Auguste Le Prévost, Gründervater der Geschichtswissenschaft in der Normandie

Auguste Le Prévost (* 3. Juni 1787 in Bernay; † 14. Juli 1859 in La Vaupalière war ein französischer Archäologe und Historiker. Le Prévost und Arcisse de Caumont (1801-1873) gelten als die Gründerväter der Geschichtswissenschaft in der Normandie.

buste auguste le prévost

Büste von Auguste Le Prévost von Jean-Marie Bonnassieux (1810-1892) im Museum von Bernay. Lizenz: public domain/ gemeinfrei, da der Autor vor über 100 Jahren verstarb

Leben

1813 trat Le Prévost der 1744 gegründeten “Académie des sciences, belles-lettres et arts de Rouen” (Akademie der Wissenschaft und Schönen Künste) bei. Im August 1814 wurde er zum Unterpräfekt von Bernay ernannt. Er zog sich aber schon im November 1815 aus diesem Amt zurück und widmete sich nur noch seinen Studien über die Normandie. Dazu erlernte er verschiedene historische und moderne Sprachen, Englisch, Italienisch, Deutsch, Schwedisch, Sanskrit, Hebräisch, Altgriechisch und Latein. Er studierte Klassische Philologie, Ortsnamenskunde, Geologie, Botanik, Alte Geschichte und Archäologie. Sein Wissen war sehr umfangreich, aber sein besonderer Verdienst lag in der kritischen Methode seiner Arbeitsweise.

1818 unternahmen die Schriftsteller Charles Nodier (1780-1844), Isidore Taylor (1789-1879) und Alphonse de Cailleux eine zweimonatige Reise durch die Haute-Normandie, während der sie Stoff für ihre Buchreihe “Voyages pittoresques et romantiques dans l’ancienne France” („Pittoreske und romantische Reisen durch das alte Frankreich“) sammelten. In der Haute-Normandie angekommen, war Le Prévost ihr Führer. Er führte sie herum, erklärte ihnen alles und gab Nodier sogar seine Aufzeichnungen. Während dieser Reise entstand eine Freundschaft zwischen Nodier und Le Prévost. Ein reger Briefwechsel zwischen Le Prévost und den Schriftstellern schloss sich an. Das erste Buch kam 1820, das zweite Buch 1825 heraus, beide behandelten die Normandie.

rue auguste leprevost

Fachwerkhaus aus dem 16. Jahrhundert in der Rue Leprevost, aus dem Départementsarchiv von Eure

Le Prévost hatte mehrere Jahre lang den Vorsitz über die Gelehrtengesellschaft “Société centrale d’agriculture de la Seine-inférieure” (Gesellschaft für Landwirtschaft in Seine-inférieure) und der “Société libre d’agriculture, sciences, arts et belles-lettres de l’Eure” (Gesellschaft für Landwirtschaft und die Schönen Künste in Eure). 1825 veröffentlichte er seinen “Discours sur la poésie romantique”. 1830 ging er in die Politik und wurde 1831 Generalrat des Kantons Bernay. Von 1834 bis 1848 war er Abgeordneter der Nationalversammlung. 1838 wurde er als „freies Mitglied“ in die Académie des Inscriptions et Belles-Lettres gewählt, der er bis zu seinem Tod angehörte. Von 1838 bis 1852 gab er die “Historiæ ecclesiasticæ libri tredecem” von Orderic Vital in fünf Bänden heraus.

Le Prévost war Gründungsmitglied der “Société des antiquaires de Normandie” (Gesellschaft der Antiquare der Normandie, Antiquare ist eine veraltete Bezeichnung für Historiker). Zusammen mit Arcisse de Caumont, Charles de Gerville (1769-1853) und Gervais de La Rue (1751-1835) verfasste er wegweisende Schriften über die Architekturwissenschaft. Le Prévost teilte die nachrömische Architektur der Normandie in Romanik, Gotik, Renaissance und Moderne ein. Sein System baute auf Thomas Rickmans (1776-1841) Einteilung mittelalterlicher englischer Architektur auf.

Seine “Mémoires et notes de M. Auguste Le Prevost pour servir à l’histoire du département de l’Eure” wurden erst nach seinem Tod in den Jahren 1862 bis 1869 von Louis Passy (1830-1913) und Léopold Delisle (1826-1910) veröffentlicht. Eine Büste von Le Prévost wurde 1883 in Bernay eingeweiht. In der Innenstadt ist eine Straße nach ihm “rue Auguste Leprevost” benannt.

Straßenschild der Rue Auguste Leprevost in Bernay. Eigenes Foto, Lizenz: public domain/gemeinfrei

Werke

Société des antiquaires de Normandie (Hrsg.): Mémoire sur la collection de vases antiques trouvée, en mars 1830 à Berthouville; erschienen 1832 bei T. Chalopin in Caen

Anciennes divisions territoriales de la Normandie; erschienen 1839 bei Crapelet in Paris

Dictionnaire des anciens noms de lieu du département de l’Eure; erschienen 1839 bei Typographie d’Ancelle fils in Évreux

Notes pour servir à la topographie et à l’histoire des communes du département de l’Eure au moyen age; erschienen 1849 bei A. Hérissey in Évreux

Léopold Delisle, Louis Paulin Passy (Hrsg.): Mémoires et notes de M. Auguste Le Prevost pour servir à l’histoire du département de l’Eure; erschienen von 1862 bis 1869 bei Auguste Herissey in Évreux, Band 1, 2 und 3

Quellen:

Adolphe-André Porée: Note sur Auguste Le Prévost et Charles Nodier; erschienen 1903 bei L. Gy in Rouen

Gilles Rossignol: Eure, erschienen 2001 bei:La Renaissance du Livre in Tournai; Seite 16f, ISBN=978-2804605070 (französisch)

Matthias Noell: Classement und classification. Ordnungssysteme der Denkmalpflege in Frankreich und Deutschland, Seite 2+5 vom 2. April 2005 (pdf)

Dieser Artikel wurde zuerst von mir in der deutschsprachigen Wikipedia veröffentlicht (Version vom 28. Mai 14:25 Uhr verlinkt und benutzt). Versionsgeschichte, meine Seite, Kpisimons Seite (er hatte einen Tippfehler gefunden).

Dieser Text muss leider unter der merkwürdigen GNU-Lizenz für freie Dokumentation veröffentlicht werden.

3 thoughts on “Auguste Le Prévost, Gründervater der Geschichtswissenschaft in der Normandie

  1. […] Auguste Le Prévost, Léopold Delisle und Louis Paulin Passy: Mémoires et notes de M. Auguste Le Prevost pour servir à l’histoire du département de l’Eure. Band 2, Seite 397-399, erschienen bei Auguste Herissey in Évreux 1864 (französisch) […]

  2. […] nach der Zerstörung verlassen hatten und sich 6 Kilometer weiter nordwestlich angesiedelt hätten. Auguste Le Prévost entdeckte aber, dass Le Vieil-Évreux eine andere Stadt war und Gisacum […]

  3. […] Durch eine in den Ruinen gefundene Inschrift mit dem Namen des Gottes Gisacus (Deo Gisaco) kam Auguste Le Prévost 1828 auf die Idee, dass der Ortsname der in Le Vieil-Évreux gefundenen Ruinen dem ehemaligen […]

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