Sehr französischen Tag gehabt

Le gateau des Rois, 1774 (Musée Fabre) von Jean-Baptiste Greuze (1725–1805), Lizenz: public domain/ gemeinfrei

Sehr französischer Tag. Erst Neujahrskuchenessen, veranstaltet vom hiesigen Gemeinderat. Mich kennen viele Leute, die ich nicht kenne und deren Namen ich mir auch nur schwer merken kann, vor allem noch so geballt. Der Cousin unseres Schäfers war da und die Tochter des hilfreichen alten Bauern und überhaupt alle und sogar 13 Kinder. Ich hab bei den Zugezogenen von Les Jumeaux gesessen, was ich irgendwie witzig fand, weil ich da neulich noch Fotos gemacht hatte. Furchtbar anstrengend das Ganze. Neulinge wurden beklatscht, auch ich war Neuling. Der Galette des rois war superb, und von einem zugezogenen Pâtissier hergestellt, der auch Backkurse gibt und wohl im Gemeinderat ist. Dazu gab es Sekt. Nach anderthalb Stunden bin ich erschöpft geflohen.

Die Hunde warteten schon auf mich. Wir gingen nach Villeret und trafen dort die Besitzerin des Schlammpferdes, die sogar auf dem Pferd ritt. Sie sagte: “Guten Tag. Das muss man ausnutzen.” Ich fragte: “Wie bitte?” Und hatte keine Ahnung worüber sie sprach. Sie darauf: “Man muss das Wetter und die Sonne ausnutzen.” Jaja, das muss man ausnutzen.

Deutsche haben Adler, dies ist der Beweis, aber wieso die Kelten das mögen weiss ich nicht. Bild von Seite 439 der Zeitschrift Die Gartenlaube von 1871. Lizenz: public domain/ gemeinfrei

Auf dem Rückweg sah ich zwei Männer auf dem Acker von Monsieur Heutte. Normalerweise sind sowas Jäger. Die beiden wirkten aber nicht wie Jäger. Ich ging also nach hause und holte erstmal das Fernglas. Der eine hatte einen Spaten und winkte mir zu, der andere schwenkte etwas hin- und her. Schatzsucher, die wahrscheinlich auch gerade am Ausnutzen waren. Nachdem ich die Schafe versorgt hatte, waren sie schwenkend nähergerückt und ich fragte sie, ob sie Schatzsucher seien. Jaja, sie seien Kelten. Ich gesagt: “Hier auf dem Acker gibts aber nichts, der wird doch andauernd umgepflügt. Da guckt ihr besser in den Wäldchen.” Neinein, sie würden überall ihr Glück versuchen. Schatz von Berthouville, yadayada. Nein, sie wollten etwas Keltisches finden.

Im Sommer wenn es wärmer ist, kommen sie dann wieder und trinken deutsches Bier mit mir. Ahja, gut zu wissen, dann hab ich ja im Sommer schon was zu tun. Das ich deutsch bin, hab ich auf Anfrage zugegeben, worauf sie auf die Sachsen zu sprechen kamen, die ja die Römer verjagt hätten, was ganz toll von ihnen gewesen sei. Aha okay, dann geb ich zu ich bin Sächsin. (Das waren die Goten und die Franken und vor allem die Hunnen und Vandalen, die Sachsen haben doch die Engländer geärgert, aber was solls.) Deutsche seien überhaupt toll und hätten Adler (!) und Ideale. Ich weiss nicht, was das mit dem Adler soll. Ich hab jedenfalls keinen Adler und das mit den Idealen, die hab ich vielleicht, aber ob das ein generelles Kennzeichen der Deutschen ist, wage ich doch zu bezweifeln. Ich hab ihnen aber für diese schöne Unterhaltung ein belgisches Bier über den Zaun gereicht. Das ist dann auch ein bisschen keltischer als deutsches Bier.

5 thoughts on “Sehr französischen Tag gehabt

  1. Vielleicht meinten die beiden: “Die Deutschen haben eine Vogel.”😉

    • Jaaaa, wenn es die Redewendung in Frankreich gäbe, dann schon… Hier heisst das: “avoir le cerveau fêlé” einen Sprung im Hirn haben, “avoir une araignée au plafond” eine Spinne an der Decke haben. So bleibt das mit dem Adler irgendwie mysteriös. Ich wüsste auch nicht, dass Kelten eine besondere Beziehung zu Adlern hätten, zu Raben ja, aber Adler? *Schulter zuck*

  2. Es ist immerwieder schön bei dir zu lesen. Mir gefällt dein Blog. Ich müsste mich auch mal richtig in meinen Blog reinknien. Aber schön das zu lesen, das ihr dort akzeptiert werdet. Feiner zug vom Bürgermeister. Du schreibst letztes mal du willst umziehen. Wohin solls den gehen? LG aus den frostigen Dipps.

    • Ich werde schon akzeptiert, aber alleine kann ich hier nicht wohnen bleiben und muss deshalb zurück nach Deutschland. Ich habe noch eine Freundin in Schwerte, die mich mit zwei der drei Hunde vorübergehend aufnehmen wird.

  3. […] (-”Ihr seid Archäologen?” -Begeistertes Nicken.) keine Ausnahme machen. Sie seien nicht die ersten mit einem Metalldetektor hier, erklärte ich ihnen. Jaja, so etwas hätten sie schon befürchtet. […]

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