Rudi trainiert mich

Rudi möchte wohl, dass ich mich mehr bewege. Ja, ich weiß, ich könnte abnehmen. Heute ging er mit gutem (?) Beispiel voran und rannte hinter einem wilden Kaninchen her. Es ist heute kalt, seit gestern kann man die Kälte sogar hören, der Wind klingt anders auf gefrorenen Flächen, irgendwie weißer. Gestern ging ich ohne Handschuhe mit den Hunden. Das war ein Fehler, ich fluchte die ganze Zeit, weil meine Finger gefroren waren und ich konnte die Leinen kaum festhalten. Heute wollte ich es besser machen und zog mir meine gefütterten Arbeitshandschuhe an. Die sind aber so dick, dass sie kaum durch die Griffe der Leinen passen.

Rudi rannte also los. Es gab einen Ruck und seine Leine flutschte durch die dicken Lederfinger. Er rannte bellend und der Plastikgriff der Leine klapperte und hüpfte über das Feld. Ganz oben auf dem Hügel stand eine Herde Rehe herum. Die guckten erst verdutzt. Unsicher, ob das ein Grund zur Flucht ist oder nicht. Dann nahmen sie aber alle die Beine in die Hufe. Rudi wechselte die Richtung und folgte lieber den Rehen. Dann verschwanden die Rehe und Rudi. Mist. Da ich nicht wusste, wo sie hingerannt waren, gab ich auf und ging mit den beiden braven großen Hunden zurück. In Villeret fragte ich noch zwei Männer, die aber nichts gesehen hatten. Wir eilten die Straße entlang den Hügel hinunter. Und als wir beim letzten Haus von Villeret waren kam ein Auto mit zwei jungen Burschen bestückt aus Richtung Schloss. Sie hielten. “Mein Hund” (woher sie wohl wussten, dass das meiner ist?) sei gerade zum “großen Haus” (gut, dass das Schloss das nicht hört, es wäre bestimmt beleidigt) gerannt. Ich dankte den Jungs und joggte erleichtert zum Schloss. Auf der Zielgerade sah ich wie Monsieur H. auf seinem Traktor um die Ecke bog. Das wärs jetzt noch, dachte ich, wenn der halblinde alte Mann Rudi überfährt. Rudi war jetzt auch schon zu sehen. Er zeigte gerade den ansässigen Kaninchen, wo der Hammer hängt. Aber alles ging gut. Der Traktor fuhr vorbei, Monsieur H. winkte wie weiland die Königinmutter und Rudi folgte dem Traktor schwanzwedelnd. Frohes Wiedersehen. Mittlerweile hatte die Kälte auch gar kein Geräusch mehr. Mir war warm.

Rudi

Rudi der Jäger und Pfadfinder. Eigenes Foto auf Flickr, licence: CC by-SA/ Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported

4 thoughts on “Rudi trainiert mich

  1. Ja so ist es mir vor 14 Tagen auch ergangen. Mit 2 Hunden losgelaufen, Ubu sah ein Reh und war weg. Ich rief, Zora winselte kam aber nicht auf die Idee die Spur aufzunehmen…..Ubu blieb verschwunden. Ich habe nach etwa 1 Stunde dem Tierheim auf dem AB gequatscht. Sollte ein verspielter, verfressener Flat coated Mix auftauchen so ist es meiner….und siehe : Ubu war schon da, mann hatte ihn in der Nachbargemeinde gefunden.

  2. Ich bin immer wieder beruhigt, wenn mir jemand bestätigt, dass ich nicht die Einzige bin, deren Hunde einen Jagdtrieb haben und nicht brav sitzen bleiben, wenn Wild auftaucht. Gottseidank haben sie deinen Ubu gleich gefunden.

  3. Dafür sind Hunde doch immer zu haben… laufen, laufen, laufen🙂

    • Allerdings, und wenn ich nicht laufen will, dann fängt Phex an zu singen, bis ich laufe. ich werd das furchtbare Singen wirklich irgendwannmal aufnehmen.

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