eigenes Foto, Lizenz: public domain/gemeinfrei

Literatur

Pierre Bodin: Les litres seigneuriales des églises de l’Eure. Amis des Monuments et Sites de l’Eure, Amis de Bernay, Condé-sur-Noireau 2005. (französisch)

Mathias Mareschal; Jean Adrien Sérieux (Hrsg.): Traité des droits honorifiques des patrons et seigneurs dans les églises, par m. Maréchal, avec les autres traités qui y étoient joints. Cheron, Paris 1772, S. 333-379 (in Google Books). (französisch)

Weblinks

Fotos von litres funéraires auf Wikimedia Commons

Der Artikel ist mit der total umständlichen GNU-Lizenz für freie Dokumentation lizenziert. Links:
originaler Artikel vom 13. Oktober, Versionsgeschichte, Autoren: Stanzilla (moi-même), JaScho, Brunosimonsara, Gregor Bert, Hofres und Jochen Jahnke.

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