Der Winter 2011-2012 in Frankreich

In einem englischen Blog las ich einmal, Franzosen seien von Kühen und dem Wetter besessen. Das Wetter immerhin beschäftigt auch mich. In der Landwirtschaft ist das Wetter sehr wichtig. Ich arbeite zwar nicht in der Landwirtschaft, wohne aber inmitten von Bauern und es ist schon interessant zu erfahren, wann ein Sturm kommt, der einem den Baum vor dem Haus auf das Haus oder den Schornstein vom Schloss neben das Schloss befördern könnte. Wegen der Schafe möchte ich auch gern wissen, ob und wann es schneit. Leute, die nicht rausgehen, interessiert das Wetter meist nicht. Das ist mir schon klar.

Schäden durch das Sturmtief Joachim im Wald von Coubre (Charente-Maritime), hier hats im Park auch Bäume und Teile von Bäumen dahingerafft, Foto vom Wikimedia Commons Benutzer Dimimis, Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported/ CC by-SA

Der Dezember 2011

Der Zufluss warmer, feuchter Meeresluft ließ die Durschnittstemperaturen für ganz Frankreich auf 2°C über den Normalwert steigen. Es war der wärmste Dezember seit dem Jahr 2000.

In den Mittelmeerregionen lag der Niederschlag 10% unter dem Normalwert, im Rest Frankreichs gab es 150% mehr Niederschlag als gewöhnlich.

Das Sturmtief Joachim passierte Frankreich am 15. und 16. Dezember.

Sturmtief Joachim

Joachim war nicht so stark wie Xynthia (27. und 28. Februar 2010), Klaus (24. Januar 2009), Lothar (25. und 26. Dezember 1999) oder Martin (27. und 28. Dezember 1999). Dafür betraf es einen besonders großen Bereich Frankreichs. Es kam zu Sturmböen von über 100km/h Geschwindigkeit in mehr als einem Viertel des französischen Gebietes. Am stärksten betroffen war das Zentralmassiv, die Vogesen und die Atlantikküste.

Einige Windgeschwindigkeiten: 212 km/h auf dem Gipfel des Puy-de-Dôme (1465 m), 168 km/h auf dem Gipfel des Ballon de Servance in den Vogesen (1213 m), 156 km/h am Kap Pointe de Chemoulin (Loire-Atlantique), 141 km/h auf der Insel Île de Ré (Charente-Maritime), 139 km/h in Clermont-Ferrand (Puy-de-Dôme), 133 km/h am Kap Pointe du Raz (Finistère), 127 km/h in Clamecy (Nièvre), 126 km/h in Vannes (Morbihan), 115 km/h in La Roche-sur-Yon (Vendée), 112 km/h in Châteauroux (Indre), 110 km/h in Saint-Etienne (Loire), 107 km/h in Poitiers (Vienne), 105 km/h in Toulouse (Haute-Garonne), 103 km/h in Bourges (Cher) und Tours (Indre-et-Loire), 100 km/h in Niort (Deux-Sèvres), und 96 km/h in Paris und in Caen (Calvados).

Das Unwetter Joachim, Grafik von Wikimedia Commons Benutzer Solsticedhiver, Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported/ CC by-SA

Der Januar 2012

Der Neujahrstag war der wärmste Neujahrstag seit 1947. Der Januar war überwiegend warm, erst am Ende des Monats fielen die Temperaturen, deshalb liegt der Mittelwert 1,5°C über dem Referenzwert (1971-2000).

In den Mittelmeergebieten und auch im Westen Frankreichs gab es im Januar nur wenig Niederschlag, erst gegen Ende des Monats kam es in ganz Frankreich zu häufigem Schneefall.

In der Auvergne, der Bourgogne und in der Franche-Comté gab es durch häufigen Nebel 20-40% weniger Sonneneinstrahlung als normalerweise. Am Mittelmeer, in Korsika und von der Basse-Normandie bis zur Ile-de-France schien die Sonne 10 bis 20% häufiger als normalerweise.

Der Februar 2012

Vom 1. bis 13. Februar litt ganz Frankreich unter einer außergewöhnlichen Kältewelle. Daher liegt die Durchschnittstemperatur 3,9°C unter dem Referenzwert. Es war der vierkälteste Februar seit 1947 und der kälteste Februar seit 1986. Im Südwesten Frankreichs war es sogar der kälteste Februar seit 1956.

Außerdem war der Februar extrem trocken und sonnig, es gab etwa 20% weniger Niederschlag als normalerweise.

Temperaturen am 11. Februar 2012 in Frankreich. Grafik von Wikimedia Commons Benutzer MerveillePédia, Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported/ CC by-SA

Die Kältewelle

In den ersten Tagen des Februar 2012 zog ein starkes Hochdruckgebiet, das von Skandianvien nach Russland reichte, westwärts und brachte extrem kalte Luft mit sich. Am 2. Februar fiel die Temperatur in der Nordhälfte Frankreichs auf –6°C bis –10°C. Es wurde noch kälter, der Schnee beschleunigte die Abkühlung während der Nächte. Vom 4. bis 12. Februar wurden Temperaturen von –10°C bis –14°C in mehreren regionen gemessen. An einzelnen Orten fielen die Temperaturen auf –16°C oder sogar –18°C. Auch in der Südhälfte Frankreichs lagen die Temperaturen unter dem Gefrierpunkt. Die Kältewelle wurde von anhaltendem Wind und Schneefall begleitet. Sogar in den Mittelmeergebieten kam es zu Schneefall. Ab dem 13. Februar stiegen die Temperaturen langsam wieder an.

Es war die schlimmste Kältewelle seit dem Januar 1987 und die fünftschlimmste Kältewelle seit 1947. Die Kältewelle ist besonders durch ihre extreme Länge von 13 Tagen gekennzeichnet. Ihre Durchschnittstemperaturen für ganz Frankreich sind deutlich höher, als die Temperaturen der Kältewellen im Februar 1956, Januar/Februar 1963 und Januar 1985.

Weiterführende Informationen

Bilan de l’hiver 2011-2012 von Météo France, einem Service des Ministère de l’Écologie, du Développement durable, des Transports et du Logement (französisch)

Tempête Joachim in der französischsprachigen Wikipédia

Hiver rigoureux en France métropolitaine in der französischsprachigen Wikipédia

Vague de froid en Europe (février 2012) in der französischsprachigen Wikipédia

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