Brads Kastration

Brad (Lamm) musste kastriert werden. Bach (Hund) rannte immer weg wenn Brad sich näherte. Phex (Hund) rannte zwar nicht weg, aber ich musste mich andauernd zwischen ihn und Brad stellen, da Brad Phex für ein Schaf hielt und zwischen Anmache (“Hallo du kleines Schafmädchen, wie wärs mit uns zweien.” -“Was willst du denn von mir, ich bin ein Männchen.”) und Angriff (“Du hast das Schafmädchen da hinten schräg angeguckt, die gehören alle mir.” -“Bevor ich ein weibliches Schaf besteige, würde ich eher einen männlichen Hund nehmen.”) schwankte. Brad ist gerade sechs Monate alt, aber laut Tierärztin ziemlich groß für sein Alter. Er war das Kleinste der Bocklämmer, dass er so groß ist, war mir also nicht bewusst.

Am Montag Abend ging es also zum Tierarzt nach Lieurey. Ich zog Brad ein Hundegeschirr an, nahm ihn an die Leine und zerrte ihn zum Auto. “Ich will grundsätzlich nicht was du willst, du musst mich schon ziehen.” Ich hatte den deckel vom Kofferaum genommen und Inkontinenz-Unterlagen hineingelegt, außerdem zwei Handtücher für den Flausch. Den Hundesicherheitsgurt hatte ich durch die Rückbank nach hinten gelegt, so dass ich Brad damit zusätzlich absichern konnte. Ich hob also Brad in den Kofferaum. Keine Ahnung was er wiegt, aber mindestens 40kg. Rudi wollte mit und durfte auf den Beifahrersitz.

Der Brad-Express. Eigenes Foto, Lizenz: CC by-SA/ Creative Commons Attribution-ShareAlike 3.0 Unported

Seit Juli 2012 müssen alle Franzosen 2 Alkotests einer bestimmten Marke in ihrem Auto haben. Das war ein Abschiedsgeschenk von Sarkozy an den Hersteller. Der Staat hat allen gnädig eine Frist bis August eingeräumt, sich die Dinger zu beschaffen. Da der Hersteller aber gar nicht so viele Alkotests produzieren kann, kann man sie auch nicht kaufen. Ich fragte noch am Montag in einer Apotheke und man lachte herzlich. “Nein, wir haben keine Alkotests. hahahaha Vielleicht nächste Woche. Vielleicht.” Ich kenne auch niemanden der schon Alkotests hat. An der Drogerie im E. Leclerc hatten sie die ganze Zeit über ein Schild mit der Aufschrift: “Wir haben keine Alkotests!” So ist Frankreich. Natürlich nutzt der Staat das aus. Der Ruf ist eh ruiniert nun kontrolliert es sich ganz ungeniert. Seit Anfang August wir kontrolliert was das Zeug hält. Am Sonntag fuhr ich ins nahe Le Favril, um die Kirche zu fotografieren und wurde in Giverville kontrolliert. Klar, dass die Polizeikontrolle am Montag am Ortseingang von Lieurey stand. Sie haben Brad aber nicht beanstandet. Hier ist es vielleicht normal mit einem Schaf im Auto herumzufahren. Auf dem Rückweg wollte ich aber nicht noch einmal kontrolliert werden und fuhr durch Gegenden in denen wahrscheinlich noch nie ein Nichtanwohner gewesen ist. Durch einen dichten Wald, den sie vorher vor mir geheim gehalten hatten, nach Saint-Georges-du-Vièvre und von dort nach hause. Wahrscheinlich werde ich den Polizisten wiederbegegnen, wenn ich einkaufen fahre. *seufz*

Brad mag Autofahren nicht besonders. Er beklagte sich ab und zu, aber er benahm sich insgesamt deutlich besser als jede meiner Katzen.

Beim Tierarzt stellten wir uns an den Zaun, ich hielt Brad fest, er bekam Lokalanästhesie, die Tierärztin schnitt den Hodensack auf, holte einen Hoden nach dem anderen heraus und drehte die Samenleiter mit dem Hoden in einem in antiseptischer Lösung getränkten Tuch bis sie abgingen. 40€ kostete der Spaß.

Brads Hoden. Eigenes Foto, Lizenz: CC by-SA/ Creative Commons Attribution-ShareAlike 3.0 Unported

Die Tierärztin machte die üblichen Bemerkungen über lecker Schafhoden mit Tomatensauce, das sei in Spanien eine Delikatesse. Sie war auch sehr verwundert, dass ich die Hoden nicht mitnehmen wollte. Ich bin aber Vegetarierin und selbst wenn nicht, fände ich es seltsam Brad auch nur Teile von Brad zu essen. Wie Kannibalismus. Immerhin hab ich ihn mit der Flasche großgezogen und er hat, wenn auch nur kurz, mit Windel als Neugeborener in meinem Bett geschlafen. Sowas isst man doch nicht. Vielleicht haben die Tierärzte ja am Abend noch Brads Hoden gegessen.

Zuhause legte ich eine Mülltonne quer vor den Kofferraum, damit Brad darüber leichter aus dem Auto kam. Denn besonders gut gehen konnte er nicht. Die Tierärztin hatte ihm noch etwas injiziert, das schien ihn ziemlich müde zu machen. Er musste sich erstmal hinlegen.

Daheim. Eigenes Foto, Lizenz: CC by-SA/ Creative Commons Attribution-ShareAlike 3.0 Unported

Erstmal hinlegen. Eigenes Foto, Lizenz: CC by-SA/ Creative Commons Attribution-ShareAlike 3.0 Unported

Er stand zwar später wieder auf, wollte aber nicht gehen, sondern verbrachte die Nacht zwischen Auto und Schloss. Er wollte nicht einmal essen. Am nächsten Morgen ging es ihm aber schon besser und der Appetit war zurückgekehrt. Gestern Abend wäre er aber lieber im Park geblieben. Und heute Morgen wollte er nicht mehr mit den anderen Lämmern essen. Die Erfahrung hat ihn wohl zum Schafmann gemacht.

Ein müder Brad. Eigenes Foto, Lizenz: CC by-SA/ Creative Commons Attribution-ShareAlike 3.0 Unported

Creative Commons License
bradauto.jpg, kotz.jpg, bradblut.jpg, bradnapf.jpg und bradnapf1.jpg by stanze sind mit einer Creative Commons Attribution-ShareAlike 3.0 Unported Lizenz lizenziert.

One thought on “Brads Kastration

  1. […] darf man auf Deutsch irgendwelche Fantasien haben. Daher jetzt die langweilige Version: Nach seiner Kastration hat sich Brad sehr verändert. Erst blökte er mit hoher Stimme und wollte weder mit den anderen […]

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