Dulins Chronik

Ich bin Dulin, Sohn von Barin. Ich bin ein Rotwurmtrainer. Rotwurms sind hundegroße Würmer, die Gänge buddeln, um darin zu wohnen. Als wir Zwerge bei einer Grabung auf den Basilisk stießen, starben eine Menge von uns, beziehungsweise wurden eine Menge von uns versteinert, bevor wir es endlich schafften die Mine zu blockieren und den Basilisk wieder auszusperren. Es war das erste Mal, dass wir eine feindliche Kreatur in einer Mine entdeckten. Es war ein Schock für uns, einige von uns wurden depressiv. Mein Freund Borin wurde so betrunken, dass er es schaffte, sich selbst in seinem Krug zu ersäufen. Es war ein großer Krug und er fiel mit dem Gesicht auf den Krug, wobei Mund und Nase im Bier landeten. Deshalb machten die Technomagier neue Gesetze für die Herstellung von Krügen. Ein Krug muss kleiner sein als das Gesicht eines Zwergs. Die ersten Krüge nach diesem Vorfall hatten sogar ein Metallsieb an der Innenseite, das dafür sorgen sollte, dass die Nasen aus dem Bier blieben. Nach einer Weile wurden die Siebe entfernt, denn sie beeinträchtigten den Geschmack.

Illustration zweier Zwerge aus der Völuspá, von Lorenz Frølich (1820–1908), aus dem Buch Den ældre Eddas Gudesange von Karl Gjellerup (1895). Lizenz: public domain/ gemeinfrei.

Unsere Heimat Kazordoon wurde zu klein für uns. Wir lebten so eng zusammen wie Würmer in Ratten. Aber wir hatten Angst neue Gänge anzulegen, also mussten wir irgendwo anders hinziehen. Die Technomagier bauten ein Dampfschiff, dass uns über den unterirdischen Fluss zu einer kleinen Insel brachte. Meine Rotworms erweiterten den engen Tunnel, der an die Oberfläche führte und wir schlugen Stufen in den Felsen. Die Oberfläche der Insel war glücklicherweise langweilig und harmlos. Wir nannten die Insel “Kurm Baya”, was man mit ‘Langweiliger Erdklumpen’ übersetzen kann. Im Nordosten der Insel fanden wir Erz und richteten eine Mine ein. Nachts fuhren wir immer nach hause nach Kazordoon, das immer noch zu eng für uns alle war. Einer unserer Geomagier sah Land im Nordwesten von Kurm Baya. Die Technomagier berechneten, wie tief und wie lang wir graben mussten, um das Land im Nordwesten zu erreichen.

Wir gruben die Tunnel. Wir stellten nur Leitern an die Enden der Gänge. Meine Rotwürmer ließ ich dort unten zurück. Sie schienen die Gänge zu mögen. Das Land im Nordwesten entpuppte sich als eine weitere Insel, die allerdings größer war. Es dauerte viel länger, diese Insel zu erforschen. Wir nannten sie “Ad Ron”, ‘Insel von Ron’, denn Ron war der Name des Geomagiers, der die Insel entdeckt hatte. Im östlichen Teil der Insel bauten wir ein paar kleine unterirdische Häuser. Dort gibt es einen Gebirgszug, der weitere Expeditionen erschwerte. Wir mussten das Gebirge unterirdisch umgehen und erreichten schließlich die Oberfläche im Nordosten. Dort gab es Wölfe und Bären, was uns sehr entgegenkam, denn sie erweiterten unseren Speiseplan. Wir fanden die Überreste eines großen Bergwerks, in dem große, dumme zwergoide Wesen wohnten, die vier Zehen an einem Fuß und drei Zehen am anderen Fuß hatten. Wir hielten sie nicht für die Erbauer des Bergwerks, obwohl sie ziemlich groß sind, sind sie nicht groß genug. Sie griffen uns an, also brachten wir einige von ihnen um. Wir gaben ihnen den Namen “Zyklops”, ‘Großer Fleischklops’. Irgendwann fingen sie an mit uns zu reden und wir einigten uns. Wir gaben ihnen Ein paar schöne Erzklumpen und sie wurden sehr freundlich. Sie führten uns durch das Bergwerk. Sie hatten riesige Schmieden und Schmelzöfen dort. Wir fingen an mit ihnen Handel zu treiben und tauschten Erz, Pilze und Bier gegen Waffen und Rüstungen. Die Zyklops sind ganz friedlich wenn man nicht ungebeten in ihr Territorium eindringt. Sie haben allerdings seltsame Sitten. Wenn ein Zyklops 16 Jahre alt wird, schneidet er einen seiner Zehen ab. Er trocknet den Zeh und trägt ihn in einem kleinen Lederbeutel als Fetisch mit sich herum. Der Beutel gilt als das heiligste Gut des Zyklops und wenn er den Beutel verliert bedeutet das Unglück.

A Zyklops Statue im Geological Museum in London, Foto von Deror avi, Lizenz: Namensnennung

Wir drangen tiefer in die Hallen der Zyklops vor und fanden Drachen und Feuerelementare. Wir trugen aber unsere Asbestunterwäsche und die meisten von uns überlebten. Dann trafen wir die Riesen, die die echten Erbauer der Hallen gewesen sein mussten. Sie sind größer als groß, wie Türme mit Hörnern. Sie haben grüne, schimmernde Augen, die im Dunkeln sehen können. Viele von uns starben, weil die Riesen einfach auf uns traten. Wir gerieten in Panik und rannten in alle Richtungen. Ich rannte nach Norden und Sprang auf einen Felsvorsprung. Dahinter lag ein kleinerer Raum, der aber auch nicht wirklich klein war. In dem Raum befanden sich vier der gehörnten Riesen und zwei Drachen. Ich war vom Regen in die Traufe geraten. Plötzlich roch es nach Gold und Edelsteinen. An der Nordmauer standen ein paar Truhen mit Schätzen. Der Geruch des Goldes gab mir neue Energien. Ich rannte Haken schlagend zu den Truhen, öffnete sie und schnappte mir alles was ich finden konnte. Als ich wieder außerhalb des Raumes auf dem Felsvorsprung war, guckte ich nach, was ich gefunden hatte. Ich ersetzte meinen Zwergenschild mit einem irgendwie böse aussehenden roten Schild. Ich legte das Amulett um, das aus einem mir unbekannten Metall hergestellt war. Die Technomagier würden begierig sein, es zu untersuchen. Dann war da noch ein grüner Ring, den ich mir über den Finger streifte. Es war ein magischer Ring. Ich begann mich besser zu fühlen und konnte sehen, wie meine Wunden sich schlossen. Ich durfte jetzt nicht sterben, ich musste einfach entkommen, es war wichtig für die ganze Zwergenheit. Ich hopste zurück in die große Halle und rannte im Zickzack zu dem Punkt an dem ich den Eingang vermutete. Glücklicherweise kannte ich einen Zauberspruch, mit dem man aus dem Stand ein paar Meter hoch springen kann. Ich sagte ihn, wurde hochgeschleudert, rannte an ein paar verdutzten Feuerelementaren vorbei und gelangte schließlich in die sicheren Hallen der Zyklops. Niemand sonst war entkommen, ich war der Einzige. Ich erzählte den Zyklops was passiert war, die wurden daraufhin ganz aufgeregt und begannen eine Expedition zu den gehörnten Riesen zu planen. Ich ging aber zurück nach Kazordoon und zeigte den Technomagiern meinen Fund. Den Schild behielt ich aber. Die Technomagier gaben mir das Amulett später zurück, nachdem sie das unbekannte Metall untersucht hatten. Ich hatte erstmal genug von Ausflügen und wohnte wieder in meinem alten Haus in den Tunnelgärten. Ein paar Monate später hatten die Zyklops schon diplomatische Beziehngen zu den gehörnten Riesen aufgenommen. Und unsere Geologen fanden Erz im Nordwesten Ad Rons. Es gab dort riesige Höhlen und einige von ihnen sahen aus, als seien sie von unten in den Fels geschlagen worden. Von unten, aus dem Erdinnern. Das erschreckte mich, aber es machte mich auch reiselustig. Es wurde wohl Zeit wieder loszuziehen.

Ich habe diese Geschichte zuerst auf englisch für TibiaNews geschrieben. Hier.

Darauf gekommen bin ich durch Julien Brightside, der den Doleranern ein Rollenspielthread aufgedrängt hat. Ich musste wochenlang sämtliche Foren lesen, um nach Neuigkeiten für Tibianews Ausschau zu halten. Ich schrieb dort, dass Julien einen Zwerg nicht gesehen hat, der mit einer Schatzkarte und “Dulin’s chronicle” auf einem Wachturm saß. Ich wollte ihn ein bisschen ärgern, aber auch animieren mal etwas Spannenderes zu schreiben. Tibia-Rollenspieler sind unglaublich langweilig. Tibia-Foren sind überhaupt grauenhaft langweilig, als Schlafmittel zu empfehlen. Als ich mir dann Dulin vorstellte schrieb sich diese Geschichte auf englisch in zwei Stunden selbst. Es spielt in Tibia. Ich hab die Namen im Deutschen etwas angepasst. Rotwürmer sind eigentlich Rotworms, Technomagier sind Technomancer und Geomagier sind Geomancer. Die “zwergischen” Namen habe ich erfunden aber an die Tibia-Namen angelehnt.

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