Er denkt an die Zukunft

Gestern hatte ich ein Date mit einem ultrakonservativen und viel zu jungen (42) Großbauern aus der Basse-Normandie. Ich könnte jetzt in den hiesigen Chor miteinstimmen und sagen, die in der Basse-Normandie sind halt irgendwie anders. Es war wirklich furchtbar ich hab jetzt Migräne. Das mit den Männern lasse ich fortan einfach sein. Der einzige Vorteil eines grässlichen Dates ist, dass man froh ist, allein zu sein. Ich weiß auch nicht, was die “Kupplerin” sich dabei gedacht hatte.

Rudi begutachtet den Boden. Das kann so einfach nicht für immer weitergehen. Die Bauern sterben aus, bewohnt werden die Ortschaften von Städtern, die entweder pendeln oder in Rente sind. Eigenes Foto, Lizenz: CC by-SA/ Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported

Obwohl es hier so schön aussieht, wird hier in der Gegend, wie auch in der Basse-Normandie praktisch ausschließlich intensive Landwirtschaft betrieben. Jener Großbauer z.B. sagt er interessiere sich genau gar nicht für die Vergangenheit, sondern denkt an die Zukunft und meint damit den Erwerb eines Melkroboters. Er findet Tiere generell scheiße und befasst sich nicht gern mit seinen Kühen. Immer wenn er eine landwirtschaftliche Hilfe sucht, dann seien die geschockt, weil er keine Tiere mag und Landwirtschaft und Tiere, so meinen die Unwissenden, gehöre doch zusammen. Ich: Was er denn für eine Rinderrasse habe? Er: Milchkuh. Hiesige Bauern finden Tiere immerhin nicht alle scheiße.

Unverschämtheit, so über uns zu reden. Eigenes Foto, Lizenz: CC by-SA/ Creative Commons Attribution-ShareAlike 3.0 Unported

Jedenfalls sind in der ganzen Normandie im Laufe der Zeit alle kleineren Bauernhöfe zugrunde gegangen. Dafür kauften immer weniger Bauern das Land der verarmten Bauern auf. Die verarmten Bauern mussten sich nach anderer Arbeit umsehen, zum Beispiel in Fabriken. Inzwischen wurden die meisten Fabriken geschlossen. Irgendwas läuft hier ganz schief und da wären der Bauer und ich uns wahrscheinlich sogar einig. Frankreich war 2007 der drittgrößte Verbraucher von Pestiziden weltweit und der größte Verbraucher in der EU. Inzwischen ist daher die von Pestiziden verursachte Parkinson-Krankheit in Frankreich als Berufserkrankung anerkannt. Was jemand davon hat, viel Geld zu machen, es aber nicht ausgeben zu können (“alle zwei Jahre fahre ich mit der gleichen Reisegruppe für zwei Wochen in Urlaub”), da dafür keine Zeit bleibt, um dann womöglich auch noch Parkinson als “Lohn” zu erhalten, erschließt sich mir nicht.

Au verdammt, und in welches Glas kommt der Rosé? Warum nur warum? Foto von Wikimedia Commons-Nutzer Hopefulromntic, Lizenz: CC by-SA/ Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported

Ich hab mich natürlich auch daneben benommen und mein mangelndes Wissen über französische Restaurantkultur zur Schau gestellt. Außerdem bin ich halt nicht mehr gebärfähig und daher für Männer nur noch eingeschränkt nutzbar. Ja was, hab ich das jetzt zu unromantisch ausgedrückt? Ich wär auch lieber ins Museum oder ins Kino gegangen. Merkwürdigerweise hab ich gestern abgenommen, obwohl wir in einem Nobelrestaurant waren. So wenig hab ich lange nicht gewogen und er hat dafür bezahlt. Man muss auch immer das Positive sehen.

6 thoughts on “Er denkt an die Zukunft

  1. Das klingt bitter. Vielleicht hat der Typ schon zu viel von irgendeinem Gift?

  2. O nein, das klingt ja furchtbar…..aber du hast es überstanden!!!!

  3. “Bauer sucht Frau” auf französisch.

    • Ich hab das ja noch nie gesehen im Fernsehen, stelle mir das aber so ähnlich schlimm vor. Dabei muss es doch auch wirklich andere Bauern geben. Aber die sind bestimmt alle verheiratet.

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