The Neanderthal of Marcilly-sur-Eure

Reconstruction of a Homo neanderthalensis at Landesmuseum für Vorgeschichte Sachsen-Anhalt in Halle, Germany. He seems to muse about the odd course of time. This file is licensed under the Creative Commons Attribution 3.0 Unported license.


When the railroad line from Évreux to Dreux was built in 1841 in Marcilly-sur-Eure, the workers found a skeleton in the area behind the castle Mésangère in a layer of red Middle Palaeolithic (300,000 to 30,000 years ago) alluvium. The workers threw the skull on a pile of rubble and it broke into pieces. Only the frontal bone was left. On reading this my first thought was: “oh no, how stupid of them. How could they treat the skull like that?” But then, they probably thought the bones were the remains of someone who had died in the Revolution. And it’s not really pleasant to dig up skulls anyways. I imagine now, a worker was digging up something, pulled it out of the mud, saw it’s a skull and squeaked while he dropped it. Whatever happened, all that was left was the front bone. They had neither radiocarbon dating nor DNA tests at the time. Somehow the front bone got in the hands of “experts”. I couldn’t find any hint, who were those experts. They were very excited and declared it was the front bone of a Neanderthal. The news was a sensation.

In the 20th century Dominique Gambier (*1947) the rector of the University of Rouen wanted to find out, if it was really the front bone of a Neanderthal. Alas, the original bone was lost, probably a cause of the Second World War (1939-1945). So they examined a copy that was stored in the Musée d’archéologie nationale in Saint-Germain-en-Laye. They found out that the bone looks rather robust but belonged to an European Early Modern Human. The layer of alluvium in which the skeleton was found had been too thin to allow an exact age determination.

“Hey that’s not bad either”, says this European Early Modern man. Around 30,000 years ago, he might have been hanging around in Marcilly-sur-Eure. Forensic facial reconstruction by Cicero Moraes. This file is licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported license.

This wasn’t the only discovery in Marcilly, but it was the oldest. In the years 1976 and 1980 the archaeologists found traces of Bronze Age settlements (3200-600 BC) with the help of aerial archaeology. In 1967 a chariot burial site of the late La Tène culture (150–30 BC) was found. In 1982 more constructions of the late La Tène period were found, followed by an archaeological excavation in the two following years.

Archaeological sites of the Hallstatt culture (800–475 BC) and later in the département Eure were situated at the rivers Seine and Eure. The rivers were transportation routes.

The river Eure in Marcilly-sur-Eure. Photograph by Félix Potuit. This work is in the public domain.

Further Reading

Bernard Bodinier: L’Eure de la Préhistoire à nos jours. Jean-Michel Bordessoules, Saint-Jean-d’Angély 2001, ISBN 2-913471-28-5, p. 16, 26, 52 f. (French).

Dominique Cliquet: L’Eure. 27. In: Michel Provost, Academie des inscriptions et belles-lettres, Ministere de la culture: Carte Archéologique de la Gaule. Fondation Maison des Sciences de l’Homme, Paris 1993, ISBN 2-87754-018-9, 597, p. 36–45, 240 f. (French).

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Mehr aus Saint-Maclou

Nein, ich bin nicht wieder nach Saint-Maclou zurückgefahren. Aber ich hab als ich da war noch die Kirche, eine Chaumière und die Mairie (Rathaus) fotografiert. Leider hatte die Chaumière eine abnehmbare, weihnachtliche Lichtinstallation an sich dran. Und da es in Frankreich keine Panoramafreiheit gibt, konnte ich die Fotos nicht hochladen und hab sie heute gelöscht. Mist.

Saint-Maclou ist eine Gemeinde in Eure, sie gehört zum Kanton Beuzeville und dessen Gemeindeverband. Sie hatte im Jahr 2009 559 Einwohner. Es gibt drei Schlösser in der Ortschaft, das Château de Saint-Maclou-la-Campagne aus dem 17. und 18. Jahrhundert (s. In Frankreich berühmt), das Château du Mont ebenfalls aus dem 17. Jahrhundert und das Château du Mont-Gouge aus dem 19. Jahrhundert. Der Schutzpatron der Gemeinde und der Kirche ist Maclou (Maclovius). Er soll die Ortschaft um das Jahr 600 herum gegründet haben.

Die Kirche stammt aus dem 11. Jahrhundert. Es ist aber wohl nur der Kirchturm aus jener Zeit erhalten. Ziemlich ungewöhnlich. Er ist in das Zusatzverzeichnis der Monuments historiques eingetragen. Wenn ich mir die Proportionen auf den Fotos ansehe, würde ich tippen, dass das Kirchenschiff später vergrößert wurde.

Die Kirche Saint-Maclou, eigenes Foto, auf Wikimedia Commons, Lizenz: CC by-SA/ Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported

Die Kirche Saint-Maclou in winterlicher Abendsonne. Eigenes Foto, Lizenz: CC by-SA/ Creative Commons-Lizenz Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Unported

Die Kirche Saint-Maclou in winterlicher Abendsonne. Eigenes Foto, Lizenz: CC by-SA/ Creative Commons-Lizenz Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Unported

Dementsprechend stammt fast das gesamte Inventar der Kirche aus dem 19. und 20. Jahrhundert. Es gibt eine Statue aus dem 17. Jahrhundert. Alles andere ist verloren.

Das Innere, fotografiert vom Chor aus. Es ist relativ streng und hell, ganz ungewöhnlich für diese Gegend in der normalerweise barocker Prunk in Kirchen vorherrscht. Es ist aber schon eine katholische Kirche. Eigenes Foto auf Wikimedia Commons, Lizenz: CC by-SA/ Creative Commons-Lizenz Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Unported

Das Kircheninnere vom Eingang aus in Richtung Chor. Es war doch schon zu dunkel für Fotos. Eigenes Foto, Lizenz: CC by-SA/ Creative Commons-Lizenz Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Unported

Das Kircheninnere vom Eingang aus in Richtung Chor. Es war doch schon zu dunkel für Fotos. Eigenes Foto, Lizenz: CC by-SA/ Creative Commons-Lizenz Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Unported

Das Taufbecken sieht älter aus. Eigenes Foto, Lizenz: CC by-SA/ Creative Commons-Lizenz Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Unported

Das Taufbecken sieht älter aus. Eigenes Foto, Lizenz: CC by-SA/ Creative Commons-Lizenz Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Unported

Die Mairie macht nicht viel her. Eigenes Foto, Lizenz: CC by-SA/ Creative Commons-Lizenz Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Unported

Die Mairie macht nicht viel her. Eigenes Foto, Lizenz: CC by-SA/ Creative Commons-Lizenz Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Unported

Neben der Mairie steht eine Grundschule. Die hab ich wegen der mangelnden Panoramafreiheit gar nicht erst fotografiert. Die anderen beiden Schlösser habe ich nicht gefunden, obwohl ich eine Passantin nach den Schlössern gefragt habe. Wahrscheinlich eh alles privat.

Merkwürdigerweise wurde die Ortschaft in der Französischen Revolution (1789-1799), einer Zeit in der Heiligennamen verpönt waren, nicht umbenannt. Am meisten Einwohner (701) hatte die Gemeinde 1846. Die Bevölkerungszahlen schwankten zwar schon, sind aber insgesamt überraschend stabil. Vielleicht durch die Nähe von Honfleur. 82,9 % der Arbeitnehmer sind Pendler. Die Zahl der Arbeitslosen ist ausgesprochen niedrig (3,8 %). Mich hat Saint-Maclou jedenfalls nicht vom Hocker gehauen.

1870/71 in Bernay, der Deutsch-Französische Krieg

Da Bernay an der Eisenbahnlinie von Paris über Évreux in Richtung Ärmelkanal lag, war es im Deutsch-Französischen Krieg wichtig für Truppen- und Munitionstransporte.

Im nahen Broglie wohnte der Herzog Albert de Broglie, ein Orléanist, der mit den deutschen Invasoren zusammenarbeitete. Die deutschsprachige Wikipedia schreibt über ihn: “Durch sein Einverständnis mit den Bonapartisten, deren Schützling zu sein ihm einmal Thiers mit schneidendem Hohn vorwarf, und durch die Zerrüttung seiner finanziellen Verhältnisse schädigte er sein Ansehen ebenso wie durch seinen ränkevollen Ehrgeiz.” Die deutschen Besatzer halfen ihm im Deutsch-Französischen Krieg, indem sie höhere Abgaben von republikanisch gesinnten Gemeinden verlangten. Die Gemeinde Broglie blieb komplett verschont. Die höheren Militärs waren Adlige, einige von ihnen verließen zwar nicht die Armee, boykottierten aber den Krieg, indem sie Angriffsbefehle verweigerten und zur Kapitulation rieten. Frankreich konnte unter diesen Bedingungen den Krieg gar nicht gewinnen. Die Franzosen waren zu sehr damit beschäftigt gegeneinander zu kämpfen. Die ersten Wahlergebnisse nach dem Krieg waren auch dementsprechend.

Erste Wahlen der Dritten Republik: 416 Royalisten (davon 214 Orléanisten) gegen 150 Republikaner und 72 Liberale. Es ist ein Wunder, dass die Republik erhalten blieb und nicht gleich wieder die Monarchie eingeführt wurde. Liegt womöglich nur daran, dass die verschiedenen Sorten von Royalisten sich nicht auf einen König einigen konnten. Diagramm von @lanakazame, Lizenz: CC by-SA/ Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported, 2.5 Generic, 2.0 Generic and 1.0 Generic

Ablauf der Ereignisse

Sergeant der Garde nationale, Foto von 1870, unbekannter Fotograf, Lizenz: gemeinfrei/ public domain


Am 4. September 1870 erfuhr die Bevölkerung von Bernay, dass Kaiser Napoléon III. (1808-1873) gefangen genommen worden war und dass die französische Armee bei Sedan kapituliert hatte. Viele Einwohner versammelten sich am Rathaus und warteten den ganzen Tag auf Neuigkeiten. Reisende berichteten am Abend, dass die Dritte Französische Republik in Paris ausgerufen wurde. In den folgenden Tagen wurde eine Abteilung der Garde nationale (französische republikanische Armee) in Bernay aufgestellt und 1200 Tabatièregewehre (Hinterlader) an die Männer ausgeteilt. Am 18. September brach die telegrafische Verbindung und der Zugverkehr mit Paris zusammen. Neuwahlen wurden ausgesetzt, es gab nur eine Notregierung.

Franc-tireurs gingen bei Serquigny in Stellung. Straßenschilder und Meilensteine wurden abgebaut oder eingegraben. Am 24. Oktober 1870 wurden 270 Miniégewehre (Vorderlader) ausgegeben. Hinterlader waren scheinbar schon alle. Die neu eintreffenden Soldaten der Garde nationale hatten oftmals nicht einmal eine Uniform und trugen Holzschuhe. Bis auf eine Besatzung von 50 Mann brachen alle Soldaten und Feuerwehrleute nach Évreux auf, um die Präfektur des Départements zu verteidigen.

Als die Nachricht von der Kapitulation von Metz am 30. Oktober offiziell bestätigt wurde, kam es zu einer spontanen Demonstration auf dem Platz vor dem Rathaus. Die Demonstranten forderten den Tod von François-Achille Bazaine.

Dreux wurde am 19. November 1870 von preußischen Truppen eingenommen, die Preußen bombardierten Évreux inzwischen mit ihrer Artillerie. La Ferrière-sur-Risle wurde ebenfalls eingenommen.

Am 21. November 1870 fuhr der Zug mit Charles Denis Bourbaki und seinem Generalstab durch Bernay nach Nevers.

Franc-tireurs, zeitgenössische Darstellung, 1870 oder 1871, Künstler unbekannt, Lizenz: gemeinfrei/ public domain

Die Franc-Tireurs von Bernay positionierten sich im Wald von Beaumesnil, da sie annahmen, daß die Preußen aus dem Süden kommen würden. Ab dem 6. Dezember 1870 erschienen keine Zeitungen mehr, auch aus Brionne kamen keine Nachrichten mehr und die Eisenbahnverbindung nach Rouen, der Regionalhauptstadt, war unterbrochen.

Am 12. Dezember 1870 erfuhren die Einwohner, dass der Präfekt, der nach Bernay geflohen war, den Rückzug nach Lisieux in der Basse-Normandie befehlen wollte. Es kam zu einem Aufstand und das Gebäude der Unterpräfektur wurde in Brand gesteckt.

Am 13. Dezember 1870 griffen die Deutschen erstmals Serquigny an. Etwa 60 deutsche Soldaten versuchten die Schienen in der Nähe des Bahnhofs zu zerstören. Der Anschlag misslang, die meisten Deutschen wurden getötet, 9 gerieten in Gefangenschaft. Die beschädigten Schienen wurden repariert. Als ein Kontingent von etwa zweihundert Soldaten mitsamt zwei Kanonen bei Nassandres am folgenden Tag im Schlamm stecken blieb, verbot der Kommandant Ferrus seinen Truppen, die missliche Lage der Deutschen zu nutzen und sie anzugreifen. Die Bevölkerung fühlte sich verraten. Der Kommandant floh in der Nacht zum 17. Dezember und als General Guilhermy am Morgen verlangte, dass die Stadt kapituliere, versuchte die aufgebrachte Bevölkerung, ihn festzusetzen, wobei er durch einen Schuss an der Hand verletzt wurde.

Foto eines Franc-tireur von G. Touzery (Orléans) aus den Jahren 1865 bis 1870. Lizenz: gemeinfrei/ public domain

In den folgenden Tagen zogen sich die Deutschen bis Bourgtheroulde-Infreville und Le Neubourg zurück. Die Präfektur zog wieder nach Évreux um. Der Schienenverkehr wurde zumindest bis Brionne auf der einen und Beaumont-le-Roger auf der anderen Seite wiederhergestellt. Am 1. Januar 1871 marschierten deutsche Truppen mit etwa 600 Mann in L’Aigle ein. Die Bäcker von Bernay stellten am Dreikönigstag keine Galette des Rois her, sondern Brot für die Armen.

Mitte Januar fuhr die Eisenbahn auf der einen Seite etwas weiter als Brionne, bis zum Bahnhof Glos – Montfort zwischen Glos-sur-Risle und Montfort-sur-Risle. Tauwetter setzte ein, die Charentonne trat über die Ufer. Die Bevölkerung von Courbépine und Montreuil-l’Argillé bewaffnete sich erst im Januar 1871. Zuvor hatten sich die Gemeinden, wie viele andere ländliche Gemeinden der Region, nicht gegen die deutschen Invasoren verteidigt, die daraufhin die Ortschaften plünderten. Alex Gardin, der Autor des Buches, das ich hier verwurste, schrieb das der Königstreue der ländlichen Gemeinden zu, die erst durch die Plünderungen und durch die Lebensmittelknappheit abnahm.

Am 21. Januar 1871 marschierten die deutschen Truppen von Süden auf Bernay zu. Der Turm der Kirche Notre-Dame-de-la-Couture wurde von Granaten beschädigt. Am Morgen des folgenden Tages drangen die Deutschen unter dem Befehl von Friedrich Franz II., des Großherzogs zu Mecklenburg, in die Stadt ein und überwältigten die letzten Verteidiger. Sie richteten ihre Kommandantur im Rathaus ein und erschossen die Gefangenen. Das Postgebäude wurde besetzt, die Versendung von Briefen unter Todesstrafe gestellt und der Telegraf zerstört. Am gleichen Tag wurde Menneval besetzt. Einige Einwohner hatten sich im Schloss Menneval verschanzt und verteidigten sich. Sie zogen sich aber in den Wald zurück, als der Kommandant der Deutschen damit drohte, ganz Menneval niederzubrennen. Zwei Franzosen wurden getötet. Dann requirierten die Deutschen Hafer und Heu für ihre Pferde. Außerdem plünderten sie in der ganzen Gegend alles was nicht niet- und nagelfest war.

Die deutsche Vorhut bei Bernay, zeitgenössische Darstellung, Künstler unbekannt, Lizenz: gemeinfrei/ public domain

In Bernay wohnten die deutschen Soldaten mit den Bernayer Bürgern zusammen. Deutsche Offiziere gingen durch die Straßen, schrieben Zahlen mit Kreide an die Häuser und bestimmten so, wieviele Soldaten in dem jeweiligen Haus wohnen sollten. Geschäfte blieben geschlossen, in den Bäckereien wurde nur für die Deutschen gebacken.

Der Großherzog zu Mecklenburg logierte bei seinem guten Freund, dem Herzog von Broglie. Schließlich verlangte der Großherzog zu Mecklenburg 100.000 Francs und zog am 25. Januar nach Erhalt des Geldes weiter nach Brionne. Die Mecklenburger verwehrten sich dagegen “Preussen” genannt zu werden. Alex Gardin sagte dazu, dass die in der Stadt verbliebenen Soldaten zumindest “echte Preussen” gewesen seien, denn sie haben abstoßend ausgesehen und sich wie Banditen benommen.

Der am 28. Januar 1871 unterzeichnete Waffenstillstand wurde erst am 4. Februar öffentlich bekannt gemacht. Noch am 31. Januar hatten die Deutschen Abgaben in Menneval, Plasnes und Valailles erhoben. Außerdem verlangte die deutsche Besatzung noch Steuern in Höhe von 365.000 Francs von der Stadt Bernay, um die Wahlen zur Nationalversammlung, die für den 8. Februar angesetzt waren, zu beeinflussen. Das klappte merkwürdigerweise auch. In Eure wurden sieben Orléanisten und ein Republikaner als Abgeordnete für die Nationalversammlung gewählt. Am 23. Februar wurde das Büro der Post wieder geöffnet. Reisende nach Paris mussten bis Conches-en-Ouche mit der Kutsche fahren. Am 6. März verließen die letzten Deutschen Bernay. Die Stadt atmete auf. Die französische Administration begann wieder zu arbeiten.

Alex Gardin: La guerre de 1870–1871 à Bernay. Erschienen bei: Les Éditions Page de Garde in Saint-Aubin-les-Elbeuf 1997, ISBN=2-84340-037-6 (französisch) Nachdruck, Original von 1898

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1870/71 in Bernay, der Deutsch-Französische Krieg von stanzebla steht unter einer Creative Commons Namensnennung – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Unported Lizenz.

Tidy dead-end streets in le Theil-Nolent

Me and Rudi went to Le Theil-Nolent on September 9, a hot and sunny day. Le Theil-Nolent had 221 inhabitants in 2009. It is a village in the canton of Thiberville. Last year its mayor, Michel Millard de Montrion, most likely a member of a more or less noble family, visited us and complained a lot about our village. No idea what his problem was, he liked neither the castle nor the rest of the village.

City limit sign on the southern side of Le Theil-Nolent. The village is part of the Remembrance Way because it lies at the former RN13, the road over which the Canadian Army came in 1944 to free the north of Eure. Own photo on Wikimedia Commons, licence: CC by-SA/ Creative Commons Attribution-ShareAlike 3.0 Unported

I entered the municipal territory from the north and immediately lost the way. The village seems to consist of dead-end streets, tidy dead-end streets. I stopped at a lavoir with some benches and a table for a picnic. lavoirs at small ponds make we wonder, how the people are supposed to clean their clothes in the standing water. Nowadays those lavoirs are often used by (optimistic) fishermen. I stared at my maps to find out where the heck I was. Somewhere in a web ob dead-ends north of the town centre.

The lavoir. Own photo at Wikimedia Commons, licence: CC by-SA/ Creative Commons Attribution-ShareAlike 3.0 Unported

I went south past some dead-end streets, left the village in the south, re-entered it, went east and finally found the town hall.

Rudi in front of the town hall. Own photo at Wikimedia Commons, licence: CC by-SA/ Creative Commons Attribution-ShareAlike 3.0 Unported

Everything was very tidy, except maybe the adjustment of the poles on the parking place, and an exemplary disabled parking spot. There’s only one house in the vicinity though, all the other people seem to live in the dead-end streets.

It was a hot day. We had some water and a bowl in the car. Own photo at Wikimedia Commons, licence: CC by-SA/ Creative Commons Attribution-ShareAlike 3.0 Unported

Opposite the town hall, at the other end of a vast place, stands the church Sainte-Colombe with the inevitable war memorial.

War memorial. Own photo at Wikimedia Commons, licence: CC by-SA/ Creative Commons Attribution-ShareAlike 3.0 Unported

The church is very nice, it was built in the 16th century and enlarged in the 18th century. Patron saint is Columba of Sens. The village belonged to Bec Abbey from 1065 until the French Revolution (1789-1799). Since the 17th century the village had a second seigneur, the family Coudray. They built a manor house, which I couldn’t find. Sigh. The above mentioned mayor owns a 19th century castle, which I couldn’t find either.

The church Sainte-Colombe. Own photo at Wikimedia Commons, licence: CC by-SA/ Creative Commons Attribution-ShareAlike 3.0 Unported

Southern side of the church. Own photo at Wikimedia Commons, licence: CC by-SA/ Creative Commons Attribution-ShareAlike 3.0 Unported

The timber-framed parts of the façade are decorated with patterns of black silex and flat bricks. Own photo at Wikimedia Commons, licence: CC by-SA/ Creative Commons Attribution-ShareAlike 3.0 Unported

In the shadow of the wall around the cemetery stood a cute horse. It was really a hot day.

This house is already tanned. Own photo, licence: CC by-SA/ Creative Commons Attribution-ShareAlike 3.0 Unported

And Charolais-cattle in the background. They were probably just getting a sunstroke. Own photo, licence: CC by-SA/ Creative Commons Attribution-ShareAlike 3.0 Unported

I followed one of the marked hiking trails north. There was a statue next to the road. That statue of the saint Colomba was created in 1997 and because of the lack of freedom of panorama (FOP) in France, I can’t upload photos of it. Behind the statue starts a grove with muddy, rectangular basins that were probably once used to breed fishes. This grove was dark and not tidy at all. On the path I found feathers and other rests of a dead bird. That made me think of traps. There are often traps to catch foxes in the woods around here. I went back. At the road a couple of Charolais looked at me rather reproachful. It was time to get out of Le Theil-Nolent.

The grove. Own photo, licence: CC by-SA/ Creative Commons Attribution-ShareAlike 3.0 Unported

I guess these muddy basins are full of cheekily tourists, that threw candy wrappers on the main street. Own photo, licence: CC by-SA/ Creative Commons Attribution-ShareAlike 3.0 Unported

These cows and calves don’t seem to be amused. Own photo, licence: CC by-SA/ Creative Commons Attribution-ShareAlike 3.0 Unported

Further Reading

Bienvenue sur le site du Theil-Nolent (french)

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Saubere Sackgassen in Le Theil-Nolent

Am 9. September 2012 besuchte ich Le Theil-Nolent, eine 221-Seelen-Gemeinde im Kanton Thiberville. Letztes Jahr hatte uns der Bürgermeister dieser Gemeinde besucht und ordentlich über unser Kaff geschimpft. Da wollte ich mir ansehen, was sein Kaff so zu bieten hat.

Südliches Ortseingangsschild in der Nähe der ehemaligen RN 13, über die damals bei der Befreiung die Kanadier kamen. Deshalb liegt Le Theil-Nolent auch am Remembrance Way (Erinnerungsweg). Eigenes Foto auf Wikimedia Commons, Lizenz: CC by-SA/ Creative Commons Attribution-ShareAlike 3.0 Unported

Ich kam aber (mit Rudi) von Norden und verfuhr mich erstmal. Die Gemeinde scheint aus Sackgassen zu bestehen. Ordentliche, saubere Sackgassen selbstverständlich. Schließlich hielt ich an einem Lavoir (Waschhäuschen) und starrte lange Zeit auf die Karte, was nicht viel half. Ich fuhr danach einfach weiter in die Richtung, in der ich den Ortskern vermutete. Lavoirs gibt es hier fast so häufig wie Schlösser. Oft liegen sie an kleinen Teichen, man fragt sich, wie die Wäsche da sauber werden soll. Heutzutage werden sie häufig von Anglern genutzt, den seit der Französischen Revolution (1789-1799) dürfen endlich alle Franzosen angeln und jagen, was die männlichen Franzosen daher seitdem fast zwanghaft ständig tun. Egal wie klein der Tümpel ist, es könnte ja ein Fischchen drin sein.

Das Lavoir, es nicht denkmalgeschützt, sieht restauriert aus und verfügt über Tisch und Bänke, um verirrte Touristen wie mich zu einer Pause einzuladen. Eigenes Foto auf Wikimedia Commons, Lizenz: CC by-SA/ Creative Commons Attribution-ShareAlike 3.0 Unported

Rechts um die Ecke und dann Richtung Süden und dann wieder an einigen Sackgassen vorbei, fand ich endlich die Mairie (Rathaus). Hinter der Mairie steht die Grundschule, die ich aber nicht fotografieren beziehungsweise nicht hochladen konnte, weil sie noch zu neu aussah. Und in Frankreich gibt es halt keine Panoramafreiheit (FOP). Unwahrscheinlich, dass der Architekt der Schule schon seit 70 Jahren tot ist.

Rudi präsentiert die Mairie. Eigenes Foto, auf Wikimedia Commons, Lizenz: CC by-SA/ Creative Commons Attribution-ShareAlike 3.0 Unported

Alles total ordentlich, wenn man von der Ausrichtung der Pfosten am Parkplatz absieht, an irgendetwas muss man doch noch merken, dass man in Frankreich ist. Auch sehr vorbildlich ist der Behindertenparkplatz, sowas sieht man hier sonst nie an ländlichen Rathäusern. Der Bürgermeister war allerdings auch nicht sehr gut zu Fuß. Auf der anderen Straßenseite ist ein großer Parkplatz und eine Bushaltestelle, alles sehr großzügig. Am Rathaus steht allerdings nur ein Wohnhaus, die anderen Bewohner leben in den verstreuten Sackgassen.

Es war warm. Rudi hatte Durst. Eigenes Foto auf Wikimedia Commons, Lizenz: CC by-SA/ Creative Commons Attribution-ShareAlike 3.0 Unported

Hinter dem großen Platz vor der Mairie steht die Kirche und das unvermeidbare Kriegerdenkmal. Ein besonderes Merkmal der ordentlichen Zustände in Le Theil-Nolent ist ein Überflurhydrant, der neben dem Kriegerdenkmal and der Friedhofsmauer steht. Auch die, sieht man hier in Dörfern eher selten. Ich hatte ihn deshalb auch fotografiert, das Foto aber aus irgendwelchen absurden Gründen gelöscht.

Ja, wir fiesen Deutschen haben in den beiden Weltkriegen Leute aus Le Theil-Nolent (und aus Kanada) abgemurkst. Ein hübsch eingezäuntes Kriegerdenkmal, auch sehr ordentlich. Eigenes Foto auf Wikimedia Commons, Lizenz: CC by-SA/ Creative Commons Attribution-ShareAlike 3.0 Unported

Die Kirche ist wirklich sehr hübsch. Sie wurde im 16. Jahrhundert erbaut und im 18. Jahrhundert umgebaut. Schutzpatron der Kirche ist die Heilige Colombe de Sens. Von 1065 bis zur Revolution war der Abt von Le Bec-Hellouin war der Kirchenpatron, d.h. ihm gehörte das Dorf, er hatte sämtliche seigneuriale Rechte. Er muss sich diese Rechte vom 17. Jahrhundert bis zur Revolution mit der Familie Coudray irgendwie geteilt haben, denn die besaßen ein kleines Fachwerk-Herrenhaus in Le Theil-Nolent. Darüber habe ich bisher noch keine Forschungen angestellt. Der Bürgermeister besitzt ein kleines Schlösschen aus dem 19. Jahrhundert. Das erklärt auch, wieso er sauer war, als er “unser” Schlösschen aus dem 18. Jahrhundert sah. Das wird Neid gewesen sein. Mehr zu den Gebäuden findet man hier: Bienvenue sur le site du Theil-Nolent. Ich konnte das Schloss jedenfalls nicht finden, wahrscheinlich steht es in einer Sackgasse.

Die Kirche Sainte-Colombe. Eigenes Foto auf Wikimedia Commons, Lizenz: CC by-SA/ Creative Commons Attribution-ShareAlike 3.0 Unported

Südseite der Kirche, eigenes Foto auf Wikimedia Commons, Lizenz: CC by-SA/ Creative Commons Attribution-ShareAlike 3.0 Unported

Die Fachwerkanteile in der Fassade der Kirche sind wunderhübsch mit Mustern aus schwarzem Silex und flachen Backsteinen dekoriert.

Chor oder eher Kapelle am Chor mit besonders aufwändigem Mauerwerk. Eigenes Foto auf Wikimedia Commons, Lizenz: CC by-SA/ Creative Commons Attribution-ShareAlike 3.0 Unported

Im Schatten der Kirche, hinter der Friedhofsmauer, stand ein ganz liebes Pferd. Es war wirklich ein heißer Tag.

Dieses Pferd ist schon braun genug. Eigenes Foto, Lizenz: CC by-SA/ Creative Commons Attribution-ShareAlike 3.0 Unported

Und im Hintergrund ein paar Charolais-Kühe, die wahrscheinlich gerade einen Sonnenstich bekommen. Eigenes Foto, Lizenz: CC by-SA/ Creative Commons Attribution-ShareAlike 3.0 Unported

Ich folgte dann einem der für Wanderer ausgeschilderten Wege nach Norden. Dem “Weg der Lavoirs” glaube ich. Dort sah ich eine Statue an der Straße. Das Foto habe ich gelöscht, denn die Statue wurde erst 1997 auf Geheiß des oben erwähnten Bürgermeisters erstellt und die darf ich, wegen oben erwähnter mangelnder Panoramafreiheit, nicht zeigen. Das soll die Heilige Colombe sein. Sie steht in einem kleinen eingezäunten Bereich am Rande eines Wäldchens. Wahrscheinlich gehört das zum Schlossgelände. Das war aber nirgendwo auch nur im geringsten beschildert. Ich ließ Rudi kurz im Auto zurück und folgte dem Trampelpfad hinter der Colombe-Grotte in eine andere Welt. Hier war es dunkel und hauptsächlich grün, sowie garantiert sehr pilz- und moderig. Das Wäldchen ist ein schmaler Streifen in dessen Mitte flache rechteckige Tümpel liegen. Immerhin die Form der Tümpel ist ordentlich. Vielleicht war das einmal eine Anlage zur Fischzucht. Ich nahm Rudi nicht mit, weil es wahrscheinlich ist, dass es dort irgendwo Fuchsfallen gibt.

Wald von Le Theil-Nolent. Der Weg ist allerdings schön gerade. Eigenes Foto, Lizenz: CC by-SA/ Creative Commons Attribution-ShareAlike 3.0 Unported

In diesen schlammigen Becken werden wahrscheinlich Touristen versenkt, die auf der Hauptstraße ein Bonbonpapier fallen gelassen haben. Eigenes Foto, Lizenz: CC by-SA/ Creative Commons Attribution-ShareAlike 3.0 Unported

Dann fand ich auf dem Weg ein zerrupftes, totes Irgendwas und mich gruselte. Ich flitzte zurück. Neben dem Grundstück mit dem Wäldchen ist eine Weide mit Charolais-Rindern. Sogar die Kälber sahen irgendwie ernsthafter aus, als ich das von Kälbern sonst gewohnt bin.

Ernsthafte, abgeklärte Charolais. Man beachte auch, wie ungewöhnlich gleichmäßig der Zaun im Hintergrund gebaut ist. Eigenes Foto, Lizenz: CC by-SA/ Creative Commons Attribution-ShareAlike 3.0 Unported

Wir waren jedenfalls froh, als wir da wieder weg und in unordentlicheren normannischen Gefilden waren.

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Saubere Sackgassen in Le Theil-Nolent von stanzebla steht unter einer Creative Commons Namensnennung – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Unported Lizenz.

Tag des offenen Denkmals 2012 in der Kirche von Morsan

Ich habe jetzt etwas mehr Zeit und werde brav meine ganzen Fotos abarbeiten. Dazu muss ich noch eins sagen. Ich werde ab Januar kein Auto mehr haben. Dieses jedenfalls nicht und daher wahrscheinlich keins. Damit sind meine motorisierten Fotoausflüge beendet. Momentan ist das Wetter nicht geeignet, aber an regenfreien Tagen werde ich natürlich bis Januar noch möglichst viele Fotos machen. Da mich heute ein Anrufer nach dem Vortrag in der Kirche von Morsan gefragt hat, fange ich damit an. Find ich toll, dass meine Artikel auch jemand liest.

Am 16. September gab es nachmittags Vorträge über das Kircheninnere der Kirche Sainte-Trinité und die Marquis Le Sens de Morsan.

église de la Sainte-Trinité de Morsan

Schon von draußen war alles anders als sonst. Die Tür ist offen. Fahrräder liegen unter der riesigen Eibe. Eigenes Foto, Lizenz: CC0/ Creative Commons CC0 1.0 Universal Public Domain Dedication

Noch bevor es losging nahm ich mir den Vortragenden beiseite und erzählte ihm von der Verschwendungsfreudigkeit des letzten Marquis. Ich hatte keine Lust, mir wieder anzuhören, dass die bösen Deutschen ihn in die Verzweiflung getrieben haben. Vor allem, weils nicht wahr ist. Der Historiker nahm das auch so hin und zitierte mich später. Während des Vortrags sah er mich dabei an. An anderen Stellen sah er andere Frauen an, die ihn wahrscheinlich auch geimpft hatten. Die Frauen wissen es und die Männer tragen es vor.

Noch schnell eine nicht sehr historische Bank hinausschleppen. Eigenes Foto, auf Wikimedia Commons, Lizenz: Creative Commons CC0 1.0 Universal Public Domain Dedication

Der Historiker im Chorraum vor dem Altar aus dem 17. Jahrhundert. Eigenes Foto, Lizenz: © stanzebla (stanzebla.wordpress.com). Alle Rechte vorbehalten

Natürlich war alles da was Rang und Namen hat. Pierre Roussel, der Chef der AMSE (Verein der Freunde des Denkmalschutzes in Eure), zahlreiche Mitglieder des Vereins, der Bürgermeister, ein Künstler und Galerist aus Saint-Georges-du-Vièvre, mit dem Monsieur C. zusammenarbeitet und das halbe Dorf. Irgendwie haben wir ohnehin alle Rang und Namen.

Diesmal gelang es mir einen der denkmalgeschützten Kantorschemel aus dem 18. Jahrhundert zu fotografieren. Der Historiker erklärte uns, dass nur noch zwei der Schemel in der Kirche sind, die anderen wurden vor ewigen Zeiten zur Reparatur gebracht und kamen bis heute nicht zurück. Der französische Verwaltungsapparat ist sehr langsam und neigt außerdem zum Diebstahl. Das heißt dann natürlich nicht Diebstahl.

Kantorschemel aus dem 18. Jahrhundert. Eigenes Foto auf Wikimedia Commons, Lizenz: CC 0/ Creative Commons CC0 1.0 Universal Public Domain Dedication

Am beeindruckendsten ist aber der Altar, der hauptsächlich aus dem 17. Jahrhundert stammt. François Le Sens spendete ihn anlässlich seiner Hochzeit. Und er tat das gleiche für die Kirche in Notre-Dame-d’Épine. Das Altargemälde wurde später hinzugefügt. Es ist ein Geschenk von Napoleon III. (1808-1873). Spannend sei was unter dem Gemälde sei, behauptete der Historiker. Und der Bürgermeister nickte wie wild dazu. Wenn wir jemals genug Geld haben, gucken wir nach.

Der Altar und das Altarbild. Eigenes Foto, Lizenz: CC0/ Creative Commons CC0 1.0 Universal Public Domain Dedication

Nach dem Konzil von Trient (1545-1563) wurde das Innere der Kirchen im Zuge der Gegenreformation umgestaltet, um eine bessere Evangelisation durch bessere Kenntnis des christlichen Glaubens zu erreichen. Taufen und Beichten durften nur noch im Kirchenschiff abgehalten werden, denn es repräsentierte den reuigen, büßenden Aspekt der Römisch-katholischen Kirche. Der Chor repräsentierte die triumphierende Kirche, den Himmel, deshalb wurden dort die Statuen der Heiligen aufgestellt (Textselbstdiebstahl). Das sagte der brave Historiker auch und sah dabei die Frau aus Serquigny an, oder war es Brétigny? Immer diese Gnys. Der Altar ist aus Holz und war ursprünglich bunt bemalt, jetzt ist er in Marmor-Fake bemalt, was recht überzeugend aussieht.

Das Tabernakel. Die beiden Engel hielten ursprünglich eine Krone. Eigenes Foto auf Wikimedia Commons, Lizenz: CC0/ Creative Commons CC0 1.0 Universal Public Domain Dedication

Die Seitenaltäre wurden zusammen mit dem Hauptaltar gefertigt.

Barocke Engel am Seitenaltar, der Hauptaltar ist im Hintergrund zu erkennen. Eigenes Foto auf Wikimedia Commons, Lizenz: CC0/ Creative Commons CC0 1.0 Universal Public Domain Dedication

Der trabes doxalis (Ruhmesbalken, poutre de gloire) ist aus Holz, sieht aber aus, als sei er aus Metall. Er kann das Gewicht des Triumphkreuzes nicht tragen. Das Kreuz ist oben an der Decke aufgehängt.

Ruhmesbalken und Triumphkreuz. Eigenes Foto, Lizenz: CC0/ Creative Commons CC0 1.0 Universal Public Domain Dedication

Der Historiker erklärte uns auch die Bedeutung des Familienwappens. Genau wie Terry Pratchett es in Feet of Clay (Hohle Köpfe) schrieb, müssen die Leute, die sich diese debilen Wappen ausgedacht haben, an fortgeschrittener Humorlosigkeit gelitten haben. Das Wappen der Le Sens zeigt drei Weihrauchpötte, denn “der Weihrauch” heißt auf Französisch l’encens, was sich ungefähr genauso spricht wie Le Sens. Ich sag doch immer, alle französischen Worte klingen gleich, dieses Wappen ist ein Beweis. Ein sagenhaft humoriges Wortspiel, gell? Haben wir gelacht.

Drei Weihrauchpötte auf Fresse, denn rot heißt auch nicht “rouge” sondern “gueules” von “gueule”, Fresse, Maul, Rachen, Schnauze, Kanonenmündung und damit hätten wir auch wieder eins dieser tiefsinnigen Synonyme. Eigenes Foto, Lizenz: CC0/ Creative Commons CC0 1.0 Universal Public Domain Dedication

Ein besonders wertvoller Fund in der Kirche sind mehrere handgestickte Schärpen aus dem 19. Jahrhundert, die der ehemaligen Confrérie de Charité (Bruderschaft der Barmherzigkeit) von Morsan gehörten. Sie zeigen naive Motive, und sind deshalb nur umso wertvoller. Im 19. Jahrhundert wurden die Schärpen normalerweise maschinell mit stereotypen Motiven bestickt. Sie sind zwar noch nicht denkmalgeschützt, werden diesen Status aber garantiert noch erhalten.

Steif, etwas beschädigt und verbogen, weigerten sich die Schärpen standhaft, sich vernünftig fotografieren zu lassen. Eigenes Foto, Lizenz: CC0/ Creative Commons CC0 1.0 Universal Public Domain Dedication

Handgestickte Schärpe von 1834. Eigenes Foto, Lizenz: CC0/ Creative Commons CC0 1.0 Universal Public Domain Dedication

Sargtuch der Confrérie de charité von 1908. Eigenes Foto, Lizenz: C0/ Creative Commons CC0 1.0 Universal Public Domain Dedication

Die liturgischen Gewänder des Priesters wurden aus abgelegten Kleidern der Marquise geschneidert. Der ursprüngliche Volksaltar der Kirche wurde während der Französischen Revolution zerstört. Es wurde nie ein neuer Volksaltar gebaut. Genutzt wird heute ein Provisorium aus rohen Steinen, das mit liturgischen Gewändern, denen man deutlich ansieht, dass sie einmal Kleider der Marquise waren, notdürftig verhüllt ist.

Volksaltar, einmal wirklich volksnah. Eigenes Foto, Lizenz: C0/ Creative Commons CC0 1.0 Universal Public Domain Dedication

Hier sieht man die Vorlagen noch ganz gut. Das gab einen sehr blumigen Priester. Liturgische Gewänder aus dem 18. Jahrhundert (?). Eigenes Foto, Lizenz: CC0/ Creative Commons CC0 1.0 Universal Public Domain Dedication

Wandlungsglocke, Altarschelle. Eigenes Foto, Lizenz: C0/ Creative Commons CC0 1.0 Universal Public Domain Dedication

An der litre seigneuriale (Trauerband) hat sich noch nicht viel getan, aber an zwei Stellen sieht man das Wappen der Le Sens unter der Tünche durchschimmern.

Da lugt das Wappen unter der Farbe hervor. Eigenes Foto, Lizenz: CC0/ Creative Commons CC0 1.0 Universal Public Domain Dedication

Die Fenster sind leider nicht so schön. Die schlichten Fenster sehen ganz gut aus, aber die aus dem 19. Jahrhundert, mit romantischen Motiven, sind einfach nicht wirklich geschmackvoll.

Pietà. Mariä Herz von sieben Dolchen durchbohrt. Bei aller Liebe, das geht mir zu weit. Eigenes Foto, Lizenz: CC0/ Creative Commons CC0 1.0 Universal Public Domain Dedication

Dieses sieht zwar etwas besser aus, aber trotzdem bekomme ich bei der goldenen Dusche der Verkündigung keine besinnlichen Gedanken. Vielleicht ist es auch mein Fehler, keine Ahnung. Eigenes Foto, Lizenz: CC0/ Creative Commons CC0 1.0 Universal Public Domain Dedication

Das dritte Fenster sieht noch am besten aus, ich weiß aber nicht, was es darstellt. Eigenes Foto, Lizenz: C0/ Creative Commons CC0 1.0 Universal Public Domain Dedication

Nach dem Vortrag trafen wir uns alle draußen auf den unhistorischen Bänken und schwatzten. Monsieur C. riss wieder einige Witze und versuchte mich unbedingt mit dem Künstler bekannt zu machen. Der sah komplett abgerissen und unglaublich dünn aus. Wahrscheinlich gehört sich das so für hiesige Künstler. Dann wanderten wir weiter zu anderen Denkmalen.

Kleines Fenster an der Westseite. Es stammt aus dem 13. Jahrhundert. Lizenz: CC by SA/ Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported


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Tage des offenen Denkmals 2012

Am 14. July 2012 traf ich einen Historiker, der gerade seinen Vortrag und das Innere der Kirche de la Trinité von Morsan für die Tage des offenen Denkmals 2012 vorbereitete. Er erzählte mir totalen Mist über den letzten Marquis Le Sens de Morsan. Er sagte, die Preussen haben das Schloss zerstört, es stamme aus dem 19. Jahrhundert und daher sei der Marquis vor Kummer einsam in Paris gestorben. Blödsinn! Wahr ist, dass der Hauptteil des Schlosses aus dem 18. jahrhundert stammt, es wurde im 19. Jahrhundert nur eine kleine Ecke angesengt, und hinterher musste eine neue Treppe eingesetzt werden. Bei der Gelegenheit ließ der Marquis noch Parkett im Erdgeschoss verlegen. Das wars und das hat den Marquis nicht ruiniert. Was ihn ruiniert hat waren die zahlreichen Bälle, Feiern, Jagdgesellschaften und Spielrunden, die der Marquis veranstaltet hat. Er warf sein Geld mit beiden Händen zum Fenster raus und war deshalb, in den 1930er Jahren ruiniert. Da war er aber schon recht alt. Immerhin hatte er viel Spaß in seinem Leben (so der Kommentar von meinem Lieblingsnachbarn). In den 30ern musste er jedenfalls alles verkaufen. Er besaß 100 Hektar Land und verkaufte sie für ein Appel und ein Ei. Er verkaufte auch die Möbel aus dem Schloss. Der Vater meines Lieblingsnachbarn kaufte damals eine Truhe, sehr preiswert. Nach dem Krieg machten die Käufer des Ackerlandes ein unheimliches Geschäft. Und ja, da der Marquis keine Familie hatte, starb er verarmt und allein in Paris.

Jedenfalls gibt es am 15. und 16. September Tage des offenen Denkmals in der Kirche von Morsan. In der auch ein paar Le Sens begraben liegen. Es gibt einen unrichtigen Vortrag zu hören, aber sehr schöne richtige Sachen zu sehen. Und da die Kirche nur einmal alle neun Jahre offen ist, eine gute Gelegenheit.