La Chapelle-Gauthier in Eure

Und wieder einmal verwurste ich meinen eigenen Wikipedia-Artikel in der Version vom 28. August 2011. Zu La Chapelle-Gauthier habe ich einen besonderen Bezug, da Freunde von uns dort wohnen. Daher wusste ich auch das mit dem alten Bahnhof und dem Bahnhofscafé. Es ist übrigens eine der wenigen Gegenden Frankreichs in denen man immer noch kein ADSL bekommen kann.

Mairie (Bürgermeisterei) von La Chapelle-Gauthier, eigenes Foto auf Wikimedia Commons, Lizenz: Creative Commons Attribution 3.0 Unported/ CC by

La Chapelle-Gauthier ist eine französische Gemeinde mit 364 Einwohnern (Stand 1. Januar 2008) im Département Eure in der Region Haute-Normandie. Sie gehört zum Kanton Broglie und zu dessen Gemeindeverband, der Communauté de communes du canton de Broglie.

Geografie

Der alte Bahnhof steht quasi im Nichts, abgesehen vom alten Bahnhofscafé. Eigenes Foto auf Wikimedia Commons, Lizenz: public domain/ gemeinfrei

La Chapelle-Gauthier liegt im Pays d’Ouche auf einer mittleren Höhe von 176 Metern über dem Meeresspiegel 25 Kilometer südöstlich von Lisieux und 16 Kilometer südwestlich von Bernay. Das Gemeindegebiet hat eine Fläche von 16,43 Quadratkilometern. La Chapelle-Gauthier ist umgeben von den Nachbargemeinden La Folletière-Abenon, La Trinité-de-Réville und La Vespière.

Der geologische Untergrund besteht vornehmlich aus Sandstein und Konglomeratgestein, dem sogenannten Poudingue. La Chapelle-Gauthier ist eine der Gemeinden im Département Eure, wo es sogenannte Marnières gibt. Dabei handelt es sich um alte Mergelgruben, die notdürftig mit Schutt gefüllt worden sind. Sie können sich nach starkem Regen öffnen, wenn die Schuttfüllung in die Seitengänge geschwemmt wird. Als Folge der Stürme Lothar und Martin im Dezember 1999 traten Überschwemmungen und Erdrutsche auf.

La Chapelle-Gauthier ist einer Klimazone des Typs Cfb (nach Köppen und Geiger) zugeordnet: Warmgemäßigtes Regenklima (C), vollfeucht (f), wärmster Monat unter 22 °C, mindestens vier Monate über 10 °C (a). Es herrscht Seeklima mit gemäßigtem Sommer.

Geschichte

Die denkmalgeschützte Eibe an der Kirche ist schon ein paar Jahrhunderte alt. Eigenes Foto, Lizenz: public domain/ gemeinfrei


Im Pouillé („kirchliches Verzeichnis der Lehnsherren“) von Lisieux wird Robert de la Haye 1350 als Seigneur von La Chapelle-Gauthier genannt. Ein Teil des Lehens wurde im 14. Jahrhundert an eine Familie Beaudouin vergeben, die auch den Titel des Vicomte von Orbec innehatte. Dieses Lehen war bis ins 17. Jahrhundert hinein im Besitz der Familie, die sich im Laufe der Zeit Baudouin schrieb.

Der Prévôt des marchands Jean Jouvenel (†1431) war ein weiterer Seigneur von La Chapelle-Gauthier. Obwohl sein Lehen zwischendurch im Zuge des Hundertjährigen Kriegs (1337-1453) vom englischen König konfisziert worden war, wurde Jean Juvenels achter Sohn Michel Juvénal des Ursins (1408-1471) später ebenfalls Lehnsherr von La Chapelle-Gauthier und danach dessen zweiter Sohn Jean Juvénal des Ursins. Im 17. Jahrhundert erbte die Familie Guiry dieses Lehen und 1670 wurden beide Lehen von La Chapelle-Gauthier vereinigt.

Die Kirche Notre-Dame, eigenes Foto, Lizenz: public domain/ gemeinfrei

La Chapelle-Gauthier war der ursprüngliche Versammlungsort einer Gruppe aufständischer Bauern während der Hugenottenkriege (1562 – 1598), die nach der Ortschaft Gauthiers (auch Gautiers) genannt wurden. Grund für die diesen Bauernaufstand waren Plünderungen durch Soldaten und zu hohe seigneuriale und royale Steuern. Die Gauthiers schlossen sich der Heiligen Liga an. 12000 Gauthiers fanden sich 1588 in Bernay ein und verschanzten sich dort. Daraufhin belagerte François de Bourbon, duc de Montpensier Bernay mit seinen Truppen, eroberte die Stadt und Bernay wurde geplündert und gebrandschatzt. Die Gauthiers in Bernay wurden getötet. Zur gleichen Zeit waren etwa 3000 Gauthiers in La Chapelle-Gauthier. Sie ergaben sich den Truppen und kehrten fast alle wieder zu ihrer Arbeit zurück, der Aufstand war 1589 beendet.

1793 erhielt La Chapelle-Gauthier im Zuge der Französischen Revolution (1789-1799) als La Chappelle Gauthier den Status einer Gemeinde und 1801 das Recht auf kommunale Selbstverwaltung. 1845 wurde die Ortschaft Saint-Laurent-des-Grès eingemeindet, die im Jahr 1841 201 Einwohner gehabt hatte.

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Das Kriegerdenkmal an der Kirche, eigenes Foto auf Wikimedia Commons, Lizenz: public domain/ gemeinfrei

Die Eiben an der Kirche Notre-Dame und der Kirche Saint-Laurent in Grès sind als Site classé („Naturdenkmal“) eingestuft. Die Eiben sind mehrere hundert Jahre alt. Die Kirche Notre-Dame wurde am Ende des 18. Jahrhunderts komplett neu erbaut. Die Kirche Saint-Laurent ist deutlich älter. Sie wurde im 17. Jahrhundert renoviert. Ihr Portalvorbau wurde im 15. Jahrhundert gebaut.

In der Kirche Notre-Dame befindet sich ein silberner Kelch mit einem Zunftzeichen aus Paris vom 11. September 1789. Er wurde 1994 als Monument historique („historisches Denkmal“) klassifiziert.

Wirtschaft und Infrastruktur

Saint-Laurent-des-Grès war bis ins 19. Jahrhundert für seinen feinen Sandstein bekannt, der in der ganzen Region verwendet wurde. Zwischen Saint-Laurent und La Goulafrière kann man immer noch die Spuren der Steinbrüche sehen.

Haupterwerbszweige in La Chapelle-Gauthier sind heute die Landwirtschaft und der Obstbau zur Produktion von Cidre. Sogar Kevin, unser Bekannter, stellt Cidre her und hat einmal schon einen Preis in England mit seinem Cidre gewonnen. Das ist quasi eine kulinarische hin- her- und Rückeroberung.

La Chapelle-Gauthier hatte früher einen Bahnhof. Die Bahnlinie war gegen Ende des 19. Jahrhunderts eröffnet worden und der Betrieb wurde erst nach dem Zweiten Weltkrieg eingestellt. Gegenüber dem Bahnhof stand das Bahnhofscafé. Beide Häuser wurden umgebaut und dienen nun als Wohnhäuser. Heute liegt der nächste Bahnhof in Bernay. 48 Kilometer nordwestlich der Gemeinde liegt der nächste Flughafen, der Aéroport de Deauville – Saint-Gatien in Saint-Gatien-des-Bois. Außerdem liegt La Chapelle-Gauthier zwischen der Departementsstraße D438 und der Autoroute A28.

Quellen und weiterführende Informationen

Das ehemalige Bahnhofscafé, ein Teil des Gartens ist liebevoll als Skulpturengarten eingerichtet. Eigenes Foto auf Wikimedia Commons, Lizenz:public domain/ gemeinfrei

Wikimedia Commons: La Chapelle-Gauthier (Eure)

Le village de la Chapelle-Gauthier. In: Annuaire-Mairie.fr. (französisch)

Anatole Caresme, Charpillon: Dictionnaire historique de toutes les communes du département de l’Eure. E. Cagniard, Rouen 1868, S. 724-729 (französisch)

Collectivités locales, Communes. In: eure.pref.gouv.fr. Préfecture de l’Eure, (französisch).

Auguste Le Prévost; Léopold Delisle, Louis Paulin Passy (Hrsg.): Mémoires et notes de M. Auguste Le Prevost pour servir à l’histoire du département de l’Eure. 1, Auguste Herissey, Évreux 1862, S. 492. (französisch)

café de la gare carte postale la chapelle-gauthier

Foto einer Postkarte des alten Bahnhofscafés, eigenes Foto, Lizenz: public domain/ gemeinfrei

Daniel Delattre, Emmanuel Delattre: L’Eure, les 675 communes. Editions Delattre, Grandvilliers 2000, S. 30-32. (französisch)

Yves Montron: A La Découverte De L’Eure. Editions Charles Corlet, Condé-sur-Noireau 1997, ISBN 2854806166, S. 30. (französisch)

La Chapelle-Gauthier – notice communal. In: cassini.ehess.fr (französisch)

Mobilier. In: Base Palissy. Ministère de la culture (französisch).

Alte Postkarten im Départementsarchiv von Eure; Der Link funktioniert manchmal erst beim zweiten Mal. Falls es partout nicht will: hier ist der Link zum Auswahlmenü.

Die Kirche, eigenes Foto auf Wikimedia Commons, Lizenz: Creative Commons Attribution 3.0 Unported/ CC by

Der Friedhof, eigenes Foto, auf Wikimedia Commons, Lizenz: Creative Commons Attribution 3.0 Unported/ CC by

Die Eingangstür der Kirche, eigenes Foto auf Wikimedia Commons, Lizenz: public domain/ gemeinfrei

Lizenz des Wikipedia-Artikels ist: Creative-Commons-Lizenz Namensnennung – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 (unported).

2 thoughts on “La Chapelle-Gauthier in Eure

  1. […] Stücke gehackt“ (französisch taillées en pièces). Die Gautiers hatten sich ursprünglich in La Chapelle-Gauthier versammelt und wurden daher nach diesem Ort benannt. Sämtliche Häuser in Bernay wurden bei der […]

  2. […] ich von der Facebook-Chronik des Benutzers “Idi Ot”, dass er und Markus sich gerade in La Chapelle-Gauthier befinden. Ich schaffte es diese Zeit mit verhältnissmäßig geringem Paranoiaaufkommen zu […]

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