Wollweiß und Blutrot

Heute Morgen rammte Berta (Schaf, geboren 2009) ihren wolligen Körper in die Hundeklappe. Sie wollte ins Haus kommen. Ich hab sie mit der Flasche großgezogen und solche Schafe sind schlauer als andere. Ihr Körper passte aber nicht durch. Sie hing dann da auf halber Strecke, ihre Vorderbeine knickten ein und nichts ging mehr. Sah schön blöd aus. Der Türrahmen ächzte. Der Fotoapparat war zu weit weg. Ich sprang lieber zu ihr und schubste sie wieder raus. Da sie schlauer ist als andere, schafft sie es auch rückwärts zu gehen. Hinterher ging die Tür nicht mehr auf. Ich fand schließlich den Schlüssel, es lag aber nicht nur am Schloss. Nach einer Reihe sehr gewalttätiger Maßnahmen meinerseits konnte ich die Tür doch wieder öffnen und schließen und wieder öffnen.

Berta ist sowieso nie zufrieden und wäre natürlich lieber da, wo die Näpfe sind. Eigenes Foto, Lizenz: public domain/ gemeinfrei

Nachmittags gab ich mich wieder ganz dem Sensensport hin. Ich schärfte die Sense mehrmals mit einem Wetzstein, sie war superscharf und gemeinsam killten wir viele Brennesseln. Hahaha. Bis ich mich dann beim Schärfen doof anstellte, die Sense falsch hielt und während ich noch darüber nachdachte, dass ich sie falsch halte, hatte ich mir schon in den Zeigefinger gesäbelt. Erst kein Blut, dann floss es ordentlich. Während ich ins Haus zurückging, sah ich dem Blut zu. So schön rot, einfach faszinierend. Ich muss jedesmal beim Anblick kleinerer Mengen frischen Bluts an Parzival von Wolfram von Eschenbach denken.

Cod. Pal. germ. 339 Wolfram von Eschenbach Parzival (Band 1) Hagenau – Werkstatt Diebold Lauber, um 1443-1446, Quelle: Uni Heidelberg, Lizenz: gemeinfrei

ûz ir wunden ûfen snê
vieln drî bluotes zäher rôt,
die Parzivâle fuogten nôt.

von sînen triwen daz geschach.
do er die bluotes zäher sach

ûf dem snê (der was al wîz),
dô dâhter «wer hât sînen vlîz
gewant an dise varwe clâr?
Cundwier âmûrs, sich mac für wâr
disiu varwe dir gelîchen.»

Eine Wildgans wurde von einem Falken am Hals getroffen und fiel zu Boden. Drei Blutstropfen quollen aus der Wund hervor und flossen in den weißen Schnee. Da fragte sich Parzival, wer wohl diese Farben so geschaffen habe. Farben wie in dem Antlitz seiner geliebten Cundwieramur.

Ich hab meinen blutenden Finger allerdings mit keinem Antlitz verglichen und bin auch nicht wie Parzival in Trance gefallen, sondern zum Haus gegangen, hab umfangreiche Desinfektionsmaßnahmen durchgeführt und mir einen Verband gebastelt. Ich hab ja Krankenschwester gelernt. Ich mach sogar ganz gern Verbände, nur eigentlich nicht an mir. Vielleicht liegt die mangelnde Trance auch daran, dass kein Schnee liegt. Aber mein Haut ist auch ziemlich weiß. Jedenfalls habe ich nunmehr einen ziemlich bewegungslosen da quasigeschienten, riesigen linken Zeigefinger. Mist. Da hatte ich keine Lust mehr auf Sensensport und es stört auch beim Tippen. Jaja so war das. Ich kann ja jetzt vor dem Fernseher ein bisschen in Trance fallen.

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