Livet-sur-Authou

Mein Wikipedia-Artikel über Livet-sur-Authou wurde von meiner persönlichen Artikelnemesis besucht. Ich habe bisher nur zwei normannische Wikipedia-Nutzer etwas besser kennengelernt, und beide sind politisch rechts. Das finde ich ziemlich gruselig. Meine persönliche Artikelnemesis sollte jedenfalls lieber in einem Ortsnamenswiki als in Wikipedia herumeditieren. Und zwar auf Französisch, und nicht auf Deutsch. Ich verwende deshalb jedenfalls eine alte Version.

Das Livettal, eigenes Foto auf Wikimedia Commons, Lizenz: Creative Commons CC0 1.0 Universal Public Domain Dedication/ gemeinfrei

Livet-sur-Authou ist eine französische Gemeinde mit 143 Einwohnern (Stand 1. Januar 2008) im Département Eure in der Region Haute-Normandie. Sie gehört zum Kommunalverband Communes rurales du canton de Brionne und zum Kanton Brionne.

Geografie

Livet-sur-Authou liegt am Ostrand des Lieuvin, 16 Kilometer nordöstlich von Bernay und 5,2 Kilometer nordwestlich von Brionne, zwischen den Nachbargemeinden Brétigny im Südosten, Authou im Nordosten und Saint-Benoît-des-Ombres im Nordwesten.

Baden im Authou ist zumindest an der ehemaligen Mühle verboten. Eigenes Foto auf Wikimedia Commons, Lizenz: Creative Commons CC0 1.0 Universal Public Domain Dedication/ gemeinfrei

Der Authou war der Name eines Teils eines Wasserlaufs, der heute bei Livet-sur-Authou nach einem Leprosorium La Croix Blanche heißt und in Authou nur le torrent (‚ der Wildbach‘) genannt wird. Erst nachdem er Authou passiert hat, wird er von der Bevölkerung heute noch Authou genannt. Dieser Name des Wasserlaufs lautet aber im Internetangebot des Office national de l’eau (‚nationales Wasseramt‘) auf ganzer Länge La Croix Blanche.

Livet-sur-Authou ist eine der Gemeinden im Département Eure, wo es sogenannte Marnières gibt. Dabei handelt es sich um alte Mergelgruben, die notdürftig mit Schutt gefüllt worden sind. Sie können sich nach starkem Regen öffnen, wenn die Schuttfüllung in die Seitengänge geschwemmt wird. Während der Unwetter im Dezember 1999 traten Überschwemmungen in Livet-sur-Authou auf, die mit der besonderen Beschaffenheit des tonhaltigen Bodens zusammenhängen.

Der Authou oder die Croix Blanche, eigenes Foto auf Wikimedia Commons, Lizenz: Creative Commons Attribution 3.0 Unported/ CC by

Livet-sur-Authou ist einer Klimazone des Typs Cfb (nach Köppen und Geiger) zugeordnet: Warmgemäßigtes Regenklima (C), vollfeucht (f), wärmster Monat unter 22 °C, mindestens vier Monate über 10 °C (a). Es herrscht Seeklima mit gemäßigtem Sommer.

Geschichte

Der Ortsnamensteil Livet geht zurück auf das Zusammenziehen des Artikels mit dem französischen Wort für Eiben, l’if, in gallischer Sprache Eburos. Eiben tauchen häufig in Ortsnamen aus der gallo-römischen Zeit (-52 bis 486) auf.

Authou/ Croix Blanche, eigenes Foto auf Wikimedia Commons, Lizenz: Creative Commons Attribution 3.0 Unported/ CC by

Der Name des Flusses Authou entstand aus der vorkeltischen Silbe alt, die im Laufe der Zeit zu aut wurde und in vielen Fluss- und Ortsnamen enthalten ist, zum Beispiel im Namen des Authie. Alle Orte, deren Namen diese Silbe enthalten, liegen in Tälern.

Livet-sur-Authou wurde als Liveht 1170 erstmals urkundlich im Kopialbuch der Abtei Saint-Pierre de Préaux in Les Préaux erwähnt, später wurde es daselbst als Liveth und Liveit erwähnt. Den Namenszusatz ”sur-Authou”, „am Authou“, erhielt die Gemeinde erst später, um sie von anderen französischen Gemeinden mit gleichlautendem Namen zu unterscheiden.

Lavoir, Waschhaus am Authou/Croix Blanche, bei solchen Waschhäusern trafen sich bis ins 19. Jahrhundert hinein die Frauen, um ihre Wâsche im Bach zu waschen. Eigenes Foto auf Wikimedia Commons, Lizenz:Creative Commons CC0 1.0 Universal Public Domain Dedication/ gemeinfrei

Herzog Richard II. der Normandie (966-1027) schenkte den gesamten „Wald von Vièvre“ seinem Onkel Raoul d’Ivry († nach 1015). Zu diesem Wald gehörte auch das heutige Gemeindegebiet von Livet-sur-Authou. Die Nachfolgenden Seigneurs von Livet nahmen den Namen der Ortschaft an und werden als solche bis ins 14. Jahrhundert hinein erwähnt. In der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts gehörten die Ländereien von Livet Jean du Bosc, dem damaligen Seigneur von Brétigny und Authou. Zu Beginn des 16. Jahrhunderts gehörten sie Charles le Boucher, dann Charles Le Cousturier, der 1666 wegen Nobilitätsanmaßung verurteilt wurde. Er war verboten, zu behaupten, dass man adelig sei, wenn man es nicht war. Trotzdem blieb Livet im Besitz der Familie. 1760 besaß Scipio Le Franc Le Cousturier nahe der Kirche von Livet ein Herrenhaus. Vor der Französischen Revolution (1789-1799) war Jean-Jacques Régis de Cambacérès (1753-1824) letzter Besitzer der Länderen von Livet. Diese Ländereien bestanden vor allem aus wildreichem Wald. Nach seinem Tod wurden die Ländereien an den Politiker Jean Rondeaux verkauft. Rondeauxs Enkel, der Historiker Arthur Join-Lambert (1839-1917), ließ das heutige Schloss ab 1879 nach Plänen des Architekten Juste Lisch (1828-1910) erbauen, in einem Stil, der an mittelalterliche Bauweise erinnen sollte. Außerdem schuf er um das Schloss herum einen englischen Landschaftsgarten.

Grab von Arthur Join-Lambert, eigenes Foto auf Wikimedia Commons, Lizenz: Creative Commons CC0 1.0 Universal Public Domain Dedication/ gemeinfrei

1793 erhielt Livet-sur-Authou als ”Livet sur Authon” im Zuge der Französischen Revolution den Status einer Gemeinde und 1801 durch die Verwaltungsreform in der Regierungszeit Napoleons I. das Recht auf kommunale Selbstverwaltung.

1793 hatte die Gemeinde 352 Einwohner. Am meisten Einwohner hatte Livet-sur-Authou 1831 (360). Die Bevölkerungszahl nahm in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts langsam ab. Diese Entwicklung setzte sich im 20. Jahrhundert fort, bis die Gemeinde 1990 schließlich nur noch 126 Einwohner hatte. Seitdem hat sich die Einwohnerzahl leicht erholt.

Sehenswürdigkeiten

Eselin an der ehemaligen Mühle, während ich sie kraulte kam allerdings eine Horde Touristen vorbei. Eigenes Foto, Lizenz: Creative Commons CC0 1.0 Universal Public Domain Dedication/ gemeinfrei

Das Tal des Flüsschens Authou, die Eiben und der Portalvorbau der Kirche sind offiziell als Site classé (Naturdenkmal) eingestuft.

Die Kirche Notre-Dame stammt aus dem 16. Jahrhundert. In der Kirche befinden sich zwei Objekte die als Monument historique („historisches Denkmal“) klassifiziert sind. Ein steinernes Relief aus dem 15. Jahrhundert stellt die „Jungfrau mit dem Kinde“ dar. Das zweite Objekt ist ein Gemälde, das irrtümlich auf das 16. Jahrhundert datiert worden war. Es wurde zu Beginn des 20. Jahrhunderts gemalt und zeigt den Heiligen Sebastian.

Quellen und weiterführende Informationen

Mairie (Bürgermeisterei), eigenes Foto auf Wikimedia Commons, Lizenz: Creative Commons Attribution 3.0 Unported/ CC by

Alte Postkarten im Départementsarchiv (französisch)

Livet-sur-Authou auf annuaire-mairie.fr (französisch)

Liste der Gemeinden, Préfecture von Eure (französisch)

Jean-Paul Laroche, Amis des Monuments et Sites de l’Eure + Fédération Départementale des Associations Agréées pour la Pêche et la Protection du Milieu Aquatique Eurois:Confluence 2011, entre Risle et Vièvre Patrimoine méconnu du Lieuvin. Erschienen in Brionne 2011; Seite 71 (französisch)

Fiche cours d’eau, Ruisseau de la Croix Blanche (H6210600), herausgegeben vom Office international de l’eau (OIEau) im Service d’Administration Nationale des Données et des Référentiels sur l’Eau (Sandre) (französisch)

Die Kirche Notre-Dame mit den denkmalgeschützten Eiben, eigenes Foto auf Wikimedia Commons, Lizenz: Creative Commons CC0 1.0 Universal Public Domain Dedication/ gemeinfrei

Quelques origines des noms de lieu en Normandie (französisch)

If, Eburos, Ivos im Arbre Celtique von Guillaume Roussel (französisch)

Hermann Gröhler: Über Ursprung und Bedeutung der französischen Ortsnamen. Band 1, erschienen bei Carl Winter’s Universitätsbuchhandlung in Heidelberg 1913; Seite 101

Ernest Nègre: Toponymie générale de la France. Band 1; erschienen bei Librairie Droz 1990; Seite 26f; ISBN: 9782600028844 (französisch)

Ernest Poret Blosseville (1799-1886): Dictionnaire topographique de la France. Dictionnaire topographique du département de l’Eure : comprenant les noms de lieu anciens et modernes. Erschienen bei Impr. Nationale in Paris 1877; Seite 125 (französisch)

Denkmal zur Erinnerung an die Zivilpersonen, die im Weiler Croix Blanche durch Bombardierungen der Alliierten im Zweiten Weltkrieg gestorben sind. Eigenes Foto.

Daniel Delattre, Emmanuel Delattre:L’Eure, les 675 communes. Erschienen bei Editions Delattre in Grandvilliers 2000; Seite 162f (französisch)

Franck Beaumont, Philippe Seydoux:Gentilhommières des pays de l’Eure. Erschienen bei Editions de la Morande in Paris 1999; Seite 296f, ISBN:978-2902091317 (französisch)

Livet-sur-Authou auf Cassini.ehess.fr (französisch)

Commune de Livet-sur-Authou (französisch)

Base Palissy (französisch)

Bouleplatz, eigenes Foto, Lizenz: Creative Commons CC0 1.0 Universal Public Domain Dedication/ gemeinfrei

Lizenz des Wikipedia-Artikels ist: Creative-Commons-Lizenz Namensnennung – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 (unported).

2 thoughts on “Livet-sur-Authou

  1. Hallo Stanze, bin immer wieder gern mal hier, um zu lesen. Ist immer interessant was du alles schreibst. Ich hoffe du kennst mich noch? Chefkoch lässt grüßen. Ist den das Schloß schon verkauft? Mach weiter so! Mir gefällt FR. LG Dippser

    • Huhu Uwe, nein, ich kann mich gar nicht an dich erinnern (Asche auf mein Haupt). So lange war ich nicht aktiv bei Chefkoch. Ist aber lieb, dass du vorbeigeschaut hast und ich hab dein Blog auch besucht. Deine Videozeitung finde ich interessant. Ich hab gleich geguckt, ob Dippoldiswalde auch einen ordentlichen Wikipediaartikel hat.😉 LG stanze

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