Dann liegen sie unter den Sternen

Erste Strichspuren

Wenn hier Tiere sterben, lasse ich sie entweder von einem Tierverwertungsservice abholen, oder ich begrabe sie auf dem Grundstück. Das ist bis zu einem Gewicht von 40 Kilogramm erlaubt. Der nächste Tierfriedhof ist wohl in Évreux. Das wäre auch zu weit weg. Dann liegen sie unter den Sternen.

Mein erstes Strichspurfoto.

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Der Rest vom Schneefest

Den Rest vom Schneefest schreibe ich auf deutsch. Der Schlosskäufer neulich guckte mich komisch an und erklärte mir, man werde sich schon verstehen, ich sei doch wohl nicht “schwierig”. Ich gehe davon aus, dass irgendwer mich als “schwierig” beschrieben haben muss. “Schwierig” beschreibt eher die Wohnsituation im Winter, der dieses Jahr wieder ein bisschen übertrieben hat. Aber inzwischen sieht es wenigstens wieder gut aus.

Eine Kette hängt drohend im verschneiten Park. Da befestigen wir keineswegs unvorsichtige Besucher dran. Neinein, bevor ich hierherkam sollte daran ein Wachhund befestigt werden. Es gibt auch eine Hundehütte, die im Sommer eifrig von Schafen genutzt wird. Eigenes Foto auf Flickr, Lizenz: CC by-SA/ Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported

Phex mag Schnee auch nicht so besonders. Es ist kalt an den Füßen. Er will wieder draußen herumliegen und zwar nicht im Schnee. Eigenes Foto auf Flickr, Lizenz: CC by-SA/ Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported

Immerhin haben die Schlosskäufer aber meinen Verdacht bezüglich Phex bestätigt. Er fand eine der Frauen ganz toll. Sie war die einzige, die rauchte. Er stellte sich schwanzwedelnd neben sie und spielte Lassie, während er tief einatmete. Deshalb ist er sonst immer so gern zu Herrn C. gelaufen. Vor dessen Schlaganfall. Jetzt raucht Herr C. ja nicht mehr.

Auch wenn es hier nicht so aussieht. Bach MAG Schnee. Keine Ahnung warum er hier seinen zweiten Gesichtsausdruck (besorgt) draufhat. Eigentlich ist Schnee sonst Gesichtsausdruck 1 (begeistert) wert. Irgendetwas an diesem Bild war immer schief, der Turm, oder das Cottage. Eigenes Foto auf Flickr, Lizenz: CC by-SA/ Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported

Der Zaun wurde vor 20 Jahren aus Paletten gebaut und wird seitdem von den Wächtern jährlich notdürftig geflickt. Ich würde ja gerne “richtiges” Holz verwenden und keine alten Paletten auseinanderbauen müssen. Ich hab natürlich auch keine Paletten mehr. Die haben sich alle schon lange in Pappe verwandelt.

Wer hat hier wohl gelegen? Wer hat in meinem Schneebettchen geschlafen? Es gibt da ganz deutliche Indizien. Eigenes Foto auf Flickr, Lizenz: CC by-SA/ Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported

Das sind die Indizien. Ich find es macht sich sehr gut im Schnee. Eigenes Foto auf Flickr, Lizenz: CC by-SA/ Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported

Seltsame “Inschriften” in Vogelsprache. Was will er uns oder wahrscheinlich eher seinen Kumpels sagen? Okay nix. Aber es hätte ja sein können. Eigenes Foto auf Flickr, Lizenz: CC by-SA/ Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported

Sonne, Mond und Wolken

Eine geballte Dosis normannische Gegend:

sunset

Der Sonnenuntergang spiegelt sich in den Pfützen vor dem Grundstück. Schick, gell? Ich hab hier mit keinem externen Programm herumgefummelt. Das sah so aus wie es hier aussieht. Eigenes Foto auf Flickr, Lizenz: CC by-SA/ Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported

sunset

Panoramasonnenuntergang. So sieht das hier immer aus. Eigenes Foto auf Flickr, Lizenz: CC by-SA/ Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported

clouds over Normandy

Die Sonne wurschtelt sich segenartig durch die Wolken und beleuchtet drei Häuschen, die so in der Gegend herumstehen. Eigenes Foto auf Flickr, Lizenz: CC by-SA/ Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported

sunset

Das Schloss steht in einer Insel aus Bäumen. Eigenes Foto auf Flickr, Lizenz: CC by-SA/ Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported

evening clouds

Die Abendsonne färbt die Wolken über einem der Ställe. Eigenes Foto auf Flickr, Lizenz: CC by-SA/ Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported

trees in winter

Winterbaum auf der Weide der Nachbarin. Eigenes Foto auf Flickr, Lizenz: CC by-SA/ Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported

Norman landscape

Schäfchenwolken über der Schafweide. Das ist quasi der Übergang. Eigenes Foto auf Flickr, Lizenz: CC by-SA/ Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported

Denn jetzt kommen wir zu den Mondfotos. Ich weiß, die sind nicht so toll. Ich habe eine kleine billige Kamera und da bin ich dann auch nicht verblüfft, wenn Mondfotografie nicht so wahnsinnig toll wird. Ich fotografiere aber trotzdem unheimlich gern den Mond.

moon sunset

Der blöde Mond hat offensichtlich keine Ahnung von Bildkomposition und steht viel zu weit oben. Das orange Dings unten rechts ist der Sonnenuntergang. Eigenes Foto auf Flickr, Lizenz: CC by-SA/ Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported

tower night moon

Hier benimmt er sich schon besser. Das ist der Südturm. Eigenes Foto auf Flickr, Lizenz: CC by-SA/ Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported

the moon is a strange fruit of winter

Der Mond ist eine seltsame Winterfrucht. Eigenes Foto auf Flickr, Lizenz: CC by-SA/ Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported

moon mistletoe

Mond.. Misteln.. das schreit geradezu nach Druiden. Eigenes Foto auf Flickr, Lizenz: CC by-SA/ Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported

Schneeschuhe für Rudi

Es hat geschneit. Unverschämtes Wetter! Aber die Schafe nehmen es bisher halbwegs gelassen, immerhin füttere ich sie mit Heu, Rüben, Karotten, trockenen Schaffutter. Nur Brad drehte heute durch und griff die Hunde an. Das lag aber vielleicht an Rudis Pullover. Einen hellgrauen Hund Bodyguard haben wir doch nicht? Immerhin war das eine gute Gelegenheit für mich, ein bisschen zu joggen. Ich rannte – um die Hunde zu schützen – mit meinem Schäferstock hinter Brad her und drohte ihm. Der nimmt mir das nicht übel und mir wurde warm.

The sheep gather around the hayrack. Own photo, licence: CC by-SA/ Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported

Schafversammlung an der Raufe. Eigenes Foto, Lizenz: CC by-SA/ Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported

Bach hat heute ein unglaublich fettes Kaninchen erwischt und ließ es tatsächlich gehorsam fallen, als ich “aus” sagte. Das überraschte mich. Rudi muss ich die Kaninchen immer aus dem Maul ziehen. Bach ist doch ein braver Hund. Was tun mit der Leiche, der Boden ist gefroren, auf dem Schnee sieht man und vor allem Fuchs alles. Ich beerdigte das Kaninchen gleich hinter dem Zaun in einem provisorischen Grab aus Stöcken.

Unterdessen sammelte Rudi Schnee an seinen Pfoten. Er läuft dann wie ein Seemann. Irgendwann ist er doppelt so schwer wie ein schneeloser Hund und bekommt die Beine kaum noch hoch. dann ist es Zeit ins Haus zu gehen.

Rudi in the park. Own photo, licence: CC by-SA/ Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported

Rudi im Park. Eigenes Foto, Lizenz: CC by-SA/ Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported

Rudi und Bach im Schnee. Eigenes Foto, Lizenz: CC by-SA/ Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported

Rudi und Bach im Schnee. Eigenes Foto, Lizenz: CC by-SA/ Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported

He has already collected quite a lot of snow. Own photo, licence: CC by-SA/ Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported

So langsam werden die Füße schwer. Eigenes Foto, Lizenz: CC by-SA/ Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported

Am Südturm traf ich Miniputz, die sich sehr über das Wetter beklagte. “Der Boden ist nass und kalt, lass mich reiten”, miaute sie. Schließlich sprang sie auf meinen Rücken und kletterte auf meinen linken Arm, auf dem sie hockte wie ein Jagdfalke. Ich finde das jedesmal toll, aber sie wiegt immerhin 4 kg und wenn ich sie eine Weile herumgetragen habe, dann wird der Arm immer schwerer. Am Cottage setzte ich sie ab, das fand sie gar nicht gut.

My furry falcon. Own photo, licence: CC by-SA/ Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported

Mein pelziger Falke. Eigenes Foto, Lizenz: CC by-SA/ Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported

At the cottage my arm weighs a ton. Own photo, licence: CC by-SA/ Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported

Die Katze wird immer schwerer. Eigenes Foto, Lizenz: CC by-SA/ Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported

Her hypnotising gaze says: "Take me up again! How dare you put me down?" Own photo, licence: CC by-SA/ Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported

Hypnoseputz versucht mir zu suggerieren, sie wieder aufzuheben. Eigenes Foto, Lizenz: CC by-SA/ Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported

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Katzelaine

Miniputz ist nicht nur die Wiedergeburt einer Marquise (nein, ihr lieben Deutschen, dass meine ich nicht ernst, das ist ein kleiner Scherz in Anlehnung an Behauptungen diverser nicht-deutscher Antiquitätenhändler und sonstiger nicht-deutscher Schlossfans), sondern hat auch eine besondere Beziehung zum Nordturm. Sie will immer, dass ich ihn für sie öffne. Dann hält sie dort Hof.

Miniputz liebt die Treppe im Schloss. Eigenes Foto, Lizenz: CC by-SA/ Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported

Miniputz liebt die Treppe im Schloss. Eigenes Foto, Lizenz: CC by-SA/ Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported

Schlafmütz ist eher eine bürgerliche Katze und findet Miniputz’ Gebaren anrüchig. Aber solange ihr niemand ihren Blumentopf streitig macht, ist alles in Ordnung.

"Du bist komisch, aber was solls." Eigenes Foto, Lizenz: CC by-SA/ Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported

“Du bist komisch, aber was solls.” Eigenes Foto, Lizenz: CC by-SA/ Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported

Miniputz hat nichts gegen Besuch, solange es keine anderen Katzen sind. Hunde und Menschen sind willkommen.

Da kommt Herr Rudi zu Besuch. Eigenes Foto, Lizenz: CC by-SA/ Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported

Da kommt Herr Rudi zu Besuch. Eigenes Foto, Lizenz: CC by-SA/ Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported

Zusammen macht es auch viel mehr Spaß die Geschehnisse auf dem Grundstück zu kommentieren.

Da prügeln sich zwei Vögel auf dem nahen Acker. Eigenes Foto, Lizenz: CC by-SA/ Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported

Da prügeln sich zwei Vögel auf dem nahen Acker. Eigenes Foto, Lizenz: CC by-SA/ Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported

Und dann fliegen sie davon. Eigenes Foto, Lizenz: CC by-SA/ Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported

Und dann fliegen sie davon. Eigenes Foto, Lizenz: CC by-SA/ Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported

In Frankreich berühmt

Der verwundete Held. Eigenes Foto,  Lizenz: CC by-SA/ Creative Commons-Lizenz Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Unported

Der verwundete Held. Eigenes Foto, Lizenz: CC by-SA/ Creative Commons-Lizenz Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Unported

Am Samstag fuhr ich zum Tierarzt, weil Bach sich die Unterlippe zerschnitten hatte. Bach musste nicht genäht werden. Auf der Straße nach Giverville sah ich einen einzelnen Fußgänger. Es gibt hier sonst keine einzelnen Fußgänger. Es gibt Horden von Sonntagswanderern, oder Gruppen von Joggern, Leute mit Hund, Frauen mit Kindern aber keine einzelnen Fußgänger. Auf dem Rückweg vom Tierarzt ging der Mann in die andere Richtung. Jetzt übermannte mich Neugier und Helfersyndrom. Ich hielt an und fragte ihn, ob er Hilfe braucht und ich ihn irgendwohin fahren könne. Ich bin alt, sehe nicht gut aus, habe kein Geld und hatte zudem einen riesigen Hund im Auto. Ich brauche normalerweise keine Angst haben. Der Typ sagte: “Neinein, alles ist okay, ich mache Kilometer, um zu trainieren fürs Boxen.” Ich glaub, an diesem Punkt starte ich ihn komisch an. Boxen an sich ist auf dem platten Land eine ungewöhnliche Beschäftigung. Er sei wohl nicht von hier, war mein Kommentar dazu. Nein, er sei aus der Nähe von Honfleur. Dann fragte er Woher ich denn käme. Das fragen immer alle, weil ich einen grauenhaften Akzent habe. Ich gab zu Deutsche zu sein. Und wo ich denn jetzt wohne? Ich dachte mir absolut nichts Böses und sagte: “auf dem Schloss.” “Ach”, sagt er darauf, “ich bin der Besitzer von Schloss Saint-Maclou.” Wo das Schloss in dem ich wohne denn sei und ob ich nicht mal Tee mit ihm trinken wolle. Ich fand das eine ziemlich plötzliche Wendung, aber ich soll ja aus therapeutischen Gründen nicht gleich alles Interesse von Männern abwiegeln. “Ja klar, wir können mal Tee trinken.” Ich dachte in seinem Schloss, aber er meinte in meinem. Ich wies also darauf hin, dass ich im Gegensatz zu ihm kein Schlossbesitzer, sondern nur eine Bedienstete sei, die ziemlich viel arbeiten müsse. Scheiß auf therapeutisch! Das machte ihm aber gar nichts aus, er tippte meine Telefonnummer in sein Mobiltelefon und wir verabschiedeten uns. Kaum war ich 5 Minuten zu hause, schon rief er an. Ob er nicht jetzt sofort kommen könne. “Nein”, erwiderte ich wieder ganz untherapeutisch und nun schon etwas ungehalten. Ich müsse noch Holz hacken und es sei ohnehin fast dunkel. Er solle am nächsten Tag nochmal anrufen. Meine Fresse, ich bin wirklich unglaublich unromantisch und uncharmant. Ruf mich an!!! Jetzt muss ich darüber doch ein bisschen lachen.

Nachdem ich eine halbe Stunde lang auf kleine Bildchen gestarrt habe, bin ich sicher, dass dies das Schloss Saint-Maclou la Campagne ist. Eigenes Foto, Lizenz: CC by-SA/ Creative Commons-Lizenz Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Unported

Nachdem ich eine halbe Stunde lang auf kleine Bildchen gestarrt habe, bin ich sicher, dass dies das Schloss Saint-Maclou la Campagne ist. Eigenes Foto, Lizenz: CC by-SA/ Creative Commons-Lizenz Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Unported

Bis zum nächsten Tag hatte ich mir einen guten Grund zurechtgelegt, warum er nicht herkommen kann. Chefin würde es nicht erlauben. Das ist auch wirklich so. Ich überprüfte das Schloss am äußeren Eingangsportal und da hatte wirklich jemand versucht hereinzukommen. Aber das heißt nichts. Hier versucht andauernd jemand am äußeren Eingang hereinzukommen. Er rief nicht an und ich schwankte zwischen Erleichterung (hurra, ich werd nicht ausgeraubt) und Enttäuschung (total umsonst stundenlang das Haus geschrubbt).

Er rief am Montag sehr spät abends an. Ob es Donnerstag passen würde. “Nein, es passt überhaupt nicht, ist nicht erlaubt und viel zu gefährlich.” Er zeigte sich verständnisvoll und klang sehr enttäuscht, was mir ein bisschen leid tat, ich bin wirklich so eine blöde Kuh, es ist unvorstellbar. Ich fragte dann nämlich, ob er nicht jemanden im hiesigen Kaff kenne, der für ihn bürgen könne. “Ja doch”, antwortete er, “den Tournebroche-Mann kenne ich, bei dem war ich gerade, als wir uns trafen.” Da war ich sehr erleichtert. Herr C. ist ein guter Freund, war allerdings komisch, dass der Typ nicht einmal den Namen kannte.

Am Dienstag (gestern) ging ich zum Zahnarzt, alles soweit okay, gar nicht gebohrt, hurra. Das versetzte mich in Abenteuerstimmung. Ich fuhr nach Saint-Maclou und sah mir die Kirche und das Schloss an.

Man kann es übrigens mieten. Eigenes Foto, Lizenz: CC by-SA/ Creative Commons-Lizenz Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Unported

Man kann es übrigens mieten. Eigenes Foto, Lizenz: CC by-SA/ Creative Commons-Lizenz Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Unported

Wie ich schon in der Bildunterschrift sagte, hab ich die Fotos noch nicht gesichtet.

Danach fuhr ich zu Herrn C.. Der sagte mir: “Das war Christophe Rocancourt, hast du keinen Fernseher? Der ist doch in der ganzen Welt berühmt.” -“Noch nie gehört. Der ist berühmt? Was macht er denn?” -“Der ist ein weltberühmter Betrüger und hat amerikanischen Hollywoodstars Millionen von Dollars aus dem Kreuz geleiert. Neulich noch hat er die Filmemacherin Catherine Breillat in Frankreich um viel Geld betrogen.” Und ja, er ist wirklich berühmt. Die englischsprachige Wikipedia (und die französisch- und schwedischsprachige) hat einen Artikel über ihn. Aber in Deutschland kennt ihn keine Sau. Ist wahrscheinlich der berühmteste Mann, den ich je getroffen habe. Und verdrängt damit Martin Margiela, von dem ich bis dahin auch noch nie etwas gehört hatte, auf den zweiten Platz (obwohl er in mehr Sprachen einen Wikipediaartikel hat). Ich musste sehr lachen, als Herr C. mir alles erzählte. Als ich wieder zuhause war, erzählte ich es sofort allen deutschen Bekannten und keiner kannte Christophe Rocancourt. Er sollte es mal mit Deutschland versuchen.

Ich habe dann aber doch ziemlich schlecht geschlafen. Und bin zweimal mitten in der Nacht mit der Taschenlampe bewaffnet durch den sehr kalten Park gelatscht. Was an Herrn Cs Kommentar: “Der räumt nicht selbst dein Schloss aus, der schickt wen.” lag.

Raureif auf der beliebten Hundespielwiese heute Abend. Eigenes Foto, Lizenz: CC by-SA/ Creative Commons-Lizenz Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Unported

Raureif auf der beliebten Hundespielwiese heute Abend. Eigenes Foto, Lizenz: CC by-SA/ Creative Commons-Lizenz Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Unported

Daher rief ich heute Morgen sofort auf Schloss Saint-Maclou an und ich glaub er war da am Telefon, er behauptete der englische Besitzer zu sein, sein Englisch ist aber unter aller Würde. Lustig: “Ja, ich bin der Besitzer Robin Gage, ich bin gerade in England.” -“Ich habe aber eine französische Nummer angerufen.” Der Mann muss irgendwie nachgelassen haben. Ich weiß nicht, wieso er da wohnen darf, vielleicht hat er Geld rechtzeitig beiseite geschafft oder der echte Schlossbesitzer, ein Engländer, lebt gern gefährlich. “Nein”, behauptete der angebliche Schlossbesitzer, Christophe Rocancourt sei immer noch reich und habe sich geändert. “Das glaube ich nicht”, antwortete ich, “denn sonst hätte er mich nicht gleich nach dem Beruf und Vermögensstand meiner Chefs gefragt. Aber das ist auch egal, denn ich bin arm und die Chefs sind auch arm und im Schloss gibt es nichts was etwas wert wäre, alles ist kaputtes billiges Zeugs. Außerdem habe ich eine Schusswaffe und zwei große Hunde”, fügte ich noch hinzu. Hoff mer mal, dass ich nächste Nacht besser schlafe. Ich benehme mich wahrscheinlich albern und es wirkt auch nicht besser, wenn ich ständig kichern muss, aber wenigstens bin ich ich und nur ich. Das platte normannische Land ist total verrückt. Es ist voller echter und unechter Schlossbesitzer und es gibt hier überdurchschnittlich viele berühmte Personen, leider auch Berüchtigte und die muss ich nicht unbedingt kennen.

Weiterführende Informationen

Welcome to the Château de Saint-Maclou (englisch)

Christophe Rocancourt, la chute sans fin (französisch)

Breillat-Rocancourt, après le procès, le film… (französisch)

Escrocs Christophe Rocancourt (französisch)

Christophe Rocancourt (NO LONGER) WANTED in multiple jurisdictions (englisch)

Er denkt an die Zukunft

Gestern hatte ich ein Date mit einem ultrakonservativen und viel zu jungen (42) Großbauern aus der Basse-Normandie. Ich könnte jetzt in den hiesigen Chor miteinstimmen und sagen, die in der Basse-Normandie sind halt irgendwie anders. Es war wirklich furchtbar ich hab jetzt Migräne. Das mit den Männern lasse ich fortan einfach sein. Der einzige Vorteil eines grässlichen Dates ist, dass man froh ist, allein zu sein. Ich weiß auch nicht, was die “Kupplerin” sich dabei gedacht hatte.

Rudi begutachtet den Boden. Das kann so einfach nicht für immer weitergehen. Die Bauern sterben aus, bewohnt werden die Ortschaften von Städtern, die entweder pendeln oder in Rente sind. Eigenes Foto, Lizenz: CC by-SA/ Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported

Obwohl es hier so schön aussieht, wird hier in der Gegend, wie auch in der Basse-Normandie praktisch ausschließlich intensive Landwirtschaft betrieben. Jener Großbauer z.B. sagt er interessiere sich genau gar nicht für die Vergangenheit, sondern denkt an die Zukunft und meint damit den Erwerb eines Melkroboters. Er findet Tiere generell scheiße und befasst sich nicht gern mit seinen Kühen. Immer wenn er eine landwirtschaftliche Hilfe sucht, dann seien die geschockt, weil er keine Tiere mag und Landwirtschaft und Tiere, so meinen die Unwissenden, gehöre doch zusammen. Ich: Was er denn für eine Rinderrasse habe? Er: Milchkuh. Hiesige Bauern finden Tiere immerhin nicht alle scheiße.

Unverschämtheit, so über uns zu reden. Eigenes Foto, Lizenz: CC by-SA/ Creative Commons Attribution-ShareAlike 3.0 Unported

Jedenfalls sind in der ganzen Normandie im Laufe der Zeit alle kleineren Bauernhöfe zugrunde gegangen. Dafür kauften immer weniger Bauern das Land der verarmten Bauern auf. Die verarmten Bauern mussten sich nach anderer Arbeit umsehen, zum Beispiel in Fabriken. Inzwischen wurden die meisten Fabriken geschlossen. Irgendwas läuft hier ganz schief und da wären der Bauer und ich uns wahrscheinlich sogar einig. Frankreich war 2007 der drittgrößte Verbraucher von Pestiziden weltweit und der größte Verbraucher in der EU. Inzwischen ist daher die von Pestiziden verursachte Parkinson-Krankheit in Frankreich als Berufserkrankung anerkannt. Was jemand davon hat, viel Geld zu machen, es aber nicht ausgeben zu können (“alle zwei Jahre fahre ich mit der gleichen Reisegruppe für zwei Wochen in Urlaub”), da dafür keine Zeit bleibt, um dann womöglich auch noch Parkinson als “Lohn” zu erhalten, erschließt sich mir nicht.

Au verdammt, und in welches Glas kommt der Rosé? Warum nur warum? Foto von Wikimedia Commons-Nutzer Hopefulromntic, Lizenz: CC by-SA/ Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported

Ich hab mich natürlich auch daneben benommen und mein mangelndes Wissen über französische Restaurantkultur zur Schau gestellt. Außerdem bin ich halt nicht mehr gebärfähig und daher für Männer nur noch eingeschränkt nutzbar. Ja was, hab ich das jetzt zu unromantisch ausgedrückt? Ich wär auch lieber ins Museum oder ins Kino gegangen. Merkwürdigerweise hab ich gestern abgenommen, obwohl wir in einem Nobelrestaurant waren. So wenig hab ich lange nicht gewogen und er hat dafür bezahlt. Man muss auch immer das Positive sehen.