La Vache, verdammt

Auf Englisch schrieb ich wohl mindestens einen kuhbezogenen Artikel pro Jahr. Im übertragenen Sinn kuhbezogen und nicht “mit Kuhleder bezogen”. Auf Deutsch aber zuletzt 2009. Mir ist der Humor inzwischen nicht nur komplett vergangen, es ist auch irgendwie sinnlos ihn in deutsche Worte zu kleiden. (Ich hatte einige schlimme Erlebnisse was deutschen Humor angeht, auch auf Facebook.) Daher die Überschrift. “La Vache” heißt nicht nur ‘die Kuh’, sondern ist auch ein beliebter Allerweltsfluch. Haut man sich mit dem Hammer auf den Daumen, sagt man “la vache”.

Dieses Normanne-Mädchen mag Salz und ist neugierig. Hier entkam meine Kamera nur knapp einer Linsenreinigung. Eigenes Foto auf Flickr, Lizenz: CC by-SA/ Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported

Die Brillen von Normannen finde ich besonders niedlich.

Ist das süß oder was? Und auf die üblichen Fleischesserbemerkungen kann ich an dieser Stelle ganz gut verzichten. Eigenes Foto auf Wikimedia Commons, Lizenz: CC by-SA/ Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported

Und an dieser Stelle möchte ich nochmal darauf hinweisen, dass ich nicht “in der Landwirtschaft” arbeite. Das sind Kühe von den Nachbarn, nicht meine. Nix gegen die Landwirtschaft. Aber sämtliche deutsche Landwirtschaftsweisheiten greifen hier einfach nicht.

Wie kann das Frauchen nur so grantig sein, obwohl die Kühe so niedlich gucken? Eigenes Foto auf Flickr, Lizenz: CC by-SA/ Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported

Ja, ich geb zu, ich bin “vachement”, wörtlich: ‘kuhartig’, heißt aber ‘extrem/sehr/ziemlich’ schlecht gelaunt.

Und nicht nur weil ich Gesülze lesen musste, in dem mir solche Nasenringe als unheimlich stressmindernd für Kälber verkauft wurden. Der Ring soll das Kalb entwöhnen. Damit der Bauer die Milch verkaufen kann, nicht damit das Kalb keinen Stress hat. Eigenes Foto auf Flickr, Lizenz: CC by-SA/ Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported

Genauer gesagt, das Kalb kann mit dem Ring nicht mehr saugen, es kann auch sonst praktisch nichts damit. Aber das ist landwirtschaftlich betrachtet piepegal, hauptsache es frisst was und wird dick. Grasen kann es wohl schon noch, Futter geben kann ich ihm aber nicht, wir haben das versucht. Gelesen zugegebenermaßen auf Englisch bei der Regierung von Ontario. Und weil ich davon noch schlechtere Laune bekomme, gibts davon erstmal keine Fotos mehr.

Diese drei Damen sind jedenfalls vachement entspannt, das sieht man auch an den Ohren. Eigenes Foto auf Flickr, Lizenz: CC by-SA/ Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported

Eines Tages waren die Nachbarskühe weg. Sie wechseln die Weiden. Sie waren aber nicht weit umgezogen, nur ans andere Ende des nachbarlichen Grundstücks. Trotzdem hatte ich sie vermisst.

Da hatten sie die ganze Zeit herumgehangen, am Zaun zu unserer Weide. Sie fanden uns wohl interessant und harmlos. Eigenes Foto auf Flickr, Lizenz: CC by-SA/ Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported

Momentan kann ich nicht herumfahren. Ich hab und verdiene halt nicht das Geld, um das Auto zu importieren. (Und nein, das hat nichts mit den Löhnen in der Landwirtschaft zu tun.) Der Behördenkrams kostet einfach zu viel. Nun schulden mir gewisse Leute ja noch Geld und das würde lang und breit für das Auto reichen, für Import und Reparatur und es bliebe noch was übrig, selbst wenn ich nur die Hälfte des Geldes bekäme. Ich krieg das Geld aber nicht. Ich kriege nur Ausreden oder nicht einmal die. Die gewissen Leute scheinen das auch regelmäßig zu vergessen und fragen immer wieder ganz unschuldig, ob ich denn jetzt das Auto importiert habe. Sogar ein Bekannter, der sonst eigentlich immer zu diesen Leuten gehalten hat, erklärte mir vorgestern, die seien verrückt.

Die Kühe freuen sich jedenfalls, uns zu sehen, immerhin. Phex mag Kühe allerdings nicht besonders und beschwert sich regelmäßig wenn ich stehenbleibe, um Kuhfotos zu machen. Eigenes Foto auf Flickr, Lizenz: CC by-SA/ Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported

Hinzu kommt ja noch der Schlossverkauf. Im März tauchte völlig unerwartet der Schlosskäufer auf und erklärte mir, ich sei schwierig, solle mir aber keine Sorgen machen, ich könne hier wohnen bleiben. Ist ja ein Wunder, dass er nicht gefragt hat, wieviel Miete ich zahle. Gewisse Leute haben mir nicht nur nicht gesagt, dass der Schlosskäufer vorbeikommt, und der meinte dazu, sie haben das mit Absicht gemacht, sondern haben dem auch noch erzählt, ich sei schwierig. Er hält mich für eine komplette Idiotin, was an meinem schlimmen deutschen Akzent liegen könnte. Übrigens ein Grund weshalb Immigranten in Frankreich häufig unglücklich sind und lieber nach Spanien ziehen. Franzosen werden dazu erzogen, ihre Nation und vor allem auch die Sprache als überlegen anzusehen, was im internationalen Handel und in der Diplomatie ziemlich ungünstig ist. Es gibt natürlich auch Ausnahmen, sogar bei den Konservativen, aber der Schlosskäufer ist schon überzeugt, dass Leute, die nicht so gut Französisch sprechen, Idioten sind. Ich frag mich in dem Zusammenhang auch, wie die Verhandlungen laufen und was er von gewissen Leuten denkt, denn deren Französisch ist nicht wirklich besser als meins.

Mein Kuhisch ist schon ganz okay, aber der dunkle Kasten sieht gefährlich aus. Eigenes Foto auf Flickr, Lizenz: CC by-SA/ Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported

Leider kann ich nicht bestätigen, dass körperliche Arbeit gegen Aggressionen hilft. Im Gegenteil. Je mehr ich schufte, desto wütender werde ich. Heute ist übrigens ein Feiertag in Frankreich, den die Deutschen nicht feiern, die bedingungslose Kapitulation der Wehrmacht am 8. Mai 1945. Aber ob Feiertag oder Sonntag ist ja komplett egal, und zwar nicht wegen Landwirtschaft, sondern weil solche Konzepte wohl unkapitalistisch sind (zumindest wenn man gewissen Leuten glauben muss).

Hübsche weiße Augenwimpern. Eigenes Foto auf Flickr, Lizenz: CC by-SA/ Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported

Ist mir immer noch total unklar, wieso ich in der Schule Kuhaugen sezieren musste. Wahrscheinlich weils eklig ist.

Das sind vachement kleine gerade entwöhnte Jungbullen auf einer Weide am Ortseingang. Eigenes Foto auf Flickr, Lizenz: CC by-SA/ Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported

Eigentlich halte ich ganz gern ein Schwätzchen mit dem Mann, dem das Fachwerkhaus in dem Foto gehört – und nein, ich werde nicht mit dem schlafen oder ihn heiraten oder diese ganze Hormonscheiße… *Augen roll* Ich begegne ihm öfters wenn ich mit den Hunden spazierengehe, was in der letzten Zeit allerdings nicht ganz so oft vorkommt, da ich furchtbar viel wütend machende Arbeit habe. Ich: “Wir hatten einen langen Winter.” Er: “Es ist viel Wasser gefallen.” Ist etwa wie eine Unterhaltung mit Winnetou oder so. “Der Mond wird noch oft aufgehen bevor mein muhender gefleckter Bruder gegessen wird.” Okay, Winnetou ist fiktiv, dann halt Cochise.

Eine erwachsene Normannin, man sieht die Augengläser nicht, weil der Kopf zu schwarz ist. Eigenes Foto auf Flickr, Lizenz: CC by-SA/ Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported

Weshalb ich darauf hinwies, dass ich den Opa vom Ortseingang nicht heiraten werde? Sowas höre ich andauernd. Als jener oben erwähnte Bekannte hier war, erwähnte ich, dass ich mit Herrn C., einem Genie bezüglich Mechanik, die Motorsense repariert habe. Sofort meinte er, ich solle den doch heiraten. Sowas geht mir vachement auf den Keks. Ich werde die alle nicht heiraten und auch nichts Sexuelles mit denen machen. Ich frag mich ja doch manchmal, ob solche Bemerkungen auch aus Eifersucht gemacht werden. Jungs, ihr regt mich damit nur an, notlesbisch zu werden.

Verführungsversuch, in Ermangelung von Äpfeln oder Kraftfutter versuch ichs durch die Blume. Eigenes Foto auf Flickr, Lizenz: CC by-SA/ Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported

Und hinter der Kirche standen Charolais Jungbullen. Die sind auch ganz niedlich, waren aber ziemlich ängstlich und da ihr Anführer ganz klar ein Taschentuch braucht, hab ich da keine Fütterungsversuche unternommen. Eigenes Foto auf Flickr, Lizenz: CC by-SA/ Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported