La Vache, verdammt

Auf Englisch schrieb ich wohl mindestens einen kuhbezogenen Artikel pro Jahr. Im übertragenen Sinn kuhbezogen und nicht “mit Kuhleder bezogen”. Auf Deutsch aber zuletzt 2009. Mir ist der Humor inzwischen nicht nur komplett vergangen, es ist auch irgendwie sinnlos ihn in deutsche Worte zu kleiden. (Ich hatte einige schlimme Erlebnisse was deutschen Humor angeht, auch auf Facebook.) Daher die Überschrift. “La Vache” heißt nicht nur ‘die Kuh’, sondern ist auch ein beliebter Allerweltsfluch. Haut man sich mit dem Hammer auf den Daumen, sagt man “la vache”.

Dieses Normanne-Mädchen mag Salz und ist neugierig. Hier entkam meine Kamera nur knapp einer Linsenreinigung. Eigenes Foto auf Flickr, Lizenz: CC by-SA/ Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported

Die Brillen von Normannen finde ich besonders niedlich.

Ist das süß oder was? Und auf die üblichen Fleischesserbemerkungen kann ich an dieser Stelle ganz gut verzichten. Eigenes Foto auf Wikimedia Commons, Lizenz: CC by-SA/ Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported

Und an dieser Stelle möchte ich nochmal darauf hinweisen, dass ich nicht “in der Landwirtschaft” arbeite. Das sind Kühe von den Nachbarn, nicht meine. Nix gegen die Landwirtschaft. Aber sämtliche deutsche Landwirtschaftsweisheiten greifen hier einfach nicht.

Wie kann das Frauchen nur so grantig sein, obwohl die Kühe so niedlich gucken? Eigenes Foto auf Flickr, Lizenz: CC by-SA/ Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported

Ja, ich geb zu, ich bin “vachement”, wörtlich: ‘kuhartig’, heißt aber ‘extrem/sehr/ziemlich’ schlecht gelaunt.

Und nicht nur weil ich Gesülze lesen musste, in dem mir solche Nasenringe als unheimlich stressmindernd für Kälber verkauft wurden. Der Ring soll das Kalb entwöhnen. Damit der Bauer die Milch verkaufen kann, nicht damit das Kalb keinen Stress hat. Eigenes Foto auf Flickr, Lizenz: CC by-SA/ Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported

Genauer gesagt, das Kalb kann mit dem Ring nicht mehr saugen, es kann auch sonst praktisch nichts damit. Aber das ist landwirtschaftlich betrachtet piepegal, hauptsache es frisst was und wird dick. Grasen kann es wohl schon noch, Futter geben kann ich ihm aber nicht, wir haben das versucht. Gelesen zugegebenermaßen auf Englisch bei der Regierung von Ontario. Und weil ich davon noch schlechtere Laune bekomme, gibts davon erstmal keine Fotos mehr.

Diese drei Damen sind jedenfalls vachement entspannt, das sieht man auch an den Ohren. Eigenes Foto auf Flickr, Lizenz: CC by-SA/ Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported

Eines Tages waren die Nachbarskühe weg. Sie wechseln die Weiden. Sie waren aber nicht weit umgezogen, nur ans andere Ende des nachbarlichen Grundstücks. Trotzdem hatte ich sie vermisst.

Da hatten sie die ganze Zeit herumgehangen, am Zaun zu unserer Weide. Sie fanden uns wohl interessant und harmlos. Eigenes Foto auf Flickr, Lizenz: CC by-SA/ Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported

Momentan kann ich nicht herumfahren. Ich hab und verdiene halt nicht das Geld, um das Auto zu importieren. (Und nein, das hat nichts mit den Löhnen in der Landwirtschaft zu tun.) Der Behördenkrams kostet einfach zu viel. Nun schulden mir gewisse Leute ja noch Geld und das würde lang und breit für das Auto reichen, für Import und Reparatur und es bliebe noch was übrig, selbst wenn ich nur die Hälfte des Geldes bekäme. Ich krieg das Geld aber nicht. Ich kriege nur Ausreden oder nicht einmal die. Die gewissen Leute scheinen das auch regelmäßig zu vergessen und fragen immer wieder ganz unschuldig, ob ich denn jetzt das Auto importiert habe. Sogar ein Bekannter, der sonst eigentlich immer zu diesen Leuten gehalten hat, erklärte mir vorgestern, die seien verrückt.

Die Kühe freuen sich jedenfalls, uns zu sehen, immerhin. Phex mag Kühe allerdings nicht besonders und beschwert sich regelmäßig wenn ich stehenbleibe, um Kuhfotos zu machen. Eigenes Foto auf Flickr, Lizenz: CC by-SA/ Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported

Hinzu kommt ja noch der Schlossverkauf. Im März tauchte völlig unerwartet der Schlosskäufer auf und erklärte mir, ich sei schwierig, solle mir aber keine Sorgen machen, ich könne hier wohnen bleiben. Ist ja ein Wunder, dass er nicht gefragt hat, wieviel Miete ich zahle. Gewisse Leute haben mir nicht nur nicht gesagt, dass der Schlosskäufer vorbeikommt, und der meinte dazu, sie haben das mit Absicht gemacht, sondern haben dem auch noch erzählt, ich sei schwierig. Er hält mich für eine komplette Idiotin, was an meinem schlimmen deutschen Akzent liegen könnte. Übrigens ein Grund weshalb Immigranten in Frankreich häufig unglücklich sind und lieber nach Spanien ziehen. Franzosen werden dazu erzogen, ihre Nation und vor allem auch die Sprache als überlegen anzusehen, was im internationalen Handel und in der Diplomatie ziemlich ungünstig ist. Es gibt natürlich auch Ausnahmen, sogar bei den Konservativen, aber der Schlosskäufer ist schon überzeugt, dass Leute, die nicht so gut Französisch sprechen, Idioten sind. Ich frag mich in dem Zusammenhang auch, wie die Verhandlungen laufen und was er von gewissen Leuten denkt, denn deren Französisch ist nicht wirklich besser als meins.

Mein Kuhisch ist schon ganz okay, aber der dunkle Kasten sieht gefährlich aus. Eigenes Foto auf Flickr, Lizenz: CC by-SA/ Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported

Leider kann ich nicht bestätigen, dass körperliche Arbeit gegen Aggressionen hilft. Im Gegenteil. Je mehr ich schufte, desto wütender werde ich. Heute ist übrigens ein Feiertag in Frankreich, den die Deutschen nicht feiern, die bedingungslose Kapitulation der Wehrmacht am 8. Mai 1945. Aber ob Feiertag oder Sonntag ist ja komplett egal, und zwar nicht wegen Landwirtschaft, sondern weil solche Konzepte wohl unkapitalistisch sind (zumindest wenn man gewissen Leuten glauben muss).

Hübsche weiße Augenwimpern. Eigenes Foto auf Flickr, Lizenz: CC by-SA/ Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported

Ist mir immer noch total unklar, wieso ich in der Schule Kuhaugen sezieren musste. Wahrscheinlich weils eklig ist.

Das sind vachement kleine gerade entwöhnte Jungbullen auf einer Weide am Ortseingang. Eigenes Foto auf Flickr, Lizenz: CC by-SA/ Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported

Eigentlich halte ich ganz gern ein Schwätzchen mit dem Mann, dem das Fachwerkhaus in dem Foto gehört – und nein, ich werde nicht mit dem schlafen oder ihn heiraten oder diese ganze Hormonscheiße… *Augen roll* Ich begegne ihm öfters wenn ich mit den Hunden spazierengehe, was in der letzten Zeit allerdings nicht ganz so oft vorkommt, da ich furchtbar viel wütend machende Arbeit habe. Ich: “Wir hatten einen langen Winter.” Er: “Es ist viel Wasser gefallen.” Ist etwa wie eine Unterhaltung mit Winnetou oder so. “Der Mond wird noch oft aufgehen bevor mein muhender gefleckter Bruder gegessen wird.” Okay, Winnetou ist fiktiv, dann halt Cochise.

Eine erwachsene Normannin, man sieht die Augengläser nicht, weil der Kopf zu schwarz ist. Eigenes Foto auf Flickr, Lizenz: CC by-SA/ Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported

Weshalb ich darauf hinwies, dass ich den Opa vom Ortseingang nicht heiraten werde? Sowas höre ich andauernd. Als jener oben erwähnte Bekannte hier war, erwähnte ich, dass ich mit Herrn C., einem Genie bezüglich Mechanik, die Motorsense repariert habe. Sofort meinte er, ich solle den doch heiraten. Sowas geht mir vachement auf den Keks. Ich werde die alle nicht heiraten und auch nichts Sexuelles mit denen machen. Ich frag mich ja doch manchmal, ob solche Bemerkungen auch aus Eifersucht gemacht werden. Jungs, ihr regt mich damit nur an, notlesbisch zu werden.

Verführungsversuch, in Ermangelung von Äpfeln oder Kraftfutter versuch ichs durch die Blume. Eigenes Foto auf Flickr, Lizenz: CC by-SA/ Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported

Und hinter der Kirche standen Charolais Jungbullen. Die sind auch ganz niedlich, waren aber ziemlich ängstlich und da ihr Anführer ganz klar ein Taschentuch braucht, hab ich da keine Fütterungsversuche unternommen. Eigenes Foto auf Flickr, Lizenz: CC by-SA/ Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported

Carsix, Baumärkte und mittelalterliche Geheimnisse

Carsix ist eine französische Gemeinde mit 245 Einwohnern (Stand 1. Januar 2010) im Département Eure in der Region Haute-Normandie.

Carsix liegt hier um die Ecke. Der Weiler Malbrouck an der ehemaligen Route nationale 13 (seit 2006 D613) gehört zur Gemeinde. Da gibt es ein Gewerbegebiet mit dem größten Baumarkt der Gegend. Lustigerweise haben Märkte an dem Ort eine jahrhundertelange Tradition.

Geschichte

Die Ortschaft wurde 1180 unter dem Namen Caresis erstmals erwähnt. Marie de Carsi(x) war die Tochter von Picard von Carsix, dem damaligen Seigneur von Carsix, der jedoch schon verstorben war als Marie in die Geschichte der unseligen Könige verstrickt wurde. Marie wurde die Amme von Johann I. (15. bis 19. November 1316), auch Johann der Posthume genannt, da er nach dem Tod seines Vaters geboren wurde. Sie taucht als Marie de Cressay in den historischen Romanen von Maurice Druon auf. Dort tauscht sie ihr eigenes Kind gegen den neugeborenen König aus, da ein Anschlag auf dessen Leben befürchtet wurde. Das getötete Kind war ihr eigentlicher Sohn und Johann überlebte. Laut einem anderen (unbequellten) Wikipedia-Artikel soll zur Zeit Johanns II. (1319 –1364) ein Mann aufgetaucht sein, der behauptete, Johann I. zu sein. Tote Königskinder neigen dazu wiederaufzutauchen. Um das nochmal klarzustellen, Druon hat sich das mit dem Kindstausch ausgedacht, aber er hat es sich sehr plausibel ausgedacht.

Totenprozession Johanns des Posthumen. Bild ist gemeinfrei aufgrund seines Alters.

Die Ländereien von Carsix gehörten gegen Ende des 14. Jahrhunderts dem Seigneur von Thibouville. Durch Heirat der Erbin von Thibouville erhielt Henri de Gouvis Carsix im Jahr 1420. Im Jahr 1560 erhielt Pierre II. du Fay, vicomte de Pont-Audemer, die Seigneurie. Im 17. Jahrhundert wurde ein Familienzweig Fay de Carsix gegründet. Die Seigneurie blieb bis zur Französischen Revolution (1789–1799) im Besitz der Familie.

1793 erhielt Carsix im Zuge der Französischen Revolution den Status einer Gemeinde und 1801 durch die Verwaltungsreform unter Napoleon Bonaparte (1769-1821) unter dem Namen Carsi das Recht auf kommunale Selbstverwaltung. Auch wenn die Seigneurien durch die Revolution aufgelöst wurden, blieb die Familie Fay bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts im Besitz des Schlosses.

Das Schloss hinter dem schmucken barocken Eingangstor. Eigenes Foto auf Wikimedia Commons, Lizenz: CC by-SA/ Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported

Am 28. August 1833 reiste König Louis-Philippe I. (1773–1850) durch Carsix. Zur Erinnerung daran wurde fortan ein zweiter großer Markt in Malbrouck gehalten, nämlich da, wo heute das Gewerbegebiet ist.

Im Zweiten Weltkrieg (1939–1945) besetzte die Wehrmacht die Gemeinde und nutzte das Schloss als Kommandantur. Nach der Flucht der Deutschen diente das Schloss als Hospital. Der Schlosspark fungierte währenddessen als Soldatenfriedhof. Die Deutschen haben sich hier nicht so sagenhaft beliebt gemacht.

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Das Schloss von Carsix wurde von Pierre-Georges du Fay um 1741 auf den Fundamenten eines älteren Gebäudes errichtet. Durch das “du” nicht verwirren lassen, das ist schon die gleiche Familie, nur das “de”, ‘von’ änderte sich im Laufe der Zeit, manchmal fiel es auch ganz weg. Pierre-Georges Sohn Pierre-Philippe ließ die seigneuriale Kapelle bauen. Das Schloss hat zwei Seitenflügel. Die Fassade besteht aus rotem Backstein und hellem Naturstein. Nach seiner Heirat im Jahr 1900 zog Georges du Fay in das Département Manche und verkaufte das Schloss in Carsix. Es wechselte daraufhin mehrfach den Besitzer. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden Teile der Schlosses durch Schimmel zerstört. Als eine private Gesellschaft 1966 das Gebäude erwarb, war im Gebäudeinneren nur ein original eingerichteter Raum im Stil des Louis-quinze erhalten.

Das Schloss von Carsix. Näher ran hab ich mich nicht getraut. Es ist ja irgendwie im Privatbesitz und wirkte auch privat. Ich benehme mich normalerweise dann auch nicht daneben und geh einfach rein. Hier jedenfalls nicht. Eigenes Foto auf Wikimedia Commons, Lizenz: CC by-SA/ Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported

An der Straße nach Plasnes steht ein Herrenhaus mit Taubenhaus im Stil des Klassizismus des frühen 19. Jahrhunderts.

In Carsix gibt es 31 Häuser und Bauernhöfe aus dem 17. bis 19. Jahrhundert. Neun davon wurden bisher von der staatlichen Denkmalsbehörde besichtigt, die meisten davon stammten aus dem 18. Jahrhundert.

Schutzpatron der Kirche Saint-Martin ist Martin von Tours. Das Kirchenschiff wurde zu Beginn des 12. Jahrhunderts errichtet, der Chor wurde im 14. Jahrhundert umgebaut, Kirchturm und Dach des Kirchenschiffs wurden im 16. Jahrhundert ergänzt beziehungsweise erneuert. Im 19. Jahrhundert wurde die Kirche restauriert.

Weiterführende Informationen (deutsch)

Maurice Druon: Die unseligen Könige. In: DER SPIEGEL 3/1959

Die unseligen Könige. amazon.de

Weiterführende Informationen (französisch)

Alte Postkarten aus Carsix im Départementsarchiv

Carsix auf der Webseite der Préfecture Eure

Le village de Carsix. In: Annuaire-Mairie.fr

Ernest Nègre: Toponymie générale de la France. 1, Librairie Droz, 1990, ISBN 2-6000-2883-8, S. 53

Frédéric Galeron: Statistique de l’arrondissement de Falaise. 3, Brée l’aîné, Falaise 1829, S. 123

Carsix – notice communal. In: Cassini.ehess.fr.

Raymond Bordeaux: Statistique routière de Lisieux à la frontière de Normandie. In: Annuaire Normand. Delos, Caen 1849

Bernard Bodinier (Hrsg.): L’Eure de la Préhistoire à nos jours. Jean-Michel Bordessoules, Saint-Jean-d’Angély 2001, ISBN 2-913471-28-5, S. 246

Franck Beaumont, Philippe Seydoux: Gentilhommières des pays de l’Eure. Editions de la Morande, Paris 1999, ISBN 2-902091-31-2 , S. 281f

Notre Dame de Charentonne. Diocèse d’Évreux

Commune : Carsix (27131). Thème : Tous les thèmes. In: Insee.fr. Institut national de la statistique et des études économiques

Eintrag Nr. 27131 in der Base Mérimée des französischen Kulturministeriums

Henry de Servignat: Quatre enigmes royales. In: Dossiers de la petite histoire. Nouvelles Editions Latines, 1958, S. 38–67

Brune de Crespt: Jean Ier, l’enfant qui régna cinq jours. In: Historia Nostra. Alix Ducret

Marie de Carsi

Dies ist eine Verwurstung meines eigenen Wikidiaartikels.
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Gisacum, manche Städte verschwinden einfach

Die Thermen im Jahr 2006, Foto von Wikimedia Commons Benutzer Urban, Lizenz: gemeinfrei/ public domain


Gisacum (IPA:ʒizakɔm) ist die Ausgrabungsstätte einer religiös geprägten gallo-römischen Ortschaft in Frankreich. Faszinierend finde ich daran, dass Städte einfach so verschwinden können (vergleiche Alesia oder Quentovic. Ursprünglich war die Ausgrabungsstätte nach ihrem Standort in der Nähe des Weilers Cracouville benannt, der südwestlich vom Ortskern von Le Vieil-Évreux liegt. Besiedelt war Gisacum von Eburoviken. Es lag nur etwa 6 Kilometer von deren Hauptstadt Mediolanum (heute Évreux) entfernt und liegt heute auf einer mittleren Höhe von 133 Metern über dem Meeresspiegel auf dem östlichen Teil des Gemeindegebiets von le Vieil-Évreux und erstreckt sich bis auf die angrenzenden Gemeindegebiete der Ortschaften Miserey, Cierrey und Le Plessis-Hébert. Gisacum und Mediolanum waren verbunden. Mediolanum diente als weltliche und Gisacum als religiöse Hauptstadt.

Geschichte

Das Theater von Gisacum im Jahr 2009, Foto von Wikimedia Commons Benutzer Gérard Métron, Lizenz: CC by-SA/ Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported, 2.5 Generic, 2.0 Generic and 1.0 Generic


Gisacum wurde im ersten Jahrhundert erbaut und in der ersten Hälfte des 2. Jahrhunderts abgerissen, um eine neue Stadt zu erbauen. Gisacus war einer von drei Stadtgöttern, die in den Tempeln der Stadt verehrt wurden. Er wurde unter der römischen Herrschaft mit Apollon gleichgesetzt, muss also ähnliche Attribute gehabt haben. Apollon ist der Gott der Sonne, der Kunst und der Medizin. Es war bei den Eburoviken üblich, Dreiergruppen von Göttern an einem Ort zu verehren. In der ersten Hälfte des dritten Jahrhunderts war die Blütezeit der Ortschaft, dann wurde sie verlassen. Gisacum war nicht befestigt und daher schutzlos den Überfällen germanischer Stämme ausgesetzt. Auch andere gallo-römische Tempelanlagen wurden in jener Zeit aufgegeben, vergleiche Canetum oder Canetonum in Villeret.

Die Einwohner von Gisacum zogen nach Mediolanum und nutzten die verlassenen Gebäude von Gisacum als öffentlichen Steinbruch zum Bau der Stadtmauer von Évreux. Teile jener Stadtmauer werden heute im Museum von Évreux ausgestellt. Das Große Heiligtum wurde ab dem 6. Jahrhundert als Nekropole genutzt.

Bronzestatue des Jupiter, Foto von Wikimedia Commons Benutzer Vassil, Lizenz: gemeinfrei/ public domain

Im 17. Jahrhundert verfasste Louis de Boislambert, der damalige Pfarrer von Le Vieil-Évreux, eine Denkschrift über die Ruinen von Gisacum. Von 1765 bis 1770 wurden die Ruinen für den Bau der Straße von Paris nach Lisieux ausgeschlachtet. Die ersten Ausgrabungen bei Cracouville führte François Rever von 1801 bis 1804 durch. Er veröffentlichte 1827 seinen Grabungsbericht. Durch eine in den Ruinen gefundene Inschrift mit dem Namen des Gottes Gisacus (Deo Gisaco) kam Auguste Le Prévost 1828 auf die Idee, dass der Ortsname der in Le Vieil-Évreux gefundenen Ruinen dem ehemaligen Ortsnamen von Gisay-la-Coudre (im Pays d’Ouche) entsprochen haben könnte. Dieser Ortsname war Gisacum. Die Ortschaften sind auch durch die Verehrung des Heiligen Taurinus von Évreux verbunden. Was schon ein ziemlich seltsamer Zufall ist. In der Legende des Taurinus wurde eine „Villa des Lucinius in Gisacum“ erwähnt. Es gibt noch eine dritte Gemeinde im Département Eure, deren Name mit der Gottheit Gisacus verknüpft ist, Gisors. Die Ruinen in Le Vieil-Évreux hatten die Bildung lokaler Legenden gefördert. Dazu gehört die Erwähnung in der fiktiven Biografie des Taurinus, verschiedene Ortsbezeichnungen und die Sage der Druidinnen von Cracouville. Sogar der Name der Gemeinde “Le Vieil-Évreux”, ‚das alte Évreux‘, ist entstanden, weil man annahm, die Ruinen stammen aus der Zeit vor der Gründung des heutigen Évreux.

1829 führte De Stabenrath, der königliche Prokurator von Évreux, eine Ausgrabung durch und veröffentlichte seinen Bericht 1831. Von 1838 bis 1841 unternahm Theodose Bonnin wichtige Ausgrabungen. Er nannte die Ruinen in seinem Bericht 1860 erstmals offiziell Gisacum. Bonnin fand unter anderem eine Statue des Jupiters und des Apollon, die heute im Museum in Évreux ausgestellt werden. Von 1911 bis zum Ersten Weltkrieg (1914–1918) führten Émile Espérandieu (1857–1939) und Henri Lamiray Ausgrabungen durch. Weitere Ausgrabungen fanden 1933 bis 1939 statt. 1936 entdeckte Marcel Baudot (1902–1992) an den Thermen das „Fanum der Quelle“, von dem man annahm, dass dort eine Quelle verehrt wurde.

1951 wurde das „Fanum von Cracouville“, das Große Heiligtum, offiziell als Monument historique (‚historisches Denkmal‘) klassifiziert.

Im Jahr 2002 wurde der 2,5 Hektar große archäologische Garten der Thermen eröffnet. Er ist vom 1. März bis 15. November für Besucher geöffnet. Und zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich dem archäologischen Garten zwar auf Facebook folge, aber noch nie dort war. Es ist doch ein bisschen weit mit meinem armen alten Autochen. Vielleicht schaff ichs ja im März.

Aufbau der Tempelanlage

Plan der Funde von Bonnin von 1841, Lizenz: gemeinfrei/ public domain

Die Gesamtgröße von Gisacum wird auf über 400 Hektar geschätzt. Der generelle Plan entsprach dem klassischen Aufbau Thermen – Tempel – Theater. Die Gläubigen reinigten sich zuerst in den Thermen, bevor sie den Tempel betraten.

Ein breiter Weg verlief von Nordosten nach Südwesten durch die Tempelanlage und verband die verschiedenen Gebäude. Im Südwesten waren die Thermen, nördlich davon das Fanum der Quelle. Nordöstlich davon stand das Große Heiligtum. Es hatte eine Fläche von 6,8 Hektar und war etwa 25 Meter hoch. Darin standen drei Gruppen von kleinen Tempeln aus dem 1. und 2. Jahrhundert und drei große Tempel aus dem Beginn des 3. Jahrhunderts. Nordöstlich des Großen Heiligtums stand das Theater, nördlich davon das Forum, nordwestlich davon ein weiterer Umgangstempel. Umgeben war der Tempelbezirk von Wohnhäusern.

Das halbkreisförmige Theater fasste etwa 7000 Besucher. Es war etwa 5 Meter hoch und sein Durchmesser war 106 Meter.

In einem halbkreisförmigen Gebäude mit 35 Metern Durchmesser, das bei den Thermen stand, wurden zahlreiche gallische Münzen gefunden, die zumeist aus der Zeit nach der römischen Besetzung (nach 52 v. Chr.) stammen. Es wurden keine Objekte aus der Zeit nach dem Prinzipat (Ende des 3. Jahrhunderts) gefunden. Das Gebäude wurde lange Zeit für ein Nymphäum gehalten. Die Wände bestanden aber zum Teil aus Holz, was gegen eine Nutzung als Nymphäum spricht. Das Gebäude war wohl ein Marktplatz durch den ein kleiner Kanal lief. Es wurde in der Mitte des 3. Jahrhunderts zerstört und diente danach noch eine Weile als Schlachthaus. Im 19. Jahrhundert war es ein Acker. Beim Pflügen wurden regelmäßig Knochen freigelegt, die der Parzelle den Namen Champ des os (‚Knochenfeld‘) gaben.

Ein etwa 25 Kilometer langes Aquädukt verlief ober- und unterirdisch bis Damville.

Artefakte

Statue des Silenos, Foto von Wikimedia Commons Benutzer Urban, Lizenz: gemeinfrei/ public domain

Insgesamt wurden Statuen der Götter Apollon, Herakles, Jupiter, Mercurius und Minerva gefunden. Die beiden bedeutendsten Kunstwerke, die in Gisacum gefunden wurden, sind zwei bronzene Statuen aus dem 1. Jahrhundert, die Jupiter beziehungsweise Apollon darstellen. Die Jupiterstatue ist 91 Zentimeter hoch. In den Händen hielt der bärtige nackte Gott wohl eine Waffe, eine Lanze oder einen Blitz, was immer er gehalten hat, es ist verloren. Die bronzene Statue des Apollon ist 68 Zentimeter hoch und konventioneller als die Jupiterstatue. Apollon ist ebenfalls nackt dargestellt, allerdings ohne Bart. Die Arme der Statue sind beschädigt. Auf dem Haupt trägt er eine Krone, die ihn als Stadtgott ausweist. Beide Kunstwerke wurden in lokalen Werkstätten hergestellt und geben Zeugnis von der Handwerkskunst der Eburoviken. Außer diesen Statuen wurde noch eine Statuette des Silenos sowie diverse Schmuckstücke und Münzen gefunden.

Weiterführende Informationen

Marcel Baudot: Le problème des ruines du Vieil-Evreux (Eure) in Gallia Band 1, Seiten 191–206, erschienen 1943 (französisch)

Theodose Bonnin: Antiquités gallo-romaines des Eburoviques: Publiées d’après les recherches et les feuilles dirigées. Erschienen bei J.B. Dumoulin in Paris 1860. (französisch)

Dominique Cliquet, Michel Provost (Hrsg), Academie des inscriptions et belles-lettres (Hrsg), Ministere de la culture (Hrsg): L’Eure 27 in Carte Archéologique de la Gaule erschienen bei Fondation Maison des Sciences de l’Homme in Paris 1993. Kapitel 329, Seiten:153–176, ISBN:2-87754-018-9 (französisch)

Auguste Le Prévost, Société des antiquaires de Normandie (Hrsg): Mémoire sur la châsse de St.-Taurin d’Evreux. in Mémoires de la Société des antiquaires de Normandie, Band 4, erschienen bei Mancel in Caen 1928, Seiten 304f. (französisch)

Jean Mineray: Évreux, Histoire de la ville à travers les âges. Erschienen bei Éditions Bertout in Luneray 1988, Seiten 16–19, ISBN:2-86743-062-3. (französisch)

Ernest Nègre: Toponymie générale de la France. Band 1, erschienen bei Librairie Droz 1990, Seiten 197, ISBN 978-2-600-02884-4 (französisch)

François Rever: Mémoire sur les ruines du Vieil-Évreux. Erschienen bei Ancelle in Évreux 1827 (französisch)

Conseil Général de l’Eure: Dossier pédagogique Visite du site archéologique de Gisacum. Veröffentlicht 2010 als pdf. (französisch)

Conseil général de l’Eure: Gisacum, ville enfouie, Le Jardin Archéologique des thermes (französisch)

Verwurstung eines eigenen Artikels aus der deutschsprachigen Wikipedia in der Version vom 2. Januar 2013 (heute) an der ich nur selbst herumgewurschtelt hab. Trotzdem lizenziere ich den Artikel vorsichtshalber mit der Creative-Commons-Lizenz Namensnennung – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 (unported).

Er denkt an die Zukunft

Gestern hatte ich ein Date mit einem ultrakonservativen und viel zu jungen (42) Großbauern aus der Basse-Normandie. Ich könnte jetzt in den hiesigen Chor miteinstimmen und sagen, die in der Basse-Normandie sind halt irgendwie anders. Es war wirklich furchtbar ich hab jetzt Migräne. Das mit den Männern lasse ich fortan einfach sein. Der einzige Vorteil eines grässlichen Dates ist, dass man froh ist, allein zu sein. Ich weiß auch nicht, was die “Kupplerin” sich dabei gedacht hatte.

Rudi begutachtet den Boden. Das kann so einfach nicht für immer weitergehen. Die Bauern sterben aus, bewohnt werden die Ortschaften von Städtern, die entweder pendeln oder in Rente sind. Eigenes Foto, Lizenz: CC by-SA/ Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported

Obwohl es hier so schön aussieht, wird hier in der Gegend, wie auch in der Basse-Normandie praktisch ausschließlich intensive Landwirtschaft betrieben. Jener Großbauer z.B. sagt er interessiere sich genau gar nicht für die Vergangenheit, sondern denkt an die Zukunft und meint damit den Erwerb eines Melkroboters. Er findet Tiere generell scheiße und befasst sich nicht gern mit seinen Kühen. Immer wenn er eine landwirtschaftliche Hilfe sucht, dann seien die geschockt, weil er keine Tiere mag und Landwirtschaft und Tiere, so meinen die Unwissenden, gehöre doch zusammen. Ich: Was er denn für eine Rinderrasse habe? Er: Milchkuh. Hiesige Bauern finden Tiere immerhin nicht alle scheiße.

Unverschämtheit, so über uns zu reden. Eigenes Foto, Lizenz: CC by-SA/ Creative Commons Attribution-ShareAlike 3.0 Unported

Jedenfalls sind in der ganzen Normandie im Laufe der Zeit alle kleineren Bauernhöfe zugrunde gegangen. Dafür kauften immer weniger Bauern das Land der verarmten Bauern auf. Die verarmten Bauern mussten sich nach anderer Arbeit umsehen, zum Beispiel in Fabriken. Inzwischen wurden die meisten Fabriken geschlossen. Irgendwas läuft hier ganz schief und da wären der Bauer und ich uns wahrscheinlich sogar einig. Frankreich war 2007 der drittgrößte Verbraucher von Pestiziden weltweit und der größte Verbraucher in der EU. Inzwischen ist daher die von Pestiziden verursachte Parkinson-Krankheit in Frankreich als Berufserkrankung anerkannt. Was jemand davon hat, viel Geld zu machen, es aber nicht ausgeben zu können (“alle zwei Jahre fahre ich mit der gleichen Reisegruppe für zwei Wochen in Urlaub”), da dafür keine Zeit bleibt, um dann womöglich auch noch Parkinson als “Lohn” zu erhalten, erschließt sich mir nicht.

Au verdammt, und in welches Glas kommt der Rosé? Warum nur warum? Foto von Wikimedia Commons-Nutzer Hopefulromntic, Lizenz: CC by-SA/ Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported

Ich hab mich natürlich auch daneben benommen und mein mangelndes Wissen über französische Restaurantkultur zur Schau gestellt. Außerdem bin ich halt nicht mehr gebärfähig und daher für Männer nur noch eingeschränkt nutzbar. Ja was, hab ich das jetzt zu unromantisch ausgedrückt? Ich wär auch lieber ins Museum oder ins Kino gegangen. Merkwürdigerweise hab ich gestern abgenommen, obwohl wir in einem Nobelrestaurant waren. So wenig hab ich lange nicht gewogen und er hat dafür bezahlt. Man muss auch immer das Positive sehen.

Die Basilika Notre-Dame de la Couture in Bernay

Die Kirche Notre-Dame de la Couture im Süden der Stadt Bernay wurde von 1340 bis etwa 1400 erbaut und im 16. Jahrhundert vergrößert. Sie wurde auf den Fundamenten eines älteren Gebäudes errichtet, die Krypta stammt eventuell aus dem 11. Jahrhundert. Der Kirchturm wurde nach 1615 erneuert. Die Mauern bestehen aus verschiedenen Steinarten, Sandstein, Kalkstein, Feuerstein und Puddinggestein (Kieselsteine in Sand- oder Kalkstein). Einige Flächen sind durch schachbrettartige Anordnung von Feuersteinen und anderem Gestein dekoriert. Der Stil ist teilweise gotisch, teilweise Renaissance. Den Titel Basilika erhielt die Kirche 1950 vom damals zukünftigen Papst Johannes XXIII. (1881-1963). 1906 wurde das Gebäude als Monument historique (historisches Denkmal) eingestuft und somit denkmalgeschützt. Die Kirche ist “Unserer Lieben Frau” geweiht, der Namensbestandteil “Couture” soll von “Culture” im Sinne von Pflanzenkultur/Anbau stammen. Die Kirche soll auf Äckern gebaut worden sein. Sie steht hoch über der Stadt.

Blick auf Bernay vom Hügel aus, an dem die Kirche Notre-Dame de la Couture steht. Links sieht man die Ecke mit den Soldatengräbern. Eigenes Foto auf Wikimedia Commons, Lizenz: CC by/SA/ Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported

Die Westfassade. Es wird heute allerdings ein Eingang auf der Nordseite benutzt. Eigenes Foto auf Wikimedia Commons, Lizenz: CC by-SA/ Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported

Eine der Türen an der Nordseite. Sie ist restaurationsbedürftig und abgesperrt. Eigenes Foto auf Wikimedia Commons, Lizenz: CC by-SA/ Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported

Diese Tür sieht zwar ebenfalls abgesperrt aus, dient aber momentan als Haupteingang. Eigenes Foto auf Wikimedia Commons, Lizenz: CC by-SA/ Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported

Die Kirche hat hübsche Wasserspeier. Ich mag Wasserspeier. Eigenes Foto, Lizenz: CC by-SA/ Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported

Oben am Kirchturm sind Scharwachttürme angebracht. Ich mag mir aber gar nicht vorstellen, wie gruselig es sein muss, da oben Wache zu schieben. Vielleicht sind die Scharwachttürme nur dekorativ gemeint?

Der obere Teil der Westfassade. Es wird einem leicht schwindelig. Eigenes Foto, Lizenz: CC by-SA/ Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported

Querschiff, Südseite. Eigenes Foto auf Wikimedia Commons, Lizenz: CC by-SA/ Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported

Eigentlicher Haupteingang an der Westseite. Eigenes Foto auf Wikimedia Commons, Lizenz: CC by-SA/ Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported

Und weils so schön ist nochmal aus der Nähe. Eigenes Foto, Lizenz: CC by-SA/ Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported

Eine der Glocken stammt aus dem Jahr 1658. Sie wurde von François de Feydeau (dem damaligen Abt des Klosters Notre-Dame de Bernay), Lovisse Marie Demion Davvet, P. Lecerciller, Pierre Aubepy, Robert Roche und Jacques Gosse gespendet. Die Glocke ist denkmalgeschützt.

Notre-Dame de la Couture hat 22 wunderhübsche Kirchenfenster, die allesamt denkmalgeschützt sind. Sie stammen aus dem 15., 16., 17. und 19. Jahrhundert. Ich hab natürlich nicht die Mittel vernünftige Fotos davon zu machen. Zumal die Fenster aus dem 15. Jahrhundert sich besonders hoch im Mittelteil des Kirchenschiffs befinden. Ich habs am Tag des offenen Denkmals am 15. September 2012 versucht, das wurde alles nichts.

Anlässlich der Tage des offenen Denkmals gab es eine Ausstellung mit liturgischen Kleidungsstücken aus dem 19. Jahrhundert es fanden aber außerdem zwei Taufen in der Kirche statt, weshalb ich mir schon sehr touristisch vorkam und mich beeilte. Ich sprach auch kurz mit dem Pfarrer. Es ist mir immer ein bisschen peinlich deutsch zu sein, immerhin haben wir uns hier in diversen Kriegen nicht gerade beliebt gemacht.

Eingang zur Krypta. Sieht das nicht sagenhaft mysteriös aus? Und total dunkel. Das Innere der Krypta wurde von einer lokalen Künstlerin mit Pastellmalerei dekoriert. Deshalb darf man Fotos davon nicht öffentlich zeigen (Frankreich hat keine Panoramafreiheit, die Künstlerin ist überhaupt noch nicht tot). Eigenes Foto, Lizenz: CC by-SA/ Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported

Kaseln aus dem 19. Jahrhundert vor dem Hauptaltar. Eigenes Foto auf Wikimedia Commons, Lizenz: CC by-SA/ Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported

Pluviales aus dem 19. Jahrhundert vor dem Hauptaltar. Eigenes Foto auf Wikimedia Commons, Lizenz: CC by-SA/ Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported

Kirchenschiff. Der Pfarrer bringt gerade die Taufleutchen herein. Ich hab die Gesichter etwas verwischt. Eigenes Foto, Lizenz: CC by-SA/ Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported

Altar. Eigenes Foto, Lizenz: CC by-SA/ Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported

Die Himmelfahrt, Fenster aus dem 16. Jahrhundert. Eigenes Foto auf Wikimedia Commons, Lizenz: CC by/ Creative Commons Attribution 3.0 Unported

Der Einzug Jesu in Jerusalem, Kirchenfenster aus dem 16. Jahrhundert. Eigenes Foto auf Wikimedia Commons. Lizenz: CC by-SA/ Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported

Kanzel. Eigenes Foto auf Wikimedia Commons, Lizenz: CC by-SA/ Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported

Statue des Heiligen Fiacrius (Fiacre). Eigenes Foto auf Wikimedia Commons, Lizenz: CC by-SA/ Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported

Skulptur der Genoveva von Paris, das daneben ist wahrscheinlich Joseph (das entnehme ich den Lilien). Eigenes Foto, Lizenz: CC by-SA/ Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported

Weiterführende Informationen

Basilique Notre Dame de la Couture (französisch)

Bernay in der Base Mérimée des Ministère de la Culture (französisch)

Bernay in der Base Palissy des Ministère de la Culture (französisch)

Creative Commons Lizenzvertrag
Die Basilika Notre-Dame de la Couture in Bernay von stanzebla steht unter einer Creative Commons Namensnennung – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Unported Lizenz.

1870/71 in Bernay, der Deutsch-Französische Krieg

Da Bernay an der Eisenbahnlinie von Paris über Évreux in Richtung Ärmelkanal lag, war es im Deutsch-Französischen Krieg wichtig für Truppen- und Munitionstransporte.

Im nahen Broglie wohnte der Herzog Albert de Broglie, ein Orléanist, der mit den deutschen Invasoren zusammenarbeitete. Die deutschsprachige Wikipedia schreibt über ihn: “Durch sein Einverständnis mit den Bonapartisten, deren Schützling zu sein ihm einmal Thiers mit schneidendem Hohn vorwarf, und durch die Zerrüttung seiner finanziellen Verhältnisse schädigte er sein Ansehen ebenso wie durch seinen ränkevollen Ehrgeiz.” Die deutschen Besatzer halfen ihm im Deutsch-Französischen Krieg, indem sie höhere Abgaben von republikanisch gesinnten Gemeinden verlangten. Die Gemeinde Broglie blieb komplett verschont. Die höheren Militärs waren Adlige, einige von ihnen verließen zwar nicht die Armee, boykottierten aber den Krieg, indem sie Angriffsbefehle verweigerten und zur Kapitulation rieten. Frankreich konnte unter diesen Bedingungen den Krieg gar nicht gewinnen. Die Franzosen waren zu sehr damit beschäftigt gegeneinander zu kämpfen. Die ersten Wahlergebnisse nach dem Krieg waren auch dementsprechend.

Erste Wahlen der Dritten Republik: 416 Royalisten (davon 214 Orléanisten) gegen 150 Republikaner und 72 Liberale. Es ist ein Wunder, dass die Republik erhalten blieb und nicht gleich wieder die Monarchie eingeführt wurde. Liegt womöglich nur daran, dass die verschiedenen Sorten von Royalisten sich nicht auf einen König einigen konnten. Diagramm von @lanakazame, Lizenz: CC by-SA/ Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported, 2.5 Generic, 2.0 Generic and 1.0 Generic

Ablauf der Ereignisse

Sergeant der Garde nationale, Foto von 1870, unbekannter Fotograf, Lizenz: gemeinfrei/ public domain


Am 4. September 1870 erfuhr die Bevölkerung von Bernay, dass Kaiser Napoléon III. (1808-1873) gefangen genommen worden war und dass die französische Armee bei Sedan kapituliert hatte. Viele Einwohner versammelten sich am Rathaus und warteten den ganzen Tag auf Neuigkeiten. Reisende berichteten am Abend, dass die Dritte Französische Republik in Paris ausgerufen wurde. In den folgenden Tagen wurde eine Abteilung der Garde nationale (französische republikanische Armee) in Bernay aufgestellt und 1200 Tabatièregewehre (Hinterlader) an die Männer ausgeteilt. Am 18. September brach die telegrafische Verbindung und der Zugverkehr mit Paris zusammen. Neuwahlen wurden ausgesetzt, es gab nur eine Notregierung.

Franc-tireurs gingen bei Serquigny in Stellung. Straßenschilder und Meilensteine wurden abgebaut oder eingegraben. Am 24. Oktober 1870 wurden 270 Miniégewehre (Vorderlader) ausgegeben. Hinterlader waren scheinbar schon alle. Die neu eintreffenden Soldaten der Garde nationale hatten oftmals nicht einmal eine Uniform und trugen Holzschuhe. Bis auf eine Besatzung von 50 Mann brachen alle Soldaten und Feuerwehrleute nach Évreux auf, um die Präfektur des Départements zu verteidigen.

Als die Nachricht von der Kapitulation von Metz am 30. Oktober offiziell bestätigt wurde, kam es zu einer spontanen Demonstration auf dem Platz vor dem Rathaus. Die Demonstranten forderten den Tod von François-Achille Bazaine.

Dreux wurde am 19. November 1870 von preußischen Truppen eingenommen, die Preußen bombardierten Évreux inzwischen mit ihrer Artillerie. La Ferrière-sur-Risle wurde ebenfalls eingenommen.

Am 21. November 1870 fuhr der Zug mit Charles Denis Bourbaki und seinem Generalstab durch Bernay nach Nevers.

Franc-tireurs, zeitgenössische Darstellung, 1870 oder 1871, Künstler unbekannt, Lizenz: gemeinfrei/ public domain

Die Franc-Tireurs von Bernay positionierten sich im Wald von Beaumesnil, da sie annahmen, daß die Preußen aus dem Süden kommen würden. Ab dem 6. Dezember 1870 erschienen keine Zeitungen mehr, auch aus Brionne kamen keine Nachrichten mehr und die Eisenbahnverbindung nach Rouen, der Regionalhauptstadt, war unterbrochen.

Am 12. Dezember 1870 erfuhren die Einwohner, dass der Präfekt, der nach Bernay geflohen war, den Rückzug nach Lisieux in der Basse-Normandie befehlen wollte. Es kam zu einem Aufstand und das Gebäude der Unterpräfektur wurde in Brand gesteckt.

Am 13. Dezember 1870 griffen die Deutschen erstmals Serquigny an. Etwa 60 deutsche Soldaten versuchten die Schienen in der Nähe des Bahnhofs zu zerstören. Der Anschlag misslang, die meisten Deutschen wurden getötet, 9 gerieten in Gefangenschaft. Die beschädigten Schienen wurden repariert. Als ein Kontingent von etwa zweihundert Soldaten mitsamt zwei Kanonen bei Nassandres am folgenden Tag im Schlamm stecken blieb, verbot der Kommandant Ferrus seinen Truppen, die missliche Lage der Deutschen zu nutzen und sie anzugreifen. Die Bevölkerung fühlte sich verraten. Der Kommandant floh in der Nacht zum 17. Dezember und als General Guilhermy am Morgen verlangte, dass die Stadt kapituliere, versuchte die aufgebrachte Bevölkerung, ihn festzusetzen, wobei er durch einen Schuss an der Hand verletzt wurde.

Foto eines Franc-tireur von G. Touzery (Orléans) aus den Jahren 1865 bis 1870. Lizenz: gemeinfrei/ public domain

In den folgenden Tagen zogen sich die Deutschen bis Bourgtheroulde-Infreville und Le Neubourg zurück. Die Präfektur zog wieder nach Évreux um. Der Schienenverkehr wurde zumindest bis Brionne auf der einen und Beaumont-le-Roger auf der anderen Seite wiederhergestellt. Am 1. Januar 1871 marschierten deutsche Truppen mit etwa 600 Mann in L’Aigle ein. Die Bäcker von Bernay stellten am Dreikönigstag keine Galette des Rois her, sondern Brot für die Armen.

Mitte Januar fuhr die Eisenbahn auf der einen Seite etwas weiter als Brionne, bis zum Bahnhof Glos – Montfort zwischen Glos-sur-Risle und Montfort-sur-Risle. Tauwetter setzte ein, die Charentonne trat über die Ufer. Die Bevölkerung von Courbépine und Montreuil-l’Argillé bewaffnete sich erst im Januar 1871. Zuvor hatten sich die Gemeinden, wie viele andere ländliche Gemeinden der Region, nicht gegen die deutschen Invasoren verteidigt, die daraufhin die Ortschaften plünderten. Alex Gardin, der Autor des Buches, das ich hier verwurste, schrieb das der Königstreue der ländlichen Gemeinden zu, die erst durch die Plünderungen und durch die Lebensmittelknappheit abnahm.

Am 21. Januar 1871 marschierten die deutschen Truppen von Süden auf Bernay zu. Der Turm der Kirche Notre-Dame-de-la-Couture wurde von Granaten beschädigt. Am Morgen des folgenden Tages drangen die Deutschen unter dem Befehl von Friedrich Franz II., des Großherzogs zu Mecklenburg, in die Stadt ein und überwältigten die letzten Verteidiger. Sie richteten ihre Kommandantur im Rathaus ein und erschossen die Gefangenen. Das Postgebäude wurde besetzt, die Versendung von Briefen unter Todesstrafe gestellt und der Telegraf zerstört. Am gleichen Tag wurde Menneval besetzt. Einige Einwohner hatten sich im Schloss Menneval verschanzt und verteidigten sich. Sie zogen sich aber in den Wald zurück, als der Kommandant der Deutschen damit drohte, ganz Menneval niederzubrennen. Zwei Franzosen wurden getötet. Dann requirierten die Deutschen Hafer und Heu für ihre Pferde. Außerdem plünderten sie in der ganzen Gegend alles was nicht niet- und nagelfest war.

Die deutsche Vorhut bei Bernay, zeitgenössische Darstellung, Künstler unbekannt, Lizenz: gemeinfrei/ public domain

In Bernay wohnten die deutschen Soldaten mit den Bernayer Bürgern zusammen. Deutsche Offiziere gingen durch die Straßen, schrieben Zahlen mit Kreide an die Häuser und bestimmten so, wieviele Soldaten in dem jeweiligen Haus wohnen sollten. Geschäfte blieben geschlossen, in den Bäckereien wurde nur für die Deutschen gebacken.

Der Großherzog zu Mecklenburg logierte bei seinem guten Freund, dem Herzog von Broglie. Schließlich verlangte der Großherzog zu Mecklenburg 100.000 Francs und zog am 25. Januar nach Erhalt des Geldes weiter nach Brionne. Die Mecklenburger verwehrten sich dagegen “Preussen” genannt zu werden. Alex Gardin sagte dazu, dass die in der Stadt verbliebenen Soldaten zumindest “echte Preussen” gewesen seien, denn sie haben abstoßend ausgesehen und sich wie Banditen benommen.

Der am 28. Januar 1871 unterzeichnete Waffenstillstand wurde erst am 4. Februar öffentlich bekannt gemacht. Noch am 31. Januar hatten die Deutschen Abgaben in Menneval, Plasnes und Valailles erhoben. Außerdem verlangte die deutsche Besatzung noch Steuern in Höhe von 365.000 Francs von der Stadt Bernay, um die Wahlen zur Nationalversammlung, die für den 8. Februar angesetzt waren, zu beeinflussen. Das klappte merkwürdigerweise auch. In Eure wurden sieben Orléanisten und ein Republikaner als Abgeordnete für die Nationalversammlung gewählt. Am 23. Februar wurde das Büro der Post wieder geöffnet. Reisende nach Paris mussten bis Conches-en-Ouche mit der Kutsche fahren. Am 6. März verließen die letzten Deutschen Bernay. Die Stadt atmete auf. Die französische Administration begann wieder zu arbeiten.

Alex Gardin: La guerre de 1870–1871 à Bernay. Erschienen bei: Les Éditions Page de Garde in Saint-Aubin-les-Elbeuf 1997, ISBN=2-84340-037-6 (französisch) Nachdruck, Original von 1898

Creative Commons Lizenzvertrag
1870/71 in Bernay, der Deutsch-Französische Krieg von stanzebla steht unter einer Creative Commons Namensnennung – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Unported Lizenz.

Saubere Sackgassen in Le Theil-Nolent

Am 9. September 2012 besuchte ich Le Theil-Nolent, eine 221-Seelen-Gemeinde im Kanton Thiberville. Letztes Jahr hatte uns der Bürgermeister dieser Gemeinde besucht und ordentlich über unser Kaff geschimpft. Da wollte ich mir ansehen, was sein Kaff so zu bieten hat.

Südliches Ortseingangsschild in der Nähe der ehemaligen RN 13, über die damals bei der Befreiung die Kanadier kamen. Deshalb liegt Le Theil-Nolent auch am Remembrance Way (Erinnerungsweg). Eigenes Foto auf Wikimedia Commons, Lizenz: CC by-SA/ Creative Commons Attribution-ShareAlike 3.0 Unported

Ich kam aber (mit Rudi) von Norden und verfuhr mich erstmal. Die Gemeinde scheint aus Sackgassen zu bestehen. Ordentliche, saubere Sackgassen selbstverständlich. Schließlich hielt ich an einem Lavoir (Waschhäuschen) und starrte lange Zeit auf die Karte, was nicht viel half. Ich fuhr danach einfach weiter in die Richtung, in der ich den Ortskern vermutete. Lavoirs gibt es hier fast so häufig wie Schlösser. Oft liegen sie an kleinen Teichen, man fragt sich, wie die Wäsche da sauber werden soll. Heutzutage werden sie häufig von Anglern genutzt, den seit der Französischen Revolution (1789-1799) dürfen endlich alle Franzosen angeln und jagen, was die männlichen Franzosen daher seitdem fast zwanghaft ständig tun. Egal wie klein der Tümpel ist, es könnte ja ein Fischchen drin sein.

Das Lavoir, es nicht denkmalgeschützt, sieht restauriert aus und verfügt über Tisch und Bänke, um verirrte Touristen wie mich zu einer Pause einzuladen. Eigenes Foto auf Wikimedia Commons, Lizenz: CC by-SA/ Creative Commons Attribution-ShareAlike 3.0 Unported

Rechts um die Ecke und dann Richtung Süden und dann wieder an einigen Sackgassen vorbei, fand ich endlich die Mairie (Rathaus). Hinter der Mairie steht die Grundschule, die ich aber nicht fotografieren beziehungsweise nicht hochladen konnte, weil sie noch zu neu aussah. Und in Frankreich gibt es halt keine Panoramafreiheit (FOP). Unwahrscheinlich, dass der Architekt der Schule schon seit 70 Jahren tot ist.

Rudi präsentiert die Mairie. Eigenes Foto, auf Wikimedia Commons, Lizenz: CC by-SA/ Creative Commons Attribution-ShareAlike 3.0 Unported

Alles total ordentlich, wenn man von der Ausrichtung der Pfosten am Parkplatz absieht, an irgendetwas muss man doch noch merken, dass man in Frankreich ist. Auch sehr vorbildlich ist der Behindertenparkplatz, sowas sieht man hier sonst nie an ländlichen Rathäusern. Der Bürgermeister war allerdings auch nicht sehr gut zu Fuß. Auf der anderen Straßenseite ist ein großer Parkplatz und eine Bushaltestelle, alles sehr großzügig. Am Rathaus steht allerdings nur ein Wohnhaus, die anderen Bewohner leben in den verstreuten Sackgassen.

Es war warm. Rudi hatte Durst. Eigenes Foto auf Wikimedia Commons, Lizenz: CC by-SA/ Creative Commons Attribution-ShareAlike 3.0 Unported

Hinter dem großen Platz vor der Mairie steht die Kirche und das unvermeidbare Kriegerdenkmal. Ein besonderes Merkmal der ordentlichen Zustände in Le Theil-Nolent ist ein Überflurhydrant, der neben dem Kriegerdenkmal and der Friedhofsmauer steht. Auch die, sieht man hier in Dörfern eher selten. Ich hatte ihn deshalb auch fotografiert, das Foto aber aus irgendwelchen absurden Gründen gelöscht.

Ja, wir fiesen Deutschen haben in den beiden Weltkriegen Leute aus Le Theil-Nolent (und aus Kanada) abgemurkst. Ein hübsch eingezäuntes Kriegerdenkmal, auch sehr ordentlich. Eigenes Foto auf Wikimedia Commons, Lizenz: CC by-SA/ Creative Commons Attribution-ShareAlike 3.0 Unported

Die Kirche ist wirklich sehr hübsch. Sie wurde im 16. Jahrhundert erbaut und im 18. Jahrhundert umgebaut. Schutzpatron der Kirche ist die Heilige Colombe de Sens. Von 1065 bis zur Revolution war der Abt von Le Bec-Hellouin war der Kirchenpatron, d.h. ihm gehörte das Dorf, er hatte sämtliche seigneuriale Rechte. Er muss sich diese Rechte vom 17. Jahrhundert bis zur Revolution mit der Familie Coudray irgendwie geteilt haben, denn die besaßen ein kleines Fachwerk-Herrenhaus in Le Theil-Nolent. Darüber habe ich bisher noch keine Forschungen angestellt. Der Bürgermeister besitzt ein kleines Schlösschen aus dem 19. Jahrhundert. Das erklärt auch, wieso er sauer war, als er “unser” Schlösschen aus dem 18. Jahrhundert sah. Das wird Neid gewesen sein. Mehr zu den Gebäuden findet man hier: Bienvenue sur le site du Theil-Nolent. Ich konnte das Schloss jedenfalls nicht finden, wahrscheinlich steht es in einer Sackgasse.

Die Kirche Sainte-Colombe. Eigenes Foto auf Wikimedia Commons, Lizenz: CC by-SA/ Creative Commons Attribution-ShareAlike 3.0 Unported

Südseite der Kirche, eigenes Foto auf Wikimedia Commons, Lizenz: CC by-SA/ Creative Commons Attribution-ShareAlike 3.0 Unported

Die Fachwerkanteile in der Fassade der Kirche sind wunderhübsch mit Mustern aus schwarzem Silex und flachen Backsteinen dekoriert.

Chor oder eher Kapelle am Chor mit besonders aufwändigem Mauerwerk. Eigenes Foto auf Wikimedia Commons, Lizenz: CC by-SA/ Creative Commons Attribution-ShareAlike 3.0 Unported

Im Schatten der Kirche, hinter der Friedhofsmauer, stand ein ganz liebes Pferd. Es war wirklich ein heißer Tag.

Dieses Pferd ist schon braun genug. Eigenes Foto, Lizenz: CC by-SA/ Creative Commons Attribution-ShareAlike 3.0 Unported

Und im Hintergrund ein paar Charolais-Kühe, die wahrscheinlich gerade einen Sonnenstich bekommen. Eigenes Foto, Lizenz: CC by-SA/ Creative Commons Attribution-ShareAlike 3.0 Unported

Ich folgte dann einem der für Wanderer ausgeschilderten Wege nach Norden. Dem “Weg der Lavoirs” glaube ich. Dort sah ich eine Statue an der Straße. Das Foto habe ich gelöscht, denn die Statue wurde erst 1997 auf Geheiß des oben erwähnten Bürgermeisters erstellt und die darf ich, wegen oben erwähnter mangelnder Panoramafreiheit, nicht zeigen. Das soll die Heilige Colombe sein. Sie steht in einem kleinen eingezäunten Bereich am Rande eines Wäldchens. Wahrscheinlich gehört das zum Schlossgelände. Das war aber nirgendwo auch nur im geringsten beschildert. Ich ließ Rudi kurz im Auto zurück und folgte dem Trampelpfad hinter der Colombe-Grotte in eine andere Welt. Hier war es dunkel und hauptsächlich grün, sowie garantiert sehr pilz- und moderig. Das Wäldchen ist ein schmaler Streifen in dessen Mitte flache rechteckige Tümpel liegen. Immerhin die Form der Tümpel ist ordentlich. Vielleicht war das einmal eine Anlage zur Fischzucht. Ich nahm Rudi nicht mit, weil es wahrscheinlich ist, dass es dort irgendwo Fuchsfallen gibt.

Wald von Le Theil-Nolent. Der Weg ist allerdings schön gerade. Eigenes Foto, Lizenz: CC by-SA/ Creative Commons Attribution-ShareAlike 3.0 Unported

In diesen schlammigen Becken werden wahrscheinlich Touristen versenkt, die auf der Hauptstraße ein Bonbonpapier fallen gelassen haben. Eigenes Foto, Lizenz: CC by-SA/ Creative Commons Attribution-ShareAlike 3.0 Unported

Dann fand ich auf dem Weg ein zerrupftes, totes Irgendwas und mich gruselte. Ich flitzte zurück. Neben dem Grundstück mit dem Wäldchen ist eine Weide mit Charolais-Rindern. Sogar die Kälber sahen irgendwie ernsthafter aus, als ich das von Kälbern sonst gewohnt bin.

Ernsthafte, abgeklärte Charolais. Man beachte auch, wie ungewöhnlich gleichmäßig der Zaun im Hintergrund gebaut ist. Eigenes Foto, Lizenz: CC by-SA/ Creative Commons Attribution-ShareAlike 3.0 Unported

Wir waren jedenfalls froh, als wir da wieder weg und in unordentlicheren normannischen Gefilden waren.

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Saubere Sackgassen in Le Theil-Nolent von stanzebla steht unter einer Creative Commons Namensnennung – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Unported Lizenz.