Der Gefangene von Gisors

Gisors ist eine Stadt im Département Eure in der Haute-Normandie in Frankreich. Sie liegt im Vexin am Zusammenfluss von Epte, Troesne und Réveillon und hatte im Jahr 2007 11.677 Einwohner. Nordwestlich des Ortskerns liegt der Wald von Gisors. Die Stadt soll schon in gallo-römischer Zeit bestanden haben und wurde im 11. Jahrhundert bedeutend, als Grenzstadt der Könige von England und Herzöge der Normandie. William II. von England (Guillaume II. le Roux) liess um 1095 eine Burg in Gisors erbauen. Die Burg war von 1158 bis 1161 im Besitz des Templerordens. Der Legende nach soll in ihr der Schatz der Tempelritter versteckt worden sein, nachdem der französische König Philipp IV. im Jahr 1307 die Führungsspitze des Ordens verhaften ließ. Das ist nicht sehr wahrscheinlich, denn 1198 eroberte König Philipp II. von Frankreich Gisors. Er nutzte nicht den alten, achteckigen Donjon, sondern ließ einen neuen, runden Donjon erbauen, der “Tour du prisonnier” („Turm des Gefangenen“) genannt wird.

Der Turm des Gefangenen auf einer alten Postkarte im Départementsarchiv von Eure

Die katholische Heilige Liga stationierte bis 1590 während der Hugenottenkriege (1562-1598) eine Garnison in Gisors, die bis 1588 unter dem Befehl von Henri I. de Lorraine, duc de Guise stand. Im runden Turm der Burg war zu jener Zeit ein Mann eingesperrt, der mit einem Nagel die Wände seiner Zelle praktisch total in Reliefs verwandelte. Einige der Motive sind christlichen Ursprungs, die Grablegung Christi, die Kopie eines Gisant (liegende Grabfigur) in der Kirche von Gisors, Mariendarstellungen, andere Motive zeigen seine Liebe zu seiner Frau, Herzen, Gedichte in lateinischer Sprache oder weltliche Elemente wie Burgen und Wappen. Da an einigen Stellen auch Templerkreuze zu sehen sind, haben diese Reliefs zur Templerschatz-Legendenbildung beigetragen. Gérard de Sède brachte die Reliefs mit dem mysteriösen Schatz in Verbindung, den der Pfarrer Bérenger Saunière angeblich in Rennes-le-Château (Département Aude) gefunden hat.

Schlüssel und Schloss des Turms im Départementsarchiv

Der Gefangene selbst kürzt seinen Namen mit den Initialen NP ab, Nicolas Poulain, ein Pseudonym. Der Name Nicolas kommt aus dem Griehischen und bedeutet “Sieg des Volkes”, “Poulain” war im Mittelalter ein Name für Personen, die im Orient gewohnt haben oder dort geboren wurden, allgemein heisst das Wort “Fohlen” und wird auch im übertragenen Sinn gebraucht, wie das deutsche Wort “Frischling”. Merkwürdigerweise wird das aber mit “Besieger der Steine” übersetzt.

Man nimmt an dass die Frau des Gefangenen Catherine de Basian war und er selbst Éli de Beaumont. Sein Name hilft aber nicht sehr viel, denn zu jener Zeit gab es mehr “de Beaumont”s als Sand am Strand.

Was aber bleibt, sind die Reliefs. Ein Mann hat mit einem Werkzeug, dass er nur durch Zufall erhalten hat in die feindlichen Mauern seines Gefängnisses die wertvollsten Werte der Menschheit eingeritzt, Liebe, Grosszügigkeit, Mut, Schönheit und Ewigkeit.

Reliefs des Gefangenen im Départementsarchiv

Romantische Vorstellung des Gefangenen in seiner Zelle bei der Arbeit aus dem Départementsarchiv

Und noch einmal Romantik aus dem Départementsarchiv

Der Turm des Gefangenen 2007, Foto von CJ DUB auf Wikimedia Commons, Lizenz: CC Attribution/ Namensnennung

Quellen und weitere Informationen:

Histoire mystérieuse et insolite des Régions de France, La Normandie, von Claude Sellier und Mathurin Hémon, erschienen bei Micberth in Paris 1994, Seite 17-24, ISBN 2-84126-053-4

Nicolas Poulain, le prisonnier de Gisors – Gérard de Sede ein Fernsehbericht von 1976, Gérard de Sède (1921-2004) war ein französischer Journalist

3 thoughts on “Der Gefangene von Gisors

  1. Hallo Stanze,

    leider habe ich keine andere Möglichkeit als diesen Kommentar gefunden, um Ihnen zu schreiben.

    Ich würde Sie gerne auf unsere Homepage Paperblog (http://de.paperblog.com) aufmerksam machen. Wir möchten mit unserem Projekt ein alternatives Online-Medium aufbauen, indem wir die besten Artikel von Blogs zusammenstellen und veröffentlichen.
    Ich kann mir gut vorstellen, dass Ihre Beiträge eine Bereicherung für unsere Leser wären und würde mich freuen, wenn Sie sich als einer unserer Autoren einschreiben.

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    Johanna

    • Ja, ich geb meine Email nicht gern an, ich bekomm auch so schon genug Spam. Ich habe mir ihr Blog angesehen, glaub aber nicht, dass ich etwas schreiben kann, was ihre Leser interessiert. Ich bin ausserdem schon froh, wenn ich überhaupt Zeit finde hier etwas zu schreiben, da Wikipedia fürchterlich zeitintensiv ist. Danke für ihr Interesse, viele Grüsse, stanze

  2. […] nach Le Havre führt. Es gab bis 1952 außerdem eine Linie von Vernon über Pacy-sur-Eure nach Gisors. Vernon, Le Département de L'Eure (1882) Seite […]

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