Der erste Albtraum danach

Der Traum der Vernunft gebiert Ungeheuer, Autor: Francisco de Goya, Lizenz: public domain/ gemeinfrei


Er sagt, er hat eine neue Wohnung und will sie mir zeigen. Das ist irgendwo in Frankreich. Auf einem Spielplatz fährt ein Junge mit einem BMX-Rad herum, der spricht aber deutsch. Er hat eine schöne Wohnung, dann will er da aber nicht bleiben, sondern mit einer Prostituierten in deren Wohnung gehen und ich soll mitkommen. Und seine ganzen Sachen. In der Wohnung der Prostituierten stehen nur Betten und die sind alle voll mit Leuten im Alter von 30 aufwärts. Immer noch mehr tauchen unter den Decken auf. Die Prostituierte ist stark geschminkt etwa 50 Jahre alt und ihre Schminke ist verschmiert. Sie trägt eine verrutschte Perrücke (kommt wohl vom Missfits gucken gestern Abend). Sie drückt ihm einen Flachmann in die Hand. Schnaps der Sorte „Saint-Victor-d’Épine“, eines hiesigen Kaffs. Er trinkt die Flasche aus, es war aber nur ein Schluck drin. Er sagt: „Danke.“ Weil alles voll ist, gehen wir dann mit all seinem Zeugs raus.

Da stehen wir dann an meinem Auto, einer Ente (Citroën 2CV, ich hatte mal so eine). Er setzt sich auf den Rinnstein. Plötzlich ist er ganz neu eingekleidet. Ganz komischer Stil, dunkelblauer Jeansstoff mit Fransen und Lappen. Er redet auch ganz komisch, in Kindersprache. Ich sage: „Du benimmst dich wie ein 5jähriger.“ Er darauf: „Und du ziehst im Nicki durch Europa. Willst du wissen, was das alles gekostet hat?“ Dann lacht er. Ich sei außerdem peinlich, neulich habe ich gesagt: „Die Autos stehen im katsch-to-katsch“. Ich weiß nicht mal was das wohl heißen sollte. Sag aber, dass er mir das hätte sagen können, wenn er mich peinlich findet. Dann frag ich ihn, ob ich ihn zum Bahnhof fahren darf und sag: „Wir sind gar nicht durch Europa gezogen, wir haben in Frankreich gearbeitet.“ Er antwortet: „Ich weiß.“ Er geht zum Auto und stopft seine Sachen hinein, mindestens zehn große Kuscheltiere. Ich frage einen Mann der alles mitangehört hat, wo der Bahnhof ist und er sagt er kann uns hinfahren. Wir steigen ins Auto. Der Mann hängt sich hinten dran, ein anderer Mann fährt und lenkt das Auto von außen. Wir fahren mit einem Affenzahn durch Baustellen, alles voller Bagger und Planierraupen. Das ficht die Männer, die außen am Auto hängen, gar nicht an. Ich denke mehrmals:‚Jetzt gibt es einen Unfall, wir werden alle sterben.‘ Dann wachte ich auf.

Tja, ich bestimme mein Schicksal wohl nicht mehr selbst, jemand anders fährt. Auf solche Träume möchte ich in Zukunft gern verzichten.

Zum Goya-Bild siehe: Goyas Traum der Vernunft
gebiert Ungeheuer.
78. Sitzung der Humboldt-Gesellschaft Berlin am 16.03.99 von Stefan Nehrkorn

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