Weggegrätzt

Es fällt mir schwer darüber zu reden, vor allem, weil es für mich so normal ist Internetcommunities nicht zu ertragen, ich wurde auf Wikipedia (de) weggegrätzt.

Die lange Geschichte ist, dass ich schon gleich nach meiner Anmeldung in dem Artikel Vegetarische Küche in eine endlose und sehr fürchterlich zu lesende Diskussion geriet. Das war irgendwann Ende 2008. Ich hab die Seite daraufhin von meiner Beobachtungsliste genommen, aber nicht, ohne mich über den Diskussionsstil zu beschweren. Prompt tauchte die ganze Horde auf meiner eigenen Diskussionsseite auf und verhöhnte mich dort. Ich vertrieb sie mit den Worten, sie sollten woanders spielen. Nicht wissend, dass man in Wikipedia de für dieses Statement eine Sperre kriegen kann, wenn man es zur falschen Person sagt. Ich wurde nicht gesperrt, die “Diskutanten” verschwanden von meiner Diskussionsseite, ich habe aber später einen von ihnen immer wieder auf der Seite der Vandalismusmeldungen gesehen.

http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Sea_under_a_coat---layer_salad.jpg

Ein Schichtsalat mit Seealgen (Wakame), Wurzelgemüse, Avokado und Mayonnaise (rein pflanzlich). Da kann man bestimmt lange drüber diskutieren. Foto von Alex Ex, Lizenz: Creative Commons Attribution ShareAlike 3.0

Die Vandalismusmeldungen sind ein Fall für sich. Abgesehen von den Admins und IPs tauchen dort immer die gleichen Namen auf. Leute schwärzen sich andauernd gegenseitig an, sorgen dafür, dass andere gesperrt werden, die dann wieder dafür sorgen, dass sie gesperrt werden. Mir erschien das sehr gruselig, ich habe noch nie jemanden dort gemeldet, auch wenn ich schon oft Beleidigungen in Wikipedia de gesehen habe. Ich hatte Angst ich werde selbst gesperrt, wenn ich jemanden melde. Das ist gar nicht so unbegründet wie es klingt, denn für “Missbrauch” der Vandalismusmeldungsseite wird man auch gesperrt und Missbrauch ist in dem Fall, wenn man jemanden meldet, der nichts Sperrwürdiges getan hat. Wenn man Vandalismus angemeldeter Benutzer melden will muss man damit rechnen, stattdessen selbst gesperrt zu werden. Andererseits bekommt man nach einem “Abo” auf Vandalismusmeldungen auch manchmal eine Beleidigung gratis.

Plündernde Vandalen aus Yonge, Charlotte M. 1880. Young Folks' History of Rome  . Boston: Estes & Lauriat. Page 401, Lizenz:public domain/gemeinfrei

Plündernde Vandalen aus Yonge, Charlotte M. 1880. Young Folks' History of Rome . Boston: Estes & Lauriat. Page 401, Lizenz:public domain/gemeinfrei

Der nächste Artikel, den ich von meiner Bebachtungsliste nehmen musste, war Túatha Dé Danann. Ich hatte den Artikel runderneuert und eine Zeitlang ging das auch gut, dann kam eine IP und forderte merkwürdige paganistische Änderungen. Bis dahin hatte ich eigentlich keine besonderen Aversionen gegen Paganisten. Ich habe die Änderungen der IP zweimal revertiert, dann machte irgendeinjemand einen Eintrag auf der Diskussionsseite auf, man solle das doch diskutieren. Wie das mit dem Diskutieren verläuft wusste ich noch aus “Vegetarische Küche”. Ich hab mich dann einfach zurückgezogen.

Ich weiss nicht wie lange der Link gültig ist, aber ein schönes Beispiel für typische Wikipedia de-Diskussionen findet sich hier Diskussion:In Flanders Fields, besonders im Abschnitt 4 und 6. Nachdem tagelang diskutiert wurde wurde die alte Version wieder hergestellt. Für den “Hauptautor” des Artikels eine unmenschliche Pein. Ein noch viel schlimmeres Beispiel ist die Donauturm Diskussion, in der ein inzwischen wegen “Sockenpuppenmissbrauchs” infinit gesperrter Benutzer behauptet ein Fernsehturm definiert sich nach seiner Form und nicht nach seiner Funktion. Dieser Benutzer war sowieso ein Musterbeispiel für einen Internetcommunityfan. Als das Wikipedia:Schiedsgericht einen Fall, bei dem er beteiligt war, annahm, biss es sich daran die Zähne aus und löste sich auf. Im Februar hats ihn dann erwischt.

In Flanders fields, Skulptur im McCrae House, Guelph, Ontario, Canada. Sollte ja eigentlich ein Gedicht gegen den krieg sein, und kein Grund einen krieg zu beginnen. Foto von Lx 121, Lizenz: Creative Commons-Lizenz Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Unported

In Flanders fields, Skulptur im McCrae House, Guelph, Ontario, Canada. Sollte ja eigentlich ein Gedicht gegen den Krieg sein, und kein Grund einen Krieg zu beginnen. Foto von Lx 121, Lizenz: Creative Commons-Lizenz Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Unported

Der letzte Artikel, den ich von der Beobachtungsliste nahm, war Pimbo. Der Artikel war ursprünglich von einem Troll angelegt worden und landete in der Qualitätssicherung. Ich nahm mich seiner an und verbesserte ihn. Das ging auch eine Zeitlang gut. Dann kam ein eventuell legasthenischer Benutzer, der total resistent ist gegen Konventionen. Er war auf einem christlichen Feldzug für den Jakobsweg, an dem Pimbo leider liegt. Jedenfalls versuchte ich eine Weile die Verschlimmbesserungen aufzuhalten und ergab mich dann in mein Schicksal und zog mich zurück.

Dann kam “Entlinkt” zum Wikipedia:WikiProjekt Französische Gemeinden und war von Anfang an total aggressiv und fies zu mir. Ich weiss nicht, warum, vielleicht weil ich bei “Complex” Wiederwahl nur neutral gestimmt hatte und nicht pro. Vielleicht, weil ich einem Mitarbeiter der italienischen Gemeinden gesagt hatte, wir hätten nur drei Mitarbeiter. Ist ja auch irgendwie wurscht, welchen schwachsinnigen Grund er dafür hatte, auf jeden Fall machte er mich in jeder Diskussion blöd an. Ich las also seine Diskussionsbeiträge nicht mehr. Ich kann sehr selektiv lesen, ich las nur noch die Beiträge der anderen. Ich will mich einfach nicht ärgern, das Internet soll doch zum Freizeitspass da sein und nicht als Quelle für Bluthochdruck. “Entlinken” ist auch so ein Wikipediabegriff und bezeichnet das Entfernen von doppelten, eckigen Klammern um Begriffe, die intern verlinkt waren. Es ist also das Gegenteil von “verlinken” und ist ausserdem schon bezeichnend, wenn ein Benutzer sich nach einem Wikipedia-Begriff nennt.

„Wer hat von meinem Tellerchen gegessen? Wer hat aus meinem Becherchen getrunken? Wer ist auf meinem Baustellenklo gewesen? Foto von KVDP, Lizenz:public domain/gemeinfrei

„Wer hat von meinem Tellerchen gegessen? Wer hat aus meinem Becherchen getrunken? Wer ist auf meinem Baustellenklo gewesen? Foto von KVDP, Lizenz:public domain/gemeinfrei

Am 23. März 2010 editierte er plötzlich auf meiner Benutzerunterseite herum, auf der ich meine Gemeindeartikel vorbereitet habe, und zwar obwohl ich extra ein Bapperl drauf hatte:

“Dieser Artikel ist im Entstehen und noch nicht Bestandteil der freien Enzyklopädie Wikipedia. Solltest du über eine Suchmaschine darauf gestoßen sein, bedenke, dass der Text noch unvollständig sein und Fehler oder ungeprüfte Aussagen enthalten kann. Wenn du Fragen zu dem Thema hast, nimm am besten Kontakt mit dem Autor auf.”

Das gilt wahrscheinlich nicht für ihn, er ist ja ein toller Typ, und ein Admin und kann machen was er will. Das fühlte sich total widerlich an, ich bemühe mich den Typen zu ignorieren und er dringt auf meine Unterseite ein. Ihn auf der Vandalismusmeldungsseite anzuschwärzen hätte es nicht gebracht, er hat korrekte Zahlen in den Artikel eingefügt, ich hätte seinen Edit rückgängig machen können, und selbst nachgucken können welche Zahlen richtig sind, und die wieder einfügen, das kam mir aber irgendwie albern vor. Dann gibt es ja noch das lustige Lizenzproblem. Wenn ich den Artikel mit seiner Änderung poste ohne ihn als Mitverfasser anzugeben, dann verletze ich die für Wikipedia gültige GNU-Lizenz für freie Dokumentation, falls sein Edit Schöpfungshöhe aufweist. Das hat er zwar wahrscheinlich nicht, aber der Begriff Schöpfungshöhe ist superschwammig und eignet sich total gut für Diskussionen. Wollte ich eine Diskussion mit “Entlinkt”? Eher nicht. Ich hab mich also zwei Tage später entschlossen das WikiProjekt Französische Gemeinden zu verlassen und die Unterseite löschen zu lassen. Ich habe sogar ein bisschen geheult, es ist aber besser, wenn ich gehe und mich nicht mehr ärgern muss.

Eine literarische Diskussion in der zweiten Galerie. Lithographie von Honoré Daumier 1864, Lizenz:public domain/gemeinfrei

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