Von wegen “frohes Wiedersehn”…

Heute rief der Tierarzt aus Broglie an, der Halter des Yorkshire Terriers habe sich gerade gemeldet… Eine Woche nachdem der Hund verschwunden ist. Broglie (Eure) ist ganz schön weit weg von hier aus. Nein, der Halter (eine Frau) habe kein Auto oder Lastwagen und könne den Hund nicht abholen. Für den Transport eines Yorkshire Terriers braucht man eigentlich auch keinen Lastwagen. Wir sind also mitsamt Kleinkurti nach Broglie gefahren und haben 45 Minuten gebraucht, weil wir auch noch getankt haben. Kurti liebt autofahren, er war guten Mutes. Als wir ankamen waren wir eine Viertelstunde zu früh da, die sogenannte “deutsche Viertelstunde” im Gegensatz zur “akademischen Viertelstunde”. Wir stiegen also aus und gingen noch eine Runde um die Kirche spazieren.

yorkshire terrier and man

Nochmal ein Bild aus glücklichen Tagen. Eigenes Foto, Lizenz: alle Rechte vorbehalten

Auf der anderen Strassenseite (vom Marktplatz aus) gingen eine Frau und ein Kind. Sie war so Mitte oder Anfang dreissig, noch dicker als ich, sehr rote Lippen und Leggings, das Kind so im Grundschulalter. Die redeten über den Hund. Als wir sie trafen sagte die Frau: “Gehen Sie gerade zum Tierarzt? Das ist nämlich mein Hund, ich habe ihn erkannt.” Schön für die Frau, dass sie ihn erkannt hat, der Hund hatte sie aber nicht erkannt und zog an der Leine, um von ihr und dem Kind wegzukommen. Er interessierte sich nur fürs Pïnkeln und ignorierte die beiden total. Ich sagte: “Ja, wir gehen zum Tierarzt.” Das Kind beugte sich runter und streichelte den Hund, der wollte nur weg. Dann gingen die beiden zum Tierarzt und wir gingen wie geplant um die Kirche herum.

yorkshire terrier

Kurti im Auto, er war noch frohen Mutes. Eigenes Foto, Lizenz: public domain/gemeinfrei

Beim Tierarzt angekommen, machte ich Kurti los und er versteckte sich sofort unter einem Stuhl. Wiedersehensfreude war das nicht. Das Kind bückte sich und versuchte ihn hochzuheben, woraufhin er laut und deutlich knurrte. Er hatte uns nie angeknurrt. Mir sind wahrscheinlich die Gesichtszüge entgleist. Die Mutter sagte ihrer Tochter sie solle den Hund erstmal in Ruhe lassen, dann nahm sie ihn selbst auf den Arm. Wir redeten noch ein wenig darüber wie der Hund weggelaufen ist. Sie habe ihn zwei Stunden lang gesucht, sagte die Frau, von 10 Uhr abends bis Mitternacht. Wir konnten uns mittlerweile vorstellen, warum Kurti auf eine Départementsstraße gelaufen ist (Suizid) und bereitwillig zu Fremden ins Auto gehopst war, die können nur besser sein…

Wir würden es aber trotz dieser Erfahrung immer wieder tun, soll heissen wir würden Hunde, die wir finden, beim Rathaus und bei Tierärzten melden. Es kann ja doch mal sein, dass jemand seinen Hund liebt und vermisst. Wenn wir aber Kurti nochmal finden, behalten wir ihn einfach.

Immerhin hatte Kurti eine Woche Spass in seinem Leben. Er hat viel Sex bekommen und hing meistens wie ein kleiner Rucksack auf Bach, dem Berner Sennenhund. Er wurde beschmust, hatte viel Auslauf und er konnte sich auf dem Sofa richtig auspennen. Er hat Schafe getroffen, sehr aufregend, und den Wachhund gespielt. Gewaschen hatte ich ihn auch, heute Morgen. Wir vermissen ihn.

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