Hundebesuch

Heute hatten wir unerwarteten Hundebesuch. Zwei kleine alte Herren, irgendwie gemischte Terrier. Der eine hatte eine Verwundung am Bein, die ihn aber nicht zu stören schien. Keine Halsbänder. Hunger, aber halbwegs gepflegtes Fell. Vielleicht gerade erst ausgesetzt, für das etwas andere Ostern.

Meine Hunde drehten natürlich total durch und bellten und jaulten was das Zeug hielt. So gerne hätten sie die kleinen Fremden näher beschnuppert. Die Fremden hingegen hatten ein bisschen Angst.

Also sperrte ich meine Hunde weg und lockte die Terrier mit dem beliebten preiswerten Ersatzfrolic um das Grundstück herum. “Nein”, erklärten sie mir: “du kannst uns gern füttern und streicheln aber von allein in dein Auto springen, sowas machen wir nicht.”

Wenn sich das nicht geändert hat, dann sind französische Bürgermeister dazu verpflichtet, streunende Hunde eine Woche oder gar länger in einem Zwinger aufzubewahren, falls sich doch noch ein Besitzer meldet. Die Ohren der Hunde habe ich nicht auf Tätowierungen untersucht. Wenn sie Tätowierungen haben, dann kann man den Halter ermitteln. Jedenfalls wollte ich die zwei zum Bürgermeister schaffen, hatte aber keine Lust sie hochzuheben. Also gingen wir zu Fuß.

Nein, Fotos hab ich nicht gemacht. Die Kamera war im Wohnzimmer bei meinen Hunden. Aber so ungefähr sah der Kleinere der beiden aus. Foto von Nerdsauce. Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported/ CC by-SA

Obwohl ich an französischen Hundekommandos nur Assis !, Doucement ! und Couché ! kannte, also genau nicht die, die ich brauchte, verstanden mich die Hunde sehr gut. Ich rief einfach “kommkommkomm” oder “hundihundi” und die Hunde kamen. In Frankreich heißt das aber eigentlich “Ici !”. Das ging gut bis zum Ortseingang. Dort erspähten die beiden Hunde ein Kaninchen, das sich lasziv auf einer Wiese räkelte. Das konnten sie nicht zulassen. Auf ging es mit wildem Gebell dem Kaninchen hinterher. In wenigen Sekunden waren sie in Richtung Giverville verschwunden. Da brachte auch mein Rufen nichts mehr.

So ähnlich sah der grössere Hund aus. Ein ganz verschmustes Kerlchen. Foto von Martina Lukacova, Lizenz: Creative Commons ShareAlike 1.0/ CC SA

Aufbauender Smalltalk

Ich ging noch zum ersten Haus rechts, die Frau kenne ich, die hat irgendwas mit dem Stadtrat zu tun. (Ja, wir haben 100 Einwohner und einen Stadtrat.) Ich fragte sie, wo der Bürgermeister wohnt und erzählte von den Hunden. Daraufhin meinte sie, dass die Leute heutzutage nicht nur ihre Hunde, sondern auch ihre Kinder einfach so aussetzen. Sie habe etwas derartiges noch gestern oder so im Fernsehen in den Nachrichten gesehen. Und dann erst der 17jährige in Rouen, der erst von seinen Freunden umgebracht und dann verbrannt wurde. Rouen ist halt wirklich ziemlich nah. Und ich musste da gleich wieder an die Luftverschmutzung in Rouen denken. (Die ist nur tagsüber, wegen der ganzen Fabriken.) Daraufhin sagte sie, dass wir ja auch diese ganzen Geräte hätten, Fernseher, Radio, Stromherd, Ordi, Mixer, wasweissich. Wir würden uns selbst zugrunde richten, war ihr Resümee. Sehr aufbauend. Ich wünschte ihr daraufhin trotzdem einen schönen Tag. Worauf sie meinte, ach ja, das sei halt nur Small-Talk. Okay. Ein bisschen über den Niedergang reden, kann ja nicht schaden.

Beim kurzen Googeln fand ich gerade noch einen schönen Link zu deprimierten französischen Städten. Natürlich ist der Südfranzose nicht deprimiert, der Mittelfranzose aber schon. Die ostfranzösische Stadt Annecy ist demnach die deprimierteste Stadt. Puh, wenigstens ist das weit weg.

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