Mal wieder Schatzsucher

Heute ist Sonntag und ich verschlief. Sonntage gibt es hier ja eigentlich nicht, aber naja manchmal ist eben doch Sonntag. Die Hunde weckten mich mit dem dreistimmigen Bellchor um halb 11. Sie bellten: “Leute, Leute, Leute!!!” Und denen begegnete ich dann im Schlafanzug. Die beiden Leute trugen lange Dinge mit Rohren und beide trugen neonfarbene Signalwesten, weshalb ich sie für Jäger hielt. Schneller Rückzug ins Haus. Anziehen, polieren. Wieder raus. Keine Leute zu sehen.

Phex und Rudi wachen, hier in der hintersten Ecke am Feld. Eigenes Foto, Lizenz: CC by-SA/ Creative Commons Attribution-ShareAlike 3.0 Unported

Dann fütterte ich fix die Schafe, die mich wegen der Verspätung sehr vorwurfsvoll ansahen. Und da sah ich die Leute wieder, am Rand von Madame Q.s Weide. Der kleinere der beiden rief mir mit einer Kinderstimme etwas zu. Ich ging also hin, es waren ein unbekannter 18jähriger und ein bekannter Kleiner mit Brille, der bestimmt von allen “‘arry” genannt wird, aber eigentlich aussieht wie ein verkleinerter Erwachsener und sich auch so benimmt. Ich mag altkluge Kinder ganz gern, die muss ich nicht wie Kinder behandeln. Da ich keine Kinder hab, wüsste ich nicht, wie man Kinder artgerecht behandelt. Der 18jährige hatte einen Metalldetektor, der sehr futuristische Geräusche machte und der Kleine eine neu glänzende schwarze Schaufel.

Bach markiert vorsichtshalber einen Baum, damit die Schatzsucher (im Hintergrund zwischen den Bäumen) auch wissen, wem das Revier gehört. Eigenes Foto, Lizenz: CC by-SA/ Creative Commons Attribution-ShareAlike 3.0 Unported

Sofort begann er, mir einen längeren unverständlichen Vortrag über ein “renseignement” zu halten. Sie wollten mir Auskunft über Löcher im Boden geben? Mein Französisch ist schlecht, aber er drückte die Sache auch sehr merkwürdig aus. Ich darauf sinngemäß: “Keine Ahnung, was Sie mir da sagen wollen.” Ich bin so an “sie” gewöhnt, ich sieze auch Kinder. Also sagte er es, wie es ist. Sie sind Schatzsucher (hihihi) und wollen auf der Weide nach Schätzen suchen. Ich soll sie reinlassen. Dann sah er mich erwartungsvoll an und ich sagte: “Nein.” Damit hatten sie nicht gerechnet, ihre Gesichter zerfielen vor Enttäuschung. Das tat mir nun wieder leid. Ich darf ja gar keinen reinlassen. Was wenn sie etwas finden, und das dann entweder Chefin entgeht oder aber Chefin daher davon Wind bekommt. Da ich neulich schon in Chefins Augen ein Verbrechen begangen hatte, indem ich Telefontechniker ans Telefon ließ, konnte ich leider mit zwei kleinen Archäologen (-“Ihr seid Archäologen?” -Begeistertes Nicken.) keine Ausnahme machen. Sie seien nicht die ersten mit einem Metalldetektor hier, erklärte ich ihnen. Jaja, so etwas hätten sie schon befürchtet. Dann berichtete ich noch von den Schatzsuchertätigkeiten einer meiner Vorgängerinnen. Sie hätten schon ein Stück für 1000€ gefunden. Allerdings koste das professionelle Gerät 5000€. Das sei ja nicht schlimm, dafür habe man auch viel Spaß damit, behauptete ich zum Trost.

Wachschafe und Brads vorwurfsvoller Blick. Eigenes Foto, Lizenz: CC by-SA/ Creative Commons Attribution-ShareAlike 3.0 Unported

Daraufhin trollte ich mich und ließ die beiden Jungs weiterhin Löcher in Madame Q.s Garten buddeln. Danke, Löcher haben wir auch so schon im Boden, sonst, wenn ich etwas umgraben wollte…

Ach, dafür, dass ich sie nicht aufs Gelände ließ, durfte ich sie auch nicht fotografieren. Das ist fair.

2 thoughts on “Mal wieder Schatzsucher

  1. Wirst du es jemals bereuen,wenn die Kleinen einen Schatz heben und du nichts abbekommst. Wie süss.Da würden meine auch Spass dran haben,an Metalldedektoren….lina brauchte mal einen ,als ihr Autoschlüssel hier im Garten von den Hunden verschleppt wurde…..Julius war feuer und flamme.Einen schönen start in die woche;))))

    • Die Kleinen würden mir eh nichts von irgendwelchen Schätzen abgeben. Metallsuchgeräte, besonders so professionelle, sind natürlich sehr unterhaltsam. “Unser” Maurer fährt damit im Sommer immer zum Strand an den Ärmelkanal und sucht da nach Münzen und Ringen, die die Touristen verloren haben. Er sagt, das lohnt sich. Hier findet man aber nur alten Zaun und dergleichen. Wegen dem Schatz von Berthouville hat es hier ein hohes Hobbyarchäologenaufkommen. Alles ist schon ziemlich durchwühlt. Interessant wäre aber schon noch eine Untersuchung des Brunnens und eine professionelle Ausgrabung der Marnières, aber das können zwei Jungs mit einer kleinen Schaufel schwer leisten. Dir auch eine schöne Woche.🙂

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