Die Grenzapotheke

Sorry, this is a short story. I can’t translate it. No English version this time.

Anna wohnt in einem griechischen Dorf an der Grenze zur Türkei. Der nächste griechische Arzt und die nächste griechische Apotheke sind unheimlich viel weiter weg, als der nächste türkische Arzt und die nächste türkische Apotheke. Ganz in der Nähe ist nämlich eine türkische Kleinstadt. Daher gibt es eine Sonderregel, trotz der Animositäten zwischen Griechen und Türken dürfen Bewohner des griechischen Ortes in Notfällen in die türkische Kleinstadt zum Arzt und in die Apotheke gehen.

Anna geht allerdings mehrmals in der Woche in die Apotheke. Sie kauft dort nicht nur in Notfällen ein. Sie kauft auch Diabetikerkekse und Ähnliches.

In der Apotheke gibt es einen kleinen Tisch und einen Stuhl, auf dem manchmal ein Polizist sitzt, der darüber wacht, ob der Grenzverkauf auch korrekt ist, und nicht etwa geschmuggelt wird. Anna kommt in die Apotheke, um den feschen Polizisten zu sehen. Er ist in ihrem Alter. Um die vierzig. Und sie ist sicher, dass er verheiratet ist und Kinder hat. Alle Männer sind verheiratet und haben Kinder. Sie hat den rechten Moment verpasst und nun ist es zu spät. Aber es bereitet ihr Freude, den türkischen Polizisten zu sehen. Manchmal wechseln sie auch ein paar Worte. Er fragt, was sie kauft. Und sie zeigt ihm die Diabetikerkekse, oder das Mundwasser. Er beschwert sich nie, dass das keine Notfallmedikamente sind und fragt auch nicht, weshalb sie nicht mehr auf einmal kauft, damit sie nicht für jedes Teil einzeln in die Türkei gehen muss. Sie kann in seinem Gesicht nicht lesen.

Der Apotheker hingegen weiß genau, weshalb sie in seinen Laden kommt. Er sagt auch nichts. Weder zum Polizisten, noch zu der Frau. Ihm ist es recht, einen so treuen Kunden zu haben. Egal aus welchem Land, egal warum.

Deutsche Spielzeugapotheke von 1910 aus dem Spielzeugmuseum in Istanbul. Nein, ich hab nachgeguckt, türkische Apotheken sehen ganz normal aus. Ich fand bloß kein freies Bild von einer. Foto von Wikimedia Commons Benutzer Warmice01, Lizenz: CC by SA/ Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported

Eines Nachts wacht Anna auf. Es ist eine mondlose Nacht. Dunkel. Sie sieht die Hand vor Augen nicht. Sie sieht die leuchtend roten Ziffern ihres Weckers. Zehn nach drei. Sie dreht sich um und schläft wieder ein.

Neben Annas Bett steht der Polizist. Er hat die Spannung nicht mehr ausgehalten und ist in der Dunkelheit über die Grenze geschlichen, in das Haus eingebrochen. Ganz leise, damit sie nicht aufwacht. Was er genau will, weiß er auch nicht. Er hat in der Dunkelheit die Hand ausgestreckt, nicht um die Frau zu berühren, nur um ihr nahe zu sein. Er heißt Ferit. Er ist Witwer, kinderlos. Er versteht nicht, was mit ihm los ist. Einmal hat die Frau (Anna) in der Apotheke ihre Hand auf seine Schulter gelegt. Leicht wie ein Vogel. Aber es war, als würde die Hand brennen. Ein Loch in seine Uniform brennen. Er musste sich zwingen, nicht nachzuschauen, ob er ein Loch in der Uniform hatte.

Er hört, wie sie aufwacht. Ihr Atem ändert sich. Vorsichtig zieht er seine Hand zurück. Er hört auf zu atmen und beginnt dafür zu schwitzen. Sie kann ihn bestimmt riechen. Kann sie ihn riechen? Dann dreht sich die Frau um und schläft wieder ein. Ferit schleicht sich hinaus und geht heim. Gut, dass sie ihn nicht erwischt hat. Oder ist es vielleicht nicht gut? Er weiß es nicht. Morgen ist ein neuer Tag.

Nein, wahrscheinlich gibt es diese Konstellation nicht. Das hab ich diese Nacht geträumt. Ich kam selbst nicht in dem Traum vor. Das passiert mir manchmal.

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