Das Département Eure von Malte-Brun (Évreux)

Victor Adolphe Malte-Brun (1816-1889) war ein französischer Geograf. Er schrieb unter anderem La France illustrée in dessen 1882 erschienem 5. Band das Département Eure abgehandelt wurde. Der Abschnitt über das Département Eure wurde 1959 gemeinfrei und als solches neu gedruckt. Das Buch erstand ich im Januar bei einem Antiquar, der schwitzte und zitterte, während er mir das Buch zeigte. Keine Ahnung wieso, ich bin zwar etwas walkürenhaft, wirke aber normalerweise harmlos.

Das ganze Buch zu übersetzen, ist mir zu heftig. Ich versuche bestimmte Abschnitte zusammenzufassen. Die Illustrationen sind wirklich super.

Évreux

Évreux liegt in einem Tal, durch das der Fluss Iton fließt. Das bedeutendste Gebäude ist die Kathedrale. Andere wichtige Gebäude sind der Uhrturm, der 1417 erbaut wurde und der Bischofssitz. Im 19. Jahrhundert wurden war die Textilindustrie der bedeutendste Erwerbszweig in Évreux. Die Landwirtschaft war natürlich auch wichtig. Gehandelt wurde hauptsächlich mit Stoffen, Kleidung, Getreide, Schnaps (Eau de vie), Cidre und Leinöl.

Früher konnte man 4 Kilometer östlich von Évreux die Burg château de Navarre sehen, die 1330 erbaut und 1686 umgebaut wurde. Die Burg wurde 1836 zerstört.

Évreux, Le Département de L'Eure (1882) Seite 7

Geschichte von Évreux

Die Préfecture (Haupstadt) des Départements ist Évreux. Évreux war auch schon in keltischer Zeit Hauptort eines keltischen Stammes, der Aulerques Eburovices, die zu den Aulerques (lateinisch Aulerci) gehörten. Eburovices ist von Ebvre abgeleitet, dem keltischen Wort für Wald. Demnach waren die Aulerques Eburovices die Aulerques, die im Wald hausten. In gallo-römischer Zeit (-52 bis 468) wurde die Ortschaft Mediolanum Aulercorum genannt. Bei der Invasion der Barbaren (deutsch Völkerwanderung) im 5. Jahrhundert wurde Mediolanum verwüstet. Dadurch verlor es merkwürdigerweise seinen Namen und wurde später nur nach dem Stamm der Eburovices benannt: Ebroicæ. Daraus wurde Evreus und schließlich Évreux. Die Ortschaft Le Vieil-Évreux (Alt-Évreux) wurde ursprünglich für Mediolanum Aulercorum gehalten. Man dachte, dass die Bewohner die Stadt nach der Zerstörung verlassen hatten und sich 6 Kilometer weiter nordwestlich angesiedelt hätten. Auguste Le Prévost entdeckte aber, dass Le Vieil-Évreux eine andere Stadt war und Gisacum hieß.

Während der Überfälle durch die Vandalen wurde Évreux durch den heiligen Taurin (†410) christianisiert. Er war auch der erste Bischof von Évreux. Auch sein Nachfolger Gaud (Waldus, Waldo, Gault, Gaudus, †491) wurde heiliggesprochen.

Nachdem Rollo (französisch Rollon; 860-931/933) Herzog der Normandie und Christ geworden war, ließ er die Kirche von Évreux wiedererbauen.

Die Kathedrale von Évreux, Le Département de L'Eure (1882) Seite 43

Rollos Enkel Richard (935-996) ließ die Burg von Évreux erbauen. Unter seiner Herrschaft wurde Évreux zur Hauptstadt einer Grafschaft. Richards Vater wurde ermordet und Richard war daher noch sehr jung, als er Herzog wurde. Daher lag er beständig im Streit mit Hugues le Grand (deutsch Hugo der Große; 898-956), dem Vizekönig von Frankreich (französisch duc des Francs).

Richards Sohn Robert (989-1037) wurde Erzbischof und Graf von Évreux. Er heiratete Herlève. Heiraten war damals für katholische Bischöfe noch erlaubt. Er ließ die Kathedrale von Évreux vergrößern. Roberts Sohn Rchard (wie immer waren sie nicht sehr kreativ was die Namensgebung angeht) († 1067) folgte seinem Vater als Graf von Évreux und gründete das Frauenkloster Saint-Sauveur. Dann war Évreux ein ruhiger verschlafener Ort bis zum Hundertjährigen Krieg (1337-1453). Im Hundertjährigen Krieg wurde Évreux andauernd belagert und eingenommen, mal von den Engländern, mal von den Franzosen. 1466 gehörte Évreux der Ligue du Bien public, einer feudalen Revolte gegen die Macht des Königs. Die Bevölkerung hatte rebellische bretonen hereingelassen. Kurz darauf wurde Évreux von der Armee des Königs zurückerobert. Vom Ende des 15. bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts wuchs und gedieh die Stadt. 1540 richtete der Papst Paul III. (1468-1549) das Büro der Inquisition für die Normandie in Évreux ein, denn die Stadt war katholisch geblieben. Auch in den Hugenottenkriegen (französisch Guerres de religion; 1562-1598) blieb Évreux katholisch. 1587 schloss sich die Stadt der Katholischen Liga an. Daraufhin belagerte Henri IV. (deutsch Heinrich IV.) 1591 die Grafschaft und die Stadt. Der Graf ergab sich, nachdem er günstige Bedingungen ausgehandelt hatte.

Uhrturm in Évreux, Le Département de L'Eure (1882) Seite 57

1649 stellte sich Évreux auf die Seite der Fronde (1648-1653). Dabei handelte es sich um revoltierende Adelige, die versuchten während der Jugend Louis XIV. (deutsch Ludwig XIV.; 1638-1715) Einfluss auf die Regierung Frankreichs zu nehmen.

Die Französische Revolution (1789-1799) wurde mit Enthousiasmus in Évreux umgesetzt. Die Stadt beherbergte ein 20köpfiges Comité de surveillance révolutionnaire (deutsch ‚Komitee der revolutionären Überwachung‘), das dem „Wohlfahrtsausschuss“ (französisch Comité de salut public) unterstellt war. Der Wohlfahrtsausschuss überwachte die Bevölkerung und bestrafte Personen, die sich nicht an die revolutionäre Ordnung hielten. Er war für den sogenannten „Großen Terror“ (Juni 1793 bis Ende Juli 1794) verantwortlich. Man kann ihn mit der Stasi in der DDR vergleichen. Allerdings war einer der Abgeordneten von Évreux, François Buzot (1760-1794), ein Girondist. Schon 1792 wurde die Lage der Girondisten schwierig. Die führenden Girondisten Frankreichs wurden im Oktober 1793 guillotiniert. François Buzot floh im Juni 1793 nach Évreux und dann in das Département Calvados und wurde im Juli 1793 zum Tode verurteilt. Daraufhin floh er mit zwei anderen Girondisten in den Süden Frankreichs in das Département Gironde. In einem Weizenfeld bei Saint-Magne-de-Castillon töteten er und einer seiner Freunde sich selbst. Ihre Körper wurden erst Tage später gefunden. Wölfe hatten sie halb aufgefressen.

1871 wurde Évreux im Zuge des Deutsch-Französischen Kriegs (1870-1871) von den Preußen besetzt. Neue Ereignisse kann man im französischen Wikipediaartikel nachlesen. Allerdings hat der nach der Französischen Revolution auch nicht mehr viel zu bieten.

Weiterführende Informationen

Offizielle Gemeindeseite von Évreux (französisch)

Évreux in der Base Mérimée des Ministère de la culture (französisch)

Der zweite Teil des Buches behandelt Verneuil-sur-Avre. Man findet ihn dort: Das Département Eure von Malte-Brun 2 (Verneuil)

3 thoughts on “Das Département Eure von Malte-Brun (Évreux)

  1. […] erstmals auf. Der Iton und die Avre fließen durch die Ortschaft, die 38 Kilometer südwestlich von Évreux […]

  2. […] Die Illustrationen sind wirklich super. Dies ist der dritte Teil, der erste Teil behandelt Évreux, der zweite Teil […]

  3. […] Die Illustrationen sind wirklich super. Dies ist der vierte Teil, der erste Teil behandelt Évreux, der zweite Teil Verneuil und der dritte Teil […]

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